Sened

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Namen von Sened
Abydos KL 02-05 n13.jpg
Seneds Name in Kartusche Nr. 13 der Königsliste von Abydos
Eigenname
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sn
d
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Sened
Snd
Der Gefürchtete

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M23sn
d
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Nisutsened
(Nisut sened)
Nsw.t snd
Der gefürchtete König
Königspapyrus Turin (Nr.II, 24)
V10AG54HASHHASH

[1]
Sened
Snḏ
Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.13)
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sn
d
M17
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Senedj
Sndj
Der Gefürchtete
Königsliste von Sakkara (Nr.7)
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G54
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Sened
Snḏ

Sened ist der Eigenname eines altägyptischen Königs (Pharao), der während der 2. Dynastie regierte. Da sein Name nicht zeitgenössisch belegt ist, diskutiert die Ägyptologie und Archäologie seine historische Identität. Die genaue Dauer seiner Herrschaft ist unbekannt, der Königspapyrus Turin bescheinigt ihm eine Regierungszeit von 70 Jahren[1], der griechische Historiker Manetho nennt den Herrscher Sethénes und vermerkt in seinen Aegyptiaca eine Dauer von 41 Jahren[2].

Namensbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kartuschenname des Sened in der Königsliste von Sakkara [3]
Bronzestatuette des Sened mit dessen Kartuschenname auf der Rückseite [4]

Die früheste Nennung von Seneds Namen stammt aus der frühen 4. Dynastie. In der Mastaba des hohen Beamten Scheri in Sakkara befindet sich eine Scheintür, welche den Namen von Sened sowie den Namen des Königs Peribsen in Kartuschen in einem Satz nennt. Scheri war laut Inschrift „Vorsteher der Wab-Priester des Peribsen in der Nekropole des Sened, an dessen Totentempel und allen anderen Sitzen“. Der Umstand, dass Seneds und Peribsens Namen in Kartuschen geschrieben wurden, ist strenggenommen ein Anachronismus, da Kartuschen erst unter König Huni während der 3. Dynastie eingeführt wurden. Weitere Priester, die zu Scheris Zeit den Totendienst um Sened versahen, waren Inkef und Sij.[5][6][7]

Seneds Name ist überdies in allen bekannten ramessidischen Königslisten wie der Königsliste von Abydos, der Königsliste von Sakkara und dem Königspapyrus Turin erhalten. Er wird dort einstimmig als Nachfolger des Namens „Wadjenes“ präsentiert.[5]

Der Herrscher wird auch im medizinischen Papyrus P. Berlin 3038 als mythischer Vorbesitzer des „Gefäßbuches“ erwähnt. Historisch nachweisbar ist diese Aussage nicht, vermutlich sollte sie lediglich die Glaubwürdigkeit bestimmter, althergebrachter Behandlungsmethoden untermauern.[8]

Aus der 26. Dynastie stammt eine kleine Bronze-Statuette in Gestalt eines knienden Königs, der einer imaginären Gottheit opfert (siehe Abbildung). Die Figurine trägt die weiße Krone des Südens, in den Händen hält sie ein Weihrauchgefäß. Sie trägt außerdem einen Gurt, auf dessen Rückseite der Kartuschenname des Sened eingraviert ist.[9][5]

Archäologe Peter Munro berichtet von dem Fund eines Tonsiegels, dessen Inschrift den Kartuschennamen Nefer-Senedj-Ra enthalten soll. Munro deutet diesen als Namensversion von Sened.[10] Da dieser Fund jedoch bislang nicht veröffentlicht wurde, sind Nachprüfungen nicht möglich.

