Projekt 1164

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Projekt 1164
Projekt-1164-Kreuzer Moskwa, 2009

Projekt-1164-Kreuzer Moskwa, 2009

Schiffsdaten
Schiffsart Lenkwaffenkreuzer
Bauwerft Werft 61 Mykolajiw
Bauzeitraum 1976 bis 1990
Gebaute Einheiten 3
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
187 m (Lüa)
Breite 20,8 m
Tiefgang max. 7,9 m
Verdrängung Leer: 9.500 t

Einsatz: 11.280 t

 
Besatzung 610
Maschinenanlage
Maschine COGOG

4 × Hauptturbinen
2 × Hilfsturbinen

Maschinen-
leistung
4 × 30.000 PS (22.065 kW)

2 × 12.000 PS (8.826 kW)

Höchst-
geschwindigkeit
32,5 kn (60 km/h)
Propeller 2
Bewaffnung

Projekt 1164 Atlant (nach der mythologischen Figur „Atlas“), von der NATO als Slawa-Klasse bezeichnet, ist eine Klasse von Lenkwaffenkreuzern der Sowjetischen- und später der Russischen Marine. Sie ist in der Lage, Flugzeugträger-Verbände und andere große Schiffsziele aus Entfernungen von bis zu 550 Kilometern mit Marschflugkörpern zu bekämpfen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Sowjetunion die U-Boot-Abwehr-Lenkwaffenkreuzer der Kresta-II-Klasse und Kara-Klasse in den 1960er bzw. 1970er Jahren herausbrachte, wurde in Militärkreisen gespottet, die Sowjets würden die Hauptbewaffnung „ins Schaufenster stellen“, da ihre Raketen-Startcontainer sich beiderseits der Kommandobrücke befanden.

Mit dem Erscheinen der Slawa-Klasse mit einer Raketenbatterie aus 16 Seezielflugkörpern des Typ P-500 Basalt in festen, nach vorn geneigten Startern, erhielt die Sowjetunion Schiffe, die in ihrer Fähigkeit zur Bekämpfung von Seezielen den westlichen Kräften an Feuerkraft überlegen waren. Bis heute wird diese Klasse in der russischen Marine lediglich von der Kirow-Klasse an Feuerkraft übertroffen.

Die Slawa-Klasse wurde entwickelt, um gegnerische Flottenverbände anzugreifen. Das Typschiff Slawa wurde 1982 bei der Schwarzmeerflotte in Dienst gestellt. 1986 folgte die Marschall Ustinow (Маршал Устинов), die zur Nordflotte kam, und 1990 die Tscherwona Ukraina (Червона Украйна, „rote Ukraine“), die ihren Dienst bei der Pazifikflotte antrat. Ein viertes Schiff, die Admiral Flota Lobow („Flottenadmiral Lobow“), sollte 1995 folgen, liegt aber immer noch unfertig in Nikolajew. Die Slawa wurde 1995 in Moskwa (Москва, „Moskau“) umbenannt, die Tscherwona Ukraina in Warjag (Варяг, „Waräger“). Die Marschall Ustinow lief 1989 den Hafen von Norfolk an und war damit das erste Schiff der sowjetischen Flotte, das einen amerikanischen Marinestützpunkt besuchte.

Marschall Ustinow 1989 in Norfolk

Die Admiral Flota Lobow ging beim Zusammenbruch der Sowjetunion 1992 in das Eigentum der Ukraine über und wurde daher in Ukraina (Україна) umbenannt. Die Arbeiten an der Ukraina wurden 1996 gestoppt, 1999 wieder aufgenommen und 2001 erneut gestoppt. Derzeit ist das Schiff zu 95 Prozent fertiggestellt. Man sucht einen Käufer dafür. Russland hat großes Interesse an der Ukraina, doch ein Ankauf für die russische Marine wurde bis heute nicht realisiert. 2010 wurde das Schiff jedoch in 1164 umbenannt, was auf einen baldigen Verkauf nach Russland hindeuten könnte.

Die unter russischer Flagge fahrenden Lenkwaffenkreuzer des Projektes 1164 haben den Zusammenbruch der Sowjetunion überstanden, wurden alle vier Jahre überholt und häufig bei Manövern beobachtet. 2003 nahm die Moskwa an einer Übung mit der indischen Marine teil. Die Marschall Ustinow nahm 2000 bis 2004 an allen großen Manövern der Nordflotte teil und die Warjag an einer Übung im Pazifik. Die Schiffe wurden als Sicherheit gegen einen möglichen Fehlschlag der Kirow-Klasse entwickelt und ihre Zukunft ist aufgrund ihres im Vergleich zur Kirow-Klasse kostengünstigeren Unterhalts gesichert. Bei entsprechender Instandhaltung und einer möglichen Umbewaffnung können die Schiffe bis 2030 im Dienst der russischen Marine bleiben.

