Simondys

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Simondys ist ein Ort[1] an der deutsch-dänischen Grenze, der zu großen Teilen zu Handewitt, teilweise zu Harrislee sowie zu einem kleinen Teil zum dänischen Gebiet Bau gehört.[2][3]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Streusiedlung liegt östlich von Ellund und wird sowohl durch die deutsch-dänische Grenze, wie auch durch die Gemeindegrenze von Harrislee und Handewitt aufgeteilt. Südlich von Simondys liegt Gottrupel. Zu Simondys gehören die Adressen Ellund-Ost 1[4] bis Ellund-Ost 11. Bei der Adresse Ellund-Ost 2 befindet sich die Haltestelle Ellund-Simondys der Linie 1537.[5] Bei Ellund-Ost 11 befindet sich der „Solarpark Simondys“ (Lage).[6] Auf dänischer Seite der Grenze gehört der Hof Simondysvej 15[7] zu Simondys. Doch die Adresse Simondysvej 1–9 am Anfang der Straße gehören offensichtlich nicht zu Simondys.[8][9] Der Hof Simondysvej 11 liegt offensichtlich am Rande von Simondys und trägt den Namen „Petersminde“[10][11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Namensbestandteil „-dys“ im Siedlungsnamen verweist auf ein Großsteingrab. Großsteingräber in Dänemark werden „Dysse“ genannt.[12] Bei Simondys befanden sich früher 22 Grabhügel aus der Zeit von 3.500 bis 1.000 v. Chr. (Jungstein- und ältere Bronzezeit), von denen heute noch fünf erhalten sind. Zu diesen gehört das Großsteingrab Rovhoj sowie die zwei Harrisleer Langbetten.[13][14]

1723 soll in Simondys eine Schule errichtet worden sein,[15][16] die offenbar als gemeinsame Schule für Harrislee, Ellund und Gottrupel diente. 1731 kam es in einer Schulversammlung zwischen den Gemeinden zum Streit hinsichtlich des Unterhalts und der Auswahl der Lehrer der Schule. Der Streit soll in einer wüsten Schlägerei gemündet sein, in welcher die Gemeinde Harrislee unterlag.[17] Aus den Jahren 1803 bis 1833 ist überliefert, dass beim Hof Simondys eine neue Schule errichtet wurde, die von den Dörfern Harrislee, Ellund, Gottrupel und Fröslee als eine Gemeinschaftsschule unterhalten wurde.[18][19] Eine Nebenschule für die jüngeren Schüler existierte zeitgleich im Dorf Harrislee.[20] Wegen der langen Schulwege, der Kinder aus Harrislee, Ellund, Fröslee und Gottrupel wurde die Gemeinschaftsschule Simondys letztlich im Jahr 1833 aufgegeben.[21][22] Harrislee richtete sich 1934 im eigenen Dorf, in der Berghofstraße, eine neue Schule ein.[23]

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zur Volksabstimmung von 1920 in Schleswig. Durch die danach neu eingerichtete deutsch-dänische Grenze wurde Simondys in einen dänischen und einen deutschen Teil geteilt. Ende der 1950er Jahre richtete die Bundeswehr einen Truppenübungsplatz am südöstlichen Rand von Simondys ein, das heute als Naturerlebnisraum Stiftungsland Schäferhaus dient. Die Einrichtung des Truppenübungsplatzes zerstörte wohl keine Teile der Siedlungsbebauung von Simondys.[24] In den 1960/70er Jahren wurde des Weiteren die A7 gebaut, welche seitdem des westlichen Rand von Simondys durchkreuzt.[25] Im 20. Jahrhundert bestand am östlichen Rand von Simondys zudem, an der Ecke Ellunder Weg/Mühlenweg, zunächst ein Kieswerk,[26] dass später zur Deponie der Firma Balzersen umgenutzt wurde.[27] Auf der Deponie Balzersen wurden in der Folgezeit Bauschutt und Grünabfälle deponiert.[28] 1988 wurde eine weitere Deponie namens „Deponie Simondys“, in welcher Abfall und Bauschutt eingelagert wurde, mit Müllkomposterde abgedeckt und geschlossen.[29] Im zur Gemeinde Ellund gehörigen Teil von Simondys wurden 1970 in einer amtlichen Statistik lediglich fünf Bewohner gezählt.[30] Offenbar wurden erst in der Zeit danach die weiteren heutigen Einfamilienhäuser von Simondys errichtet. 2012 wurde auf dem Geländer „Deponie Simondys“[31][32] der „Solarpark Simondys“ aufgebaut.[33]

