Selfkant (Landschaft)

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Der westlichste Punkt Deutschlands gehört zur Landschaft Selkant

Der Selfkant (niederländisch Zelfkant) ist eine im äußersten Westen Deutschlands gelegene Landschaft. Sie gehört vollständig zum nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg und ist Teil der Großlandschaft Niederrheinisches Tiefland.

Lage und Ausdehnung, Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 1′ 56″ N, 5° 57′ 39″ O In der Geografie wird mit dem Selfkant eine Haupteinheit (570) bezeichnet, die in etwa deckungsgleich mit demjenigen Teil des Kreises Heinsberg ist, der von der Landesgrenze zu den Niederlanden und den jeweils rechten Talseiten der Flüsse Wurm und Rur umschlossen ist.[1][2][3] Nordwestlich von Selfkant-Isenbruch befindet sich der westlichste Punkt des Selfkants, der zugleich der westlichste Punkt Deutschlands und mit 6,5 km Luftlinie die maasnächste Stelle der Landschaft ist. Die Landschaft Selfkant ist somit flächenmäßig größtenteils deckungsgleich mit dem einen Rechtsvorgänger des heutigen Kreises Heinsbergs, der ab dem 8. Januar 1951 den Namen Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg trug. Allerdings ist zu beachten, dass sich die Landschaft Selfkant über die Landesgrenze hinaus auf Teile der angrenzenden niederländischen Provinz Limburg erstreckt.

Davon zum Teil abweichend (enger) ist das außergeografische Verständnis, welche Ortslagen zur Landschaft „Selfkant“ gehören. Auf jeden Fall aber wird das Gebiet der heutigen politischen Gemeinde Selfkant als zur Landschaft zugehörig angesehen.

Der Name Selfkant ist nicht aus der Zipfellage im Westen Deutschlands zu erklären, sondern aus der alten Begrifflichkeit „Safelkant“, die das Gebiet um den heutigen Saeffeler Bach bezeichnete.

Landschaftsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische waldlose und baumarme, nur schwach profilierte Ackerflur der Geilenkirchener Lehmplatte, hier zwischen Selsten und Schierwaldenrath

Der Selfkant ist eine von der letzten Kaltzeit und dem Holozän geprägte Landschaft und topografisch als Teil der Niederrhein-Maasebene anzusehen. Sie war in der letzten Eiszeit eisfrei. Der größere Teil des Selfkantes wird von fruchtbaren Lehmen bedeckt.

Die zumeist flachwellige Landschaft entwässert im Einzugsgebiet von Saeffel- und Rodebach in westlicher Richtung in die nahe gelegene Maas; im übrigen über Wurm und Rur in nördlicher Richtung ebenfalls in die Maas.

Zentrales Unterelement der Landschaft Selfkant ist die sanft nach Norden geneigte, auf einer Höhe von 110 bis 55 gelegene Hauptterrassenebene der Geilenkirchener Lehmplatte. Sie zeichnet sich in ackerbaulicher Hinsicht durch eine rund zwei Meter starke Decklehmschicht über den Terrassenschottern aus, die einen mäßig verarmten Braunerdeboden mittleren Nährstoffgehaltes bildet und damit trotz Verdichtungs- und Versauerungsgefahr einen durchaus guten mittelschweren Ackerboden darstellt. Folgegemäß ist die Geilenkirchener Lehmplatte, ursprünglich mit einem bodensauren Eichen-Hainbuchwald bestanden, mit Ausnahme eines Staunässe zeigenden Teiles südöstlich von Waldenrath (Hahnbusch), waldfrei. Die Geilenkirchener Lehmplatte ist arm an Fließgewässern. Diese treten nur dort auf, wo in Folge Zertalung der ursprüngliche Grundwasserstand in zehn bis zwölf Metern Tiefe erreicht wurde. Typische Besiedelungsform der Geilenkirchener Lehmplatte sind die ihren Tälern mit grünlandbegünstigenden Aueböden folgenden langgezogenen Straßendörfer.

