Strassenjungs

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Strassenjungs
Strassenjungs 2016
Strassenjungs 2016
Allgemeine Informationen
Genre(s) Deutschrock
Gründung 1977
Website http://www.diestrassenjungs.de
Gründungsmitglieder
Holger „Karl Kraftlos“ Schmidt (1977–1978)
Gitarre, Gesang
Alexander „Alexander Adrett“ Rodmann (1977–1978)
Nils „Mario Nett“ Selzer
Karl-Heinz „Willi Anstand“ Traut (1977–1978)
Aktuelle Besetzung
Gesang
Nils Selzer (seit 1977)
Bass, Gesang
Volker „Pickup“ Picard (seit 1980)
Gitarre
Micha Liebert (seit 2016)
Schlagzeug
Georg Tautenhain (seit 2017)
Ehemalige Mitglieder
Gitarre, Gesang
Hartmut Büchner (1978-?)
Schlagzeug
Bastl Thorer (1978–1980)
Schlagzeug
Seppl Niemeyer (Flatsch) (1978–1980)
Bass
Jörg Bombach (1978–1979)
Gitarre
Harry Heinen (1978–1984)
Schlagzeug
Martin Herbolzheimer (1980–1984)
Gitarre
Matthias Baumgardt (1984–1986)
Schlagzeug
Georg Tautenhain (1984–1990)
Gitarre
Michael Liebert (Schmutzhanz) (1986–1996)
Schlagzeug
Torsten Dechert (1990–1996, 2012–2017)
Gesang
Andi „Rocco Ernstfall“ Mengler (The Heilig) (1990–1999)
Gastauftritte
(siehe Bandbiografie 1992)
Gesang
Dragoslav „Stepi“ Stepanovic (1992)
Video
Sepp Maier (1993)
Video
Heike Maurer (1993)

Strassenjungs ist eine deutsche Rockband aus Frankfurt am Main, die dem Deutschrock, Punk und New Wave[1] zuzuordnen ist. Neben der Aktivität als Band betreiben die Mitglieder seit 1979 auch das Label Tritt Records.

Bandgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruppe wurde 1977 von dem Produzententeam Axel Klopprogge und Eckehard Ziedrich ins Leben gerufen. Klopprogge und Ziedrich hatten die beginnende Popularität des Punkrocks und insbesondere der Sex Pistols in England verfolgt und wollten in Deutschland mit einer ähnlichen Gruppe starten. Da in Deutschland Punkrock noch relativ unbekannt war, schrieben sie aggressive Lieder mit vermeintlich anstößigen Texten. Zur Einspielung der hauptsächlich von Klopprogge und Ziedrich geschriebenen Lieder, wie z. B. "Birgit O.", "Schlagerstar", „Ich brauch meinen Suff (wie der Spießer den Puff)“, „Nachts auf Tour“ oder „Jet-Set Ficker“ engagierten sie die Köpfe der 1975 aufgelösten Band Tiger B. Smith aus Bad Camberg: Holger Schmidt an Gesang und Gitarre und Karl Heinz Traut an Schlagzeug und Percussion, dazu Nils Selzer (ex-The Cheats, ex-Orgon) am Bass und Alexander Rodmann (ex-Lady, ex-Octopus) an der Gitarre und Gesang. Die Musiker traten unter Pseudonymen in Erscheinung: Schmidt wurde Karl Kraftlos, Rodmann wurde Alexander Adrett, Traut wurde Willi Anstand und Selzer wurde Mario Nett.

Das Debüt-Album „Dauerlutscher“ wurde 1977 in dem eher für Krautrock bekannten Studio Panne-Paulsen in Frankfurt-Heddernheim aufgenommen. Als Vertragspartner wurde CBS (heute Sony) gefunden. Bei der Veröffentlichung verkaufte sich das Album jedoch nur schlecht. Die Single-Auskopplung „Birgit O.“ floppte ebenfalls. Eine Tournee im Vorprogramm der Punkrock-Labelkollegen The Clash brachte Achtungserfolge, jedoch nicht den erhofften kommerziellen Durchbruch. Promotion-Aktionen wie die Verteilung von Kondomen vor dem Kant-Kino in Berlin erregten Aufmerksamkeit, aber wenig Umsatz. Erst Jahre später sollte das Album Kult-Status erlangen und kommerziell erfolgreich sein.

