Perugia

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Perugia
Wappen
Perugia (Italien)
Perugia
Staat Italien
Region Umbrien
Provinz Perugia (PG)
Koordinaten 43° 7′ N, 12° 23′ OKoordinaten: 43° 6′ 41″ N, 12° 23′ 19″ O
Höhe 493 m s.l.m.
Fläche 449 km²
Einwohner 166.676 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte 371 Einw./km²
Postleitzahl 06121–06135
Vorwahl 075
ISTAT-Nummer 054039
Volksbezeichnung Perugini
Schutzpatron Hl. Lorenz und Hl. Constantius, erster Bischof von Perugia
Website Perugia
Panorama von Perugia
Panorama von Perugia

Perugia [pe'ruːd͡ʒa, Audio-Datei / Hörbeispiel ital. Ausspr.?/i] ist die Hauptstadt der Region Umbrien in Italien und der Provinz Perugia. Sie hat 166.676 Einwohner (Stand 31. Dezember 2016).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet des heutigen Perugia, dessen antiker lateinischer Name Perusia lautete, bereits zur Zeit der frühen eisenzeitlichen Villanovakultur im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. besiedelt war. Seit der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. scheint es eine kontinuierliche Entwicklung durchgemacht zu haben.[2] Der antiken Sage zufolge hätten entweder Achaier[3] oder der Etrusker Aulestes[4] die Stadt gegründet, doch kommt eine griechische Gründung den archäologischen Untersuchungen zufolge nicht in Frage.[5] Die auf einem markanten Hügel (493 m) über der Ebene gelegene Stadt dürfte ursprünglich eine Siedlung der Umbrer gewesen sein und weist erst seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. einen spezifisch etruskischen Charakter auf.[5] Ihr etruskischer Name war Perusna. Sie gehörte zu den zwölf mächtigsten etruskischen Städten und zum Zwölfstädtebund.[6] Die antike Stadt Arna ist heute ein östlicher Ortsteil.

In den antiken literarischen Quellen taucht Perusia erstmals 310 v. Chr. auf. Demnach belagerten in diesem Jahr die Etrusker die mit Rom verbündete Stadt Sutrium, woraufhin sich der römische Konsul Quintus Fabius Maximus Rullianus angesichts der feindlichen Übermacht entschloss, die Etrusker durch eine Diversion zur Aufhebung jener Belagerung zu zwingen. Zu diesem Zweck marschierte er mit seinem Heer unversehens in das viele Jahre von Krieg verschont gebliebene Mitteletrurien ein und schlug unweit der Siedlung eine etruskische Streitmacht, so dass sich Perusia sowie die Städte Cortona und Arretium zu einem dreißigjährigen Waffenstillstand verpflichten mussten.[7] Trotzdem nahm Perusia bald darauf am Dritten Samnitenkrieg gegen Rom teil. Nach dem Sieg der römischen Truppen über die Etrusker in der Schlacht von Sentinum 295 v. Chr. verlor ein Heer der Perusiner erneut ein Gefecht gegen Fabius Rullianus,[8] wonach die Stadt an die Römer fiel. Diese errichteten einen 2,9 km langen Befestigungsring um die Stadt. Perusia blieb aber volkreich und prosperierend und hielt den Römern im Zweiten Punischen Krieg die Treue. So verteidigte eine aus Perusia stammende Kohorte 216 v. Chr. zusammen mit Praenestinern die in Kampanien gelegene Stadt Casilinum gegen Hannibal.[9] Ferner erhielt Publius Cornelius Scipio Africanus 205 v. Chr. von Perusia Holz und Getreide für seine von ihm beabsichtige Expedition nach Nordafrika.[10]

