Gries-Quirein

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Gries-Quirein
Italienische Bezeichnung: Gries-San Quirino
Gries Abbey Church.JPG
Pfarr- und Stiftskirche St. Augustin von Gries
Staat Italien
Region Trentino-Südtirol
Provinz Südtirol (BZ)
Gemeinde Bozen
Koordinaten 46° 30′ N, 11° 20′ OKoordinaten: 46° 30′ 1″ N, 11° 20′ 20″ O
Höhe 246 m s.l.m.
Fläche 13,46 km²
Einwohner 30.135 (2012[1])
Bevölkerungsdichte 2239 Einw./km²
Demonym Grieser bzw. Quireiner
Patron Augustinus von Hippo
Kirchtag 28. August
Präsident Christoph Buratti (SVP)
Telefonvorwahl 0471 CAP 39100
Website Offizielle Website
Gries-Quirein vom Guntschnaberg Richtung Süden
Der alte Weinhof Anreiter in Moritzing
Hof Kellermann im Viertel Sand

Gries-Quirein (italienisch Gries-San Quirino, Aussprache zweisilbig als Gri-es /griːəs/) ist eines der fünf Stadtviertel von Bozen, der Landeshauptstadt Südtirols (Italien). Gries-Quirein ist mit 30.135 Einwohnern der bevölkerungsreichste und mit 13,46 km² flächenmäßig zweitgrößte Stadtteil von Bozen.

Das moderne Stadtviertel umfasst wesentliche Teile der alten Landgemeinde bzw. Marktgemeinde Gries (auch Gries bei Bozen), die um die Jahreswende 1925/26 nach Bozen eingemeindet wurde und nach wie vor als Katastralgemeinde existiert.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gries-Quirein liegt im Bozner Talkessel im Etschtal und nimmt den Nordwestteil der Gemeinde Bozen ein. Im Osten bildet der Unterlauf der Talfer die Grenze von Gries-Quirein zum Stadtviertel Zentrum-Bozner Boden-Rentsch. Im Südosten buchtet das Gebiet zum Mündungsbereich der Talfer in den Eisack, der hier eine kurze Wegstrecke die Grenze zum Stadtviertel Oberau-Haslach darstellt, etwas aus. Der Grenzverlauf zum Stadtviertel Europa-Neustift folgt vom Eisack beginnend der Romstraße bis zum Hadrian-Platz und daran anschließend westwärts der Drusus-Allee. In der weiteren Folge bilden die Drusus-Allee und die Sigmundskroner Straße die Südgrenze zum Stadtviertel Don Bosco. An der Etsch erreicht Gries-Quirein die westliche Grenze zur Überetscher Gemeinde Eppan. Im Nordwesten quert die Grenze zur Gemeinde Terlan die flachen landwirtschaftlichen Gründe vor Siebeneich und erreicht das Massiv des Tschögglbergs. Über die Hänge des Guntschnabergs zieht sich nun die Nordgrenze zur Gemeinde Jenesien hin, die sich weiter bis Rafenstein in den Eingangsbereich des Sarntals erstreckt. Dort erreicht Gries-Quirein wieder die Talfer, die flussabwärts größtenteils (mit der Ausnahme von Ried) bis zum Erreichen des eigentlichen Stadtgebiets bei St. Anton die Grenze zur Gemeinde Ritten bildet.

Katastralgemeinde und Stadtviertel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Katastralgemeinde Gries entspricht dem Gebiet der historischen Gemeinde Gries und ist somit größer als das heutige Stadtviertel Gries-Quirein. Die Katastralgemeinde umfasst alle Gebiete westlich der Talfer und nördlich des Eisack und deckt damit auch die später gebildeten Viertel Don Bosco und Europa-Neustift ab.

