Türkischer Tee

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Türkischer Tee, serviert in einem typischen Glas auf einem typischen kleinen Untersetzer.

Türkischer Tee (türkisch çay ausgesprochen [t͡ʃaj]) ist eine Teeart, die hauptsächlich in der Türkei und der türkischen Diaspora, sowie in Nord-Zypern und einigen Balkanländern getrunken wird[1].

Anbau und Zubereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türkischer Tee, genannt Çay, ist Rize Tee, eine Variante aus schwarzem Tee, der ohne Milch getrunken wird. Er wird an der östlichen Schwarzmeerküste, die ein mildes Klima mit hohem Niederschlag und einen fruchtbaren Boden hat, produziert. Türkischer Tee wird in der Regel unter Verwendung von zwei übereinander gestapelten Kesseln, genannt Çaydanlık, vorbereitet, der speziell für die Teezubereitung entwickelt wurde. Wasser wird in dem unteren größeren Kessel zum Kochen gebracht und oben der kleinere Kessel mit mehreren Löffeln Teeblätter gefüllt, dann wird ein Teil des Wassers benutzt, um den Tee aufzugießen (infundieren) und ziehen zu lassen, um einen sehr starken Tee aufzubereiten. Wenn der Tee serviert wird, wird das übrig gebliebene Wasser benutzt, um den Tee auf einer individuellen Basis zu verdünnen, um jeden Verbraucher zwischen starken (türkisch: koyu; literarisch „dunkel“,  tavşan kanı, wörtlich: Kaninchenblut) – ein tief- oder schwaches braunrot (açık; wörtlich „hell“) wählen zu lassen. Der Tee wird mit Würfelzucker aus kleinen Gläsern getrunken, um ihn heiß zu genießen und zusätzlich um seine Farbe zu zeigen.

Im Jahr 2004 produzierte die Türkei 205.500 Tonnen Tee (6,4 % der gesamten Teeproduktion in der Welt), das machte sie zu einem der größten Teemärkte der Welt[2]. 120.000 Tonnen werden in der Türkei verbraucht. Der Rest wird exportiert. Darüber hinaus hatte die Türkei im Jahr 2004 mit 2,5 kg pro Person den höchsten Teeverbrauch in der Welt – gefolgt vom Vereinigten Königreich (2,1 kg pro Person). Tee wird vor allem an der Schwarzmeerküste in der Provinz Rize angebaut.[3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tee ist ein wichtiger Bestandteil der türkischen Kultur und ist das am häufigsten konsumierte Heißgetränk, trotz der langen Geschichte des Kaffeeverbrauchs des Landes. Den Gästen Tee anzubieten, ist Teil der türkischen Gastfreundschaft. Tee wird am häufigsten in Haushalten, Geschäften und vor allem im Teehaus, einem sozialen Treffpunkt der Männer, getrunken. Trotz seiner Popularität wurde Tee erst am Anfang des 20. Jahrhunderts das häufig konsumierte Getränk der Wahl in der Türkei. Er wurde anfangs als Alternative zu Kaffee betrachtet, der nach dem Ersten Weltkrieg teuer und manchmal nicht zu bekommen war. Nach dem Verlust der Kaffeeanbaugebiete (Jemen) infolge des Zerfalls des Osmanischen Reiches wurde Kaffee ein teurer Importartikel. Auf Initiative des Gründers der Republik, Atatürk wandten sich die Türken mehr dem Tee zu, der leicht und nachhaltig von inländischen Quellen erhältlich war. Türkischer Tee wird traditionell in kleinen tulpenförmigen Gläsern angeboten, die man normalerweise am Rand festhält, um die Fingerspitzen des Teetrinkers vor der Hitze zu schützen, da der Tee kochend heiß serviert wird.

Türkische Kräutertees[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Türkei werden Kräutertees normalerweise als pflanzliche Medikamente verwendet. Sie sind bei ausländischen Touristen sehr beliebt mit Apfel (elma çayı), Hagebutten und Lindenblüten (ıhlamur çayı), die die am meisten getrunkenen Geschmacksrichtungen sind. Salbeitee (ada çayı, wörtlich „Inseltee“) ist in der Küstenregion des Mittelmeeres am beliebtesten. Für die Behandlung der meisten Gebrechen bestimmten Kräutertee kann man in der Türkei in örtlichen Kräuterläden, den sogenannten Aktar (Krämern), bekommen. Getrocknete Kräuterblätter, Blüten, Triebe usw. werden als lose Blätter verkauft, je nach Bedarf und Geschmack des Kunden.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. About Turkey:Geography, Economics, Politics, Religion and Culture, Rashid and Resit Ergener, Pilgrims’ Process, 2002, 0-9710609-6-7, p.g. 41
  2. World tea production reaches new highs
  3. Second biggest Tea Market in the World