Da aber weder der Produzent Klopprogge noch die Plattenfirma CBS ein gesteigertes Interesse am Fortkommen der Band zu haben schien, war weder ein Management noch eine Booking-Agentur für die Band engagiert worden. Ohne diese gab es für die Band weder Auftritte noch weitere Promotion, noch irgendwelche Perspektiven. Außer der erwähnten Kurztournee im Vorprogramm von "The Clash" und einigen wenigen Auftritten zur Promotion der Schallplatte gab es so für die Band kein Weiterkommen. Konsequenterweise löste sich die Band auf. CBS Records beendete daraufhin die Zusammenarbeit und löste den Vertrag.

Bassist Nils Selzer übernahm daraufhin die Namensrechte vom früheren Produzententeam und scharte neue Musiker um sich. Er nahm nun auch die Rolle des Komponisten und Texters ein und wechselte vom Bass an die Rhythmus-Gitarre. Mit Harry Heinen, der über einen Aushang an der Goethe-Universität in Frankfurt gefunden worden war, an Lead-Gitarre und Gesang, Volker "Pickup" Picard am Bass and Gesang und Martin Herbolzheimer am Schlagzeug nahm Selzer 1978 das in Eigenproduktion produzierte Album „Wir ham ne Party“ auf. Zeitweilig spielte auch der spätere HR3-DJ Jörg Bombach Bass. Durch stete Tourneen in ganz Westdeutschland erspielte sich die Gruppe einen Ruf als gute Liveband, die Fanclubs hatte. Darüber hinaus engagierten sich die Strassenjungs – wie die Vertriebspartner Ton Steine Scherben – politisch, u. a. beim „Rock gegen Rechts“-Festival in Frankfurt.

Selzer gründete sein eigenes Label Tritt Records, dessen Logo er einem Freak Brothers-Comic entnahm. Vertriebsmäßig engagierte sich Selzer mit u. a. Embryo und Ton Steine Scherben im Schneeball-Vertrieb, einem Eigenvertrieb der Musiker, aus dem später Energie für alle (EfA) wurde.

Klopprogge trat Anfang der 1980er Jahre dann als Komponist, Texter und Produzent des aus Bad Camberg stammenden NDW-Stars Markus (ex-Nylon Euter) und dem Austropopsänger Wilfried in Erscheinung. 1985 sollte es nochmals zu einer Zusammenarbeit zwischen Holger Schmidt und Axel Klopprogge kommen, als Klopprogge Schmidt als Gitarristen zu der von ihm produzierten Rockband Tokyo holte.

Das nächste Studio-Album „Los!“ erschien 1981. Im Herbst 1982 kam das Debüt-Album „Dauerlutscher“ wegen der anstößigen Texte auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. Die Indizierung brachte erneute Publicity. Im Besonderen nahm die Bundesprüfstelle an den beiden Stücken „Nachts auf Tour“ und „Ich brauch mein' Suff“ Anstoß (Vorwurf des Aufrufes zum Verbrechen und zu übermäßigem Alkoholkonsum). Die Indizierung wurde am 31. August 2007 aufgehoben, da die Bundesprüfstelle den Inhalt des Albums nach Ablauf der 25-jährigen Indizierungsfrist nicht mehr als jugendgefährdend ansah.[2]

Im Frühjahr 1983 wurde die Live-LP „Live 83“ aufgenommen. Die freie Zeit zwischen ihrem Band-Engagement nutzten Selzer wie Heinen in dieser Zeit auch für Solo-Alben. Ferner produzierte Selzer das Album der Frankfurter Frauenband Strapaze, in der auch seine damalige Freundin mitspielte, für das bandeigenen Tritt Records-Label.

1984 erschien bei Rockport Records (mit EMI Electrola Vertrieb) das Album „Bleiben oder geh’n“, auf dem Matthias Baumgardt anstelle von Harry Heinen Lead-Gitarre spielte. Für die ausgekoppelte Single „Hallo“ wurde ein Videoclip produziert. Das vergleichsweise poppige Album zeigte nicht den erhofften Erfolg, so dass das nächste Studio-Album „Sex“ 1986 wieder auf Selzers Label Tritt Records erschien.

1990 zog sich Nils Selzer aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurück und arbeitete vornehmlich im Studio, u. a. mit Kevin Coyne. Live trat künftig Andi Mengler als Sänger auf. Mit Michael Liebert an Lead-Gitarre, Torsten Dechert am Schlagzeug und Volker „Pickup“ Picard am Bass brachte die Gruppe 1991 das Album „Duell“ heraus und steuerte ein Lied zum Soundtrack des Films „Manta, Manta“ bei.

