S-300P

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SA-10 Grumble

S-300PS / S-300PMU
S-300PS / S-300PMU

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Luft-Lenkwaffensystem
Heimische Bezeichnung: S-300P, S-300PT, S-300PM, S-300PMU
Herkunftsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion / RusslandRussland Russland
Hersteller: Almas-Antei
Entwicklung: 1967
Indienststellung: 1979
Einsatzzeit: im Dienst
Technische Daten
Länge: 7,25 m
Durchmesser: 448 mm
Spannweite: 1.124 mm
Antrieb:
Erste Stufe:

Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit: über 1.800 m/s
Reichweite: 92 km
Dienstgipfelhöhe: 27.000 m
Ausstattung
Lenkung: INS, Datenlink
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche (SARH) mit TVM
Gefechtskopf: 133 kg-Splittersprengkopf
Zünder: Aufschlag- und Näherungszünder
Waffenplattformen: Fahrzeuge/Anhänger, Schiffe
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S-300P (NATO-Bezeichnung SA-10 Grumble) ist ein Langstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystem, das in der Sowjetunion entwickelt wurde und heute unter anderem von den russischen Streitkräften verwendet wird. Es handelt sich um eine Variante des S-300-Flugabwehrraketensystems. Das System S-300P ist nicht mit dem System S-300W (NATO-Codename: SA-12A Gladiator, SA-12B Giant) zu verwechseln.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung der Entwicklung der S-300P basiert auf einer Studie vom MKB Strela (später Almas) aus dem Jahr 1966.[1] Ziel dieser Studie war die Entwicklung eines gemeinsamen Boden-Luft-Lenkwaffensystems für die verschiedenen Teilstreitkräfte der Sowjetunion. Das projektierte System S-500U sollte sowohl bei den Luftverteidigungsstreitkräften, den Luftverteidigungstruppen der Bodenstreitkräfte und der Marine zum Einsatz kommen.[2] Während der Entwicklung der S-500U sahen sich die Entwickler mit weit auseinanderklaffenden Bedürfnissen konfrontiert und die im Pflichtenheft aufgeführten Anforderungen konnten nur schwer in einem einheitlichen Flugabwehrsystem realisiert werden.[2][3] Schließlich wurde das Projekt S-500U im Jahr 1967 von Dmitri Ustinow gestoppt und für beendet erklärt.[1] Daraufhin ließen die verschiedenen Teilstreitkräfte je ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Flugabwehrsystem entwickeln. Das für die Luftverteidigungsstreitkräfte bestimmte System bekam die Bezeichnung S-300P, das für die Luftverteidigungstruppen der Bodenstreitkräfte S-300W und das für die Marine S-300F.[1][2] Die Entwicklung der S-300P im Konstruktionsbüro Almas begann 1967. Das neue System sollte Anfang der 1980er-Jahre die Systeme S-25 (SA-1 Guild) und später S-75 (SA-2 Guideline) und S-125 (SA-3 Goa) ersetzen.[4] Anhaltende Probleme bei der Entwicklung der verschiedenen Komponenten, insbesondere der Phased-Array-Radarsysteme führten zu großen Verzögerungen.[5] Schließlich wurden die ersten S-300PT-Systeme 1979 an die sowjetischen Luftverteidigungsstreitkräfte (PWO) ausgeliefert.[6] Im Jahr 1981 war die S-300PT schließlich operationell. Seitdem wurde das System ständig weiterentwickelt; die letzte Version S-300PMU-2 wurde 1995 vorgestellt. Das Nachfolgesystem ist die S-350.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das S-300P dient zur Bekämpfung von Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern in allen Flughöhen. Mit den späteren Ausführungen können auch ballistische Kurzstreckenraketen abgefangen werden. Es kann mobil eingesetzt werden, ist allwetterfähig und kann neben Kampfflugzeugen in allen Flughöhen auch tieffliegende Ziele mit kleinem Radarquerschnitt wie Marschflugkörper bekämpfen. Mit der Ausführung S-300PS können zudem ballistische Kurzstreckenraketen abgefangen werden. Das westliche Gegenstück zum S-300P-Komplex ist das US-amerikanische System MIM-104 Patriot.