Anscheinend wurde Perusia nach dem von 91–88 v. Chr. dauernden Bundesgenossenkrieg das römische Bürgerrecht verliehen. Es besaß den Status eines Municipiums und einen eigenen Senat, aber wohl kein eigenes Münzwesen.[11] Im Perusinischen Krieg (Winter 41/40 v. Chr.) verschanzte sich dort der gegen Octavian (den späteren Kaiser Augustus) kämpfende Konsul Lucius Antonius, der Bruder des Triumvirn Marcus Antonius. In der eng von Octavian und seinen Generälen eingeschlossenen Stadt brach eine so furchtbare Hungersnot aus, dass der perusinische Hunger (fames Perusina) sprichwörtlich wurde. Nach der Kapitulation der Stadt begnadigte Octavian zwar Lucius Antonius und dessen Heer, ließ aber alle Ratsherren Perusias mit Ausnahme eines einzigen hinrichten. Dass er aber über 300 Senatoren und Ritter am 15. März 40 v. Chr., dem Todestag Caesars an einem Altar habe abschlachten lassen, der dem zum Gott erhobenen Verstorbenen erbaut worden war, hält der Althistoriker Jochen Bleicken für unglaubwürdig. Die zur Plünderung freigegebene Stadt brannte nieder und wurde dabei fast vollständig zerstört. Ob das Feuer absichtlich gelegt wurde oder ungeplant infolge eines vereinzelten Brandfalls – ein vornehmer Perusiner namens Cestius Macedonicus hatte aus Verzweiflung sein Haus angezündet – entstand, war nicht zu eruieren.[12] Später ordnete Augustus den großzügigen Wiederaufbau der Stadt an, und sie erhielt nun den Namen Augusta Perusia. Auch gab der Kaiser ihr eine neue Verfassung, so dass seither Duumvirn als leitende Beamte Perusias fungierten. In der Folgezeit gelangte die Stadt nicht mehr zu ihrem einstigen Glanz. Unter Kaiser Trebonianus Gallus, der von 251–253 regierte, bekam sie immerhin des Status einer Kolonie verliehen.[11]

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 6. Jahrhundert war Perusia laut dem frühbyzantinischen Historiker Prokop eine starke Festung und die bedeutendste Stadt Etruriens. Es spielte im Gotenkrieg Kaiser Justinians eine bedeutende Rolle. 537 wurde es von Belisar erobert und mit einer starken Garnison versehen. 547 wurde die Stadt, in der Cyprianus den Befehl führte, von einer Armee des Ostgotenkönigs Totila belagert. Aber erst nach dem Tod des Cyprianus und der Abberufung Belisars aus Italien konnten die Ostgoten Perusia Anfang 549 einnehmen. Totila habe es dann zerstören und den heiligen Herculanus, Bischof der Stadt, enthaupten lassen. Nachdem der Ostgotenkönig im Juli 552 gefallen war, eroberte Narses Perusia für das Byzantinische Reich zurück.[13] Später vermochten sich die Langobarden kurzzeitig der Stadt zu bemächtigen, doch eroberte der byzantinische Exarch Romanus sie bei seinem Feldzug des Jahres 592 neben Sutri und weiteren Städten zurück. Romanus hatte dabei den langobardischen Herzog Maurisio, unter dessen Befehl Perusia gestanden hatte, auf seine Seite ziehen können und von ihm die Stadt übergeben bekommen. Der Langobardenkönig Agilulf verließ daraufhin 593 mit seinem Heer Pavia, überquerte den Apennin, belagerte Maurisio wenige Tage in Perusia, nahm die Stadt ein und ließ den abgefallenen Herzog enthaupten.[14] Bald danach dürfte Perusia aber wieder in die Hände der Byzantiner gefallen sein.

Im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Italienisch konnte die Stadt als Perugia bezeichnet werden, aber auch – in Aussprache und Lautstandsvarianten – als Perogia, Perusa[15] oder Perosa. Im Mittelalter war die Stadt lange Zeit eine treue Verbündete Roms gegen den Kaiser. 1198 löste sich Perugia auch offiziell von der kaiserlichen Autorität, indem sie sich unter den Schutz des Papstes Innozenz III. stellte. Beherrscht wurde sie von guelfischen Kaufleuten, die sie zu dem einzigen bedeutenden umbrischen Handelszentrum machten, ähnlich den toskanischen Stadtstaaten. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war im 13. Jahrhundert.

