Selma Stern

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Selma Stern (* 24. Juli 1890 in Kippenheim; † 17. August 1981 in Riehen) war eine deutsche Historikerin und Judaistin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selma Stern wuchs in einer bildungsbürgerlichen jüdischen Arztfamilie in Baden auf. Ihre Eltern waren Julius Stern (1861–1908) und Emilie Durlacher (1869–1931). Als erstes Mädchen besuchte sie das Großherzogliche Badische Gymnasium in Baden-Baden. Im Jahr 1909 bestand sie das Abitur mit der Note Sehr Gut. Stern studierte Geschichte an der Universität Heidelberg und der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo sie 1913 promoviert wurde. Damit war sie eine der ersten deutschen Historikerinnen.

Sie suchte eine Tätigkeit, bei der sie Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Leben miteinander verbinden konnte. 1920 fand sie eine Anstellung an der Berliner Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Dort legte sie den Grundstein für eine deutsch-jüdische Geschichtsschreibung; die ersten zwei Bände des Werks Der preußische Staat und die Juden konnte sie noch in Deutschland fertigstellen (1925 und 1938). 1927 heiratete sie den Leiter der Akademie, Eugen Täubler; die Ehe blieb kinderlos.

Nach ihrer Entlassung durch die Nationalsozialisten zog sie 1933 mit ihrem Mann nach England. Das Paar kehrte jedoch bereits 1935 wieder nach Berlin zurück. 1941 flohen sie in die USA, unterstützt durch Erhard Oewerdieck. Dort lebten sie zuerst in New York, dann in Cincinnati; Stern-Täubler war dort von 1947 bis 1957 als Direktorin der American Jewish Archives tätig. 1951 war sie Gründungsmitglied des Leo Baeck Institutes in New York. 1960 übersiedelte sie in die Schweiz nach Basel zu ihrer Schwester Margarete Horowitz und blieb dort bis zu ihrem Tod 1981. In Basel verfasste sie auch die ausstehenden Bände ihres in Berlin begonnenen Hauptwerks Der Preußische Staat und die Juden.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Hofjude im Zeitalter des Absolutismus. Ein Beitrag zur europäischen Geschichte im 17. und 18. Jahrhundert (The Court Jew, Philadelphia 1950). Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts, Band 64. Mohr Siebeck, Tübingen 2001, ISBN 3-16-147662-X.
  • Der preußische Staat und die Juden. Mohr, Tübingen 1962–1975 (4 Teile; 1. Auflage Band 1/2 [= Teil 1] Berlin 1925/1938).
  • Josel von Rosheim. Befehlshaber der Judenschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1959.
  • Anacharsis Cloots, der Redner des Menschengeschlechts. Ein Beitrag zur Geschichte der Deutschen in der Französischen Revolution. Kraus Reprint, Vaduz 1965 (Ebering, Berlin 1914, zugleich Dissertation Universität München 1914).
  • Karl Wilhelm Ferdinand. Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. August Lax, Hildesheim 1921.
  • Jud Süß. Ein Beitrag zur deutschen und jüdischen Geschichte. Gotthold Müller, München 1973 (unveränderte Neuausgabe, Berlin 1929).
  • Ihr seid meine Zeugen. Ein Novellenkranz aus der Zeit des Schwarzen Todes 1348/19. Gotthold Müller Verlag, München 1972.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze
  • Alexandra Przyrembel, Jörg Schönert (Hrsg.): Jud Süß. Hofjude, literarische Figur, antisemitisches Zerrbild. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-593-37987-6. Darin:
    • Irene Aue: «Jud Süß» und die Geschichtswissenschaft. Das Beispiel Selma Stern, S. 57–74.
    • Itta Shedletzky: Tragik verfrühter Emanzipation. Topographie jüdischer Mentalität; die Deutung des «Jud Süß» bei Selma Stern und Lion Feuchtwanger, S. 139–150.
    • Mona Körte: «Jud Süß» und die Geschichtswissenschaft. Das Beispiel Selma Stern, S. 175–188.
  • Uri R. Kaufmann: Stern-Täubler, Selma. In: Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (Hrsg.): Baden-Württembergische Biographien, Band 2. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 978-3-17-014117-9, S. 444ff. (Digitalisat)
  • Christhard Hoffmann: Zerstörte Geschichte. Zum Werk der jüdischen Historikerin Selma Stern. In: Claus-Dieter Krohn (Hrsg.): Frauen und Exil. Zwischen Anpassung und Selbstbehauptung. Exilforschung, Band 11. Edition Text + Kritik, München 1993, S. 203–215, ISBN 3-88377-446-4.
  • Michael Schmidt: Selma Stern (1890–1981). Exzentrische Bahnen. In: Barbara Hahn (Hrsg.): Frauen in den Kulturwissenschaften. Von Lou Andreas-Salomé bis Hannah Arendt. Beck, München 1993, S. 204–218 und 345–349, ISBN 3-406-37433-6.
  • Marina Sassenberg: Landschaften. Über einen Topos in Leben und Werk der Historikerin Selma Stern (1890–1981). In: Irene Pill (Hrsg.): «Welche Welt ist meine Welt?» Jüdische Frauen im deutschen Südwesten. Laupheimer Gespräche, 2004. Winter, Heidelberg 2009, S. 151–163, ISBN 978-3-8253-5636-1.
Monographien
  • Irene Aue-Ben-David, Deutsch-jüdische Geschichtsschreibung im 20. Jahrhundert. Zu Werk und Rezeption von Selma Stern (Schriftenreihe des Simon-Dubnow-Instituts 28). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, ISBN 978-3-525-37051-3.
  • Jutta Dick, Marina Sassenberg (Hrsg.): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1993, ISBN 3-499-16344-6.
  • Marina Sassenberg: Selma Stern (1890–1981). Das Eigene in der Geschichte. Selbstentwürfe und Geschichtsentwürfe einer Historikerin. Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts, Band 69. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, ISBN 3-16-148417-7 (zugleich Dissertation, Universität Halle 2003).
  • Marina Sassenberg: Selma Stern. Erste Frau in der Wissenschaft des Judentums. Jüdische Miniaturen, Band 30. Centrum Judaicum, Hentrich & Hentrich, Teetz 2005, ISBN 3-938485-07-8.
  • Marina Sassenberg: Apropos Selma Stern. Apropos, Band 14. Neue Kritik, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-8015-0323-2.
  • Annedore E. Gisbert: Selma Stern. Historikerin der Weimarer Republik. Magisterarbeit an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Juden an der Universität Heidelberg. Dokumente aus sieben Jahrhunderten. Ausstellung in Heidelberg und Jerusalem 2002, S. 107–109 (Digitalisat)