Primär existieren zwei unterschiedliche Ausführungen der S-300P: Die auf einem Anhängersystem installierte Ausführung S-300PT sowie die selbstfahrende Ausführung S-300PS installiert auf Lastkraftwagen. Die spätere Ausführung S-300PM basiert wiederum auf einem Anhängersystem.[7] Bei beiden Ausführungen sind sämtliche Systemkomponenten schnell verlegbar und strassenmobil. S-300P System besteht im groben aus den Folgenden Komponenten: Einem Feuerleitradar, einem Überwachungsradar, einem Feuerleitstand, den Lenkwaffenwerfern sowie weiteren Komponenten für den autonomen oder verbundenen Einsatz.[8]

Radare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Feuerleitradar der Ausführung S-300PT trägt die Bezeichnung 5N63 und hat den NATO-Codenamen Flap Lid-A.[6] Das der Ausführung S-300PS wird 5N63S bezeichnet und hat den NATO-Codenamen Flap Lid-B. Weiter trägt es die Exportbezeichnung 30N6. Die Ausführung S-300PM verwendet das Feuerleitradar vom Typ 30N6-1 (NATO-Codenamen Tombstone).[9] Alle Feuerleitradar-Typen verwenden Phased-Array-Antennen mit einer Fläche von zirka 2,75 m² und sind mit rund 16.000 Phasenschiebern bestückt.[1] Die Antennen funktionieren nach dem Prinzip der passiven, frequenzgesteuerten Phased Array Antennen (PESA). Während das 5N63-Feuerleitradar mit einer Frequenz von 3–8 GHz arbeitet, kommt bei dem 5N63S-Feuerleitradar ein Frequenzbereich von 2–3 GHz zur Anwendung.[10] Das 30N6-1- Feuerleitradar der S-300PM arbeitet in einem Frequenzbereich von rund 3 GHz. Die Feuerleitradars verfügen über eine Freund-Feind-Erkennung (IFF) und haben eine Reichweite von 100–300 km (je nach Version).[11][12] Zur besseren Erfassung von tieffliegenden Zielen kann das Radar auf den 15 m hohen 40V6-Antennenmast aufgesetzt werden.[10]

Im verbundenen Einsatz kommt bei der Ausführung S-300PT das Überwachungsradar 5N64K zum Einsatz. Dieses trägt den NATO-Codenamen Big Bird-A.[13] Bei der Ausführung S-300PS wird dieses Radar 5N64 bezeichnet (NATO-Codenamen Big Bird-B).[9] Bei der S-300PM kommt das modifizierte Überwachungsradar vom Typ 64N6 zum Einsatz. Dieses wird von der NATO Big Bird-D bezeichnet.[9][10] Alle Überwachungsradar-Typen verwenden doppelseitige Phased-Array-Antennen mit rund 3.500 Phasenschiebern pro Seite.[13] Die Antennenfläche ist rund 30 % größer als die des AN/SPY-1-Multifunktionsradars auf den Kreuzern der Ticonderoga-Klasse.[10] Auch die Antenne dieser Überwachungsradars funktionieren nach dem Prinzip der passiven, frequenzgesteuerten Phased Array Antennen (PESA). Die Überwachungsradars arbeiten in einem Frequenzbereich von 2–6 GHz.[1][10] Das Radarsystem verfügt über eine Freund-Feind-Erkennung (IFF) und weist eine Reichweite von über 300 km auf.[11] Wird das S-300P-System autonom als einzelne Batterie eingesetzt, kommt als Überwachungsradar das 5N59-Radar (ST-68M) zum Einsatz.[14] Dieses trägt den NATO-Codenamen Tin Shield. Modernere Ausführungen dieses Radars werden 36D6 und ST-68UM bezeichnet. Das ST-68-Radar arbeiten in einem Frequenzbereich von 2–7 GHz und hat je nach Ausführung eine Reichweite von 70–150 km. Zur besseren Erfassung von tieffliegenden Zielen kann das Radar auf den 15 m hohen 40V6-Antennenmast aufgesetzt werden.[10]