Gliederung des Stadtviertels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Gries-Quirein gehören die Ortsteile Gries, Fagen, Moritzing, Guntschnaberg, St. Georgen, Sand, Quirein sowie Teile der Kaiserau. Heute in Vergessenheit geraten sind die alten Ortsteilnamen Hof (das Gebiet um den Grieser Platz mit der ehemaligen Kapelle St. Jakob am Hof), Severs (heutiges Fagen) und Russan bzw. Haimgarten (beide heutiges Moritzing).[2] Alte Grieser Höfe – gelegen teilweise in Streulage am Guntschnaberg, im Sand und auf St. Georgen – sind Anich, Anreiter, Baumann, Bühler, Fingeller in Sand, Föhrner, Fuchs in Tschams (Fuchs im Loch), Georgenhof, Kellermann, Kofler auf Zeslar (Ansitz Rundenstein), Kreuzbichl, Kugler, Mantsch, Mauracher, Möckl, Perl, Ramer, Schallbauer, Schmid-Oberrautner, Sichtmann, Steger, Steinwender, Taschler, Thurner, Winterle und Zeiler.[3]

Gries[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „eigentliche“ Gries ist die Gegend um den weitläufigen Grieser Platz, das frühere Viertel Hof und den historischen Mittelpunkt der alten Landgemeinde.

Quirein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Quirein erstreckt sich von der Talferbrücke flussabwärts am rechten Ufer der Talfer und trägt seinen Namen von der mittelalterlichen Quirinuskapelle. Er umfasst somit den südöstlichen Teil des Stadtviertels Gries-Quirein bis zur Einmündung der Talfer in den Eisack.

Moritzing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moritzing im Westen des heutigen Stadtviertels ist ein ländlich geprägtes Gebiet mit landwirtschaftlichen Betrieben, die überwiegend Weinbau betreiben. Der Name leitet sich von der romanischen Kirche St. Mauritius ab, die in der Gotik und im Barock stark umgebaut wurde, von der aber noch die freskierte romanische Apsis erhalten ist. Als mächtiger alter Weinhof sticht der unmittelbar neben der Kirche gelegene Anreiterhof aus dem 16. Jahrhundert hervor, der Besitz der Kurie Bozen-Brixen ist.

In Moritzing befinden sich das Regionalkrankenhaus Bozen und die Einsatzzentrale des Landesrettungsdienstes Weißes Kreuz.

1981 stieß man bei Bauarbeiten in Moritzing auf einen wichtigen archäologischen Fund. Dabei handelt es sich um ein Gräberfeld aus der jüngeren Eisenzeit.[4] Die Grabungen wurden 1994 fortgesetzt; insgesamt konnten 32 Brandgräber in Urnen geborgen werden, die sich der Fritzens-Sanzeno-Kultur zuordnen lassen. Die teilweise sehr reichen Gräber gaben wichtige Aufschlüsse zu den Gebrauchsgegenständen und der Tracht der damaligen Bevölkerung. Die Funde datieren in das 5. bis frühe 3. Jahrhundert vor Christus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grieser Weingärten vor der Stiftskirche Muri-Gries
Ortsplan der Kurgemeinde Gries um 1884
Wappen der ehemaligen Marktgemeinde Gries mit dem gesichteten Mond und dem sechsstrahligen Stern
Frontispiz von Carl Höffingers touristischer Ortsmonographie von 1887

