Stadtmauer der Colonia Ulpia Traiana

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die rekonstruierte Stadtmauer von außen
Die Mauer mit einem Mauerturm von innen

Die Stadtmauer der Colonia Ulpia Traiana umfasste die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana, die sich auf dem Gebiet des heutigen Xanten in Nordrhein-Westfalen befand. Die Stadtmaueranlage entstand etwa ab dem Jahr 105 n. Chr. Sie diente weniger Verteidigungszwecken, sondern war vielmehr ein Symbol römischer Macht und Kultur an der römischen Provinzgrenze zum „Freien Germanien“.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Colonia lag auf dem Westufer des Rheins innerhalb der römischen Provinz Niedergermanien. Der Fluss bildete die Grenze zum „Freien Germanien“. Die Stadtmauer führte in einer nahezu rechtwinkligen Form um die Stadt und hatte eine Länge von 3,4 Kilometern. Sie umschloss die 73 Hektar große Ansiedlung, in der etwa 10.000 Menschen lebten. Die Mauer besaß 22 Mauertürme und drei repräsentative Toranlagen.

Erste Darstellung der Stadtmauer auf einem Plan von 1889, nachträglich koloriert

Dendrochronologische Untersuchungen an gefundenem Holzmaterial im Mauerbereich ergaben, dass die verwendeten Bäume im Jahr 105 n. Chr. gefällt wurden. Da andere Mauerabschnitte später fertiggestellt sein können, sind keine exakten Aussagen zur Bauzeit und zum Fertigstellungszeitpunkt möglich.

Der Bau der Stadtmauer war in der entstehenden Colonia das größte Bauprojekt, das eine erhebliche logistische Leistung erforderte. Da in der Umgebung keine ausbeutbaren Natursteinvorkommen existierten, mussten die benötigten Steine auf dem Wasserweg über weite Entfernungen herangeschafft werden. Der Tuffstein der Mauer kam aus dem Brohltal in der Eifel, rund 200 km den Rhein flussaufwärts. Es wird angenommen, dass das römische Militär nicht nur für den Steinabbau und -transport verantwortlich war, sondern auch für die Planung und Errichtung der Stadtmauer.

Als Folge des Steinraubs während des Mittelalters und in der Neuzeit verschwanden die Steine der Stadtmaueranlage und teilweise auch die der Fundamente, sodass oberirdisch keine Baureste mehr sichtbar waren. Erst systematische Ausgrabungen ab dem 19. Jahrhundert, die sich in den 1930er-, 1950er- und 1960er-Jahren bis heute fortsetzen, lieferten Erkenntnisse über den Aufbau der Anlage.

Mauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnitt durch die rekonstruierte Stadtmauer

Die Mauer hatte eine Höhe von sechs Metern. Streckenweise wies sie einen Wehrgang auf oder war auf der Stadtseite von aufgeschüttetem Erdreich abgestützt. Die Mauer war von Zinnen bekrönt, die weit auseinander standen. Dadurch konnte ein Legionär seine Lanze oder sein Pilum auf Angreifer werfen.

Das Bauwerk bestand wahrscheinlich aus einer äußeren, gemauerten und sichtbaren Schale aus Tuffstein, die mit einem Gemisch aus Kalkmörtel und Bruchsteinen, dem sogenannten Römischen Beton, angefüllt war. Die Fundamentstärke reichte von 1,8 bis 3,5 Meter. Die Mauer wies unterschiedliche Konstruktionsweisen und Bauausführungen auf, was unter anderem vom Baugrund, dem jeweiligen Bautrupp oder möglicherweise von Verzögerungen bei der Materialanlieferung abhängig war. Im nordöstlichen Bereich in Flussnähe war die Stadtmauer wegen des weichen Untergrunds auf Pfahlrosten aus Eichenpfählen gegründet. Nachdem die Mauer errichtet war, wurde außen als vorgelagertes Annäherungshindernis ein Grabensystem angelegt, das aus einem Spitzgraben und stellenweise einem Doppelgraben bestand. Das Grabensystem hatte einen uneinheitlichen Aufbau, was auf die unterschiedliche Topografie und Bodenbeschaffenheit zurückgeführt wird.

Türme und Tore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 22 Mauertürme standen an den Endpunkten von Straßen. Ob sie auch als Toranlagen dienten, ist nicht bekannt. Bei einigen Türmen ist eine Funktion als Torturm anzunehmen, insbesondere im Hafenbereich am Rhein. Bei den drei repräsentativen mehrtürmigen Toranlagen handelt es sich um das Maas-Tor im Süden, das Burginatium-Tor im Nordwesten und das Vetera-Tor im Südosten. Die Toranlagen befanden sich an Hauptstraßen.

Rekonstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauarbeiten zur Rekonstruktion eines Mauerabschnitts, 2018

Im Archäologischen Park Xanten (APX) sind bis 2018 neun Türme, einige Abschnitte der Mauer und das große Nordtor rekonstruiert.[1] Längere Abschnitte der früheren Mauer werden durch mehrere Meter hohe Hecken nachgebildet. Streckenweise sind rekonstruierte Mauerabschnitte für Besucher begehbar, ebenso auch rekonstruierte Mauertürme. Um das Jahr 2018 entstand an einer Seite, die neben dem Eingang im südwestlichen Bereich nahe der Altstadt von Xanten liegt, ein neues Mauerstück. Es ist geplant, die Mauerrekonstruktion noch weiter fortzusetzen. Bei der Rekonstruktion wurde der Maueraufbau mit Tuffstein und römischem Beton entsprechend dem aktuellen Forschungsstand verwendet. An einer Stelle neben dem Eingang zur Altstadt wurde der Mauerquerschnitt durch Offenlassen einer Lücke sichtbar gemacht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stadtmauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Stadttore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stadtmauer und Tore bei LVR-Archäologischer Park Xanten

Koordinaten: 51° 40′ 2,7″ N, 6° 27′ 10,2″ O