Stab (Ornamentik)

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Verschiedene Stabformen in den Archivolten des Portals der romanischen Kirche von Jaramillo de la Fuente, Spanien
Perlstab im Portalrahmen des Tempels von Amrol, Indien
Mandorla in Form zweier gekrümmter Lochstäbe, die von kleineren Perlstäben eingefasst sind – Tympanon der Kirche Saint-Pierre de Carennac
Zwillingsfenster (Biforium) mit Rundstab, Hohlkehle und Diamantstab an der Burg Hornberg (Neckarzimmern)
Perlstab mit Einfügungen
Astragal mit Zwischenstücken

Mit dem Begriff Stab werden in der Ornamentkunst schmale Dekorelemente mit eng aneinandergereihten (seriellen) und meist geometrischen Einzelformen bezeichnet, die innerhalb eines größeren dekorativen Zusammenhangs auftreten (z. B. an Fenster- und Türrahmungen, Archivolten, Bilderrahmen oder Schmuckstücken). Stäbe haben keine besonders betonten Anfangs- oder Endstücke; regelmäßig wiederkehrende Unterbrechungen bzw. Auflockerungen des jeweiligen Motivs durch Zwischenstücke sind jedoch möglich (vor allem bei Perlstäben). Stäbe dienen in der Regel als Rahmungen.

Andere gereihte Ornamentformen sind meist deutlich breiter und eignen sich deshalb nur sehr eingeschränkt als Rahmungen oder Einfassungen, z. B. Bogenfries, Zahnschnitt, Mäander, Wellenband, Girlande, Flechtband. Sie werden üblicherweise nicht als „Stab“, sondern als „Band“ oder „Fries“ bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reihungen ein und desselben Motivs sind spätestens seit der Antike in nahezu allen Stilperioden der europäischen Kunst anzutreffen. In der außereuropäischen Ornamentkunst treten sie dagegen eher selten in Erscheinung.

Auftreten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stäbe können sowohl horizontal als auch vertikal oder in Bogenformen angeordnet sein, doch wiederholen sie sich nicht in gleicher Gestalt nebeneinander oder in der Fläche (Ausnahme: Gitterstäbe). In der Goldschmiede- und Glaskunst sowie in der Elfenbeinschnitzerei und Kunsttischlerei sind Stabmotive als Rahmungen häufig anzutreffen; vereinzelt finden sie sich auch in Werken mittelalterlicher Buchmalerei. In der Architektur treten Stäbe meist auf an Portalgewänden sowie in den Rahmungen von Fenstern etc.; auch an geschnitzten Holzrahmen (z. B. Bilderrahmen) oder an Stuckaturen treten sie des Öfteren in Erscheinung.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stabformen sind vergleichsweise einfach herzustellen. Um ungewollte Überschneidungen, Abbrüche und andere Unstimmigkeiten zu vermeiden muss allerdings vorher genau gemessen werden – das Motiv wird anschließend auf das zu bearbeitende Material durch Vorzeichnung oder Ritzung aufgetragen. Waren Stäbe früherer Zeiten stets Einzelanfertigungen, so sind heute industriell vorgefertigte Stäbe aus Holz, Gips, Metall oder Kunststoff käuflich zu erwerben.

Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stabformen bildeten in früheren Zeiten eine hoheitliche – an Goldschmiedearbeiten wie Edelsteinketten oder Perlenschnüre erinnernde – Einfassung eines Bildmotivs, eines Portaleingangs oder einer (Fenster-)Rahmung. Die eher seltenen Sternstäbe nehmen eindeutigen Bezug auf die himmlische Sphäre.

Seit dem Barock, spätestens jedoch seit dem Klassizismus und Historismus haben Stabformen ihre Symbolik weitgehend eingebüßt und sind im Allgemeinen nur noch als reine Dekorelemente aufzufassen.

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abhängig vom Motiv unterscheidet man unter anderem

Für die Formen Rundstab, Perlstab und Eierstab gibt es auch die allgemeinere Bezeichnung Astragal.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Astragal im Kunstlexikon von P. W. Hartmann.