Gries ist wie Bozen Altsiedelland, worauf zahlreiche ur- und frühgeschichtliche Fundstellen hinweisen. In der Schwefelwasserquelle von Moritzing wurden etwa 3000 Fingerringe aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. gefunden. Eine erste Verdichtung erfolgte in römischer Zeit. Dies wurde durch Ausgrabungen im Areal des Grieserhofs bestätigt, wo 2016 bei Umbauten die qualitätvollen Reste einer Villa rustica aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. zu Tage traten. Ein erneuter Aufschwung stellte sich erst wieder ab der Karolingerzeit ein. Im Hochmittelalter waren vor allem die Grafen von Bozen – die Arnoldiner – treibende Kräfte: Sie errichteten gegen Ende des 11. Jahrhunderts im Zentrum des einstigen Cheller (Keller = Weinkeller der bischöflichen Kirche Freising, 1165 erstmals genannt), dem heutigen Gries, einen befestigten Stützpunkt, der ein Gegenpol zu der im späten 12. Jahrhundert von den Bischöfen von Trient begründeten Marktsiedlung Bozen werden sollte. Rund um die von dem später ausgestorbenen Adelsgeschlecht erbaute Burg entwickelte sich eine kleine Siedlung. Der Name Gries tauchte erstmals um 1185/86 (Griaz, Grize)[5] auf und verdrängte erst im 15. Jahrhundert endgültig den alten Namen Keller. Als der neue Landesherr Meinhard II. „sein“ Gries gegen das bischöfliche Bozen mit Privilegien ausstattete, gewann Gries gegenüber Bozen an Bedeutung. Dieser Dualismus Gries-Bozen, bestimmt durch Konkurrenz, aber auch durch gegenseitige ökonomische Integration, blieb über mehrere Jahrhunderte bestehen.[6] Ein eigenes Marktrecht (St.-Andreas-Markt) begründete eine starke wirtschaftliche Stellung. Entscheidende Aufwertung erfuhr Gries auch, als der Habsburger Friedrich IV. im frühen 15. Jahrhundert das von der bayerischen Gräfin Mathilde von Valley, Gattin Arnolds III. von Morit-Greifenstein, in den 1160er Jahren gegründete Augustinerchorherrenstift Maria in der Au (am Eisack bei Bozen) in die ehemalige Burg Gries verlegte.

Relativ früh tritt eine eigenständig handelnde Grieser Dorfgemeinschaft in Erscheinung. Schon 1165 agiert sie als ländliche Gemeinde Keller(-Gries; conmunitas de Cella) in Zehntstreitigkeiten und 1190 gleichberechtigt mit der Bozener Gemeinschaft (comunitas plebium de Bauçano et de Kellare) in Angelegenheiten des Flurzwanges, der Allmendenutzung und des Wald- und Weidebesitzes.[7] Als räumliche Grenze der beiden Agglomerationen fungierte die Talfer.

Für die Zeit um 1450/1500 wird eine Einwohnerzahl von ca. 350–400 Personen angenommen – sie „verteilten sich auf knapp 100 steuerpflichtige Hofstellen“.[8] Seit dem späten 15. Jahrhundert wurde die Integration von Gries und Bozen durch die habsburgischen Landesfürsten mit der Schaffung des Landgerichts Gries-Bozen aktiv gefördert. In der von Herzog Sigmund von Österreich-Tirol erlassenen Landgerichtsordnung von Gries-Bozen von 1487 werden als historische Grieser Viertel alle margreid enhalb der Talfer alz zu Gries, am Hoff, am Haingartten, zu Sefers, im Sand, zu sand Jórgen, auff Contschná ausdrücklich genannt und der Grieser Platz (der platz ze Gries vor dem kloster) als Aufgebotsort bestimmt.[9]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gästeliste des Kurorts Gries von 1908/09

Die Gemeinde Gries entstand 1849, gleichzeitig mit den Gemeinden Leifers und Zwölfmalgreien, infolge der Aufteilung des alten Magistratsbezirks Bozen.[10]

Im 19. Jahrhundert blühte Gries als Kurort auf und wurde wegen seines milden Klimas insbesondere bei Lungenkrankheiten aufgesucht.[11] Als Kurarzt wirkte im späten 19. Jahrhundert Carl Höffinger, der 1887 auch eine umfassende Ortsmonographie veröffentlichte.[12] An diese Zeit erinnern unter anderem die Erzherzog-Heinrich- oder Guntschna-Promenade[13], die nach dem Habsburger Erzherzog Heinrich benannt wurde, der seinen Lebensabend in Bozen verbrachte und viel zum Aufschwung von Gries beigetragen hatte. Diese Blütezeit spiegelt sich in den ehemaligen Hotel- und Villenbauten der Zeit (z. B. Sonnenhof, Germania, Austria, Reichrieglerhof, Villa Aufschnaiter (Grieserhof), Zeltnerheim, Marienheim), den zahlreichen Zuzügen aus der Monarchie und dem Deutschen Reich, der 1906/08 erbauten Evangelischen Christuskirche sowie, als besonders anschaulichem Zeitdokument, dem von der Wiener Sascha-Film 1912 gedrehten und 1913 erstmals vorgeführten Stummfilm Bozen mit dem Luftkurorte Gries.[14][15][16]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1901 wurde Gries zur Marktgemeinde erhoben.

