Stedtlingen

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Stedtlingen
Gemeinde Rhönblick
Koordinaten: 50° 31′ 40″ N, 10° 17′ 16″ O
Höhe: 389 m ü. NN
Einwohner: 507
Eingemeindung: 1. August 1996
Postleitzahl: 98617
Vorwahl: 036943
Blick nach  Nord-Westen
Blick nach Nord-Westen

Stedtlingen ist ein Dorf mit 507 Einwohnern in der Thüringer Rhön und gehört als Ortsteil zur Einheitsgemeinde Rhönblick im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt südlich des Herpftales in der thüringischen Rhön. Auf ca. 385 m ü. NN am Südhang des 538 m hohen Kirschbergs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stedtlingen tauchte erstmals 1182 in einer Schenkungsurkunde unter dem Namen „Stetilingin“ auf. Graf Poppo von Henneberg verschenkte Land an die Nonnen des Klosters Veßra. Im August 2007 beging man deswegen die 825-Jahr-Feier. Seit dem Mittelalter gehörte das Dorf abwechselnd zu den Ämtern Henneberg, Hutsberg, Maßfeld und Meiningen. Während des Dreißigjährigen Krieges verzeichnete die Gemeinde einen drastischen Rückgang der Bevölkerung (1634: 92 Familien; 1649: 8 Familien).

1756/57 erhielt die Kirche ihre Orgel aus der Werkstatt Johann Caspar Beck aus Herrenbreitungen.[1] Ruppers gehörte als Besitz der Herren von Stein bis 1803 zur Reichsritterschaft.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Gemeinde in der Nähe der Demarkationslinie zwischen der sowjetischen Besatzungszone und Westdeutschland. Der Ortsteil Ruppers und die Nachbargemeinde Schmerbach wurden durch die DDR-Grenztruppen geräumt und eingeebnet. 1966/67 wurde in der Ortschaft ein Kompaniegebäude für die Soldaten der Grenztruppen errichtet.

Bilder aus dem Bundesarchiv aus dem Jahr 1952

Auf Initiative der örtlichen Bevölkerung wurde am 17. Dezember 1989 eine Grenzübergangsstelle zur westdeutschen Nachbargemeinde Willmars eingerichtet. Die deutsche Wiedervereinigung feierten die Stedtlinger mit einem festlichen Umzug nach Westen.

Ab 1992 entstand am Südhang des Kirschberges ein neues Wohngebiet. In diesem Zusammenhang kam es zum Neubau des Kindergartens „Kirschblüte“ und der „Dorfscheune“.

Durch Verordnung vom 1. August 1996 des Innenministers des Landes Thüringen wurde Stedtlingen Bestandteil der neu gebildeten Gemeinde Rhönblick und verlor somit seine politische Unabhängigkeit.[3]

Die Stedtlinger Kirche

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Dorf hat eine besonders sehenswerte Kirche, die um 1250 erbaut wurde. Sie wurde in den Jahren 1619 und 1701 erweitert. Markant ist der viereckige Kirchturm mit regional typischem Fachwerk und einem auffälligen Spitzdach. Auch von Interesse ist die Barock-Orgel, die 1756 in der Werkstatt von Johann Caspar Beck in Herrenbreitungen erbaut wurde. In den Jahren 2002–2012 wurde die Kirche, samt Inneneinrichtung und Orgel, für rund 300.000 € umfassend restauriert. Für diese Zeit wurde, zur Aufbringung der erforderlichen Eigenmittel, der „Förderverein zur Erhaltung der Kirche in Stedtlingen e. V.“ gegründet. Nach Erfüllung seines Zweckes wurde der Verein 2012 aufgelöst.
  • Zum Abschluss der Restaurierung wurde auch ein neuer Altar aus Holz geschaffen. Dieser greift die Kastenform des Ursprungsaltars auf und entwickelt sie weiter zu einer Gestaltung aus Reliefs und großen Holzflächen. Bekrönt wird der Altarkasten von der Kreuzigungsgruppe. Die Jesusfigur wurde mit Holz vom Reinhardtsberg direkt oberhalb Stedtlingens gefertigt. Sie wird flankiert von den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden und nun die Kerzen tragen, deren Licht symbolisch, auf Jesus, den von Gott Auserwählten hinweisen. Der Altar als Kunstwerk und liturgischer Gegenstand strebt nach einer funktionalen und ästhetischen Entsprechung zu seiner Umgebung (das Gebäude, der Naturraum, die Menschen). [1]
Das Stedtlinger Moor
  • Das Naturschutzgebiet „Stedtlinger Moor“ befindet sich südwestlich der Gemeinde. Es wurde 1990 in das Biosphärenreservat Rhön aufgenommen – als eines der letzten Gesetze (GBl. DDR 1990, SDr. 1476; PDF; 46 kB) der DDR-Volkskammer. Benachbart liegt das Petersee-Moor, benannt nach einer historischen Peterskirche (eine frühe Missionskirche), die um 750 zerstört worden sein soll.
  • Etwas weiter entfernt (Luftlinie ca. 4 km) liegt auf dem Hutsberg die Ruine der Hutsburg, die nur auf einem etwas anspruchsvollem Wanderweg zu erreichen ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Bieber: Umbau eines nicht standortsgerechten Fichten-Buchenbestandes auf Pseudogley in einen standortsgerechten, naturnahen Stieleichen-Hainbuchenbestand im Naturschutzgebiet Bischofswaldung bei Stedtlingen (Thüringen). Würzburg 1992, (Würzburg, Universität, Diplom-Arbeit, 1992).
  • Thüringer – Ministerium für Landwirtschaft und Forsten: Agrarstrukturelle Vorplanung. Hermannsfeld, Stedtlingen, Landkreis Meiningen. Gesellschaft für Kommunalbetreuung, Bad Homburg v. d. H. 1992.
  • Walter Uloth: Rund um den Neuberg bei Stedtlingen (= Interessante Wanderziele im Biosphärenreservat Rhön/Thüringen. 2 = Mitteilungen aus dem Biosphärenreservat Rhön. Beiheft. 3, ZDB-ID 2382876-6). Biosphärenreservat Rhön, Kaltensundheim 2000.
  • Uta Schäfer: Dorfkirche – Kulturdenkmal 2005, Teil 2. Zu Besuch in Stedtlingen, Superintendentur Meiningen. In: Glaube + Heimat. 2005, S. 6 f.
  • Stedtlingen – Entdeckung der Heimat. Ein Heimatbuch zur 825-Jahr-Feier im Jahre 2007. Dölle, Hildburghausen 2007.
  • Heiko Korsch: Flora und Vegetation des Stedtlinger Moores, aktueller Zustand und Analyse von Veränderungen. In: Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen. Bd. 45, Nr. 2, 2008, ISSN 0323-8253, S. 55–61.
  • Elsbeth Lange: Ein Pollendiagramm aus dem Stedtlinger Moor im südlichen Thüringen. In: Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen. Bd. 45, Nr. 2, 2008, S. 51–55.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stedtlingen (Rhönblick) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dokumentenfund (Signatur) in der Orgel.
  2. Ruppers im Rhönlexikon.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996