Das Schleswig-Holsteinische Umweltministerium unter Robert Habeck prüft den Deponie-Standort bei Harrislee-Simondys seit 2015 für die Entsorgung von belastetem (gering verstrahlten, sogenannten freigemessenen) Atomschutt aus den Gebäudekomplexen rund um das Kernkraftwerk Brunsbüttel und das Kernkraftwerk Krümmel. Der Deponiebetreiber erklärte dazu, dass er gegen das Votum der Gemeinde keine Atomabfälle dort lagern wolle.[34]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bau-Planung der Gemeinde Handewitt, S. 15, vom: 21. April 2011; abgerufen am: 10. August 2018
  2. Falk-Stadtplan: Flensburg und Umgebung von 2013, 7. Auflage sowie Pilgerroute. Ochsenweg. Karte 10
  3. Simondysvej 4 sind Hofanlagen beim Hof Simondysvej 11
  4. Auf Landkarten ist explizit der Hof Ellund-Ost 6 als Teil von Simondys eingezeichnet. Vgl. Falk-Stadtplan: Flensburg und Umgebung von 2013, 7. Auflage sowie Pilgerroute. Ochsenweg. Karte 10
  5. Fahrplan für Simondys, Handewitt-Ellund in Handewitt und Haltestelle Ellund Simondys in Handewitt, jeweils abgerufen am: 10. August 2018
  6. Flensburger Tageblatt: Handewitt will noch stärker auf Photovoltaik setzen, vom: 8. Mai 2012; abgerufen am: 10. August 2018
  7. Falk-Stadtplan: Flensburg und Umgebung von 2013, 7. Auflage sowie Pilgerroute. Ochsenweg. Karte 10
  8. Falk-Stadtplan: Flensburg und Umgebung von 2013, 7. Auflage sowie Pilgerroute. Ochsenweg. Karte 10
  9. Simondysvej 4 sind Hofanlagen beim Hof Simondysvej 11
  10. Falk-Stadtplan: Flensburg und Umgebung von 2013, 7. Auflage sowie Pilgerroute. Ochsenweg. Karte 10
  11. Vgl. dict.cc. dänisch-deutsch: minde sowie Ziegeleimuseum Cathrinesminde
  12. Wir in Harrislee. SPD-Ortverein Harrislee. Harrisleer Geschichte: Simondys, S. 2; abgerufen am: 11. August 2018
  13. Wir in Harrislee. SPD-Ortverein Harrislee. Harrisleer Geschichte: Simondys, S. 2; abgerufen am: 11. August 2018
  14. Ochsenweg, S. 4; abgerufen am: 10. August 2018
  15. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 436
  16. Unsere Gemeinde. Informationen aus Harrislee. 50. Jahrgang, Nr. 2, Sommer 2017, S. 55; abgerufen am: 11. August 2018
  17. Unsere Gemeinde. Informationen aus Harrislee. 50. Jahrgang, Nr. 2, Sommer 2017, S. 55; abgerufen am: 11. August 2018
  18. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 438
  19. Unsere Gemeinde. Informationen aus Harrislee. 50. Jahrgang, Nr. 2, Sommer 2017, S. 55; abgerufen am: 11. August 2018
  20. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 438
  21. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 439
  22. Vgl. Harrislee. Fundstellenübersicht, vom: 13. März 2016; abgerufen am: 10. August 2018
  23. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 439
  24. Vgl. Karte Flensburg-Nord von 1926/36
  25. Flensburger Tageblatt: Autobahnbau 1976: A7 bis nach Dänemark: Der Norden findet den Anschluss, vom: 11. Oktober 2015; abgerufen am: 11. August 2018
  26. Wir in Harrislee. SPD-Ortverein Harrislee. Harrisleer Geschichte: Simondys, S. 2; abgerufen am: 11. August 2018
  27. Deponie Balzersen (Seite der Firma)
  28. Karte von Harrislee, abgerufen am: 11. August 2018
  29. Bau-Planung der Gemeinde Handewitt, S. 15, vom: 21. April 2011; abgerufen am: 10. August 2018
  30. Genealogy. Ellund sowie Genealogy Simondys, jeweils abgerufen am: 10. August 2018
  31. Bau-Planung der Gemeinde Handewitt, S. 15, vom: 21. April 2011; abgerufen am: 10. August 2018
  32. Vgl. Göbel. Deponiegasbehandlungstechnik, Deponie Simondys. HTX 0.1 Deponieschwachgasverbrennungsanlage, S. 9; abgerufen am: 10. August 2018
  33. Flensburger Tageblatt: Handewitt will noch stärker auf Photovoltaik setzen, vom: 8. Mai 2012; abgerufen am: 10. August 2018
  34. Flensburger Tageblatt: An der Grenze: Ruhestätte für schwach belastete Böden, vom: 15. April 2015 und Beton von Atomkraftwerken: AKW-Müll in Harrislee – die Atomdebatte beginnt von vorn, vom: 21. Juli 2017 sowie Harrislee: Landet verstrahlter Bauschutt an der dänischen Grenze?, vom: 25. Juli 2018; jeweils abgerufen am: 10. August 2018

Koordinaten: 54° 47′ 50″ N, 9° 20′ 16,3″ O