Nach der von der faschistischen Administration erzwungenen Eingemeindung von Gries nach Bozen zur Jahreswende 1925/26 wurden in den 1930er-Jahren in Gries zahlreiche neue Straßenzüge angelegt (insbesondere die heutige Freiheitsstraße), die das Gerüst des vom Regime gewollten „Groß-Bozen“ bilden sollten.[17] Zahlreiche Gebäude wurden im monumentalistischen Stil errichtet, darunter das sogenannte „Siegesdenkmal“, das Armeekommando, der Parteisitz „Casa Littoria“ (heutiges Steueramt), die Christkönigskirche und das neue Gerichtsgebäude am Gerichtsplatz.

Der Bauboom seit den 1960er-Jahren hat das Siedlungsbild von Gries-Quirein stark verdichtet, wenngleich einzelne, z. T. ausgedehnte Rebflächen dem Siedlungsdruck standgehalten haben und erhalten geblieben sind.

Bis in die Gegenwart hat sich ein gewisses Sonderbewusstsein der Grieser Bevölkerung gegenüber dem übrigen Bozner Stadtbereich erhalten, was seinen Ausdruck in eigenen Stadtteilfesten oder der Selbstbezeichnung als „Grieser(innen)“ (vs. Bozner) findet.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des heutigen Stadtviertels leitet sich von den historischen Ortsnamen Gries und Quirein ab. Der älteste Name für Gries war Keller, herrührend vom alten Mairhof/Weinkeller (Loffererhof) des bayerischen Hochstifts Freising nahe der alten Grieser Pfarrkirche (mit dem bekannten Marienkrönungsaltar von 1470/73 von Michael Pacher). Mit der Auflösung des Magistratsbezirkes Bozen im Zuge der Gemeindereformen (1849) wurde Gries eigenständige Gemeinde im Bozner Talkessel[18]. Das 1901 von Kaiser Franz Joseph I. zur Marktgemeinde erhobene Gemeinwesen wurde 1925, gegen den Willen seiner Bevölkerung, nach Bozen eingemeindet, weil die faschistische Regierung Platz für ihr italianisiertes Bozen brauchte. Kurioserweise wurde nie ein eigener italienischer Name für „Gries“ erfunden, die deutsche Bezeichnung für Schwemmland bzw. Flussgeschiebe (s. Ettore Tolomei). Dies lag wohl daran, dass Gries zu dieser Zeit in Rioni (Stadtteile) aufgeteilt wurde, die die Namen Rione Venezia, Rione Tiberio, Rione Battisti und Rione Littorio erhielten. Quirein war ursprünglich eine der sieben Ortsteile von Gries, sein Name leitet sich vom heiligen Quirinus von Tegernsee ab. Die Mönche vom Kloster Tegernsee unterhielten am rechten Talferufer Weingüter samt Mairhof und Quirinus-Kapelle; diese wird bereits um 1173/74 in einer Traditionsnotiz des hier ebenfalls begüterten niederbayerischen Benediktinerklosters Biburg als „ad sanctum Quirinum“ ersturkundlich erwähnt und ist im heutigen Guglerhof noch partiell erhalten.[19]

Ehemaliges Gemeindehaus von Gries, 1888–1925
Plakat des Grieser Weiberfaschings, 2019

Heute wird nur mehr der ehemalige Ortskern von Gries mit dem imposanten Benediktinerkloster Muri-Gries (früher Burg Gries bzw. Augustinerchorherrenstift) und der zugehörigen Kirche zum heiligen Augustinus als Gries bezeichnet. Das Dorfbild mit seinem ländlichen Charakter ist als solches erstaunlicherweise weitgehend erhalten geblieben, wodurch Gries nach wie vor als eigene Gemarkung erkennbar bleibt, obgleich seine Grenzen zu anderen Stadtvierteln verschwimmen. Der als kommunikativer Mittelpunkt fungierende Grieser Platz mit seiner beachtenswerten Randverbauung ist zum geschützten Ensemble erklärt worden.

Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Gries[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl von Zallinger: 17. September 1850 – 20. Oktober 1860
  • Anton Schmid-Oberrautner: 2. März 1861 – 9. Juli 1876
  • Johann Nepomuk Baron von Giovanelli: 24. September 1876 – 3. Dezember 1876
  • Franz Tutzer: 14. Januar 1877 – 23. Mai 1886
  • Franz Lintner-Unterrautner: 11. Juli 1886 – 7. Dezember 1907
  • Josef Mumelter-Möckl: 3. Januar 1908 – 10. Dezember 1925

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gries gegen den Rosengarten, 1968

In Gries befinden sich neben dem heutigen Benediktinerkloster und der evangelischen Christuskirche das ehemalige Gemeindehaus (1888 von Sebastian Altmann errichtet; heute Bürgerzentrum Gries-Quirein), der Südtiroler Sitz der staatlichen Rundfunkgesellschaft RAI (Rai Südtirol, Rai Ladinia, Rai Alto Adige), das alte Theater, das Landesgericht Bozen im Justizpalast, das Regionalkrankenhaus Bozen und das Hauptquartier der italienischen Gebirgstruppen (Alpini).

In Gries wird auch heute noch viel Wein angebaut. Zu den bekannten Sorten zählen Lagrein, St. Magdalener und Merlot. Gekeltert werden sie vor allem von der Stadtkellerei, der Stiftskellerei Muri-Gries und einer Reihe von Privatkellereien (Egger-Ramer, Griesbauer, Mayr-Nusser, Pfannenstiel, Rottensteiner, Schmid-Oberrautner).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gries-Quirein gibt es zahlreiche Bildungseinrichtungen, die – wie in Südtirol üblich – im Bereich der öffentlichen Primar- und Sekundarstufen nach Sprachgruppen aufgeschlüsselt sind. Über die Stadtgrenzen hinaus gilt Gries als Schulviertel Bozens, weil dort mehrere weiterführende Schulen, die auch Schüler zahlreicher anderer Gemeinden der Umgebung bedienen, ihren Sitz haben.

Zum Angebot an öffentlichen deutschsprachigen Einrichtungen gehören zwei Grundschulen („Gries“, „St. Quirein“) und eine Mittelschule („Adalbert Stifter“). An weiterführenden Schulen sind im Gebiet des Stadtviertels das Klassische, Sprachen- und Kunstgymnasium „Walther von der Vogelweide“, das Realgymnasium Bozen mit der angeschlossenen Fachoberschule für Bauwesen „Peter Anich“, die Wirtschaftsfachoberschule „Heinrich Kunter“ und das Sozialwissenschaftliche Gymnasium mit der angeschlossenen Fachoberschule für Tourismus „Robert Gasteiner“ angesiedelt.

Für die italienische Sprachgruppe gibt es drei Grundschulen („Antonio Rosmini“, „Don Milani“, „Manlio Longon“) und zwei Mittelschulen („Archimede“, „Leonardo da Vinci“). An weiterführenden Schulen sind das Klassische und Sprachengymnasium „Giosuè Carducci“, die Wirtschaftsfachoberschule „Cesare Battisti“, das aus Realgymnasium und Technologischer Fachoberschule bestehende Oberschulzentrum „Galileo Galilei“, die Fachoberschule für Bauwesen „Andrea e Pietro Delai“ sowie das verschiedene Schultypen umfassende Oberschulzentrum „Claudia de’ Medici“ zu nennen. Mit dem „Istituto Marcelline“ besteht auch eine Privatschule.

Zudem haben die Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe „Claudiana“ und die Landesbibliothek „Dr. Friedrich Teßmann“ in Gries ihren Sitz.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gries besteht seit 1821 eine eigene Bürgerkapelle Gries (vormals Grieser Musikgesellschaft), die im Kulturheim Gries ihre Probelokale hat.[20] Die Musikschule Gries ist im ehemaligen Gasthof Goldenes Kreuz am Grieser Platz untergebracht. Die Kantorei Leonhard Lechner ist auf das Stift Muri-Gries radiziert.

