Sprengung von Bunkeranlagen auf Helgoland

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Die Sprengung von Bunkeranlagen auf Helgoland fand am 18. April 1947 um 13 Uhr statt. Die von den Briten als Operation Big Bang oder British Bang bezeichnete Sprengung war mit 6,7 Kilotonnen Sprengstoff knapp halb so stark wie die Hiroshima-Bombe und damit die bis dahin größte nicht-atomare, von Menschen gewollt erzeugte Explosion. Das Ziel der Sprengung war, die Bunker- und Militäranlagen der Nordseeinsel Helgoland zu zerstören. Durch die enorme Menge an Sprengstoff erschien es zudem möglich, die gesamte Insel vollständig zu vernichten, was zwar nicht Ziel der Aktion war, aber in Kauf genommen wurde.[1] Allerdings ließ der poröse Sandstein, aus dem die Insel besteht, die Druckwelle entweichen; somit wurde nur die Südspitze der Insel durch die Sprengung zerstört, an der Nordspitze gab es erhebliche Schäden.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund ihrer Lage im Zentrum der Deutschen Bucht, in der Nähe der Mündungen der Weser, der Elbe und des Nord-Ostsee-Kanals, waren die Gewässer um die Insel Helgoland Schauplatz der vier Seeschlachten von 1849, 1864, 1914 und 1917. 1807 besetzte das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland die zuvor zu Dänemark gehörende Insel. 1890 tauschte das Deutsche Kaiserreich im sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag deutsche Gebietsansprüche in Afrika gegen die Insel Helgoland ein, um sie zu einer Seefestung und später zu einem Marinestützpunkt auszubauen. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages, Artikel 115, sollte nach dem Ersten Weltkrieg die Festung zerstört werden. Die Arbeiten dauerten von 1920 bis 1922, waren aber dennoch nicht so gründlich wie ursprünglich vorgesehen, die Grundkonstruktion blieb erhalten.[2] In der Zeit des Nationalsozialismus (1938) wurde das nie vollendete „Projekt Hummerschere“ begonnen, um die Insel zu einem militärischen Gegengewicht zum britischen Seestützpunkt in der Bucht von Scapa Flow zu machen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Insel erneut von den Briten besetzt und diente zwischen 1945 und 1952 als Spreng- und Übungsgelände.

Sprengung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1945 wurden die etwa 3000 Einwohner nach einem großen Bombenangriff noch von der deutschen Wehrmacht evakuiert. Trotz vieler Proteste der Bewohner Helgolands begann man 1947 mit den Vorbereitungen zur Sprengung der Insel. Man füllte die U-Boot-Bunker im Südhafen und die Tunnellabyrinthe mit übriggebliebener Munition aus den Weltkriegen. Da die Vorbereitungen länger andauerten als geplant, konnte der ursprüngliche Termin 31. März nicht eingehalten werden.[3]

Am 18. April 1947, exakt zwei Jahre nach einem Großangriff der Briten auf Helgoland mit etwa 1000 Bombern, wurde von der Royal Navy die Bombe gezündet. Gestapelt wurden etwa 4.000 Torpedoköpfe, fast 9.000 Wasserbomben und über 91.000 Granaten verschiedenster Kaliber. Die Sprengung wurde von britischen Pionieren von Bord der HMS Lasso aus ca. 17 Kilometern Entfernung ausgelöst.[4][5] Knapp 20 Journalisten durften vom Seedampfer Danzig aus zuschauen.[6] Eine kleinere Explosion ging voraus, um die Vögel zu verscheuchen. Die eigentliche Explosion erfolgte einige Minuten später. Ein gewaltiger Feuerstrahl und Tonnen Gesteins schossen in den Himmel. Die Erschütterungen waren noch im 70 Kilometer entfernten Cuxhaven zu spüren. Der Rauchpilz stieg rund neun Kilometer,[7] nach anderen Quellen einen Kilometer,[8] in die Höhe. Die Explosion erschütterte den Inselsockel bis in eine Tiefe von mehreren Kilometern.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel überstand zwar die Sprengung, allerdings wurde die Südspitze der Insel, aus deren Schutt das heutige Mittelland besteht, weggesprengt.[9] Auch Teile der Steilküste stürzten ein, und unzählige Krater entstanden. Allerdings blieben die Hafenanlagen und Küstenschutzmauern intakt; die verschonten Zivilluftschutzbunker locken heute jährlich bis zu 10.000 Touristen an. Das einzige Gebäude, das die Sprengung überstand, war der Flakturm, der heutige Leuchtturm Helgoland.[10] Die Detonation konnte in Deutschland seismographisch registriert und zur Untersuchung der Erdkruste genutzt werden.[11] Erst 1952 durften nach Protesten der Bewohner die Helgoländer ihre Insel wieder besiedeln. Heute findet am Jahrestag der Sprengung ein Gedenkgottesdienst im Zivilschutzbunker statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katja Iken: Inselsprengung in der Nordsee - Hell-Go-Land! Spiegel-online, 18. April 2017, abgerufen am 18. April 2017.
  2. Claude Fröhle, Hans-Jürgen Kühn: Hochseefestung Helgoland. Eine militärgeschichtliche Entdeckungsreise. Teil 1: 1891–1922, Herbolzheim 1998, S. 69.
  3. Helgoland muß zerstört werden. In: Der Spiegel. 2/1947.
  4. Video der Sprengung. BBC (Youtube)
  5. Gregor Haake: Der Tag, an dem Helgoland der Megabombe trotzte. In: Eines Tages. auf: Spiegel online. 13. April 2007 (online)
  6. @1@2Vorlage:Toter Link/ultimateheroswelt.blog.de Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: 18. April 1947: Die Militäranlagen auf Helgoland werden gesprengt.
  7. @1@2Vorlage:Toter Link/www.spiegel.de Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: Der Tag, an dem Helgoland der Megabombe trotzte. auf: Spiegel online.
  8. Operation Big Bang auf wasistwas.de
  9. Regina Kusch, Andreas Beckmann: Festung, Seebad, Labor. Helgolands Entwicklung nach dem großen Knall. In: Deutschlandradio. 18. April 2007. (online auf: dradio.de)
  10. Leuchttürme auf den Nordseeinseln. auf: nordwestwind.de
  11. G. A. Schulze: Anfänge der Krustenseismik.