Leifers

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Leifers
(italienisch Laives)
Wappen
Wappen von Leifers
Karte
Leifers in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Überetsch-Unterland
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
16.933/18.029
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
27,99 % deutsch
71,50 % italienisch
0,51 % ladinisch
Koordinaten 46° 26′ N, 11° 20′ OKoordinaten: 46° 26′ N, 11° 20′ O
Meereshöhe: 227–1550 m s.l.m. (Zentrum: 255 m s.l.m.)
Fläche: 24,25 km²
Dauersiedlungsraum: 11,0 km²
Fraktionen: Leifers, Seit, Steinmannwald, St. Jakob
Nachbargemeinden: Bozen, Branzoll, Deutschnofen, Pfatten
Postleitzahl: 39055
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021040
Steuernummer: 80003880210
Bürgermeister (2020): Christian Bianchi

Leifers ([ˈlaɪ̯fɐs]; italienisch Laives[1]) ist eine Stadt mit 18.029 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019) im Südtiroler Unterland in Italien.

Leifers ist die nach Einwohnern viertgrößte und seit ihrer Erhebung 1985 jüngste der acht Städte Südtirols. Zudem ist sie nach Bozen die Gemeinde mit dem größten Anteil an Einwohnern mit italienischer Muttersprache.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über Leifers (im Vordergrund) nach Norden Richtung Bozen; ganz rechts am Bildrand sind einige Höfe der Bergfraktion Seit erkennbar

Das 24,25 km² große Stadtgemeindegebiet von Leifers erstreckt sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Landeshauptstadt Bozen im Unterland, einem Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols. Das auf dem Schwemmkegel des Brantenbachs gewachsene Stadtzentrum Leifers (230–290 m s.l.m.), die im 20. Jahrhundert entstandene Wohnsiedlung Steinmannwald (230–310 m) und das direkt an der Stadtgrenze zu Bozen im Norden gelegene St. Jakob (240 m) bilden eine Siedlungskette auf der orografisch linken (östlichen) Talseite. Im Westen, wo das Gemeindegebiet stellenweise die Etsch und den Mündungsbereich des Eisack erreicht, grenzt Leifers an Pfatten, im Süden an Branzoll. Im Osten erhebt sich das zu den Fleimstaler Alpen gezählte Regglberger Plateau, das von Leifers aus durch das tief eingeschnittene Brantental gegliedert wird und die Gemeindegrenze zu Deutschnofen trägt. Dort finden auf mittelgebirgigen Hängen hoch über der Talsohle die verstreuten Höfe des historischen Viertels Breitenberg (550–850 m) und der Fraktion Seit (620–1090 m) Platz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem „Peterköfele“ genannten Hügel hinter dem heutigen Stadtzentrum entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Burg Liechtenstein. Die abgesehen von der Kapelle St. Peter heute nur noch in spärlichen Mauerresten erhaltene Anlage wurde wohl bereits im ausgehenden 13. Jahrhundert aufgelassen.[2] Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort Leifers im Jahr 1237 („Leiuers“).[3] 1288 ist im Tiroler landesfürstlichen Urbar Graf Meinhards II. von Tirol-Görz „in Leiuers“ der „hof bi der Aiche“ verzeichnet.[4] Ab 1333 ist der Herkunftsname „Leiferser“ auch in Bozen bezeugt.[5] Nach der Bozner Landgerichtsordnung von 1487 war Leifers eines der zahlreichen Viertel des Landgerichts Gries-Bozen, dem als Hauptleute die beiden Leiferer Hans Stadler und Ulrich Lochmann vorstanden.[6]

Zu einer Gemeinde wurde Leifers formell im Jahr 1819, stand jedoch weiterhin unter der Aufsicht des Magistratsbezirks Bozen.[7] Erst durch dessen Aufteilung 1849 wurde Leifers (gleichzeitig mit den Gemeinden Gries und Zwölfmalgreien) zu einer Landgemeinde mit relevanten Selbstverwaltungsbefugnissen.