Perugia, 1454
Klimadiagramm von Perugia

Die guelfische Ausrichtung der Stadt bedeutete aber nicht, dass es zu keinen Schwierigkeiten mit dem angeblich beschützenden Kirchenstaat gekommen wäre. Um 1500, also in der Zeit der ersten Hochblüte humanistischer Geschichtsforschung, rechneten die Historiker z. B. Perugia den toskanischen Städten zu, wie aus der Chronik des Matarazzo hervorgeht. Schon 1354, zur Zeit des Kardinals Albornoz, war Spoleto endgültig dem Kirchenstaat einverleibt worden, 1439 folgten Foligno, 1450 Orvieto, zu Beginn des 16. Jahrhunderts gingen dann die anderen Städte Umbriens denselben Weg, zuletzt Perugia 1540.

1473 gelangte der Heilige Ring, der angebliche Verlobungsring Marias, diebstahlsweise aus Chiusi nach Perugia und verschaffte der Stadt beträchtlichen Zuwachs an Prestige und Einnahmen. Es kam zu Auseinandersetzungen mit Chiusi und Siena bis an den Rand eines Krieges. Noch heute wird der Ring in der Josefskapelle des Doms gezeigt und verehrt.

Im sogenannten „Salzkrieg“ unterlagen dann die Peruginer 1540 Papst Paul III. Sie hatten sich geweigert, eine neue Salzsteuer zu akzeptieren, und der Papst handelte drastisch. Innerhalb kürzester Zeit – von 1540 bis 1543 – ließ er, um die Stadt endgültig unter Kontrolle zu halten, eine Festungsanlage auf dem Colle Landone durch Antonio da Sangallo errichten, die nach ihrem Erbauer Rocca Paolina genannt wird. Mehr als drei Jahrhunderte lang blieb Perugia dem Kirchenstaat unterworfen. Das geistige Leben erstarrte in den Akademien.

Zweimal wurde die Herrschaft der Kirche unterbrochen: 1798/99 nach dem Einmarsch französischer Truppen und 1809–1814, nach einem Jahrzehnt der kirchlichen Restauration, als Teil des napoleonischen Kaiserreiches. Die Aufstände von 1831, 1848 und 1859[16] (Blutbad von Perugia)[17] wurden von päpstlichen Truppen niedergeschlagen. Am 14. September 1860 marschierten Piemonteser Truppen in Perugia ein. Umbrien wurde dem neuen italienischen Staat eingegliedert.[18]

Vor einigen Jahren wurden diejenigen Stadtteile, die nach dem Sieg des Papstes verschüttet worden waren, wieder freigelegt und bilden heute am Berghang eine etwas unheimlich wirkende eigene Stadt unter der oberen, „offiziellen“ Stadt, in der Rolltreppen, Geschäfte und Ähnliches untergebracht sind, ähnlich wie bei U-Bahn-Anlagen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panoramaaufnahme der Platz IV Novembre

Neben den eher uninteressanten Neubaugebieten in der Ebene bietet die auf dem Berg liegende Altstadt viele enge Gassen mit Flair und zahlreiche interessante Museen und Kulturdenkmäler:

Museen
Kirchen
Profanbauwerke
  • Palazzo dei Priori mit seiner bemerkenswerten Außentreppe
  • Die mittelalterliche Fontana Maggiore, die den Peruginern als der schönste Brunnen der Welt gilt
  • Der Arco Etrusco, ein Bogenbauwerk aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., das wegen der Inschrift AVGVSTA PERVSIA auch Arco di Augusto genannt wird
  • Der unterirdische Stadtteil unter der Rocca Paolina, der nach der Unterwerfung Perugias durch Papst Paul III. 1540 unter der Rocca verschüttet wurde.
  • Der Corso Vannucci mit seinen Geschäften und Cafés im Zentrum der Altstadt
  • Die 1925 gegründete Ausländeruniversität (L’Università per stranieri) im Palazzo Gallenga Stuart

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Umbria Jazz: Perugia ist auch Schauplatz des Umbria Jazz, eines der größten und weltweit bekanntesten Jazz-Festivals. Das zehntägige Festival findet seit 1973 jährlich Anfang Juli statt.
  • Eurochocolate, eine der populärsten europäischen Veranstaltungen zum Thema Schokolade, findet jährlich im Oktober statt.

Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ganz Italien – und darüber hinaus – kennt man die Baci Perugina (Küsse von Perugia), Pralinen mit einer Füllung aus Nougat und ganzen Haselnüssen; das Herstellerunternehmen Perugina hat seinen Sitz in Perugia und gehört zum Nestlé-Konzern.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Perugia befindet sich neben der Universität Perugia auch die Ausländeruniversität Perugia, an der ausländische Studenten aus aller Welt zum Studium der italienischen Sprache und Landeskultur zusammenkommen. Die Vorlesungsräume sind im Palazzo Gallenga untergebracht, dem einzigen Barockpalast der Stadt.

Seit Ende des 19. Jh. besteht die Biblioteca della Deputazione di storia patria per l’Umbria.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Perugia hat sehr rigide Maßnahmen gegen den Autoverkehr eingeführt. Zu bestimmten Tageszeiten ist eine Sondererlaubnis erforderlich, um mit dem Auto in die Innenstadt fahren zu dürfen, was sich positiv auf die Bewegungsmöglichkeiten der Fußgänger innerhalb der historischen Altstadt auswirkt. Autos können auf einem der großen Parkplätze in den unteren Stadtteilen abgestellt werden und die Innenstadt ist von dort über Rolltreppen durch die Rocca Paolina zu erreichen.

Seit 2008 verbindet außerdem die Minimetrò Perugia mit sieben Stationen die unteren Stadtteile mit der Altstadt.

Zwölf Kilometer östlich der Stadt liegt der Flughafen Perugia.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte von Perugia sind[19]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Perugia aufgeführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Danilo Nati: Le necropoli di Perugia (= Auleste. 3, 1). Band 1. Edimond, Città di Castello 2008, ISBN 88-500-0372-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Perugia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. U. Ciotti: PERUSIA (Perugia) Umbria, Italy. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton NJ 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  3. Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 20, 1, 11.
  4. Maurus Servius Honoratus, Kommentar zu Vergil, Aeneis 10, 198.
  5. a b Luisa Banti: Perusia. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,1, Stuttgart 1937, Sp. 1068–1085, hier: 1082.
  6. Titus Livius, Ab urbe condita 9, 37, 12; Stephanos von Byzanz, Ethnika, s. Perraision.
  7. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 20, 35; Titus Livius, Ab urbe condita 9, 37.
  8. Titus Livius, Ab urbe condita 10, 31,3.
  9. Titus Livius, Ab urbe condita 23, 17, 11.
  10. Titus Livius, Ab urbe condita 28, 45, 18.
  11. a b Luisa Banti: Perusia. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,1, Stuttgart 1937, Sp. 1068–1085, hier: 1083.
  12. Appian, Bürgerkriege 5, 31-49; Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 14; dazu Jochen Bleicken, Augustus, 1998, ISBN 3-8286-0027-1, S. 189-193.
  13. Prokop, Gotenkrieg 2, 16 f.; 3, 6; 3, 25; 3, 35; 4, 33.
  14. Paulus Diaconus, Historia Langobardorum 4, 8; dazu Ludo Moritz Hartmann, Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. 2, Teil 1, 1900, S. 105.
  15. Carl Joseph Bouginé (Hrsg.): Handbuch der allgemeinen Litterargeschichte nach Heumanns Grundriss, Band 1, Zürich 1789, ISBN 978-0243545599, S. 497.
  16. Johannes Weinand Leo XIII. Seine Zeit, sein Pontifikat und seine Erfolge S. 106, Salzwasser-Verlag Paderborn, Nachdruck von 1886, ISBN 978-3-8460-1001-3
  17. Corrado Augias: Die Geheimnisse des Vatikan S. 58, Beck München 2011 ISBN 978-3-406-61363-0
  18. Keller, Harald: Die Kunstlandschaften Italiens 1960. Frankfurt a. M. 1983, S. 390
  19. Città di Perugia, Twin cities