Steffen Arndes

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Steffen Arndes (* um 1450 in Hamburg; † vor dem 14. August 1519 in Lübeck) war ein Inkunabel-Buchdrucker, der hauptsächlich in Lübeck wirkte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Ausbildung von Arndes ist nichts bekannt.[1] Er erscheint ab Mai 1477 als Buchdrucker in Perugia, wo er auch Lettern schnitt und ein Gerät zur Schriftgießerei entwickelte. Dort wirkte er bis 1481 und ging unter anderem mit dem Studenten des Kirchenrechts Levo Leve eine Gesellschaft ein.[2]

Mitte der 1480er Jahre erhielt er den Auftrag, das Missale für das Bistum Schleswig zu drucken. Finanziert wurde der Druck durch den Strander Staller Laurens Leve, der vermittelt durch seinen Sohn, den nunmehrigen Domherrn Levo Leve in Lübeck, mit Arndes eine Gesellschaft einging, die bis 1494 Bestand hatte.[3] Das Missale Slesvicense wurde zumindest teilweise in Schleswig gedruckt. Im Jahre des Erscheinens dieses Werks (1486) ließ er sich endgültig in Lübeck nieder. 1494 wurde die Gesellschaft mit Laurens Leve aufgelöst. Als Teil des im Lübecker Niederstadtbuch beurkundeten Auflösungvertrages erhielt Arndes die Werkstatt mit allem Zubehör, Laurens Leve aber 37 Papier- und fünf Pergament-Exemplare des Missale in Rohbögen, 90 gebundene Exemplare des ebenfalls von Arndes gedruckten Breviarium Slesvicense[4] sowie 400 Exemplare des Plenars im Wert von insgesamt ~700 Lübische Mark. Weitere je 1000 Exemplare des Plenars sowie einer wohl niederdeutschen Ausgabe der Legenda aurea überließ Arndes den Leves 1498.

Sein Hauptwerk ist die Niederdeutsche Bibel von 1494, die als Bibelausgabe zu den herausragenden Frühdrucken in Deutschland gehört und für die Qualität ihrer Illustrationen bekannt ist.

Sein Sohn Hans Arndes führte die Offizin seines Vaters bis zur Reformation weiter.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolophon der Lübecker Bibel (1494)
Digitalisat der Ausgabe 1507, Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek (ehemals Dublette der Bibliothek der Hansestadt Lübeck)
Digitalisat der 2. Auflage 1520
  • De sacramento altaris mundo et transformato et de cruoribus atque votis, 1493
Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Lübecker Bibel (1494), Illustration durch den Meister der Lübecker Bibel
  • Johannes Schiphower: Tractatus de conceptio[n]e immaculate virginis. collect[us] p[er] venerabile[m] sacre theologie lectore[m] fratre[m] ioha[n]e[m] de meppis cognominato [!] schyphower ordinis fratru[m] heremitaru[m] diui Augustini Anno d[o]m[ini] Mcccc.xcij. quando erat prior in conue[n]tu Ta[n]glimme[n]si. 9.V.1495
Digitalisat des Exemplars der Herzog August Bibliothek
  • Psalterium, 1497
  • Plenarium (mittelniederdeutsch): Dat boek des hillighen Ewangelij Profecien vnde Epistelen ouer dat ghantze yaer myt der Glosen vnde Exempelen, 1497.
  • Bedebok, 1499
Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Marientiden (mittelniederdeutsch): Seven tyde Unser Lieve Vrauwen. 1499
Digitalisat des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steffen Arndes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Steffen Arndes – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die in der früheren Literatur vorherrschende Ansicht, er habe in Mainz gelernt, beruht auf einer alten Verwechslung mit einem anderen deutschen Buchdrucker in Perugia, siehe Lohmeier (2002, Lit.), S. 49
  2. Ausführlich zu Missverständnissen in der vorherigen Forschung der Beitrag von Dieter Lohmeier: Neues über Steffen Arndes. In: ZVLGA 82 (2002), S. 45-58
  3. Dieter Lohmeier: Die Frühzeit des Buchdrucks in Lübeck. In: Alken Bruns und Dieter Lohmeier (Hrsg.): Die Lübecker Buchdrucker im 15. und 16. Jahrhundert. Buchdruck für den Ostseeraum. Boyens, Heide in Holstein 1994, ISBN 3-8042-0668-9, S. 11–53, hier S. 36; ausführlich zu Umfang und Motivation der Zusammenarbeit siehe Wolfgang Undorf: From Gutenberg to Luther – Transnational Print Cultures in Scandinavia 1450-1525. Diss. phil. Berlin 2012 Volltext, S. 38–45
  4. Keine Exemplare erhalten, siehe GW
  5. Abbildungen aus dem Exemplar der Dänischen Königlichen Bibliothek
  6. Hans-Walter Stork: „Hir hefft an dat Landrecht aver Ditmarschen.“ Neue Fragmente des gedruckten Dithmarscher Landrechts. In: Gutenberg-Jahrbuch 2011, S. 85–100.
  7. Garde der sundheyt im Gesamtkatalog der Wiegendrucke (GW-Nummer M09748)