Die Marschall Ustinow wurde seit 2011 in der Werft "Zvezdochka" in Severodwinsk überholt und modernisiert. So wurde das Fregat-M Radar durch das modernere und für tieffliegende Ziele optimierte EASA Radar Fregat-M2M und das Überwachungsradar ebenfalls durch das neuere Podberjosowik ersetzt. Im vierten Quartal 2016 unternahm die Testfahrten und soll Anfang 2017 wieder in Dienst gestellt werden.[1][2] Einige Quellen vermuten, dass auch die Raketenbewaffnung durch die modernen Kalibr (SS-N-27 Sizzler) oder Oniks (SS-N-26 Strobile) ersetzt wurden.[3]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bewaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

P-500-Startbehälter
Vertikalstartbehälter für S-300F

Die Hauptbewaffnung der Slawa-Klasse bilden 16 Anti-Schiff-Lenkwaffen des Typs P-500 (NATO-Code: SS-N-12 „Sandbox“). Die Lenkwaffen sind in acht Doppelstartern beidseits der vorderen Schiffsaufbauten untergebracht. Sie erreichen eine Reichweite von bis zu 550 km und können wahlweise mit einem konventionellen 1000-kg-Sprengkopf oder einem 350-kt-Nuklearsprengkopf bestückt werden.

Zur Langstrecken-Luftabwehr sind acht Achtfachstarter des Systems S-300F (NATO-Code: SA-N-6) installiert. Die Raketen haben eine Reichweite von 90 km und können Ziele bis in eine Höhe von 25 km bekämpfen. Das System kann gegen Flugzeuge, Drohnen sowie Seezielflugkörper eingesetzt werden. Die Schiffe der Slawa-Klasse sind mit Startrohren für 64 dieser Raketen ausgestattet.

Die Luftabwehr im Kurzstreckenbereich erfolgt durch zwei Doppelstarter des Systems 9K33M Osa-M (NATO-Code: SA-N-4 „Gecko“). Die Raketen können Ziele in einer Entfernung von bis zu 10 km und einer Höhe von 5 km bekämpfen. Es können sowohl Flugzeuge als auch Helikopter bekämpft werden.

Am Bug des Schiffes befindet sich ein Zwillingsgeschütz des Typs AK-130. Das Geschütz hat eine Maximalreichweite von etwa 23 km und kann gegen Schiffe, Landziele, Flugzeuge sowie auch gegen anfliegende Seezielflugkörper eingesetzt werden. Die Kadenz beträgt 10–40 Schuss/min pro Lauf.

Als Nahbereichsverteidigungssystem sind sechs sechsläufige Gatlingkanonen des Typs AK-630 installiert. Sie erreichen eine effektive Reichweite von etwa 3000 m und eine theoretische Kadenz von 3000 Schuss/min.

Zur U-Boot-Abwehr sind zwei zwölfrohrige Wasserbombenwerfer des Typs RBU-6000 und zwei Fünffachtorpedostarter installiert. Die RBU-6000 hat ein Kaliber von 213 mm. Das Geschossgewicht beträgt 110 kg, wovon der Sprengkopf 25 kg ausmacht. U-Boote können damit in einer Entfernung von bis zu 6000 m und einer Tiefe von ca. 500 m bekämpft werden.

Rumpf und Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schiffe der Slawa-Klasse sind 186 m lang, 20,8 m breit und haben einen Tiefgang von 7,6–9,3 m. Standardmäßig verdrängen die Schiffe um die 10.000 Tonnen, voll beladen etwa 12.500 Tonnen. Die Schiffe werden mit einem COGOG-System angetrieben. Sie verfügen über vier Hauptturbinen mit einer Gesamtleistung von 90.000 PS und über zwei Hilfsturbinen mit einer Gesamtleistung von 20.000 PS. Die Schiffe erreichen damit eine Höchstgeschwindigkeit von rund 32 Knoten. Mit 30 Knoten Fahrt beträgt die Reichweite etwa 2500 Seemeilen, mit 18 Knoten Fahrt etwa 6800 Seemeilen.

Einheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Name Russisch ehemaliger Name Indienststellung Sonstiges
Moskwa Москва Slawa 1981 Schwarzmeerflotte
Marschall Ustinow Маршал Устинов Admiral Flota Lobow 1986 Nordflotte
Warjag Варяг Tscherwona Ukraina 1990 Pazifikflotte
1164 Admiral Flota Lobow; Ukraina unvollendet

Belege und Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • А.С. Павлов: Убийцы авианосцев – SLAVA CLASS. (etwa: A.S. Pawlow: Flugzeugträger-Jäger – SLAWA KLASSE.) Jakutsk 1998.
  • С.С. Бережной: Советский ВМФ 1945–1995 Крейсера – большие противолодочные корабли, эсминцы. (etwa: S.S. Bereschnoi: Sowjetische Marine 1945–1995. Kreuzer, große U-Jagdschiffe, Zerstörer.) Moskau 1995.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Slawa-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. sputniknews.com: Russische Nordflotte bekommt kräftig Verstärkung: „Genau rechtzeitig“, abgerufen am 1. November 2016
  2. LatestNewsResource: Missile cruiser "Marshal Ustinov" first went to sea after modernization, abgerufen am 1. November 2016
  3. navyrecognition.com: Russian Navy Slava-class Cruiser Marshal Ustinov to Start Sea Trials in Late October, abgerufen am 1. November 2016