St. Katharina (Rheder)

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Kirche St. Katharina
Die Kirche inmitten der Ortschaft

Die katholische Pfarrkirche St. Katharina ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Rheder, einem Ortsteil von Brakel im Kreis Höxter (Nordrhein-Westfalen). Die Gemeinde gehört zum Pastoralen Raum Brakeler Land im Erzbistum Paderborn.[1]

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saalkirche wurde von 1716 bis 1718 aus verputztem Bruchstein, vermutlich nach Plänen von Johann Conrad Schlaun, errichtet. Der Bau wurde vom ersten Minister des Fürstbischofs, Freiherr Bruno Burchard von Mengersen, veranlasst.[2] Die Wände sind durch Strebepfeiler gegliedert, der Chor schließt mit drei Konchen. Der Außenbau wirkt schmucklos, auffallend ist das Turmportal. Der schlanke Gesamteindruck des Gebäudes wird durch ein umlaufendes Gesims betont, das über einem hohen Sockel den Bau umläuft.[3]

Die neubarocke Fassung des Innenraumes wurde 1954 mit weißer Farbe übertüncht und 2011 restauriert. Der Innenraum ist ein in die Länge gezogenes Polygon mit einem 5/10 Schluss im Osten und einem 3/8 Schluss im Westen. Die Konchen der Querhäuser besitzen schmale Stichkappengewölbe. Das Kreuzgratgewölbe in der Vierung ruht auf flachen Wandvorlagen. Den Abschlussstein ziert ein Wappen.[4]

Die Vierung ist erhöht, hier befindet sich die Grablege für die Familie von Mengersen. Die von Mengersen waren ein Rittergeschlecht, sie herrschten von 1400 bis 1873.[5] Die Blankglasfenster zeigen in den farbigen Mittelteilen acht Seligpreisungen. Die Fenster im Chor mit den Darstellungen der Bergpredigt und des letzten Abendmahles wurden um 1913 angefertigt, die anderen Fenster mit Inschriften und Wappen der Familie von Mengersen wurden von 1976 bis 1977 restauriert.[6] Eine umfassende Renovierung war 2012 nötig, der Putz bröckelte von den Wänden, die Statik des Daches war gefährdet und die Gewölbe waren bedroht. Die Heizung wurde erneuert, Fenster und diverse Ausstattungsgegenstände wurden restauriert. Innen und Außen wurde die Fassung erneuert.[7]

Turm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Westturm besitzt ein achteckiges Obergeschoss, das von einer gestuften Haube bekrönt ist. Ursprünglich war die Turmhaube bauchig und hatte eine offene Laterne und eine Zwiebelspitze; nach einem Brand im Jahr 1888 wurde sie in vereinfachter Form erneuert.[8]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausstattung stammt zum größten Teil aus der Bauzeit der Kirche.[9]

