Rur

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Rur
Verlauf der Rur und ihre Nebenflüsse

Verlauf der Rur und ihre Nebenflüsse

Daten
Gewässerkennzahl DE: 282
Lage Belgien, Deutschland, Niederlande
Flusssystem Rhein
Abfluss über Maas → Hollands Diep → Nordsee
Flussgebietseinheit Maas
Quelle Naturpark Hohes Venn an der Botrange bei Sourbrodt in Belgien
50° 29′ 56″ N, 6° 6′ 35″ O50.4987777777786.1098055555556660
Quellhöhe ca. 660 m O.P.[1]
Mündung Bei Roermond in die Maas51.1966388888895.981583333333317Koordinaten: 51° 11′ 48″ N, 5° 58′ 54″ O
51° 11′ 48″ N, 5° 58′ 54″ O51.1966388888895.981583333333317
Mündungshöhe ca. 17 m NAP[1]
Höhenunterschied ca. 643 m
Länge 164,5 km[2]
Einzugsgebiet 2360,88 km²[2]
Abfluss am Pegel Stah[3]
AEo: 2135,5 km²
NNQ (15. Juli 1996)
MNQ 1961–2007
MQ 1961–2007
Mq 1961–2007
MHQ 1961–2007
HHQ (27. Mai 1983)
8 m³/s
11,9 m³/s
22,2 m³/s
10,4 l/s km²
86,6 m³/s
129 m³/s
Abfluss am Pegel Drie Bogen[4] (mündungsnah)
AEo: 2320 km²
MQ
Mq
26,1 m³/s
11,3 l/s km²
Linke Nebenflüsse Inde, Wurm, Merzbach
Rechte Nebenflüsse Perlenbach, Urft,
Durchflossene Stauseen Obersee (Rur), Rurstausee, Stauanlage Heimbach, Stausee Obermaubach
Mittelstädte Düren, Heinsberg, Roermond
Häfen Passantenhafen Roermond
Schiffbar Nein, mit Ausnahme der Mündung mit Passantenhafen Roermond. Mit Kajak und Kanadier befahrbar, in früheren Jahrhunderten durch Treideln
Wildwasser der Rur in der Ortslage von Monschau

Wildwasser der Rur in der Ortslage von Monschau

Die Rur (französisch und niederländisch Roer) ist ein rechter Nebenfluss der Maas. Sie fließt durch Belgien, Deutschland und die Niederlande.

Der Name Eifel-Rur, der manchmal verwendet wird, um den Fluss von der Ruhr mit „h“ abzugrenzen, bezieht sich auf diese geographische Lage. In älteren Karten führt die Rur auch den Namen Ruhr, also mit „h“. Zur Unterscheidung wurde etwa um 1900 das „h“ aus dem Namen gestrichen. Reste der alten Schreibweise finden sich noch in Ortsnamen wie Erkensruhr und Einruhr. Niederländisch und Französisch wird der Fluss Roer geschrieben (aber wie im Deutschen ausgesprochen), in Belgien (Wallonien) auch Rour oder Roule.

Etwa 80 Prozent der Flusslänge befinden sich auf deutschem Territorium.

Verlauf[Bearbeiten]

Die Rur entspringt im Naturpark Hohes Venn an der Botrange bei Sourbrodt in Belgien auf 660 m ü. NHN. Nach etwa 15 km Flusslauf erreicht sie südlich von Monschau bei Kalterherberg die deutsche Grenze und durchquert den Nationalpark Eifel. Am Flusskilometer 39 erreicht das Wasser der Rur den Rurstausee, den volumenmäßig zweitgrößten Stausee Deutschlands.

In ihrem Mittellauf durchfließt die Rur die Städteregion Aachen sowie die Kreise Düren und Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Der Flusslauf wurde meist begradigt; im Bereich der Ortschaft Barmen fließt er noch in dem natürlichen Mäanderverlauf. Mitunter zweigen ab hier Mühlenteich genannte Mühlengräben ab, die einst Mühlen oder Gerbereien Wasser zuführten. Zwischen Linnich und Körrenzig wurde der Flusslauf renaturiert.

Bei Vlodrop (NL) überschreitet die Rur die Grenze zu den Niederlanden. Nach weiteren 21,5 km und einer Gesamtlänge von rund 170 km mündet die Rur bei Roermond in 2 Mündungsarmen in die Maas. Der innerstädtische Mündungsarm kann bei Hochwasser auf der Maas mit zwei Hochwasserschleusen in der Rur von der Maas abgetrennt werden, sodass das gesamte Rurwasser über den zweiten Mündungsarm, die Hambeek, abfließen muss. Der innerstädtische Rurarm wird als Besucherhafen für die Sportschifffahrt verwendet.

