Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen

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Filmdaten
Deutscher Titel Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen
Originaltitel Sunrise – A song of two humans
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1927
Länge 91 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch Carl Mayer
Produktion William Fox
Musik Hugo Riesenfeld
Kamera Charles Rosher, Karl Struss
Schnitt Harold D. Schuster
Besetzung

Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen ist der erste von Friedrich Wilhelm Murnau in den Vereinigten Staaten fertiggestellte Spielfilm. Er basiert auf Hermann Sudermanns Buch Die Reise nach Tilsit und wurde am 23. September 1927 uraufgeführt.

Handlung[Bearbeiten]

Eine Frau aus der Stadt beginnt in den Sommerferien eine Affäre mit einem Bauern. Dessen ehemals glückliche Ehe scheint zerstört, das gemeinsame Kind ist der psychische Halt seiner Ehefrau. Nachts trifft sich der Mann mit seiner Geliebten. Sie bittet ihn, mit in die Stadt zu kommen und sein Land zu verkaufen. Seine Frau soll er im See ertränken.

Am nächsten Tag macht der Mann mit seiner Frau einen Ausflug mit dem Boot. Seine Mordabsicht kann er jedoch im letzten Moment nicht in die Tat umsetzen. Er rudert an Land zurück, und seine Frau flieht vor ihm. Mit einer Straßenbahn, die beide gerade noch erreichen, fahren sie in die Stadt.

Der Mann bereut seine Handlung und es gelingt ihm, sich mit seiner Frau zu versöhnen. Sie erleben einen aufregenden und schönen Tag in der Stadt. Dabei gehen sie in ein Café, einen Barbierladen, in die Kirche, zum Fotografen und am Abend in einen Vergnügungspark.

Auf dem Heimweg gerät ihr Boot in einen Sturm und kentert. Der Mann kann sich an Land retten, doch die Frau bleibt verschwunden, auch eine Suchaktion nach dem Sturm ist erfolglos. Der Mann findet nur Teile des Reisigbündels, das er seiner Frau als Behelfsschwimmring umgebunden hatte; er ist überzeugt, dass sie tot ist. Seine Geliebte aus der Stadt hat von den Vorfällen gehört und kommt zu seinem Haus. Der jähzornige Mann versucht, sie zu erwürgen, wird aber im letzten Augenblick davon abgebracht, als er hört, dass seine Frau doch überlebt hat. Die Frau aus der Stadt reist ab, das Paar ist wieder glücklich vereint und die Sonne geht auf.

Anmerkungen[Bearbeiten]

Die Bauten des Films stammen von Rochus Gliese.

Mit seinen in Deutschland gedrehten Filmen, vor allem Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (1922), Der letzte Mann (1924) und Faust – eine deutsche Volkssage (1926), war Murnau zu einem der bedeutendsten Regisseure der Stummfilmära avanciert. Seine während dieser Zeit gewachsene Beherrschung der Filmtechnik – Überblendungen, Doppelbelichtungen, abgestufte Tönungen, subtile Kamerabewegungen, Licht- und Schatteneffekte – verband er mit einer dem Erzählrhythmus adäquaten Bildmontage, die menschliche Gefühle und Stimmungen adäquat ausdrückte. All diese Techniken setzte der Regisseur in seinem ersten Hollywood-Film Sunrise ein.

Neben den moralischen Themen Schuld, Reue und Neuanfang spielten in Sunrise – wie auch in Murnaus früherem Film Der brennende Acker (1921/22) – die Sympathie für den Bauern und der Gegensatz zwischen Land und Großstadt dominierende Rollen.

Rezeption[Bearbeiten]

Durch die melodramatische Geschichte drückt Murnau ein stimmiges Bild innerer Haltungen sowie Gefühle voller Inbrunst aus, weswegen die Filmhistoriker Sunrise für den ausgereiftesten Spielfilm Friedrich Wilhelm Murnaus halten.

Obwohl der Film zu Beginn teilweise klischeehaft wirkt, entwickelt er einen außerordentlichen Reiz ab dem Moment, in dem die Großstadt der Filmschauplatz wird: Murnau zeigt eine realistisch wirkende Stadt mit Massenszenen in pulsierendem Leben. Um die Großstadt als Organismus in ständiger Bewegung darzustellen, wurden dem „German Genius“ von William Fox alle Freiheiten zugesichert: Murnau konnte die größten damals in Hollywood gebauten Sets einsetzen. Damit er jede Einstellung mit dem richtigen Kamerawinkel drehen konnte, wurden darüber hinaus in vielen Fällen verschiedene Versionen dieser Bauten zusammengestellt. Insbesondere die Straße mit der Tramhaltestelle und den großen beleuchteten Gebäuden im Hintergrund besitzt einen ähnlichen Wiedererkennungswert wie Fritz Langs Metropolis-Bilder und ging als beispielhaftes Bühnenbild in die Filmgeschichte ein.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des internationalen Films: Ein Kinotraum von großer Intensität, in dem elementare Gefühle durchlebt und aufgelöst werden. Meisterhaft in Fotografie, Stimmung und Stil.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Bei der Oscarverleihung 1929, der ersten überhaupt, war Sunrise in insgesamt vier Kategorien nominiert und war gemeinsam mit Das Glück in der Mansarde in der Regie von Frank Borzage mit jeweils drei Academy-Awards der erfolgreichste Film.
Er wurde als Bester Film in der Kategorie Künstlerische Produktion (Unique And Artistic Picture) ausgezeichnet – das einzige Mal, dass ein Oscar in dieser Kategorie vergeben wurde, da bereits im darauffolgenden Jahr die Zweiteilung der Kategorie Bester Film aufgegeben wurde. Charles Rosher und Karl Struss wurden in der Kategorie Beste Kamera ausgezeichnet, Janet Gaynor schließlich erhielt ihren Oscar in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für ihre Leistungen in Das Glück in der Mansarde sowie in Sunrise und in Engel der Straße.

1989 wurde der Film in die National Film Registry aufgenommen.

Bei den von der britischen Filmzeitschrift Sight & Sound durchgeführten Umfragen des Jahres 2002 nach den besten Filmen aller Zeiten landete Sunrise bei der Umfrage unter den Filmkritikern gemeinsam mit Panzerkreuzer Potemkin auf Platz 7; im selben Jahr kam der Film bei einer Umfrage des American Film Institute nach den 100 besten US-amerikanischen Liebesfilmen auf den 63. Platz.

Weblinks[Bearbeiten]