Seit 1410 gibt es in Gries eine Tiroler Schützenkompanie, die im Jahr 1920 verboten und 1958 wiedergegründet wurde.

Im März 1921 wurde der Männergesangverein Gries gegründet. Ende 1933 erfolgte das Chorverbot des deutschsprachigen Vereins, welcher1948 Neugegründet wurde.[21]

Der Stiftspfarrchor geht auf den Augustiner Propst Franz Josef Schaitter (1698–1752) zurück, der den Chor in der Absicht gründete, die Pfarr- und Konventgottesdienste des Klosters Gries feierlich zu gestalten. Der Chor wurde nach dem Namen des Kirchenpatrons benannt. Als Laienchor ist er offen für alle, die Freude am Singen in einer guten Gemeinschaft und an der Gottesdienstgestaltung in ihrer musikalischen Vielfalt haben. Der Chor gehört zur Kantorei Leonhard Lechner und tritt immer wieder bei gemeinsamen Kantorei-Konzerten auf. Nach 66 Jahren unter Leitung der Benediktiner-Patres Oswald Jäggi, Kolumban Gschwend und Urban Stillhard steht der Chor seit September 2018 unter der Leitung des hauptamtlichen Kirchenmusikers Dominik Bernhard.[22]

Ebenso besteht in Gries ein örtlicher Theaterverein. In der Telserpassage befindet sich das Stadttheater Gries, eine Einrichtung der Stadt Bozen.

Historische Bauernhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgen, Ansitze und herrschaftliche Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sakralbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historische Friedhof von Gries bei der Alten Pfarrkirche
2017 vor dem Alten Grieser Rathaus enthüllte Gedenktafel zur Erinnerung an den Grieser Aufenthalt von Bronislaw Malinowski und Elsie Masson in den 1920er Jahren

Im Ort geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort verstorben oder begraben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Längerer Aufenthalt im Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ab 1885 lebte der österreichische Lyriker und Schriftsteller Albrecht von Wickenburg (1838–1911) in Gries.
  • Der polnische Sozialanthropologe Bronislaw Malinowski (1884–1942) und seine Ehefrau Elsie Masson bewohnten in den Jahren 1926–1929 den Katharinahof bzw. Villa Marienheim.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Tarneller: Die Burg-, Hof- und Flurnamen in der Marktgemeinde Gries bei Bozen (= Schlern-Schriften 6). Innsbruck: Wagner 1924.
  • Helmut Stampfer, Hubert Walder: Michael Pacher in Bozen-Gries. 2. Aufl., Bozen: Athesia 1980, ISBN 88-7014-173-X.
  • Villa Wendlandt. Catalogo della mostra / Ausstellungskatalog. Bozen: Stadtarchiv Bozen 1999.
  • Hubert Steiner: Das jüngereisenzeitliche Gräberfeld von Moritzing, Gemeinde Bozen (Südtirol). In: Umberto Tecchiati (Hrsg.): Der Heilige Winkel. Der Bozner Talkessel zwischen der Späten Bronzezeit und der Romanisierung (13.–1. Jh. v. Chr.) (= Schriften des Südtiroler Archäologiemuseums 2). Bozen: Denkmalamt Südtirol 2002, S. 155–358, ISBN 88-86857-07-1.
  • Walter Landi, Plazidus Hungerbühler: Das Augustiner-Chorherrenstift Au-Gries in Bozen. In: Hannes Obermair u. a. (Hrsg.): Dom- und Kollegiatstifte in der Region Tirol – Südtirol – Trentino (= Schlern-Schriften 329). Innsbruck: Wagner 2006, ISBN 3-7030-0403-7.
  • Heinz Tiefenbrunner: Häusergeschichte der Marktgemeinde Gries bei Bozen, hrsg. vom Heimatschutzverein Bozen. Bozen 2008, ISBN 978-88-8266-540-1.
  • Walter Landi: Stiftspfarrkirche Gries, Bozen (= Kleine Kunstführer 707). Regensburg: Schnell & Steiner 2009, ISBN 978-3-7954-6758-6.
  • Hannes Obermair, Volker Stamm: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter. Das Rechnungsbuch der Marienpfarrkirche Gries (Bozen) von 1422 bis 1440 (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 33). Bozen: Athesia 2011, ISBN 978-88-8266-381-0.
  • Volker Stamm: Grundbesitz in einer spätmittelalterlichen Marktgemeinde: Land und Leute in Gries bei Bozen (= Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte 222). Stuttgart: Steiner 2013, ISBN 978-3-515-10374-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal: Bozen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bozen
Commons: Gries-Quirein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ansässige Bevölkerung nach Stadtviertel. Gemeinde Bozen, abgerufen am 14. März 2012.
  2. Zu den historischen Ortsrieden vgl. Hannes Obermair, Volker Stamm: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter, op. cit., S. 17.
  3. Vgl. ausführlich Josef Tarneller: Die Burg-, Hof- und Flurnamen in der Marktgemeinde Gries bei Bozen, op. cit.
  4. Vgl. Hubert Steiner: Das jüngereisenzeitliche Gräberfeld von Moritzing, op. cit., S. 155ff.
  5. Belege bei Franz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch. Abt. I, Band 1. Innsbruck: Wagner 1937, Nr. 427 und 429.
  6. Hannes Obermair, Volker Stamm: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter, op. cit., S. 14ff.
  7. Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert). In: Der Schlern. 69. Jahrgang, Heft 8/9, 1995, S. 449–474, Bezug S. 459.
  8. So Hannes Obermair, Volker Stamm: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter, op. cit., S. 15.
  9. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 191–192, Nr. 1230.
  10. Bruno Mahlknecht: Der Magistratsbezirk Bozen zerfällt in vier selbstständige Gemeinden. In: ders., Bozen durch die Jahrhunderte, Bd. 3, Bozen 2006. ISBN 88-6011-027-0, S. 148.
  11. Ch. Dupont: La Station hivernale et climatérique de Gries près de Botzen dans le Sud-Tyrol. Basel: Riehm 1869; Sanatorium Gries bei Bozen, Südtirol: Heilanstalt für Lungenkranke, Leichtkranke, Rekonvaleszenten, Erholungsbedürftige; gegründet im Jahre 1901. Bozen: Verlag des Sanatoriums 1911.
  12. Carl Höffinger: Gries-Bozen in Deutsch-Südtirol, als klimatischer Terrain-Kurort und Touristenstation: Vademecum. Wagner’sche Universitätsbuchhandlung: Innsbruck 1887.
  13. Guntschnapromenade in Gries. Die Wanderer, abgerufen am 14. März 2012.
  14. Viennale: Bozen mit dem Luftkurorte Gries, abgerufen am 23. April 2020.
  15. Südtiroler Landesverwaltung: Bewegtes Leben, abgerufen am 23. April 2020.
  16. Filmarchiv Austria: Bozen mit dem Luftkurort Gries, 1913
  17. Hannes Obermair, Fabrizio Miori, Maurizio Pacchiani (Hrsg.): Lavori in Corso – Die Bozner Freiheitsstraße. La Fabbrica del Tempo – Die Zeitfabrik, Bozen 2020, ISBN 978-88-943205-2-7, S. 24–28.
  18. Stadt Bozen – Kurze Geschichte des Gemeinderates. Abgerufen am 6. Oktober 2018 (italienisch).
  19. Hannes Obermair: »Das Werden eines Raums. Rottenbuch vor Rottenbuch«. In: Helmut Stampfer (Hrsg.): Der Ansitz Rottenbuch in Bozen-Gries. Tappeiner, Lana 2003, ISBN 88-7073-335-1, S. 16–17.
  20. Jubiläumskalender 200 Jahre Bürgerkapelle Gries (1821–2021). Bürgerkapelle Gries, Bozen 2020.
  21. Vereine. In: Pfarrei Gries. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  22. Chöre. In: Pfarrei Gries. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  23. Plazidus Hungerbühler: Aus dem Taufbuch der Pfarre Gries: Prinzessin Anna d’Este. In: St.-Kassians-Kalender 309 (2020). Brixen: A. Weger 2020, S. 104.