Standing NATO Maritime Group 2

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Die Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG 2) ist ein ständiger maritimer Einsatzverband der NATO im Mittelmeer und untersteht dem NATO Allied Maritime Command (MARCOM).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SNMG 2 wurde 1969 als Naval On-Call Force for the Mediterranean (NAVOCFORMED) gegründet und dem Commander Allied Naval Forces Southern Europe (COMNAVSOUTH) unterstellt. Dieser Verband wurde nach dem Vorbild der Standing Naval Force Atlantic (STANAVFORLANT/SNFL) von den Marinen verschiedener Staaten für den Einsatz im Mittelmeerraum gebildet. Im Gegensatz zur STANAVFORLANT war er jedoch nicht ständig aktiv, sondern wurde nur für Übungen und Einsätze aktiviert, wie es der Name on-call-Force aussagt. Die NAVOCFORMED diente unter anderem der Demonstration von NATO-Bündnissolidarität gegenüber der im Mittelmeer sehr aktiven sowjetischen Marine. Als während des Ersten Golfkriegs 1987 viele NATO-Einheiten aus dem Mittelmeer abgezogen wurden, verstärkte die deutsche Marine erstmals die NAVOCFORMED und ist seit dem permanenter Teilnehmer.

Während des Zweiten Golfkriegs 1990–1991 wurde die NAVOCFORMED dauerhaft aktiviert und zur Seeraumüberwachung im Mittelmeerraum eingesetzt. In dieser Zeit wurde entschieden, sie in einen ständigen Verband umzuwandeln. Das geschah am 30. April 1992 unter Umbenennung in Standing Naval Force Mediterranean (STANAVFORMED/SNFM). Am 1. Januar 2005 wurde der Verband für kurze Zeit in Standing NATO Response Force Maritime Group 2 umbenannt, bevor er 2006 seinen heutigen, kürzeren Namen erhielt.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SNMG 2 untersteht dem NATO-Maritime Component Command Naples in Neapel, Italien und ist ein Teil der NATO Response Force.

Zu der standardmäßig aus acht bis zehn Schiffen bestehenden Gruppe gehören ständig Einheiten der Deutschen Marine, der niederländischen Marine, der britischen Royal Navy, der griechischen Marine, der italienischen Marine, der türkischen Marine, der spanischen Marine und der United States Navy. Zeitweise beteiligen sich andere NATO-Staaten an dem Verband.

Jährlich werden Übungen abgehalten, die vor allem auch die multinationale Zusammenarbeit stärken sollen.

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1992 wurde die SNFM im Rahmen des internationalen Embargos gegen Jugoslawien eingesetzt. Sie nahm an den Operationen Maritime Monitor und der Maritime Guard und anschließend zusammen mit der NATO Standing Naval Forces Atlantic und der Western European Union Naval Force der Westeuropäischen Union (WEU) an der gemeinsamen Operation Sharp Guard teil.

Während des Kosovo-Krieges war die SNFM an der Operation Allied Force beteiligt. Einheiten der SNMG 2 werden derzeit regelmäßig für die Operation Active Endeavour im Rahmen des Kampfes gegen den Terror im Mittelmeer abgestellt.

Von Oktober bis Dezember 2008 nahmen schwimmende Einheiten der SNMG 2 an der Operation Allied Provider gegen die Piraterie vor der Küste Somalias teil. Hierzu zählte auch der Schutz von Schiffkonvois des Welternährungsprogramms (WFP).

Ab Juli 2009 sollen ihre Einheiten im Rahmen der Operation Ocean Shield Kräfte der SNMG 1 ablösen, die bei der Operation Allied Protector zum Schutz der Schifffahrtsrouten vor dem Horn von Afrika beitrugen.[1]

Von Juni bis Dezember 2015 war die deutsche Fregatte Hamburg (F 220) das Flaggschiff der SNMG 2. Unter der Führung des deutschen Flottillenadmirals Jörg Klein und mit Beteiligung des Flaggschiffs Bonn (A 1413) begann die SNMG am 19. Februar 2016 einen Einsatz zur Aufklärung, Überwachung und Beobachtung von Boots- und Schiffsbewegungen im Ägäischen Meer zwischen Griechenland und der Türkei. Die Mission soll mit der EU-Frontex-Mission „Poseidon Sea“ kooperieren und zur Eindämmung des unkontrollierten Flüchtlingsstrom in Richtung Europa beitragen.[2] Vier Wochen nach Beginn der Aktion wurden Zwischenergebnisse bekannt, eine Eindämmung des Flüchtlingsstroms war nicht erreicht worden, lediglich eine Verlagerung wurde beobachtet.[3]

In einem Zwischenbericht wurde im Mai 2016 bekannt, dass seit Mai 2015 85 Schlauchboote und 18 mit Holzrumpf beschlagnahmt wurden. 69 Schmuggler seien festgenommen worden und man habe mehr als 10.000 Personen gerettet.[4] Schmuggler benutzten nach einer Einschätzung im Independent die Beschränkung der Mission „Sophia“ auf internationale Gewässer zu ihrem Vorteil und statten die Boote der Flüchtlinge nur noch mit genug Treibstoff zum Verlassen der libyschen Gewässer aus und überliessen es den Schiffen der EU Mission die Menschen zu bergen und nach Europa zu bringen.[5]

Am 19. Juni 2016 übernahm Flottillenadmiral Kay-Achim Schönbach mit dem Flaggschiff Karlsruhe die Führung des Verbandes.[6]

Einheiten der SNMG 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Momentan (Juni 2016) an der Gruppe beteiligte Schiffe:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG2). (Memento vom 15. Mai 2006 im Internet Archive) CC-Mar Neapel.
  2. Nato beginnt Beobachtungseinsatz in der Ägäis. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Februar 2016; abgerufen am 19. Februar 2016.
  3. Schleuser reagieren mit Ausweichmanövern auf Nato-Einsatz. In: Spiegel online. 17. März 2016.
  4. Mal Siret: Refugee crisis: EU's anti-migrant operation turns into massive rescue mission. In: The Independent. 1. Juni 2016.
  5. Lizzie Dearden: UK to send warship to Mediterranean to stop refugee boats and cut off Isis arms supplies in Libya. In: The Independent. 27. Mai 2016.
  6. PIZ EinsFüKdoBw Redaktion: Führungswechsel in der Ägäis. In: www.einsatz.bundeswehr.de. 19. Juni 2016; abgerufen am 21. Juni 2016.