1992 wurde mit dem damaligen Eintracht Frankfurt-Trainer, „Stepi“ Stepanović die Stadionhymne „Eintracht“ aufgenommen, die ein No-1-Hit bei Radio FFH wurde. Bei einem weiteren Fußballprojekt war die Band im Videoclip „Wir sind die Fans“ gemeinsam mit Sepp Maier und ZDF-Moderatorin Heike Maurer zu sehen und trat gegen Gewalt in Fußballstadien ein. Andi Mengler komponierte ferner die Stadionhymne „Forever OFC“ für die Eintracht-Erzrivalen Kickers Offenbach.

Die ehemalige Plattenfirma CBS Records (nun Sony) veröffentlichte das Debüt-Album trotz Indizierung 1993 erstmals auf CD. Die Besetzung änderte sich 1996 erneut: Manni Masal ersetzte Michael Liebert als Gitarrist. René D. ersetzt Torsten Dechert als Schlagzeuger.

1997 erschien ein weiteres Studio-Album „Tut gut“. 1999 stieg Andi Mengler aus und überließ Bassist Volker „Pickup“ Picard den Posten des Sängers, so dass die Gruppe erstmals als Trio live auftrat.

2002 erscheint das 25-Jahre-Jubiläum-Album "JUBELJAHR" mit dem Album "Bombenstimmung" (remastered) auf einer CD. Die Songs 'Windoof', 'Hans K', 'Frische in die Hose' werden in die BeSonic-Web-Charts gewählt. Zwei Strassenjungs-Songs erscheinen auf der Sampler-CD 'NDW- Kostbarkeiten'. Die Band 'Fettes Brot' veröffentlicht ein Remake des Strassenjungs-Songs "Birgit O." auf ihrer Maxi-CD.

2003 wurde durch den WDR-Rockpalast ein Konzert im Kölner Club „Underground“ wieder mit Selzer am Gesang aufgezeichnet, der seitdem wieder Frontman der Band ist.

2007 erscheint das best-of-Album "Straßenfeger Hitbox" mit 20 ihrer beliebtesten Songs inklusive einer Live-Version von Birgit O. und zwei neuen Songs.

2012 beginnt Selzer die Produktion der Bandstory-Video-DVD zum 35-Jahre-Jubiläum, die 2013 mit dem Titel "Dauerlutscher Report 1" veröffentlicht wird. Ausschnitte daraus, sowie zusätzliches Video-Material zeigt die Band in ihrem YouTube-Kanal. Torsten Dechert ersetzt René D. als Schlagzeuger.

2015 Lutz Sommer ersetzt Mani Masal als Gitarrist. Sie spielen u.A. beim Punk/Wave-Festival in Köln, Gig mit Extrabreit.

2016 Micha Liebert ersetzt Lutz Sommer als Gitarrist. Ihr Song "Genmais" wird gespielt auf der DEMO "March Against Monsanto" in Hamburg .

2017 erscheint das Album "HITZ" mit neuen Songs auf ihrem Label Tritt Record wieder im Vertrieb von Broken Silence.

Der 40-Jahre-Jubiläums-Gig findet statt im Club „DAS BETT“ Frankfurt mit Video-Aufnahme. Georg Tautenhain ersetzt Torsten Dechert am Schlagzeug.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nachts auf Tour & Birgit O., EP CBS 82361 1977
  • Dauerlutscher, LP CBS 82361 1977, CD Sony Music COL 4757662 (CD-Wiederveröffentlichung 1993)
  • Wir ham ne Party, LP Tritt 01 – 1979
  • Los! LP Tritt 03 – 1981
  • Live 83, LP Tritt 06 - 1983 (Wiederveröffentlichung mit neuem Foto-Cover 1990)
  • Bleiben oder geh’n, LP 1984 EMI, (Wiederveröffentlichung CD 199? Rockport / SPV)
  • Sex, LP Tritt 08 – 1986
  • Bombenstimmung, LP Tritt 09 – 1987
  • Das Beste, LP Tritt 10 – 1989 (14 Klassiker mit neuer Live-Version „Dauerlutscher“)
  • Gorby, Mini-LP Tritt 11 – 1989
  • Duell, LP Tritt 13 - 1991
  • Eintracht, Maxi-CD Tritt 14 – 1992 / mit Dragoslav Stepanović
  • Tut gut, CD Tritt 15 - 1997
  • Jubeljahr, CD Tritt 18 - 2002
  • Strassenfeger Hitbox, CD Tritt 19 - 2007
  • Dauerlutscher Report 1, Video-DVD, Tritt-2012-dvd - 2013
  • HITZ, CD Tritt-20 - 2017

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ichwillspass.de: Ich will Spass: die Band „Strassenjungs“ (Neue Deutsche Welle) (deutsch, abgerufen am 1. April 2008)
  2. BAnz. Nr. 170 vom 14. September 1982

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Strassenjungs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien