Stift Olsberg

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Stift Olsberg
ehemaliges Zisterzienserinnenkloster Olsberg
ehemaliges Zisterzienserinnenkloster Olsberg

Orden Zisterzienser
Gründungsjahr 1236
Aufhebung/Jahr 1803
Lage
Land Schweiz
Region Aargau
Ort Olsberg
Geografische Lage 47° 31′ N, 7° 46′ OKoordinaten: 47° 31′ 26″ N, 7° 46′ 26″ O; CH1903: 625251 / 263739
Stift Olsberg (Schweiz)
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Lage in der Schweiz

Das Stift Olsberg ist ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster in der Gemeinde Olsberg, im Schweizer Kanton Aargau. Das Kloster mit dem Namen Hortus Dei («Gottesgarten») wurde 1236 gegründet und 1803 aufgehoben. Neben der Stiftskirche umfasst es das Konventgebäude, die Klosterscheune, das Pfarrhaus und weitere Nebenbauten. Heute dient das Konventgebäude als Schulheim für Kinder mit Lernschwierigkeiten. Die Klosteranlage ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handkoloriertes Titelblatt des Anton Dominik Brysner zu seinem Manuskript «Historische und Diplomatische Beschreibung des adeligen Gotteshauses Ohlsperg» 1763

Im Februar 1234 stellte Papst Gregor IV. dem Konvent zum Gottesgarten einen Schutzbrief aus. Im darauf folgenden Jahr wurde der Konvent in den Orden der Zisterzienser aufgenommen. Die Klostergemeinschaft lebte zunächst im Weiler Kleinrot auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Obersteckholz (Kanton Bern). Sie zog dann 1236 nach Olsberg, kaufte das Dorf und baute dort eine Klosteranlage mit Kirche. Da Olsberg ein Frauenkloster war, lagen die seelsorgerische Verantwortung und die Vertretung nach aussen beim Kloster Lützel. Ab 1442 stellten die Habsburger die Kastvögte.[1]

Bis zu Beginn des 15. Jahrhunderts konnte der Besitz geschickt ausgedehnt werden. Er umfasste das Gebiet westlich von Möhlin, einen Teil des Baselbiets, Streubesitz im Elsass bis nach Strassburg und einen Teil Südbadens. 1427 brannte das Kloster vollständig nieder, woraufhin ein langsamer Niedergang einsetzte. Im Jahr 1452 gab es nur noch fünf Ordensfrauen und der Fortbestand des Klosters war gefährdet. Während des Bauernkriegs plünderten im Jahr 1525 die Bewohner der umliegenden Dörfer das Kloster. 1535 traten die Äbtissin und die meisten Nonnen zur reformierten Konfession über. Bis 1558 blieb das Kloster verwaist.[1]

Im Jahr 1632, während des Dreissigjährigen Krieges, wurde das Kloster zweimal von schwedischen Truppen geplündert und stark beschädigt. Die Ordensfrauen flohen kurzzeitig ins Exil, zuerst nach Wettingen, später nach Balsthal. Nach ihrer Rückkehr erfolgte ein Neuanfang und die Anlage wurde in mehreren Etappen erweitert. Der erneute Niedergang begann sich abzuzeichnen, als 1751 die Paternität vom Kloster Lützel zur Reichsabtei Salem und schliesslich 1753 zum Kloster Tennenbach wechselte. Kaiser Leopold II. wandelte 1790 das Kloster Olsberg in ein weltliches adliges Damenstift um, 1803 schloss der neu entstandene Kanton Aargau mit der Übernahme der Stiftsgüter die Säkularisation ab.[1]

1805 entstand im Klostergebäude eine der ersten höheren Schulen für junge Frauen, was damals als sehr fortschrittlich galt. Dieses interkonfessionelle Töchterinstitut mit Lehrerinnenbildungsstätte stand unter kantonaler Aufsicht. 1835 beschloss jedoch der Grosse Rat die Schliessung der Schule. Von 1839 bis 1841 wurde sie auf privater Basis betrieben.[2] 1846 übernahm die nach Johann Heinrich Pestalozzi benannte «Pestalozzistiftung der deutschen Schweiz» die Räumlichkeiten und richtete eine Zöglingsanstalt für arme und verwahrloste Kinder ein. Als die Stiftung in finanzielle Schieflage geriet, übernahm der Kanton 1860 die Anstalt. Diese wandelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Schulheim mit Wocheninternat.[3] Heute ist sie auf Kinder mit Lernschwierigkeiten spezialisiert, die nicht in eine Regelschule gehen können. Auf dem Klostergelände befindet sich ein Bio-Landwirtschaftsbetrieb.