  • Der eindrucksvolle Hochaltar beherrscht das Bild des Innenraumes, er wurde vermutlich nach einem Entwurf von Conrad Schlaun gebaut. Das Säulenretabel ist perspektivisch aufgebaut und mit 1718 bezeichnet. Nach innen gewandte Pilaster und korinthische Säulen sind auf das Altarbild ausgerichtet. Von den Säulen wird ein verkröpftes Gebälk und darüber ein Sprenggiebel getragen.[10] Der golden schimmernde, nach vorne gewölbte, drehbare Tabernakel steht vor der hohen Sockelzone. Das Expositorium wird von korinthischen Säulen eingerahmt. Die Muschelapsis ist mit Blumenbändern geschmückt in der Nische steht eine Kreuzigungsgruppe mit Johannes und Maria. Auf dem Dach des Tabernakels liegt ein goldenes Lamm mit einer Kreuzfahne. Aus zwei Urnen rechts und links davon schlagen Flammen heraus.Sechs Cherubim befinden sich auf dem Sockel des Retabels Das Allianzwappen der Familie von Mengersen prangt vor dem Gebälk, es ist bekrönt und wird Engel in wehenden Gewändern begleitet. In der Kartusche darunter sind die Namen des Stifters und seiner Frau verzeichnet.[11] Es wird von den bewegt dargestellten Figuren des Drachentöters Michael, des Franziskus und des Franz Xaver bekrönt. Auf den Durchgängen stehen Figuren der Heiligen Agatha und Katharina, sie wurden von Mathias Willmers angefertigt. Das Altarblatt von 1717 ist von Johann Martin Pictorius signiert, es zeigt den Heiligen Wandel.[12] Maria nimmt im unteren Teil den jungen Jesus an die Hand, er ist in einen roten Mantel gewandet und trägt mit dem linken Arm ein Kreuz, sein Ziehvater Joseph geht schräg hinter ihm. Die Taube des heiligen Geistes schwebt über der Familie, darüber ist auf einer düsteren Wolkenbank Gottvater zu sehen. Er hat seinen linken Arm auf eine blaue Weltkugel gelegt, der Himmel hinter ihm öffnet sich goldfarben.[13]
  • Die Kuppa der Taufe ist ein Sandsteinpokal, der Deckel wird von einer weltlichen Figur bekrönt.
  • Die Annenverehrung hatte in Rheder wohl eine besondere Bedeutung. Die Figur der Anna und der Maria steht in einer Nische unter einem MuschelBaldachin an der Nordwand des Langhauses. Der Baldachin ist mit Weintrauben- und Blumengirlanden geschmückt, auf dem Giebel sind tanzende Putten zu sehen. Anna unterweist ihre Tochter Maria, die kerzengerade vor ihr steht und ein Buch hält, das von Anna gestützt wird. Maria hat ihren Daumen wie ein Lesezeichen zwischen die Seiten des Buches gesteckt. Anna wendet ihr von einem Tuch verhülltes Gesicht der Tochter zu, ihr linkes Bein ist hochgestellt. Die Falten von Marias Gewand fallen ruhig, die der Anna sind knittrig.[14]
  • Die Abschrankungen zu den Querhauskonchen sind mit Figuren besetzt und reich beschnitzt.
  • Das Ölgemälde von 1717 zeigt die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, es ist Pictorius zugeschrieben.
  • Die Strahlenmadonna hängt an einem Pfeiler der Vierung, sie trägt das unbekleidete Jesuskind auf dem Arm. Jesus reicht seiner Mutter eine vergoldete Rose, dies soll eine Anspielung auf das Hohe Lied sein. Über dem Kopf der Maria schwebt eine Krone, zu ihren Füßen ist die Mondsichel zu sehen, um die sich eine Schlange windet. Die Muttergottes zertritt ihr den Kopf. Die gesamte Darstellung ist von Putten umgeben, die im oberen Teil ein Spruchband halten, ansonsten tragen sie Kordeln mit Bommeln.[15]
  • In einer Muschelnische steht eine Figur, die den Antonius darstellt.[16]
  • Der Epitaph aus Sandstein für Hermann von Mengersen, der 1585 starb, stammt aus der Vorgängerkirche.
  • Das Ölgemälde mit der Vision des Johannes von Matha und des Felix von Valois wurde im dritten Drittel des 18. Jahrhunderts vermutlich von Anton Joseph Stratmann gemalt.
  • Der Korb der Kanzel wird von einem Engel mit wehendem Gewand und ausgebreiteten Flügeln getragen, unterhalb der Brüstung blicken kleine Engelsköpfe mit Flügeln in den Kirchenraum. Der Heilige Geist wird unterhalb des Schalldeckels als Taube mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt. Auf dem Deckel rankt sich Akanthusornament hoch, auf dem der gute Hirte, mit einem über die Schultern gelegten Schaf, steht.[17]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1692 ursprünglich für Blomberg erbaut.[18] Der Orgelbauer ist unbekannt, der Prospekt ist dreitürmig und mit einer Figur des David und Posaunengeln geschmückt.[19] Nach mehreren Umbauten und Erweiterungen (1844 baute Georg Mehring das Instrument auf 8'-Basis um, Carl Krämer fügte 1880 eine neue Gambe hinzu und Carl Krämer ersetzte die Bälge)[20] wurde das Instrument 2003 weitgehend in den Ursprungszustand zurückversetzt. Das historische Pfeifenmaterial ist weitgehend erhalten, ebenso wie das Orgelgehäuse und die Windladen. Das Instrument hat 9 Manualregister (Principal 8′, Salicional 8′, Gambe 8′, Gedackt 8′, Octav 4′, Gedackt 4′, Octav 2′, Quinte 11/3′ und Mixtur III) und ein Pedalregister (Subbass 16′).[21]

Das Instrument wird im Rahmen der Orgelroute OWL eingesetzt, bei der Besucher Zeugnisse barocker Handwerkskunst hören können.[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zugehörigkeit der Gemeinde
  2. Theodor Arens, Stanislaus Kandula, Roman Mensing: Barock im Erzbistum Paderborn, Bonifatius Verlag Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-495-2, Seite 256
  3. Georg Dehio, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, Seite 189
  4. Georg Dehio, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, Seite 190
  5. Familie von Mengersen
  6. Georg Dehio, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, Seite 190
  7. Renovierung 2012
  8. Georg Dehio, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, Seite 189
  9. Georg Dehio, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, Seite 190
  10. Theodor Arens, Stanislaus Kandula, Roman Mensing: Barock im Erzbistum Paderborn, Bonifatius Verlag Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-495-2, Seite 260
  11. Theodor Arens, Stanislaus Kandula, Roman Mensing: Barock im Erzbistum Paderborn, Bonifatius Verlag Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-495-2, Seite 260
  12. Georg Dehio, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, Seite 190
  13. Theodor Arens, Stanislaus Kandula, Roman Mensing: Barock im Erzbistum Paderborn, Bonifatius Verlag Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-495-2, Seite 260
  14. Theodor Arens, Stanislaus Kandula, Roman Mensing: Barock im Erzbistum Paderborn, Bonifatius Verlag Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-495-2, Seite 263
  15. Theodor Arens, Stanislaus Kandula, Roman Mensing: Barock im Erzbistum Paderborn, Bonifatius Verlag Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-495-2, Seite 262
  16. Georg Dehio, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, Seite 190
  17. Theodor Arens, Stanislaus Kandula, Roman Mensing: Barock im Erzbistum Paderborn, Bonifatius Verlag Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-495-2, Seite 262
  18. Blomberg
  19. Georg Dehio, unter wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, Seite 190
  20. Orgelerweiterungen
  21. Zur Orgel der Pfarrkirche
  22. Orgelroute
  23. Gesamtwerk

Koordinaten: 51° 40′ 50,7″ N, 9° 9′ 45,6″ O