Motorbootbetriebe der Stadt Konstanz

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Die Motorbootbetriebe der Stadt Konstanz führten von 1911 bis 1991 mit Passagiermotorbooten den ersten öffentlichen Personennahverkehr der Stadt Konstanz zwischen den links- und rechtsrheinischen Stadtteilen durch. Die Boote fuhren im Konstanzer Trichter mehrere Landestellen zwischen Hafen, Strandbad „Hörnle“ und dem schweizerischen Bottighofen an. Zudem verband unterhalb der alten Konstanzer Rheinbrücke, dem Rheinkilometer Null, eine Personenfähre die beiden Ufer des Seerheins.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Private Gründungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Schroff, ein Konstanzer Bootsbauer, eröffnete 1892 eine „Überfahrtanstalt“ und beförderte mit Ruderbooten Fahrgäste zwischen der Konstanzer Altstadt und dem Vorort Petershausen. Der Fährbetrieb mit später bis zu vier Motorbooten war nur bis zum Ersten Weltkrieg erfolgreich. Um den für die Bevölkerung wichtigen Fährbetrieb erhalten zu können, übernahm ihn 1916 die Stadt Konstanz zusammen mit dem Fährboot Komet, das erst 1960 durch die Niederburg abgelöst wurde.

Werbung der Hitzler Werft in „Hansa“ 1913

1909 gründete James de Reynier die „Motorboot-Gesellschaft m.b.H. Konstanz“ für den lokalen Verkehr in der Konstanzer Bucht. Der Kauf von fünf Barkassen mit den Namen der Anrainerländer des Bodensees führte aber wegen widriger Umstände trotz des Verkaufs zweier Boote bereits ein Jahr später zur Insolvenz. Die häufig als Bauwerft genannte Firma Deurer & Kaufmann in Hamburg war keine Werft, sondern als Exportagentur nur Verkäuferin der Boote, die von der Schlosswerft Holtz in Hamburg-Harburg mit den Baunummern 1653–1657 hergestellt worden waren.[1] Das Design der Boote basierte auf Vorlagen der Hitzler Werft, wobei die beiden Schwesterschiffe Württemberg und Österreich etwas größer waren als die drei anderen.

Passagiermotorboote der privaten Motorboot-Gesellschaft m.b.H. Konstanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name,
Jahr: späterer Name
Indienst-
stellung
Werft Länge (m) Motor / PS / km/h Kapazität
Personen
Verbleib,
Bemerkung
Baden 1909 Schlosswerft
Hamburg
11,00 Benzin / 16 / 12 40 unbekannt
Bayern
1910: Hallwyl
1959: Möve
aktuell: Griffioen
1909 Schlosswerft 11,00 Benzin / 16 / 12 40 1910 verkauft,
aktuell: in Betrieb in Amsterdam
Württemberg
1911: Mainau
1912: Rhein
1916: Seehase
1909 Schlosswerft 12,00 Benzin / 17 / 12 50 1916 ausgebrannt und wieder aufgebaut
1950 verkauft
Schweiz
1910: Vedetta
1909 Schlosswerft 11,00 Benzin / 16 / 12 40 1910 verkauft,
aktuell: in Betrieb auf dem Luganersee
Österreich
1911: Konstanz
1925: Rhein
1909 Schlosswerft 12,00 Benzin / 17 / 12 50 1910 verkauft an den Luganersee,
1911 Rückkauf nach Konstanz,
Verbleib unbekannt

Kommunaler Verkehrsbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Konstanz gründete 1911 den Motorbootbetrieb der Technischen Werke Konstanz (später: Stadtwerke Konstanz) und übernahm das private Unternehmen mit den drei restlichen Booten, einer kleinen Werft und den Anlegestellen; bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs folgten drei weitere Boote. Von 1915 bis 1918 musste die Stadt vier Boote an die Österreichisch-Deutsche Bodenseeflottille vermieten, wo sie in der „Seewache“ zum Grenzschutz eingesetzt wurden.

1916 folgte als Ersatz die heute noch aktive Gustav Prym. Die Jahre zwischen 1920 und 1939 waren mit 12 Booten, darunter die Konstanz, und einem erweiterten Streckennetz sehr erfolgreich, bis es im Zweiten Weltkrieg erneut zur Beschlagnahmung von Booten für die „Seeüberwachung“ kam.

1960 wurde die Rheinfähre Komet durch die Niederburg ersetzt. Die Hörnle war 1963 das letzte Boot, das für den Verkehr in der Konstanzer Bucht in Dienst gestellt wurde, bevor 1982 dieser unrentable Motorbootbetrieb eingestellt wurde. Nach dem Bau einer Brücke mit Geh- und Radweg wurde 1991 auch der Betrieb der Rheinfähre eingestellt. Damit endete die 80-jährige Existenz des ersten Verkehrsbetriebs der Stadtwerke Konstanz. Die Linie in der Konstanzer Bucht wird heute von einem privaten Unternehmen im Auftrag der Stadtwerke betrieben.