Identität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seneds Horusname ist unbekannt. Jürgen von Beckerath, und Hermann A. Schlögl vermuten, dass Sened mit König Peribsen identisch war.[9][11] I. E. S. Edwards, Dietrich Wildung, Wolfgang Helck und Toby Wilkinson hingegen sehen in Sened und Peribsen zwei getrennte Herrscher. Ihrer Ansicht nach lässt die Scheintürinschrift des Scheri darauf schließen, dass Sened seinem Vorgänger oder Gegenkönig Peribsen eine Statue oder einen Schrein stiftete. Sie verweisen zudem auf Tonsiegel des Königs Sechemib-Perenmaat, welche im Eingangsbereich von Peribsens Grab gefunden wurden und darauf hindeuten, dass Sechemib seinen Vorgänger Peribsen bestatten ließ.[5][12]

Grab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Toby Wilkinson vermutet Seneds Grab in Sakkara, was er mit der Lage von Scheris Mastaba begründet, da Totenpriester im Alten Ägypten generell nicht weit von ihrem Wirkungsort bestattet wurden. Er betrachtet die Galerien im Westmassiv des Djoser-Komplexes in Sakkara als mögliche letzte Ruhestätte des Sened.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen. Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin, ISBN 3-422-00832-2
  • I. E. S. Edwards (Hrsg.): Early history of the middle east (= The Cambridge ancient history. Bd. 1–2). 2 Bände = 3 Teile. 3rd edition. Cambridge University Press, Cambridge 1970, ISBN 0-521-07791-5.
  • Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Lexikon der Ägyptologie. Band 5. Harrassowitz, Wiesbaden 1984, ISBN 3447024895.
  • Jochem Kahl: Inscriptional Evidence for the Relative Chronology of Dyn. 0–2. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden/Boston 2006, ISBN 978-90-04-11385-5, S. 94–115 (Online).
  • Werner Kaiser: Zur Nennung von Sened und Peribsen in Sakkara. In: Göttinger Miszellen (GM) Bd. 122, Ägyptologisches Seminar der Universität Göttingen, Göttingen 1991, ISSN 0344-385X.
  • F. Tiradritti: Luigi Vassalli and the Archaeological Season at Western Thebes (1862-3). In: M. Marée: The Second Intermediate Period (Thirteenth-Seventeens Dynasties), Current Research, Future Prospects. Leuven, Paris/ Walpole MA 2010, ISBN 978-90-429-2228-0.
  • Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. (ÄA) Bd. 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4.
  • William Gillian Waddell: Manetho (= The Loeb Classical Library. Bd. 350). Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 2004 (Reprint), ISBN 0-674-99385-3.
  • Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt (= Münchener Ägyptologische Studien. Bd. 17). Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 1969.
  • Toby Wilkinson: Early Dynastic Egypt - Strategy, Society and Security. Routledge, London/New York 1999, ISBN 0-415-18633-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Alan H. Gardiner: The Royal Canon of Turin. Griffith Institute of Oxford, Oxford (UK) 1997, ISBN 0-900416-48-3, S. 15 & Table I.
  2. William Gillian Waddell: Manetho. Cambridge (Mass.) 2004, S. 37–41.
  3. nach: Eduard Meyer: Aegyptische Chronologie (= Philosophische und historische Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 1904, 1, ZDB-ID 955708-8). Verlag der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1904, Bildtafel I., Kartusche Nr. 7.
  4. vergl. Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewusstsein ihrer Nachwelt. München/ Berlin 1969, S. 45, Bildtafel IV.
  5. a b c d Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewusstsein ihrer Nachwelt. München/ Berlin 1969, S. 44–47.
  6. Auguste Mariette: Les mastabas de l’Ancien Empire. Paris 1885, S. 92–94.
  7. Werner Kaiser: Zur Nennung von Sened und Peribsen in Sakkara. Göttingen 1991, S. 49–55.
  8. Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Lexikon der Ägyptologie. Wiesbaden 1984, S. 487.
  9. a b Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 103–106.
  10. Peter Munro: Nefer-Senedj-Ra. In: Orientalia. Band 57, 1988, S. 330.
  11. Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten (= Beck'sche Reihe 2305 C. H. Beck Wissen). Beck, München 2003, ISBN 3-406-48005-5, S. 77 & 78.
  12. a b Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London u. a. 2001, ISBN 0-415-26011-6, S. 88–89.


VorgängerAmtNachfolger
WadjenesKönig von Ägypten
2. Dynastie
Peribsen?
Neferkare I.?