Abfall von der Hauptterrassenfläche der Geilenkirchener Lehmplatte in die Wurmniederung bei Geilenkirchen-Nirm. An den Bäumen gut abzuschätzen ist der Höhenunterschied von rund 15 bis 20 m zwischen Hauptterrasse und Wurmtal.
Von der ursprünglichen Auen- und Bruchlandschaft der Heinsberger Ruraue finden sich nur noch geringe Reste, hier bei Waldfeucht-Haaren.

Um die Geilenkirchener Lehmplatte herum gruppieren sich als Abgrenzung zu den umliegenden landschaftlichen Haupteinheiten entgegen dem Uhrzeigersinn im Wesentlichen:

a) Östlich die nur 500 bis 1000 m breite und rund 15 bis 20 m tiefer als die Lehmplatte liegende Wurmniederung.
b) In nördlicher Richtung die ebenfalls 15 bis 20 m tiefer liegende, aber im Vergleich zur Wurmniederung wesentlich breitere (vier bis zehn km) Untere Rurebene.
c) In westlicher Richtung in Nähe der Landesgrenze eine etwa 12 m hohe Geländestufe, die den Übergang zur Haverter Mittelterrassenfläche bildet.
d) In südlicher Richtung die Rodebachniederung und anschließend Teverener-Gangelter Bruch und Heide.

Die Heinsberger Ruraue ist, mit Ausnahme einiger größerer flacher und rund zwei Meter höher liegenden Schwemminseln geprägt durch hohen Grundwasserstand und stark tonige, kalkarme Lehme oder reine Tone von ein bis eineinhalb Metern Mächtigkeit über jungem Rurschotter. Trotz der (vor neuzeitlicher Melioration) sumpfigen und vernäßten Böden haben sich jedoch keine nennenswerten Flachmoore ausbilden können.

Das Gangelter Bruch war vor Melioration ein typischer atlantisch ausgeprägter Moor- und Bruchwald. Südlich des Rodebaches finden sich umfangreiche Flugsandauflagerungen mit recht armen Podsolböden und vereinzelten (früheren) Binnendünen. Der Flugsand der Teverener Heide stammt aus dem nahegelegenen Maastal. Er war ursprünglich Standort eines Eichen-Birkenwaldes, dann aufgrund menschlicher Nutzung degradiert zu einer atlantischen Zwergstrauchheide, die um die Mitte des 20. Jahrhunderts weitgehend einer Aufforstung mit Kiefern und dem Bau des militärischen Flughafens Teveren weichen musste.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Klima des Selfkants zeichnet sich durch eine klimatische Gunstlage aus, welche auf Grund der sehr westlichen Lage und der damit verbundenen atlantischen Ausprägung etwas schwächer ist als in der nahen Niederrheinischen Bucht. Phänologisch setzt insbesondere der Frühling etwas später als in der Niederrheinischen Bucht ein. Die Winter sind recht schneearm mit 12 bis 15 Schneedeckentagen und Schneehöhen im Mittel um 8 cm. Über das Jahr fallen um 650 bis 700 mm Niederschlag.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitsgemeinschaft der Heimatpfleger des Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg (Hrsg), : Unsere Heimat, der Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg.Buchdruckerei Fred Gatzen, Geilenkirchen 1956, S. 11 ff. (Kapitel: Von der Landschaft, Autor: Wilhelm Piepers)
  • Wilhelm Piepers: Archäologie im Kreis Heinsberg. Kreis Heinsberg, Heinsberg 1989, ISBN 3-925620-05-2, S. 13 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Emil Meynen, Josef Schmithüsen et al: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960); 6. Lieferung 1959, Seiten 856 ff.
  2. Karlheinz Paffen, Adolf Schüttler, Heinrich Müller-Miny: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 108/109 Düsseldorf/Erkelenz. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte (PDF; 7,1 MB)
  3. Ewald Glässer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123 Köln/Aachen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1978. → Online-Karte (PDF; 8,6 MB)