Sichel (Werkzeug)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sichel
Sichelwerk im Weiztal, Steiermark, 1898

Die moderne Sichel ist ein Werkzeug zum Schneiden kleiner Mengen von Getreide und Gras. Sie besteht aus einer nach vorn sich verjüngenden, konkav gekrümmten Klinge (in der Regel aus Stahl) mit einem hölzernen Handgriff. Sie unterscheidet sich von der Sense durch die kleinere Klinge und den kürzeren Stiel. Grassicheln sind kurz, aber sehr stark gebogen.

Geschichte des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Sichel ist mit althochdeutsch sihhila, mittelniederländisch sekele, altenglisch sicol entlehnt aus lateinisch sicilis „Sichel“, dies wohl ein Substantiv zu lateinisch secare „schneiden“. Die Bezeichnung Hippe für Sichelmesser als symbolisches Werkzeug des Todes, vordeutsch rekonstruiert *hæbjon, deutet auf außerromanische Bezeichnungen wie griechisch κόπτω (kópto) „ich schlage“, litauisch kirsti „fällen“, russisch копа́ть (kopát’) „hacken, hauen, graben“.[1]

Geschichte des Gegenstandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sumerische Ton-Sichel von 3000 v. Chr.
Neolithische Sichel, Rekonstruktion, Kreismuseum Plön
Steinsichel (Flint), ältere Bronzezeit, Holstein
Bronzezeitliche Sichel aus Hort, ohne Griff

Die Sichel ist neben dem Erntemesser eines der ältesten Ackerbaugeräte. Die ältesten Sicheln fand man in der Levante, wo sie bereits im Protoneolithikum zum Abschneiden von Wildgetreide oder Gräsern dienten. Der die Benutzung kennzeichnende „Sichelglanz“ entsteht aber nicht nur beim Schneiden von Getreide (auch Gras, Schilf oder Laub). Sie bestanden aus gebogenen Holz- oder Geweihstücken, in die man einige Feuersteinklingen mit Pech, Asphalt oder Brandkalk eingeklebt hat[2]. Seit der mittleren Bronzezeit wurden Sicheln aus Bronze hergestellt. Axel Steensberg unterscheidet zwei Sichelformen[3]:

A) die Hakensichel (angular sickle), bei der das Blatt gerade aus dem Heft hervorgeht, so dass das Schwergewicht auf einer Seite liegt

B) die Bogensichel (balanced sickle), bei der das Blatt am Heft im rechten oder stumpfen Winkel abknickt, so dass das Gewicht auf beide Seiten gleichmäßig verteilt ist

Typ B entstand in der La-Tène-Zeit, verbreitete sich unter den Römern und setzte sich im Mittelalter allgemein durch.

In Szegvár-Tüzköves (Komitat Csongrád) wurde die sitzende Tonstatuette eines Mannes ausgegraben, der eine Sichel über der Schulter trägt[4]. Er stammt aus der Theiß-Kultur und wurde von dem Ausgräber als „Sichelgott“ gedeutet[5]. Im antiken Griechenland war die Sichel das Symbol der Landwirtschaft und damit ein Attribut der Göttin Demeter.

Feuersteinsichel von Kallehave[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine Reihe Sicheln (dän. flintesegle) von Ærø, aber die von Kallehave ist ein absolutes Prachtexemplar. Sie hat eine Länge von 17,5 cm. Ein Wunder ist, dass sie 4000 Jahre lang trotz des Pflügens erhalten blieb. Ein vergleichbares Exemplar aus "Baiersdorfer Plattensilex" (12,6 cm lang) wurde 2016 am Leubinger Fürstenhügel gefunden[6].

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heraldik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sichel ist als gemeine Figur in der Heraldik in vielen Kommunalwappen anzutreffen. Bei der Beschreibung ist die Lage und Richtung der Klinge zu melden. Bei der Tingierung sind ansonsten alle heraldischen Farben möglich. Der Stiel wird gern in Gold gefärbt. Die Sichel soll im Wappen die Landwirtschaft verkörpern und eine Getreidegarbe begleitet oft die Wappenfigur. Die Sichel im Wappen darf nicht mit dem Rebmesser verwechselt werden.

Politische Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sichel als Flaggensymbol der Sowjetunion

Als politisches Symbol wird sie mit dem Hammer gemeinsam im Wappen und auch in Fahnen dargestellt. Miteinander gekreuzt sind Hammer und Sichel ein Symbol für den Arbeiter-und-Bauern-Staat im real existierenden Sozialismus, z. B. auf der Flagge der ehemaligen Sowjetunion.

In der Nationalhymne Kataloniens des Els Segadors (dtsch: Die Schnitter) – sie geht auf ein altes katalanisches Volkslied zurück – wird von dem Aufstand der Schnitter, Guerra dels Segadors, von 1640–1652 gegen den habsburgischen König Philipp IV. von Spanien (1605–1665) und dessen Premierminister, den Grafen von Olivares (1587–1645), erzählt. In deren Refrain: Bon cop de falç, bon cop de falç defensors de la terra, bon cop de falç (dtsch. Ein guter Schlag mit der Sichel, ein guter Schlag mit der Sichel, Verteidiger des Landes, ein guter Schlag mit der Sichel!) wird mehrfach von einer Sichel als möglicher Waffe gesprochen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens Lüning: Steinzeitliche Bauern in Deutschland - die Landwirtschaft im Neolithikum. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, Band 58. Bonn, Habelt 2000, ISBN 3-7749-2953-X.
  • Hildegard Quitta: Mittelalterliche Sicheln aus Leipzig. In: Forschungen zur Vor- und Frühgeschichte Band 1 (1955), S. 148–153

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sichel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 25. Auflage, Berlin/Boston 2011, s.v. Sichel, Hippe
  2. Manfred R. Behm-Blancke, Johannes Boese, Zu spätchalkolithischen Erntegeräten in Nordsyrien und Südostanatolien.In Rainer Michael Boehmer und Joseph Maran (Hrsg.), Lux Orientis. Archäologie zwischen Asien und Europa. Festschrift für Harald Hauptmann zum 65. Geburtstag. Rahden, Leidorf 2001, 27-37
  3. Axel Steensberg: Ancient Harvesting Implements. A study in archaeology and human geography, Nationalmuseets Skrifter, Arkaeologisk-historisk Raekke Band 1, Kopenhagen 1943
  4. Svend Hansen, Zum Größenformat neolithischer Figuralplastik. In: Rainer Michael Boehmer und Joseph Maran (Hrsg.), Lux Orientis. Archäologie zwischen Asien und Europa. Festschrift für Harald Hauptmann zum 65. Geburtstag. Rahden, Leidorf 2001, 181-186
  5. József Csálog, Die anthropomorphen Gefäße und Idolplastiken von Szegvár-Tüzköves. Acta Archaeologica Hungarica 11, 1959
  6. AiD 02/2017 S. 53