Seit 2006 veranstaltet die argentinische Cellistin Sol Gabetta in der Klosterkirche jährlich das SOLsberg-Kammermusikfestival.[4]

Liste der Äbtissinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1370,1371: Romana von Tegerfelden[5]
  • 1535–1558: Vakanz[6]
  • 1558–1588: Katharina von Hersberg, Überlingen[7]
  • 1588–1645: Ursula Schmotzer, Ritzol im Tirol[7]
  • 1670–1707: Maria Franziska von Eptingen-Blochmont (* um 1631 in Oberhagental; † 27. April 1707 in Olsberg)[8]
  • 1707–1732: Bernarda von Freiburg[9]
  • 1732–1757: Maria Johanna von Roll[9]
  • –1785: Victoria von Schönau († 1785)
Oberinnen (nach der Säkularisation)
  • 1791 Josepha von Freyental (bisher Priorin)[9]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stiftskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stiftskirche
Inneres der Stiftskirche

Von der Gründungskirche (Bau I), mit deren Errichtung man vermutlich um 1236 begann, sind diverse Fundamentreste erhalten geblieben. Diese kamen 1972 bei umfangreichen archäologischen Untersuchungen zum Vorschein. Bei der Kirche handelte sich um einen viereckigen Saal.[10] Die Kirche brannte 1427 völlig aus und musste vollständig abgetragen werden. An ihrer Stelle entstand ein weitaus grösserer Neubau (Bau II), der am 13. Dezember 1434 eingeweiht wurde. 1562 erhielt das Altarhaus gross dimensioniert Wandmalereien, 1593 einen Lettner. Im Dreissigjährigen Krieg erlitt die Kirche grosse Schäden. Der zerstörte Hochaltar konnte erst 1672/73 erneuert werden, zehn Jahre zuvor war eine marmorierte Holzdecke angebracht worden.[11]

Zu weitreichenden architektonischen Änderungen kam es im Jahr 1715 (Bau III). Man brach das hinterste Viertel des Gebäudes, den Konversenbezirk, ab und errichtete vor dem verkürzten Langhaus eine neue barocke Schaufassade mit Glockenturm. Ausserdem beseitigte man die Trennmauer zum Altarhaus und ersetzte den Lettner durch eine westseitige Chorempore. 1737/38 entstand an der Südwand ein Altar für die Gebeine des Katakombenheiligen Viktor. Mitte des 18. Jahrhunderts nahm man verschiedene Anpassungen der Ausstattung vor.[12] Eine Aussenrenovation fand in den Jahren 1901/02 statt, eine umfassende Restaurierung von 1972 bis 1981.

Die Turmfassade der Stiftskirche ist barock. Der Frontturm erscheint bis zur Höhe der Giebelspitze als zweikantiger Risalit und verjüngt sich zu einem achteckigen Glockengeschoss, auf dem eine Dachhaube mit zwiebelförmiger Laterne sitzt. Das Hauptportal hat die Form eines Pfeilerbogens mit Komposit-Pilastern und Kröpfgebälk. Im Fries verbirgt sich ein Chronogramm, darüber befinden sich die Wappen des Zisterzienserordens und der Äbtissin Bernarda von Freiburg. Eine Nische im Turmschaft enthält ein Standbild des Ordensheiligen Bernhard von Clairvaux. Das Kirchenschiff und der Chor sind im gotischen Stil erbaut worden, wobei die beiden Längsseiten aufgrund verschiedener baulicher Massnahmen ungleich gestaltet sind. Der hintere Teil der Südflanke war einst mit dem Konventgebäude verbunden, dieser Flügel wurde jedoch 1864 abgebrochen.[13]

Im westlichen Drittel der Kirche findet sich eine dreischiffige, drei Joche tiefe Pfeilerhalle, auf der die Orgelbühne ruht. Die Pfeilerhalle öffnet sich in drei Bögen zum Schiff, dieser wiederum geht direkt in den gleich breiten Chor über. Eine räumliche Gliederung wird im Wesentlichen durch zwei podestartige Bodenerhöhungen und die Altäre erzeugt. Der 1673 von Johannes Scharpf geschaffene Hochaltar bildet eine mächtige, schwarz-grau marmorierte Schauwand mit vier gewundenen Säulen. Das Hauptblatt, eine Ölberg-Darstellung, ist eine 1634 angefertigte Kopie des Altarbilds von Giovanni Lanfranco in der Luzerner Hofkirche. Die Altarfiguren (Täufer und Nährvater) werden Johann Isaak Freitag zugeschrieben. Von Freitag stammt auch das Tabernakel mit Säulenkranz und Kuppel. Die freistehenden Seitenaltäre mit Régence-Aufbauten wurden nach 1732 angefertigt. Die in den 1660er Jahren angefertigten Grisaillefresken wurden 1828 weiss getüncht und 1977 wieder freigelegt.[14]

Konventgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das seit dem 14. Jahrhundert bestehende Konventgebäude, das sich südlich an die Kirche anschloss, wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an die Hanglage angepasst, so dass die zuvor gestaffelten Stockwerke ein einheitliches Niveau erhielten. Nach den schwedischen Überfällen im Dreissigjährigen Krieg verwahrloste das Gebäude und war weitgehend unbewohnbar. In den 1680er Jahren erfolgte eine umfangreiche Sanierung, verbunden mit Aufstockungen. Dabei erhielt das Gebäude im Wesentlichen seine heutige Gestalt. 1715 entstand durch den Abbruch des Konversenbezirks der Stiftskirche eine Baulücke im Nordwesten des Kreuzgangs. 1864 brach man den Nordtrakt und einen Teil des Osttraktes ab; seither ist das Konventgebäude nicht mehr mit der Kirche verbunden. Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wurden die Räume an den modernen Schulbetrieb angepasst, 1966 wich der Kreuzganggarten einem Sportplatz.[15]

Vom ursprünglichen Interieur sind verschiedene Elemente erhalten geblieben. Das Refektorium im Osttrakt besitzt eine weiss gefasste Felderdecke, an der mehrere Wappen angebracht sind; in der Nordwestecke steht ein Kachelofen aus dem Jahr 1751, der mit ländlichen Szenen bemalt ist. An das Refektorium grenzt eine Stube, die heute als Bibliothek genutzt wird; sie besitzt eine beschnitzte Holzdecke aus dem späten 16. Jahrhundert. Der Kreuzgang birgt 15 zusammenhängende spätgotische Gewölbejoche. Zum Arbeitsraum der Äbtissin am Westende des Südtrakts führt eine doppelflügelige Nussbaumtür mit Beschlägen.[16]

Weitere Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrhaus

Durch ein Strässchen getrennt, liegt nordwestlich der Stiftskirche steht die im Jahr 1742 errichtete ehemalige Stiftsschaffnerei. Nach der Klosteraufhebung lebte dort der vom Kanton eingesetzte Verwalter, heute dient es als Pfarrhaus der christkatholischen Kirchgemeinde. Die rund 80 Meter von der Kirche entfernte Klosterscheune entstand 1777 an der Stelle eines abgebrochenen Vorgängerbaus. Auffälligstes Merkmal des heute noch landwirtschaftlich genutzten Bauwerks ist der dreigeschossige Dachstuhl.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edith Hunziker, Peter Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band IX, Bezirk Rheinfelden, 2011, ISBN 978-3-906131-94-8.
  • Joseph Echle: Das Dorf Olsberg und sein Kloster. Festschrift zur Erinnerung an die lange Geschichte, die Dorf und Kloster verbindet. Hrsg.: Erziehungsdepartement des Kantons Aargau. Max Muff AG, Pratteln 1985.
  • Diemuth Königs: Zisterzienserinnen in Olsberg. Die Geschichte des Klosters Hortus Dei. Schwabe, Basel 2010, ISBN 978-3-7965-2656-5.
  • Peter Hoegger: Ehemaliges Kloster Olsberg. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 345). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1994, ISBN 978-3-85782-345-9.
  • Georg Boner: Zur älteren Geschichte des Klosters Olsberg. In: Argovia, Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau, Band 91 (1979), S. 45–99 doi:10.5169/seals-73921
  • Gottlieb Wyss: Franziska von Eptingen, Äbtissin zu Olsberg. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band 30 (1931) doi:10.5169/seals-114366
  • K. Biedermann: Kloster Olsberg. Kulturhistorische Bilder. In: Vom Jura zum Schwarzwald: Geschichte, Sage, Land und Leute. 9. Band (1892), S.  179–232 und 259–315

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stift Olsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Das Olsberger Kloster Hortus Dei - Ein irdisches Paradies? Koenigs-Media, 23. November 2008, abgerufen am 30. Januar 2013.
  2. Töchterinstitut. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
  3. Pestalozzistiftung der deutschen Schweiz. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
  4. Hintergrund. SOLsberg, abgerufen am 23. Dezember 2015.
  5. Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch, Band I. S. 206
  6. Echle: Das Dorf Olsberg und sein Kloster. S. 11.
  7. a b Echle: Das Dorf Olsberg und sein Kloster. S. 12.
  8. Urban Fink: Eptingen, Maria Franziska von. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  9. a b c Echle: Das Dorf Olsberg und sein Kloster. S. 15.
  10. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 384–385.
  11. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 387–388.
  12. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 388.
  13. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 391.
  14. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 391–394.
  15. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 389–390.
  16. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 399–400.
  17. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 402–403.