Von der Quelle bis zur Mündung überwindet die Rur einen Höhenunterschied von 630 Metern. Zum Abfluss der Maas bei Roermond trägt die Rur mit durchschnittlich etwa 26 m³/s rund 10 % bei.

Die wichtigsten Nebenflüsse der Rur sind die Urft, die Inde und die Wurm.

Wasserrechtlich zuständig für die Rur ist auf deutscher Seite der Wasserverband Eifel-Rur (WVER). Von der EU werden Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekte des WVER an Inde- und Rurauen unter dem Projektnamen RIPARIA[5] gefördert. So wurden in den Bereichen Körrenzig, Millich und Ratheim je ein Altarm integriert und wieder naturnahe Rückhalteräume hergestellt.

Auf niederländischem Staatsgebiet ist die Waterschap Roer en Overmaas zuständig.

Geschichte[Bearbeiten]

Unterlauf der Rur um 1573

Département de la Roer[Bearbeiten]

Von 1798 bis 1814 bestand unter französischer Besatzung das Département de la Roer (= Rur-Departement). Dessen Hauptstadt war Aachen. Die Arrondissements waren Aix-la-Chapelle, Clèves, Crévelt und Cologne (heute Aachen, Kleve, Krefeld und Köln). Die Kantone im Bereich der Rur waren Heinsberg, Linnich, Jülich, Düren, Froitzheim (heute Vettweiß), Gemünd und Montjoie (Monschau).

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg bildete die Rur Ende 1944/Anfang 1945 die Frontlinie, von deutscher wie von alliierter Seite wurde sie als „Rurfront“ bezeichnet. Im November 1944 kam es zu einer Panzerschlacht bei Linnich, an die ein Gedenkstein am Hubertuskreuz erinnert.

Gedenkkreuz am Lager Bosfagne
US-Infanterie setzt bei Hückelhoven über die Rur, Februar 1945

Als Abwehrmaßnahme gegen die vorrückenden Alliierten wurden am 10. Februar der Kermeterdruckstollen der Urfttalsperre und die Verschlüsse der Grundablassstollen der Staumauer Schwammenauel (Rursee) gesprengt. Am 22. Februar 1945 begann die Operation Grenade. Am 23. Februar 1945 konnte die 102. US-Infanterie-Division zwischen Linnich und Rurdorf über die Rur übersetzen (Operation Grenade). Schon Anfang Dezember 1944 (das amerikanische Kriegstagebuch nennt den 1. Dezember) hatte sie Linnich nach hartem Kampf eingenommen. [6] Hartes Winterwetter und schlechte Sicht hinderten die Westalliierten wochenlang daran, ihre Luftüberlegenheit zu nutzen. Ein zweiter Übergang erfolgte am 25. Februar bei Hilfarth, gefolgt von der Einnahme Hückelhovens durch das 134. US-Infanterie-Regiment. Von da aus marschierten die Amerikaner dann weiter in nördliche Richtung (etwa Mönchengladbach), um sich mit alliierten Einheiten weiter nördlich (bei Venlo ?) zu vereinigen.[7]

Im März 1943 wurde nahe der Bosfagne-Brücke über die Rur bei Sourbrodt ein kleines Lager für sowjetische Kriegsgefangene errichtet. Es war eine Außenstelle des Lagers Elsenborn, in dem sich bereits seit 1941 sowjetische Gefangene befanden. Die Gefangenen setzte man für Waldarbeiten und die Heuernte ein. Als die alliierten Truppen Ende September 1944 heranrückten, verlegte man die Gefangenen ins Lager Elsenborn und von dort weiter nach Deutschland.

Das erste 1963 durch die Amis de la Fagne errichtete Kreuz zur Erinnerung steht heute an der Stirnseite der kleinen Gedenkstätte. 1992 wurde es am ehemaligen Lagerplatz durch ein russisch-orthodoxes Kreuz ersetzt.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Kirchen, Burgen und Schlösser[Bearbeiten]

Nebenflüsse und -bäche[Bearbeiten]

Die folgend genannten Nebengewässer sind nach der Reihenfolge ihrer Einmündung in die Rur aufgeführt:

Auf alten Karten (z.B. der Karte des Landkreises Erkelenz 1820) ist zu sehen, dass der Floßbach, der von Gerderath kommend in südwestlicher Richtung auf die Rur zulief, hinter Ratheim seinen Lauf nach Nordwesten änderte und über etwa 8 km parallel zur Rur verlief. Er mündete nahe der niederländischen Grenze zwischen Ophoven und Effeld in den Fluss. Sein alter Name Bohlbach mag zur (irreführenden) heutigen Bezeichnung Baalerbach geführt haben. Mit der landschaftlichen Umgestaltung („Flurbereinigung“) vom Ende der 1950er bis zur Mitte der 1960er Jahre und der darauf folgenden Flussbegradigung wurde auch der Verlauf der Bäche verändert:
  • der Floßbach, jetzt auch Ratheimer Mühlenbach genannt, mündet bei Ratheim in der Nähe des Adolfosees in die Rur und dient als Vorfluter für die Ratheimer Kläranlage
  • sein ehemaliger Nebenbach, der Pützbach, „kreuzt“ den heutigen Floßbach, verläuft dann in dessen ehemaligem Bett und mündet bei Ratheim-Garsbeck in die Rur
  • sein ehemaliger Nebenbach, der heutige „Baalerbach“ (II), der oberhalb Orsbeck „Myhlerbach“ genannt wird, mündet bei Gut Wylack / Wassenberg in die Rur
  • Wurm bei Kempen (von links)
  • Junge Wurm (Lieker Bach) bei Karken, ein Mühlenteich, Rest des ehemalige Mühlenbaches, der von Randerath aus von der Wurm abgezweigt wurde.
  • Schaagbach bei Vlodrop / Niederlande (oberhalb Effeld „Birgeler Bach“ genannt)
  • Rothenbach bei Vlodrop / Niederlande
  • Boschbeek bei Herkenbosch / Niederlande

Die so genannten Mühlenteiche sind keine Teiche im eigentlichen Sinne (d. h. stehende Gewässer), sondern Fließgewässer, die von der Rur gespeist werden. Sie sind nicht natürlich entstanden; vielmehr sind sie im 15. bis 18. Jahrhundert künstlich angelegt worden, um im Rurtal – auch abseits des Flusses und seiner Nebenbäche – eine Vielzahl von Wassermühlen antreiben zu können. Die Junge Wurm ist bereits seit dem 8. Jahrhundert nach Christus belegt.

Talsperren und Stauwehre[Bearbeiten]

Talsperren der Eifel, die in die Rur entwässern

Talsperren[Bearbeiten]

Die Talsperren, die dem Hochwasserschutz und der Wasseranreicherung und mit in ihren Stauseen gesammeltem Wasser zur Trinkwasserversorgung und Stromgewinnung dienen, an der Rur und deren Zuflüssen sind:

Stauwehre[Bearbeiten]

Zu den Stauwehren an der Rur gehören (flussabwärts betrachtet):

Brücken[Bearbeiten]

Ein herausragendes Brückenbauwerk über die Rur ist die Eisenbahnbrücke in Düren, die Dreigurtbrücke.

Tourismus[Bearbeiten]

Rurufer-Radweg

Die Rur ist für Kanu-Touren geeignet. Bei Monschau findet man im Frühjahr Wildwasser, und zwischen Düren und Linnich (für diesen Abschnitt gelten Beschränkungen) sowie Linnich und der niederländischen Grenze kann man das ganze Jahr Kanuwandern.

Neben dem Fluss verläuft zwischen Heimbach am Rursee und der niederländischen Grenze der Rurufer-Radweg. Da die Rurtalbahn auf den Bahnstrecken Jülich – Düren und Düren – Heimbach auch Fahrräder transportiert, ist vor allem die Strecke von Heimbach nach Linnich interessant, da man nicht zurück radeln muss.

Nicht-Radfahrer können das Rurtal zwischen Linnich, Düren und Heimbach mit der Rurtalbahn erleben.

In Jülich speist die Rur die Gräben des restaurierten, napoleonischen Brückenkopfes, der gleichzeitig Teil des Erholungsgebietes Brückenkopf-Park ist.

In Heimbach befindet sich das Wasser-Info-Zentrum.

Rurlauf bei Hückelhoven

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Rur entspringt im Rhabarbergarten, Schmühl/Salber, Aachen 1985, herausgegeben von der Aachener Volkszeitung

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rur – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Topografische Karte 1:25.000
  2. a b Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  3. Pegeldaten des LaNUV NRW
  4. GRDC-Pegeldaten der EWA-Stationen (European Water Archive)
  5. Wasserverband Eifel-Rur: Das RIPARIA-Projekt, 2. September 2006
  6. gefallen. Seite 573
  7. aus dem Regiments-Tagebuch des 134. US Infantry Regiment