Aufgrund der Nähe zur Stadt Bozen und den günstigeren Wohnangeboten in Leifers zogen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Tausende Einwohner hierher; das rasche Bevölkerungswachstum führte 1985 zur Erhebung von Leifers zur jüngsten Stadt Südtirols.[8] Die rasche Entwicklung vom landwirtschaftlich geprägten Dorf zur Satellitenstadt machte erhebliche Investitionen in die Infrastruktur nötig.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Einwohnerschaft der Stadt kann der Sprache und Herkunft nach in fünf Hauptgruppen unterteilt werden:

  • traditionelle deutschsprachige Gruppe
  • traditionelle italienischsprachige Gruppe (historische italienischsprachige Minderheit im Südtiroler Unterland, welche vor allem im 19. Jahrhundert aus Welschtirol einwanderte)
  • in den letzten Jahrzehnten zugewanderte deutschsprachige Gruppe (vor allem aus dem restlichen Südtirol)
  • in den letzten Jahrzehnten (über Bozen) zugewanderten italienischsprachige Gruppe, die zahlenmäßig die bedeutendste ist
  • Migranten/innen bzw. Neubürger/innen aus europäischen und außereuropäischen Ländern

Nach der Volkszählung 2011 rechnen sich 71,50 % der Einwohner zur italienischen Sprachgruppe, 27,99 % zur deutschen und 0,51 % zur ladinischen Sprachgruppe.[9]

Anzahl Einwohner und Verteilung der Sprachen
Jahr Einwohnerzahl Sprachgruppen[10][11][12][13][14]
Deutsch Italienisch Ladinisch
1890 01848 48,23 % 51,77 % -
1900 02513 64,69 % 35,31 % -
1910 03040 87,74 % 12,26 %
1921 03192
1931 04363
1936 04865
1951 06208
1961 08403
1971 10.154 25,46 % 74,42 % 0,12 %
1981 12.577 31,59 % 68,11 % 0,30 %
1991 13.707 30,16 % 69,34 % 0,50 %
2001 15.095 29,07 % 70,42 % 0,51 %
2011 16.933 27,99 % 71,50 % 0,51 %
Verteilung der Einwohner auf die Fraktionen zum 31. Dezember 2019[15]
Leifers St. Jakob Steinmannwald Seit Gesamt
11776 3669 2568 87 18100

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutschsprachigen Bildungsangebote umfassen auf dem Gemeindegebiet die zwei Grundschulen im Hauptort Leifers und in St. Jakob, sowie die Mittelschule in Leifers. Diese werden von einem Schulsprengel verwaltet, dem auch die zwei Grundschulen der Nachbargemeinden Branzoll und Pfatten angeschlossen sind.[16]

Für die italienische Sprachgruppe gibt es drei Grundschulen im Hauptort Leifers, in Steinmannwald und in St. Jakob, sowie die Mittelschule im Hauptort. Diese sind in einem Schulsprengel zusammengeschlossen, dem auch die Grundschule der Nachbargemeinde Pfatten angehört.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister seit 1952:[17]

  • Alfred Gerber: 1952–1956
  • Ennio Janeselli: 1956–1960
  • Eduard Weis: 1960–1964
  • Armando Polonioli: 1964–1969
  • Orlando Pristerá: 1969–1975
  • Carlo Gioia: 1975–1981
  • Ruggero Galler: 1981–1993
  • Claudio Pasetto: 1993–1998
  • Ruggero Galler: 1999–2005
  • Giovanni Polonioli: 2005–2010
  • Liliana Di Fede: 2010–2015
  • Christian Bianchi: seit 2015

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Kraftverkehr ist Leifers in erster Linie durch die SS 12 erschlossen, die das Gemeindegebiet durchquert. Die ursprünglich die Ortszentren der Leiferer Siedlungskerne durchquerende bzw. berührende Straße wurde zwischen 2001 und 2014 in einem Umfahrungsprojekt neu trassiert: 2001–2005 wurde der um St. Jakob herumführende Tunnel verwirklicht, 2007–2009 der Abschnitt bei Steinmannwald talwärts verlegt und 2008–2014 erfolgte der Bau des 2900 Meter langen Umfahrungstunnels für das Leiferer Stadtzentrum.

Die zur Gemeinde gehörenden Flächen an der Etsch erreichen stellenweise die A22, deren nächstgelegene Ein- und Ausfahrt sich in Bozen befindet. Die Brennerbahn verläuft bei Leifers mitten durch die Talsohle und bietet am Bahnhof Leifers eine Zugangsstelle. Der Flughafen Bozen liegt teilweise auf Leiferer Gemeindegebiet. Zudem führt die Radroute 1 „Brenner–Salurn“ an Leifers vorbei.

