Soundpainting

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Soundpainting ist die Zeichensprache, die 1974 vom New Yorker Komponisten Walter Thompson erfunden wurde. Sie wird von Musikern, Tänzern, Schauspielern und andern Künstlern verwendet. Bis heute ist so eine Sammlung von mehr als 1200 Zeichen entstanden, die der Dirigent nutzt, um die Gruppe in ihrer Performance anzuleiten. Die Komposition entsteht durch die Ausführung der Zeichen durch die involvierten Künstler.[1]

Die Geschichte des Soundpaintings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Sun Ra nutzte zum Dirigieren freier Passagen seines Arkestra einige Zeichen; das beeindruckte Butch Morris, der ein erstes System von Zeichen und Gesten zum Dirigieren entwickelte. Unabhängig davon arbeitete auch Frank Zappa mit einer Zeichensprache.[2]

Walter Thompson erhielt nach seinem Studium am Berklee College of Music ein Stipendium der National Endowment for the Arts um Komposition bei Anthony Braxton zu studieren. Gleichzeitig studierte er auch Improvisationstanz bei Ruth Ingalls. Aus den Teilnehmern diverser Jam-Sessions, die er organisierte, formte Thompson ein Large Ensemble, das sich mit Improvisation in verschiedenster Hinsicht beschäftigte. Mit diesem Ensemble begann er seine Technik des Soundpaintings zu entwickeln. Erste Zeichen waren sehr rudimentär; zum Beispiel stellten sie einen langen Ton dar, oder eine Improvisation mit vielen kurzen Tönen.

1980 zog Thompson nach New York City und gründete 1984 das Walter Thompson Orchestra (später taufte er es in The Walter Thompson BigBand um). Auch mit dieser Band kommunizierte er während Konzerten per Zeichensprache. Während den nächsten zehn Jahren entwickelte er eine umfangreiche Zeichensprache für kreative live Performances. In den 1990er Jahren begann er, in seine mit Handzeichen geleiteten Darbietungen auch Künstler anderer Sparten miteinzubeziehen, so zum Beispiel Schauspieler, Tänzer, Dichter und bildende Künstler.

Ende der 1990er Jahre leitete Thompson im Rahmen eines Workshops der Konferenz der International Association of Schools of Jazz in Santiago de Compostela zum ersten Mal ein Orchester in Europa. Darauf erhielt er zahlreiche Einladungen an verschieden Musikhochschulen in ganz Europa, um seine mit Zeichen geleiteten Improvisationen im Rahmen der dortigen Hochschulausbildung zu vermitteln.[3][4]

2013 wurde die International Soundpainting Federation (ISF) in Lyon (Frankreich) zusammen mit dem Soundpainting Festival in Paris gegründet.

Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Soundpainter“ (der Komponist) steht üblicherweise vor der Gruppe und kommuniziert per Zeichensprache mit den ausführenden Künstlern. Dazu benutzt er Hände, aber auch andere Teile seines Körpers. Die Zeichen können einerseits auf ein ganz bestimmtes Material hinweisen, welches gespielt werden soll, andererseits gibt es auch Zeichen, die eher vage Vorgaben an den Auszuführenden stellen. Der Sountpainter entwickelt so seine Komposition, indem er dem Ensemble mit einem oder mehreren Zeichen seine Idee anzeigt und danach mit weiteren Handzeichen auf die Ausführung der Gruppe reagiert oder zusätzliche Anweisungen gibt. So entwickelt er die Komposition die er aufführen möchte, live auf der Bühne.

Da eine beträchtliche Anzahl der Handzeichen nicht abschließend bestimmen, was der Künstler auszuführen hat, liegt die Umsetzung oftmals in dessen persönlicher Interpretation des Zeichens. So ist Soundpainting immer ein Dialog zwischen der Gruppe und dem Dirigenten, der einerseits die Komposition als ganzes im Überblick haben muss, jedoch stets darauf reagieren muss, was in genau diesem Moment geschieht.

Die Zeichen des Soundpaintings legen innerhalb der Darbietung die Parameter wer, was, wie und wann fest. Es existieren verschiedenste Typen von Zeichen, einigen liegt konkretes Notenmaterial zu Grunde, welches vorher vereinbart wurde, andere beziehen sich auf gewisse Stile, aleatorische Konzepte, Improvisationen, Instrumentation aber auch Position auf der Bühne, Kostüme und weitere.

Die Struktur des Soundpaintings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soundpainting beinhaltet zwei Kategorien von Zeichen: beschreibende und funktionale Gesten. Formende Gesten legen fest, welches Material verwendet werden soll, und wie dieses ausgeführt werden soll. Funktionale Gesten geben an, wer spielen und wann derjenige beginnen soll. Wer, was, wie und wann sind die grundlegenden Parameter, die mit Soundpainting bestimmt werden, und bilden dessen Syntax.

Eine weitere Unterteilung der Zeichen findet statt, indem sie in folgende Unterkategorien aufgeteilt werden: Personal, Inhalt, Regler, „Go-Gesten“, Modi und Paletten.

  1. ’Personal’ gehört der funktionalen Kategorie an und sind „wer“-Gesten. Einige Beispiele sind: Ganze Gruppe, Rest der Gruppe, Holzbläser, Blechbläser, Schauspieler, Tänzer, Gruppe 1.
  2. ’Inhalt’ gehört der formenden Kategorie an, und sind „was“-Gesten. Beispiele sind: minimalistisches oder pointilistisches Spiel, lange Töne, eine bestimmte Skala.
  3. ’Regler’ gehören zur formenden Kategorie sind „wie“-Gesten. Sie steuern beispielsweise Lautstärke und Tempo.
  4. ’Go-Gesten’ gehören der funktionalen Kategorie an und sind „wann“-Gesten. Sie legen fest, wann jemand beginnen oder stoppen soll.
  5. ’Modi’ gehören der formenden Kategorie an, sind „wie“-Gesten und steuern die Art und weise der Ausführung. Beispiele: Scanning, Point to Point und Intensität.
  6. ’Paletten’ gehören der formenden Kategorie an, und sind „was“-Gesten. Sie weisen auf zuvor einstudiertes Material hin.

Festivals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Soundpainting Festival: Dieses Festival, das vom Jazz Bank Verein organisiert wird, findet in Frankreich im Oktober seit 2013 statt (hauptsächlich in Paris).

Aufnahmen und Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deconstructing Haydn / Modern Chamber Orchestra mit Gil Selinger (cello) und Walter Thompson (soundpainter) / Concerto in C majeur – (CD 2001–2002 Novodisc Recordings Ltd. NY)
  • François Cotinaud: Klangfarben Ensemble Monolog von Schönberg und Variations sur une collection de timbres. Film von Patrick Morel. (CD-DVD 2012 Ayler Records / Musivi – Frankreich)
  • Fischermanns Orchestra: Conducting Sessions (CD 2012 Unit Records)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mark Duby: Soundpainting as a system for the collaborative creation of music in performance. 20. Mai 2006, abgerufen am 4. April 2011.
  2. Other Conducted Improvisation Techniques
  3. Bericht über einen Auftritt Thompsons bei der IASJ Konferenz 2007 in Freiburg.
  4. Bericht über einen Auftritt Thompsons in Luzern mit einem Hochschul Ensemble.