Im Dezember 2014 beschloss die Stadtverwaltung Konstanz eine Studie zu einem umfassenden Nahverkehrsplan, der auch einen „Wasserbus“ vorsieht. Diese regelmäßige Linie auf dem Seerhein soll alle wichtigen Ziele zwischen der Schänzlebrücke und dem Rheintorturm verknüpfen; ein privates Unternehmen bot bereits eine Testphase als „Wassertaxi“ an. Eine Erweiterung dieser Linie in die Konstanzer Bucht wird erwogen.[2]

Passagiermotorboote des Motorbootbetriebs der Stadtwerke Konstanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name,
Jahr: späterer Name
Indienst-
stellung
Werft Länge (m) Motor / PS / km/h Kapazität
Personen
Verbleib,
Bemerkung
Mainau 1912 unbekannt 11,00 Benzin / 20 / 12 40 1951 verkauft
Deutschland 1912 Schlosswerft, Hamburg 13,00 Benzin / 20 / 12 65 1969 verkauft. Seit 1978 als Hausboot in Dingelsdorf[3]
1910: Komet 1896 (?) unbekannt 9,10 Elektro / 3 / 6 25 1961 Abbruch des Fährbootes
1915: Möwe
 ? Rhein
unbekannt Lürssen, Bremen 9,00 Benzin / 5 / ? 20 unbekannt
Gustav Prym 1916 unbekannt[4] 12,50 Benzin / 30 / 13,5 50 1965 Umbau zum Löschboot
1986 Verkauf, Umbau in Bodman
1999 Schraubendampfer im Ausflugsverkehr
1918: Donna Martha
1921: Bodan
1927: Staad
unbekannt Peter Lemmerz und Sohn
Königswinter/Rhein
11,90 Benzin / 15 / 13 40 unbekannt
Jakob 1922 Bodan-Werft 12,30 Benzin / 16 / 12 50 1950 verkauft
1923: Meteor 1910 ? Peter Lemmerz und Sohn 11,00 Elektro / 15 / 16 10 1934 verkauft
Laugele 1924 Lürssen 7,20 Elektro / 1,5 / 6 6 1934 verkauft
Konstanz 1925 Bodan-Werft 22,65 Diesel / 84 / 18,15 140 1936 an die URh Schaffhausen verkauft.
In Betrieb als Ausflugsschiff unter Denkmalschutz
Bodan 1927 Bodan-Werft 18,50 Diesel / 40 / 15,5 80 1937 Kollision mit einem startenden Wasserflugzeug.
1945 im Hafen der Bodan-Werft gesunken.
1969 verkauft. Seit 1982 auf dem Inn.
Weller 1948 Bodan-Werft 13,50 Diesel / 12 / 12,6 100 1969 verkauft, 1977 abgebrochen
Stadt Konstanz 1952 Bodan-Werft 23,00 Diesel / 220 / 23 134 nach 1982 an Privatunternehmen verkauft,
2013 nach Polen verkauft.
Niederburg 1960 Bodan-Werft 10,30 Diesel / 25 / 12 30 1991 als Rheinfähre ausgemustert.
Verkehrt als Personenfähre auf dem Peenestrom.
Hörnle 1963 Bodan-Werft 20,00 Diesel / 155 / 23 100 1982 verkauft an den Sarnersee.

Noch existierende Motorboote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mindestens sieben der insgesamt 20 eingesetzten Motorboote sind noch erhalten, teilweise fast im Originalzustand.

Bayern (1909)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bayern gelangte in den Besitz der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee und verkehrte als Hallwyl. Im Jahr 1959 zog ein schwerer Sturm über den Hallwilersee und beschädigte das Schiff an seinem Liegeplatz schwer. Aus der Schale wurde nun die Möve neu aufgebaut. Die Möve wurde 1998 außer Betrieb genommen und zuerst nach Stein am Rhein und drei Jahre später in die Niederlande verkauft. Heute verkehrt das Schiff als Nostalgie-Salonboot mit Namen Griffioen in den Grachten von Amsterdam.[5][6]

Schweiz (1909)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gustav Prym: 50 Jahre im Linienverkehr, danach Feuerwehrboot, heute Schraubendampfer im Ausflugsverkehr

Zwei weitere Boote der Motorboot-Gesellschaft Konstanz, die Schweiz und die Österreich, wurden an den Luganersee verkauft. Käufer war die Società la Vedetta. Die Österreich wurde bereits nach einem Jahr, nach der Gründung einer Auffanggesellschaft in Konstanz mit öffentlichem Kapital, wieder an den Bodensee zurückgegeben. Die Schweiz, unter der Bau-Nr. 1657 im Frühjahr 1909 erbaut, verkehrt unter dem Namen Vedetta als einziges der ehemaligen Fahrzeuge der Società la Vedetta nach wie vor auf dem Luganersee, heute unter der Flagge der SNL.[7] In den letzten Jahren wurde die Vedetta noch fast im Originalzustand als Arbeitsboot verwendet. Nach dem Einbau eines Elektromotors und von Kollektoren verkehrt sie äußerlich verändert ab 2016 als erstes schweizerisches Solar-Fahrgastschiff.[8]

Gustav Prym (1916)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gustav Prym fuhr ab 1916 im Linienverkehr. 1965 wurde sie zum Feuerwehrboot umgebaut und in den 1990er Jahren privat restauriert. Der Lloyd-Benzinmotor wurde durch eine Dampfmaschine ersetzt.

Konstanz (1925)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konstanz entspricht äußerlich fast dem Original 1925

Die Konstanz wurde zwar 1925 vom Motorbootbetrieb der Stadtwerke Konstanz in Auftrag gegeben und war zehn Jahre lang deren Eigentum. Sie wird aber seit der Indienststellung 1925 ununterbrochen von der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) eingesetzt.

Stadt Konstanz (1952)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Motorschiff Stadt Konstanz wurde 1952 von der Bodan-Werft in Kressbronn am Bodensee für den Motorbootbetrieb der Stadtwerke Konstanz gebaut und war der Prototyp der Raubvogelklasse. Bis zur Einstellung des städtischen Motorbootverkehrs in der Konstanzer Bucht 1982 war es dort und im Ausflugsverkehr zur Insel Mainau eingesetzt. Nach einer Verwendung als Arbeitsschiff kam es in den Besitz verschiedener privater Bootsbetriebe, bis es 2012 von der Stadtwerke-Tochter Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) gekauft wurde. Da sich eine notwendige Renovierung nicht rentierte, wurde das Boot 2013 nach Polen verkauft.[9]

Niederburg (1960)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1960 von der Bodan-Werft gebaute Motorboot löste die Komet ab, die 50 Jahre lang als Personenfähre auf dem Seerhein unterhalb der alten Rheinbrücke die Altstadt („Niederburg“) mit dem rechtsrheinischen Stadtteil Petershausen verbunden hatte.[10] Sie war bei etwa gleicher Größe und Kapazität wesentlich stärker motorisiert und schneller. Nachdem die unrentable Linie als letzte von den Stadtwerken Konstanz 1991 eingestellt worden war, wurde die Niederburg verkauft und verkehrt jetzt als Personen- und Fahrradfähre Lisa auf dem Peenestrom zwischen Kamp und Karnin auf der Insel Usedom, nahe der historischen zerstörten Hubbrücke Karnin. Zur Erleichterung der Fahrradbeförderung wurde das Boot am Bug umgebaut.[11]

Hörnle (1963)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1963 von der Bodan-Werft gebaute Motorboot wurde auf der Linie im Konstanzer Trichter eingesetzt. Seit dem Verkauf 1982 fährt das Boot als Seestern Rundfahrten auf dem schweizerischen Sarnersee.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sofern nicht anders vermerkt, sind alle Angaben[12] entnommen aus: Stadtwerke Konstanz (Herausgeber): Motorboot-Betrieb der Stadtwerke Konstanz. 1911–1991. Die interessante Geschichte des ersten Verkehrsbetriebes der Stadt Konstanz. Text: Christoph Halves. Verlag Stadtwerke, Konstanz 1991. Einzelveröffentlichung Kennziffer 75601809.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefano Butti: Hamburger Schiffe für die Schweiz (Teil 1, Die Schlosswerft). In: Dampferzeitung, 4/2014, Nr. 179, Luzern, Dezember 2014 und Schlosswerft Holtz und Agentur Deurer & Kaufmann
  2. Claudia Wagner: An Ideen fehlt es nicht. In: Südkurier vom 9. Dezember 2014 und Wiedereinführung des Wassertaxis: Fährbetreiber bietet Testphase an. In: Südkurier vom 29. Dezember 2014.
  3. Südkurier: 105 Jahre alte MS Deutschland wird verkauft: Die Zehn-Pfennig-Fähre verlässt den Bodensee. 5. Mai 2018, abgerufen am 8. August 2018.
  4. siehe Fußnote (1)
  5. Zitat Stefano Butti (formal leicht verändert), Dampferzeitung, 4/2014.
  6. Die Griffioen, ehemals Bayern (Memento vom 16. Dezember 2014 im Internet Archive)
  7. Stefano Butti, Dampferzeitung, 4/2014
  8. Die Vedetta, ehemals Schweiz
  9. Die Stadt Konstanz auf bodenseeschifffahrt.de
  10. Aufnahmen vom ehemaligen Fährbetrieb der Rheinfähre Niederburg. Stand 1978.
  11. Heutiges Aussehen der Niederburg
  12. Die beiden Tabellen sind entsprechend dem Inhalt des Artikels ergänzt worden.