Leifers war bis 1948 durch die Straßenbahn Bozen an die Landeshauptstadt angebunden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • St. Jakob in der Au, spätromanisch-gotischer Kirchenbau und alte Pfarrkirche von St. Jakob
  • Neue Pfarrkirche Leifers: Ein besonderes Wahrzeichen der Stadt Leifers ist der im Jahr 2004 nach Entwurf der Meraner Architekten Höller & Klotzner errichtete Zubau zur alten Kirche.[18] Die alte Kirche wurde aber nicht abgerissen, sondern an der Nordwand an drei Stellen (wo sich früher zwei Beichtstühle und der Seiteneingang befanden) geöffnet. Das neue Kirchenschiff wurde im 90-Grad-Winkel angebaut. Der Kirchturm stammt aus dem Jahr 1250, die Kirche wird 1386 in einer Urkunde erstmals schriftlich erwähnt. Seit 1787 steht in der Leiferer Pfarrkirche das Weißensteiner Gnadenbild, eine 16 cm hohe Pietà aus Alabaster.
  • Kapelle St. Peter am Köfele: Die in ihren Ursprüngen hochmittelalterliche Kapelle auf dem „Peterköfele“ hoch über Leifers war einst Teil der weitgehend abgegangenen Burg Liechtenstein. Burg und Kapelle lagen an der alten Wegeverbindung auf den östlich vorgelagerten Bergrücken des Regglbergs (ehemaliges Gericht Deutschnofen). Die historischen Kirchenrechnungen von St. Peter aus den Jahren 1542–1818 werden vom Stadtarchiv Bozen unter der Signatur Hss. 940–1002 verwahrt.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Staffler: Die Hofnamen von Zwölfmalgreien und Leifers. Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst 1952, Innsbruck, Wagner 1952. (online)
  • Georg Tengler (Red.): Vom Dorf zur Stadt Leifers: Anfänge – Entwicklung – Chancen. Leifers 1998 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Leifers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. IPA: /'lajves/
  2. Stefan Demetz: Liechtenstein. In: Magdalena Hörmann-Weingartner (Hrsg.): Tiroler Burgenbuch. X. Band: Überetsch und Südtiroler Unterland. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 2011. ISBN 978-88-8266-780-1, S. 317–321.
  3. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Band 1. Athesia, Bozen 1995. ISBN 88-7014-634-0, S. 219.
  4. Oswald Zingerle: Meinhards II. Urbare der Grafschaft Tirol (Fontes rerum Austriacarum II/45). Wien: F. Tempsky 1890, XIX, 168.
  5. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 1. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X, S. 261, Nr. 487.
  6. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 191–192, Nr. 1230.
  7. Beda Weber: Die Stadt Bozen und ihre Umgebungen, Bozen 1849, Eberle, S. 326.
  8. Leifers im Tirol Atlas des Instituts für Geographie an der Universität Innsbruck, abgerufen am 2. Februar 2014
  9. Volkszählung 2011, astatinfo Nr. 38 vom Juni 2012, abgerufen am 28. Januar 2013.
  10. Oskar Peterlini, Autonomie und Minderheitenschutz in Trentino-Südtirol (Wien 1997), S. 66
  11. noch als Gemeinde Mittewald - Gemeindelexikon VIII, Tirol und Vorarlberg 1900, S. 16
  12. Die amtliche Bürgerzahl und die Sprachgruppen in Südtirol nach Gemeinde und Bezirk - Volkszählung 1981, S. 21
  13. Südtirol in Zahlen (Bozen 1994), S. 15
  14. Volkszählung 2001. Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Provinz Bozen-Südtirol, S. 6
  15. Statistisches Jahrbuch 2019 der Stadtgemeinde Leifers, abgerufen am 16. Jänner 2021
  16. Schulsprengel Leifers. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  17. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.
  18. Andreas Hempel: Architektur in Südtirol. München: Callwey Verlag 2008.
  19. Hannes Obermair: Multiple Vergangenheiten – Sammeln für die Stadt? Das Bozener Stadtarchiv 3.0. In: Philipp Tolloi (Hrsg.): Archive in Südtirol: Geschichte und Perspektiven / Archivi in Provincia di Bolzano: storia e prospettive (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 45). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2018, ISBN 978-3-7030-0992-1, S. 211–224, Bezug S. 214.