Tündern

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Tündern
Stadt Hameln
Wappen von Tündern
Koordinaten: 52° 3′ 53″ N, 9° 22′ 35″ O
Höhe: 70 m
Einwohner: 2608 (31. Dez. 2016)
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 31789
Vorwahl: 05151
Blick auf Tündern und das Kernkraftwerk Grohnde, links der Bückeberg mit dem Gelände des Reichserntedankfest
Tündern an der Weser

Tündern ist ein südlich des Zentrums gelegener Ortsteil der Stadt Hameln im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Der Ort liegt in einem Bogen der westlich vorbeifließenden Weser und ist über die Landesstraße 424 mit dem Stadtkern verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnung findet Tündern im Jahr 1004 unter dem Namen Tundirum in einem Dokument des Klosters Kemnade. Im Mittelalter befand sich beim Ort auf dem sogenannten Tündernanger die Hochgerichtsstätte des Amtes Ohsen, wo 1583 eine Hexenverbrennung stattfand. Die letzte Hinrichtung erfolgte hier im Jahr 1763 mit dem Hängen eines Pferdediebes.

Am 1. Januar 1973 wurde Tündern in die Kreisstadt Hameln eingegliedert.[1]

Bahnhof Tündern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort hatte einen Bahnhof an der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken. Dieser wurde 1913 als Haltepunkt eingerichtet. Da der Ort nur etwa einen Kilometer vom Bückeberg entfernt war, wurde dieser Haltepunkt im Rahmen der Ausbauarbeiten für das Reichserntedankfest 1935 in einen viergleisigen „Führerbahnhof“ umgebaut. Dieser hatte besonders lange Bahnsteige für Hitlers Sonderzug. Das zugehörige Gebäude erhielt acht Fahrkartenschalter. Zudem wurde eine Rampe angelegt, an der der Dienstwagen von Adolf Hitler entladen werden konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die nicht benötigten Bahnsteige wieder abgebaut und der Bahnhof zum Haltepunkt zurückgestuft. 1964 wurde der Personenhalt aufgelassen und das Gebäude als Blockstelle verwendet. Ende der 1970er Jahre wurde es überflüssig und abgerissen. Reste der Autorampe können noch gefunden werden.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeisterin ist Elke Meyer.[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch schwarzen Balken längs gespaltener Schild. Links auf silbernem Grund drei blaue Wasserwellen. Rechts auf blauem Grund eine goldene gebundene Getreidegarbe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Ort
Windmühle in Tündern
  • Die Holländerwindmühle wurde 1883 errichtet und gibt heute einen Einblick in das Leben eines Müllers.
  • Ein Dorfmuseum wird vom Verein für Heimatpflege und Grenzbeziehung Tundirum betrieben. Ihm ist ein historischer Bauerngarten angeschlossen.

Tündern beheimatet einen Tischtennisverein der Oberliga Nord-West TSV Schwalbe Tündern und einen Fußballverein HSC Schwalbe Tündern. Bei Tündern außerhalb der Bebauung liegt die Jugendanstalt Hameln, die mit 793 Haftplätzen die größte Jugendstrafanstalt Deutschlands ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1583 wurden in einem Hexenprozess hingerichtet: die Walterbergische, die Flentsche, die Schutmensche.[4]
  • Bekanntester Bürger war der ehemalige Bürgermeister Werner Bruns (1925–1994), der 20 Jahre zugleich auch stellvertretender Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont war. Nach ihm wurde in Hameln eine Straße als Bürgermeister-Bruns-Straße benannt, weil er maßgeblich zum Erhalt der Altstadt beigetragen hat. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes und Mitglied der evangelischen Landessynode. In der Ortschaft wurde er der „Löwe von Tündern“ genannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tündern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 189.
  2. Martin Weltner: Für den Reichbauerntag. In: Lok Magazin. Band 10/2017. GeraMond Verlag, München, S. 92.
  3. Ortsrat Tündern
  4. Hexenprozessakte vom Jahr 1583 gegen die Walterbergische, die Flentsche, die Schutmensche