Zur Erfassung und Verfolgung von tieffliegenden Zielen wie Marschflugkörper kommt mit der S-300P das 5N66-Radar (76N6) zur Anwendung.[9][15] Dieses trägt den NATO-Codenamen Clam Shell.[11] Eine modernere Ausführungen dieses Radars wird 76N6M bezeichnet. Das 76N6-Radar ist ein frequenzmodulierendes Dauerstrichradar (Frequency-Modulated Continuous Wave = FMCW).[7] Die Radarantenne ist entweder auf dem 23,80 m hohem 40V6M-Antennenmast oder auf dem 38,80 m hohen 40V6M2-Antennenmast montiert.[1] Das 5N66-Radar arbeiten in einem Frequenzbereich von 3,5–4 GHz und hat eine Reichweite von über 120 km.[1][10]

Feuerleitstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem S-300P-System kommt ein zentraler Feuerleitstand zum Einsatz. Bei der S-300PT wird dieser 5N83 / 5K56 bezeichnet. Bei der Ausführung S-300PS trägt er die Bezeichnung 5N83S / 5K56S. Bei der späteren Ausführung S-300PM wird der Feuerleitstand 83M6 / 54K6 bezeichnet. Aus dem Feuerleitstand führen die Bediener den Feuerkampf, wobei sie auch Anweisungen von einem übergeordneten Gefechtsstand erhalten können. Der Feuerleitstand verfügt über umfangreiche Kommunikationseinrichtungen, die es dem Kampfführungspersonal erlauben, mit verschiedenen Aufklärungs- und Führungssystemen zu kommunizieren. Der Feuerleitstand führt folgende Aktionen aus:[9]

  • Kontrolle und Überwachung der Multifunktionsradare der Batterie
  • Akquisition, Identifikation, Verfolgung der Luftziele
  • Freund-Feind-Erkennung (IFF)
  • Prioritätszuweisung der einzelnen Luftziele und die Weitergabe der gefährlichsten an die Feuerleitradare der Batterie
  • Kontrolle und Koordination der Elektronischen Gegenmaßnahmen
  • Koordination der Batterie im autonomen oder verbundenen Einsatz
  • Datenaustausch mit benachbarten Einheiten sowie der übergeordneten Stufe

Lenkwaffenwerfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der ersten Ausführung, der S-300PT kommen die Lenkwaffenwerfer vom Typ 5P851 zur Anwendung.[16] Sie tragen je vier Flugabwehrraketen, die in geschlossenen und wartungsfreien Container transportiert werden. Dieser Lenkwaffenwerfer ist auf einem Anhänger installiert und wird von einem Lastkraftwagen gezogen. In der Stellung wird der Werfer vom Lastkraftwagen abgekoppelt. Die Stromversorgung erfolgt über Kabel vom Zugfahrzeug oder von einem externen Stromerzeugungsaggregat.[1] Die Datenübertragung erfolgt über Kupferkabel.[9] Bei der Ausführung S-300PS sind die die vier Lenkwaffen-Container auf geländegängigen 8×8-Lkws MAZ-7910 installiert, die im Wesentlichen eine Variante des MAZ-543M darstellen.[9] Diese Transport- und Startfahrzeuge tragen die Bezeichnungen 5P85S und 5P85D.[17] Die Fahrzeuge benutzen zur Datenübertragung untereinander ausfahrbare Antennen. Bei der späteren Ausführung S-300PM sind die vier Lenkwaffen-Container auf einem Anhänger vom Typ 5P85T installiert.[10] Das Zugfahrzeug muss für den Lenkwaffenstart nicht mehr abgekoppelt werden und die Stromversorgung erfolgt über ein auf dem Anhänger untergebrachten Stromerzeugungsaggregat.[4] Die Datenübertragung erfolgt mit ausfahrbare Antennen. Um die Lenkwaffenwerfer feuerbereit zu machen, werden die Lenkwaffen-Container aus der horizontalen Transportposition in die Vertikale angestellt.[18]

Lenkwaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 5W55-Lenkwaffen werden in versiegelten, vor Witterungseinflüssen geschützten Transport- und Abschussbehältern aus dem Herstellungswerk geliefert.[1] Die Lenkwaffen können ohne Kontrolle 10 Jahre in den zylinderförmigen Behältern transportiert und gelagert werden.[11] Zu Kontrollzwecken besitzen die Lenkwaffen einen eingebauten elektronischen Selbsttest, welcher durch das Bedienungspersonal an einem Kontrollkasten an den Abschussbehältern durchgeführt werden kann.[18] Jeweils vier Transport- und Abschussbehälter sind auf einem Werfer installiert. Die Lenkwaffen werden vertikal gestartet. Mittels eines Katapult werden die Lenkwaffen aus den Transport- und Abschussbehältern auf eine Höhe von 20–30 m geschleudert. Erst dort zündet das Feststoffraketentriebwerk der Lenkwaffe.[19] Die Lenkwaffen können in einem minimalen Intervall von 3 Sekunden gestartet werden.[20] Die Lenkwaffen haben einen typisch zylinderförmigen Rumpf und sind in vier Sektionen aufgeteilt: Hinder der Lenkwaffenspitze befinden sich der Suchkopf, die Elektronik und der Näherungszünder. Unmittelbar dahinter ist der Splitter-Gefechtskopf untergebracht. Anschließend folgt das einstufige Feststoffraketentriebwerk. Im Heck sind die Aktuatoren sowie die Strahlruder für die Schubvektorsteuerung untergebracht. Ebenso befinden sich am Heck vier trapezförmige Steuerflächen.[21]

Die Ausführung S-300PT verwendet primär die 5W55K-Lenkwaffe (W-500K) mit einer Reichweite von 47 km.[11][22] Dieser Lenkwaffentyp wird mit einer Kommandolenkung zum Ziel gesteuert.[11] Später kamen mit der S-300PT-1 die verbesserten Lenkwaffentypen 5W55KD und 5W55P mit einer Reichweite von 75 km zum Einsatz.[9] Weiter existierte die Ausführung 5W55S (W-500S) mit einem Nukleargefechtskopf.[23]

Die Ausführung S-300PS verwendet primär die 5W55R-Lenkwaffe (W-500R) mit einer Reichweite von 75 km.[11][22] Bei diesem Lenkwaffentyp kommt das Prinzip der halbaktiven Radar-Zielsuchlenkung mit Track-via-Missile zum Einsatz.[9] Weiter existiert der Lenkwaffentyp 5W55WM mit einem passivem Radarsuchkopf und die 5W55S-Lenkwaffe (W-500S) mit Nukleargefechtskopf.[1][7][23]

Mit der Ausführung S-300PM kommen Primär die 5W55RD-Lenkwaffen mit einer Reichweite von 92 km zum Einsatz.[1][7][11][22] Weiter existieren für die S-300PM die Exportlenkwaffe 5W55RUD sowie die 5W55PM-Lenkwaffe mit einem passivem Radarsuchkopf.[1]

Übersicht 5W55-Lenkwaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

System 5W55K (W-500K) 5W55R (W-500R) 5W55RUD
Länge 7,11 m
Rumpfdurchmesser 514 mm 508 mm 514 mm
Flügelspannweite 1.036 mm 1.124 mm
Masse 1.665 kg 1.590 kg 1.625 kg
Antrieb 1 Stufe, Feststoff
Gefechtskopf 133 kg Splittergefechtskopf
Zünder Aufschlag- und Radar-Näherungszünder
Fluggeschwindigkeit über 1.800 m/s
Vernichtungszone 7–47 km 5–75 km 5–92 km
Einsatzhöhe 25–25.000 m 25–27.000 m
Lenksystem Trägheitsnavigation + Funkkommando-Steuerung Trägheitsnavigation + SARH + TVM

Daten aus[1][22][20][24][25][26]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuere Systeme der S-300P-Serie wie die S-300PM-1 und S-300PM-2 unterscheiden sich wesentlich von ihren Vorgängermodellen und bekamen im Jahr 2003 von der NATO die Bezeichnung SA-20 Gargoyle.

S-300PT Birjusa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese erste Ausführung der S-300P wurde 1979 eingeführt. Dieser auf einem Anhängersystem installierte Lenkwaffenkomplex ist für den Einsatz in ortsfesten Stellungen konzipiert. Eine komplette Batterie trägt die Bezeichnung 5Sch15. Das 5N63-Feuerleitradar kann gleichzeitig drei Ziele mit sechs Lenkwaffen auf eine Distanz von 47 km bekämpfen. S-300PT verwendet die Lenkwaffen vom Typ 5W55K.[9]

S-300PT-1 Wolchow-M6[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese verbesserte Ausführung wurde 1983 eingeführt. Sie entstand parallel zur S-300PS und ist mit dessen neueren Elektronik ausgerüstet. Die S-300PT-1 ist für den verbundenen und autonomen Einsatz in unvorbereiteten Stellungen ausgelegt. Das verbesserte 5N63-Feuerleitradar kann gleichzeitig sechs Ziele mit zwölf Lenkwaffen auf eine Distanz von 75 km bekämpfen. Die Standard-Lenkwaffe ist der Typ 5W55R.[7][9][27]

S-300PT-1A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der S-300PT-1A handelt es sich um eine modernisierte Ausführung der S-300PT-1. Neben verschiedenen Verbesserungen kommen die 5P851A-Lenkwaffenwerfer zum Einsatz, welche über ein eigenes Stromerzeugungsaggregat verfügen. Alle früheren S-300PT-Systeme wurden auf diesen Stand nachgerüstet. Die Standard-Lenkwaffe ist der Typ 5W55R.[1][9][27]

S-300PS Angara[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der S-300PS handelt es sich um die auf MAZ-7910-Lastkraftwagen installierte selbstfahrende Ausführung. Sie wurde 1985 eingeführt und ab diesem Zeitpunkt mit der Bezeichnung S-300PMU exportiert. Eine komplette Batterie trägt die Bezeichnung 5Sch15S. Das 5N63S-Feuerleitradar kann gleichzeitig sechs Ziele mit zwölf Lenkwaffen auf eine Distanz von 75 km bekämpfen. Ebenso können die späteren Ausführungen der S-300PS ballistische Kurzstreckenraketen bekämpfen. Diese können bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 1200 m/s auf eine Distanz von 30 km bekämpft werden. Die Standard-Lenkwaffe ist der Typ 5W55R.[1][9][27]

S-300PMU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies ist die Exportversion der S-300PS welche seit 1985 in unterschiedlichen Ausführungen auf dem Exportmarkt angeboten werden.[9][17][28] Eine komplette Batterie trägt die Bezeichnung 90Sch6E. Die Standard-Lenkwaffe ist der Typ 5W55R.[27]

S-300PM[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die S-300PM wurde im Jahr 1989 als Zwischenlösung zur späteren S-300PM-1 eingeführt. Die S-300PM kann zeitgleich sechs Ziele mit zwölf Lenkwaffen auf eine Distanz von 92 km bekämpfen. Ebenso können ballistische Raketen mit einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 2788 m/s auf eine maximale Distanz von 30–40 km bekämpft werden. S-300PM verwendet Lenkwaffen vom Typ 5W55RD und deren Exportversion 5W55RUD.[8][9][27][29]

S-300PM-1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die S-300PM-1 ist eine tiefgreifend modernisierte Ausführung der S-300PS mit neuer Elektronik sowie neuer Software. Der Lenkwaffenkomplex wurde 1992 eingeführt. Mit der S-300PM-1 können ballistische Mittelstreckenraketen effektiv bekämpft werden. Die Standard-Lenkwaffe ist der Typ 48N6 mit einer Reichweite von 150 km. Der NATO-Codename der S-300PM-1 lautet SA-20A Gargoyle.[9][10][27][30]

S-300PM-2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Ausführung wurde im Jahr 1995 vorgestellt. Sie ist eine modifizierte Ausführung der S-300PM-1, welche für die Bekämpfung von Ballistischen Mittelstreckenraketen optimiert wurde. Die Standard-Lenkwaffe ist der Typ 48N6D mit einer Reichweite von 200 km. Der NATO-Codename der S-300PM-2 lautet SA-20B Gargoyle.[9][10][30][27][31]

S-300PMU-1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies ist die Exportversion der S-300PM-1.[9][10][30]

S-300PMU-2 Favorit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies ist die Exportversion der S-300PM-2.[9][10][30]

S-300F Rif[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die S-300F ist die Marine-Ausführung der S-300PS und kommt auf den Kreuzern des Projekt 1144 (Kirow-Klasse) und Projekt 1164 (Slawa-Klasse) zum Einsatz. Das 3R41-Feuerleitradar kann zeitgleich sechs Ziele mit zwölf Lenkwaffen auf eine Distanz von 75 km bekämpfen. Die Standard-Lenkwaffe ist der Typ 5W55RM. Der NATO-Codename der S-300F lautet SA-N-6 Grumble.[1][10][32]

S-300FM Rif-M[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die S-300FM ist die Marine-Ausführung der S-300PM-1 und ist auf dem Kreuzer Pjotr Weliki des Projekt 1144 (Kirow-Klasse) installiert. Zum Einsatz kommt der Lenkwaffentyp 48N6F mit einer Reichweite von 150 km. Der NATO-Codename der S-300FM lautet SA-N-20 Gargoyle.[10][30]

HQ-9[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterentwicklung der S-300PMU aus der Volksrepublik China. HQ-9 verwendet Lenkwaffen mit einer Reichweite von 125 km.[33] Die Anti-Radar-Version hat die Bezeichnung FT-2000. Die Exportversion heißt FD-2000

HHQ-9[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die HHQ-9 ist die Marine-Ausführung der HQ-9. Die HHQ-9 kommt auf den Zerstören der Klasse Type 052B der Marine der Volksrepublik China zum Einsatz.[33]

Übersicht der ersten S-300P-Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

System S-300PT S-300PS S-300PM
NATO Codename SA-10A Grumble SA-10B Grumble SA-10C Grumble
Einführungsjahr 1979 1983 1989
Feuerleitradar 5N63 (Flap Lid-A) 5N63S (Flap Lid-B) 30N6-1 (Tombstone)
Feuerleitstand 5N83 / 5K56 5N83S / 5K56S 83M6 / 54K6
Überwachungsradar 5N64K (Big Bird-A) 5N64S (Big Bird-B) 64N6 (Big Bird-C)
Tieffliegerradar 5N66 (Clam Shell) 5N66M (Clam Shell) 76N6 / 76N6M (Clam Shell)
Lenkwaffenwerfer 5P851 5P85S + 5P85D 5P85T
Lenkwaffe 5W55K 5W55R 5W55RD
Vernichtungszone 7–47 km 5–75 km 5–92 km

Daten aus[1][7][9][22][20][24][25]

Strategische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das S-300P-System wurde zuletzt in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm erwähnt, als Russland den Verkauf dieser Systeme an Iran in Aussicht stellte. Nach US-amerikanischen Protesten erklärte die russische Regierung im Frühjahr 2006, S-300P würden in der aktuellen Lage nicht an Iran geliefert; wenn auch ein Zwischenhandel über Weißrussland weiter möglich erscheint. Es wurden aber im Dezember 2005 kleinere SA-15 Gauntlet „Tor“-Systeme an den Iran verkauft. Diese sind für Ziele bis zu 6 km Höhe ausgelegt und könnten daher hochfliegende Bomber nicht erreichen. Mit einer Reichweite von 12 km und einer Reaktionszeit von 5 bis 8 Sekunden sind sie aber geeignet, anfliegende Lenkwaffen zu bekämpfen.

Nutzerstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ukrainische S-300PT im Jahr 2016

Weiter haben die USA eine S-300PMU ohne Elektronik in Weißrussland[37] und eine S-300W in Russland beschafft. Sie besitzen aber kein komplettes System.[38]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Biedermann, Jürgen Gebbert, Wolfgang Kerner: Der Fla-Raketenkomplex S-300PMU in der NVA. Steffen Verlag, Friedland, 2012, ISBN 3-942477-22-X.
  • Dan Katz: S-300 Surface-To-Air Missile System. Aerospace Daly & Defense Report, Aviation Week, August 2015.
  • Duncan Lennox: Jane’s Strategic Weapon Systems. Edition 2001, 34th edition Edition, Jane’s Information Group, 2001, ISBN 0-7106-0880-2.
  • Michal Fiszer: Name of the Roses: Russia’s “joint” S-300 air defense system turned out to be nothing of the sort. In: Military Microwaves Supplement. Collegium Civitas, Warschau 1. Juni 2006 (Vorschau [abgerufen am 31. Dezember 2017]).
  • S. M. Ganin, A. W. Karpenko: Das Boden-Luft-Lenkwaffensystem S-300. Sankt-Petersburg 2001, S. 50–62 (site3f.ru [PDF; abgerufen am 31. Dezember 2017] russisch: зенитная ракетная система С-300.).
  • Sean O’Connor: The S-300P/S-400. I&A Volume 1, Number 3, April 2011, IMINT & Analysis, bei geimint.blogspot.com
  • Wladimir Korowin, W. G. Swetlow: Die Raken des Konstruktionsbüros „Fakel“. RIA Gloria-Art, Moskau 2003 (russisch: РакетыФакела“ / Fakel’s Missiles.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: S-300P – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q Adrian Ochsenbein: Das Boden- Luft Lenkwaffensystem SA-10 GRUMBLE. In: scribd.com. Defense Threat Informations Group, abgerufen am 27. Dezember 2017.
  2. a b c Michal Fiszer: Name of the Roses: Russia’s “joint” S-300 air defense system turned out to be nothing of the sort. Military Microwaves 2016. S. 30–35.
  3. S. M. Ganin, A. W. Karpenko: Das Boden-Luft-Lenkwaffensystem S-300. 2001. S. 3–4.
  4. a b Michal Fiszer: Moscow’s Air-Defense Network Part I–III. Journal of electronic Defense, 29. November 2004.
  5. Bernd Bidermann, Jürgen Gebbert, Wolfgang Kerner: Der Fla-Raketenkomplex S-300PMU in der NVA. 2012. S. 68–71.
  6. a b S. M. Ganin, A. W. Karpenko: Das Boden-Luft-Lenkwaffensystem S-300. 2001. S. 15.
  7. a b c d e f Steven J. Zaloga: Grumble – Guardian of the Skies, Part I und II. Jane’s Intelligence Review, 1997
  8. a b Michal Fiszer & Jerzy Gruszczynski: Castles in the Sky – The rise, fall, and rebirth of Russia’s integrated air-defense network. Journal of electronic Defense, 27. Januar 2003.
  9. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t Sean O’Connor: The S-300P/S-400. I&A Volume 1, Number 3, IMINT & Analysis, April 2011.
  10. a b c d e f g h i j k l m n Dr. Carlo Kopp: Almaz S-300P/PT/PS/PMU/PMU1/PMU2 Almaz-Antey S-400 Triumf SA-10/20/21 Grumble/Gargoyle. In: ausairpower.net. Air Power Australia, abgerufen am 27. Dezember 2017 (englisch).
  11. a b c d e f g h Duncan Lenox: Jane’s Strategic Weapon Systems, Edition 2001. 2001. S. 302–305.
  12. Bernd Bidermann, Jürgen Gebbert, Wolfgang Kerner: Der Fla-Raketenkomplex S-300PMU in der NVA. 2012. S. 61.
  13. a b S. M. Ganin, A. W. Karpenko: Das Boden-Luft-Lenkwaffensystem S-300. 2001. S. 36–39.
  14. Bernd Bidermann, Jürgen Gebbert, Wolfgang Kerner: Der Fla-Raketenkomplex S-300PMU in der NVA. 2012. S. 67.
  15. Bernd Bidermann, Jürgen Gebbert, Wolfgang Kerner: Der Fla-Raketenkomplex S-300PMU in der NVA. 2012. S. 65.
  16. S. M. Ganin, A. W. Karpenko: Das Boden-Luft-Lenkwaffensystem S-300. 2001. S. 16–17.
  17. a b Зенитно-ракетная система C-300ПС (C-300ПМУ). In: rbase.new-factoria.ru. Abgerufen am 27. Dezember 2017 (russisch).
  18. a b S. M. Ganin, A. W. Karpenko: Das Boden-Luft-Lenkwaffensystem S-300. 2001. S. 16, 19.
  19. Bernd Bidermann, Jürgen Gebbert, Wolfgang Kerner: Der Fla-Raketenkomplex S-300PMU in der NVA. 2012. S. 184–185.
  20. a b c Dan Katz: S-300 Surface-To-Air Missile System. 2015. S. 10.
  21. Bernd Bidermann, Jürgen Gebbert, Wolfgang Kerner: Der Fla-Raketenkomplex S-300PMU in der NVA. 2012. S. 64.
  22. a b c d e Dan Katz: S-300 Surface-To-Air Missile System. 2015. S. 9.
  23. a b Индексы Главного Ракетно-Артиллерийского Управления МО. S. 53, abgerufen am 18. Januar 2018 (PDF, 686 kB, russisch, GRAU-Index).
  24. a b Bernd Bidermann, Jürgen Gebbert, Wolfgang Kerner: Der Fla-Raketenkomplex S-300PMU in der NVA. 2012. S. 62.
  25. a b S. M. Ganin, A. W. Karpenko: Das Boden-Luft-Lenkwaffensystem S-300. 2001. S. 61–62.
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