St. Paul (Esslingen am Neckar)

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Das Münster St. Paul von Osten

Das katholische Münster St. Paul in Esslingen am Neckar ist ein frühgotischer Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert. Die Kirche gilt als älteste erhaltene Bettelordenskirche Deutschlands. Sie steht am westlichen Rand des Marktplatzes und gehört zusammen mit der evangelischen Stadtkirche St. Dionys und der am Hang liegenden Frauenkirche zu den prägenden Kirchengebäuden der Innenstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundstein zur Kirche wurde 1233 gelegt, zugleich mit dem Grundstein des Dominikanerklosters. Der eigentliche Bau begann aber erst 1255. Im April 1268 n. Chr. weihte Albertus Magnus die Kirche. Die dreischiffige Säulenbasilika wurde damit die erste gewölbte Dominikanerkirche in Deutschland. In den ersten Jahrhunderten diente die Kirche auch als Begräbnisstätte. Das älteste erhaltene Ausstattungsstück ist die Grabplatte des Augsburger Weihbischofs Johannes Haiterbach, der 1447 in Esslingen verstarb. Die Platte ist aus rotem Marmor gearbeitet. Die alte Bettelordenskirche wurde während des Bildersturms ihres übrigen Schmucks großenteils beraubt; 1532 gaben die Dominikaner die Kirche auf. Bis 1802 wurde sie dann für evangelische Gottesdienste genutzt, danach diente sie als Futtermagazin, Lagerraum, Kelter und Waaghaus. Von 1827 bis 1832 wurden in dem Gebäude die Esslinger Liederfeste unter Karl Pfaff abgehalten. Im Jahr 1861 kaufte die katholische Kirchengemeinde in Esslingen das Münster für 15 000 Gulden. In der Zeit bis zur neuerlichen Weihe 1864 wurde auch das Pfarrhaus in der Augustinerstraße 5 errichtet. Das neben der Kirche gelegene Klostergebäude hingegen wurde seit den Tagen der Reformation als Waisenhaus und Schule genutzt und beherbergt heute die Waisenhofschule.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht

Ursprünglich war die Nordseite der schlicht gehaltenen Kirche als Schaufassade angelegt worden, an der sich auch – im sechsten Joch – das Hauptportal befand. Es war einer wichtigen Straße, die auf das Mettinger Tor zuführte, zugewandt. Durch die Umgestaltung der Umgebung im 20. Jahrhundert hat die Lage der Kirche an Attraktivität verloren. Der Haupteingang befindet sich nun auf der Westseite, die einst nur zehn Meter von der Stadtmauer entfernt war. Statt eines Turmes trägt das Münster St. Paul nur einen Dachreiter. Chor und Langhaus sind nicht voneinander abgesetzt, es gibt kein Querhaus. Mit einer 1664 erfolgten Überarbeitung der Außenfassung der Kirche wurde eine weiße Fugenzeichnung zwischen den Sandsteinquadern angelegt. Diese wurde bei einer Restaurierung im Jahr 1994 wieder hergestellt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fenster des östlichen Seitenschiffs aus dem Jahr 1934 stammen von Adolf Saile. Die farbigen Glasfenster im Polygonalchor mit Motiven aus den Paulusbriefen und das Fenster über der Orgelempore wurden 1961 von Wilhelm Geyer gestaltet. Sie zeigen in kleinen Medaillonbildern Szenen des Alten Bundes und auf größeren Flächen die Erfüllung im Neuen Bund. Die fünf Chorfenster wurden am Palmsonntag 1962 der Öffentlichkeit vorgestellt, waren jedoch von Anfang an nicht unumstritten. Die gelbgrünen Töne wurden von Walter Supper, dem damaligen Hauptkonservator der Denkmalpflege, gar als „pervers-infernale Farbe“ kritisiert und mussten nachträglich durch Übermalung gemildert werden.[1] Weitere Fenster wurden 1995 von Emil Kiess und 2003 von Johannes Schreiter gestaltet.[2]

Ulrich Rückriem schuf 1994 Ambo, Altar und Taufstein sowie eine Stele, auf der eine Pietà von Johannes Retzbach ihren Platz fand.

Seit 1927 wird alljährlich eine Weihnachtskrippe von Sebastian Osterrieder im Münster St. Paul aufgestellt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1966 von der Orgelbaufirma Rieger (Schwarzach, Vorarlberg) erbaut und 1994 renoviert. Das Instrument hat 41 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[3]

I Rückpositiv C–g3
Salicional 8′
Rohrflöte 8′
Principal 4′
Koppelflöte 4′
Sesquialter II 223
Gemshorn 2′
Quinte 113
Scharff IV 1′
Schalmei 4′
Krummhorn 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Pommer 16′
Principal 8′
Holzflöte 8′
Octave 4′
Quinte 223
Superoctave 2′
Mixtur IV-VI 113
Cornett VI 8′
Trompete 16′
Trompete 8′
Tremulant
III Brustwerk C–g3
Holzgedackt 8′
Quintade 8′
Rohrflöte 4′
Principal 2′
Nachthorn 2′
Terz 135
Octave 1′
Zimbel III 13
Dulcian 16′
Vox Humana 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Principalbass 16′
Subbass 16′
Quintbass 1023
Octave 8′
Subbass 8′
Zink III 513
Rohrpfeife 4′
Choralbass V 4'
Posaune 16′
Trompete 8′
Trompete 4′

Seit 1985 ist Felix Muntwiler Kirchenmusiker der St.-Pauls-Gemeinde. Er leitet unter anderem den Münsterchor St. Paul.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 700 Jahre St.-Paulskirche Esslingen. Festschrift zum 700jährigen Weihejubiläum der St. Paulskirche. Hrsg. v. der Kath. Kirchengemeinde St. Paul Esslingen. Esslingen, 2. erw. Aufl., 1989.
  • Robert Uhland: Die Esslinger Klöster im Mittelalter. In: Esslinger Studien 8 (1961), S. 7–42.
  • Falk Jaeger: Das Dominikanerkloster in Esslingen. Baumonographie von Kirche und Kloster. Diss. Hannover 1993, (Esslinger Studien 13) Sigmaringen 1994

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arbeitskreis Kirche und Kunst (Hrsg.): Die Paulusfenster im Münster St. Paul Esslingen. 1961 von Wilhelm Geyer geschaffen. Esslingen 2008, S. 6.
  2. http://www.kirchkunst.de/guided_tours/view/46 (Memento vom 28. Juni 2013 im Internet Archive)
  3. Informationen zur Orgel von St. Paul

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Münster St. Paul (Esslingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 44′ 34,5″ N, 9° 18′ 19,4″ O