Tut.by

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Tut.by
Тут бай лого.png
Webportal

Sprachen

belarussisch, Russisch

Gründer

Jury Zisser

Betreiber

TUT BY MEDIA GmbH

Registrierung Optional
Online 5. Okt. 2000 – 18. Mai 2021
(aktualisiert 25. Mai 2021)
https://tut.by/

Tut.by (Eigenschreibweise TUT.BY) ist eine unabhängige Informations- und Service-Website in russischer und belarussischer Sprache für Belarus. Sie ist eine der fünf beliebtesten Websites in Belarus.[1][2] Der Hauptsitz befindet sich in Minsk, Belarus.[3] Im Jahr 2019 wurde die Website von 62,58 % aller belarussischen Internetnutzer[4] mit einer monatlichen Besuchsrate von rund 200 Mio. gelesen.[5]

Tut.by veröffentlicht täglich rund 200 Artikel auf der in- und ausländischen Agenda, darunter Originalgeschichten und -videos, Analysen, Sonderprojekte und Online-Sendungen. Neben dem Nachrichtenbereich verfügt Tut.by über zahlreiche Themenbereiche (Auto, Finanzen, Immobilien, Sport usw.) und Dienstleistungen wie Wetterberichte, Wechselkurse usw. Der redaktionelle Standard behauptet, sozial wichtige Prioritäten zu setzen. Die Redaktion berichtet über aktuelle Themen zu Belarus und der Weltagenda in Übereinstimmung mit einer selbstauferlegten journalistischen Ethik.[6]

Tut.by wurde am 21. Januar 2019 als Online-Medium registriert.[7]

Konflikte mit der Regierung und Rolle in der Demokratiebewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jury Zisser, Eigentümer von Tut.by, unterstützte belarussische Oppositionsgruppen finanziell und zog so den Zorn von Präsident Aljaksandr Lukaschenka auf sich. Er finanzierte den „Preis der Gedankenfreiheit“, der am Geburtsort des belarussischen Dichters Wassil Bykau in Bytschki (Wizebskaja Woblasz) vergeben wurde.[8]

Im Zusammenhang mit Recherchen zu den Europaspielen 2019 ordnete ein staatliches Untersuchungskomitee die Inhaftierung einiger Mitarbeiter von Tut.by sowie anderer Medienschaffender an, weil sie sich unbefugt Zugang zu Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur BelTA verschafft hätten.[9]

Tut.by etablierte sich als eines der wenigen unabhängigen Medien während der Proteste der belarussischen Demokratiebewegung 2020. Das Portal berichtete ausführlich über die Verschleppung der Oppositionsleitfigur Maryja Kalesnikawa und des Anwalts Maksim Snak.[10]

Am 25. September 2020 wurde bekannt, dass die Regierung auf Veranlassung des Informationsministeriums dem Portal die Registrierung als Medium entziehen will.[11][12] Die Gerichtssitzung zur Klage ist für den 8. Oktober 2020 geplant.[11][12] Am 1. Oktober 2020 suspendierte das Informationsministerium zur Unterstützung seiner Behauptung und wegen der Berichterstattung des Portals über die Proteste in Belarus 2020 die Registrierung von Tut.by als Medium für drei Monate.[13] Das Portal gab selbst an, dass es vorerst beabsichtigt, weiter zu arbeiten.[13] Die internationale Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte diese Politik in Bezug auf das Webportal.[14]

Im Oktober 2020 gaben der Belarussische Journalistenverband und die Herausgeber einer Reihe unabhängiger Medien eine gemeinsame Erklärung zum Druck auf das Tut.by-Portal und zur Einschränkung des Zugangs zu unabhängigen Websites ab.[15][16] In einer gemeinsamen Erklärung der Vereinigten Staaten und mehr als fünfzig anderer Länder sowie der EU zur Menschenrechtssituation in Belarus am 26. Oktober 2020 heißt es, dass „die jüngsten Angriffe auf Tut.by, das größte unabhängige Medienunternehmen in Belarus, aufhören müssen“.[17][18] Blogger Sjarhej Zichanouski verurteilte in einem Brief an die Redaktion der Zeitung „Brestskaja gaseta“ im November 2020 die Repressionen der Behörden gegen die journalistische Gemeinschaft, insbesondere die Tatsache, dass Tut.by „erwürgt wird“.[19]

Kazjaryna Baryssewitsch, sie schrieb einen Artikel über den Tod von Raman Bandarenka 2020, wurde am 19. November 2020 in Minsk festgenommen.[20] Am 2. März 2021 wurde sie zu einem halben Jahr Gefängnis und zu einer Geldstrafe für Schadensersatz in 100 Basiseinheiten verurteilt.[21]

Am 18. Mai 2021 wurden das Tut.by-Büro sowie die Wohnungen seiner wichtigsten Mitarbeiter im Rahmen eines neu eröffneten Verfahrens zur Steuerhinterziehung durchsucht.[22] Am selben Tag wurde die Domain von Tut.by, ihre Spiegel-Server und ihr E-Mail-Service durch die Entscheidung des Informationsministeriums unter dem Deckmantel der Veröffentlichung „verbotener Informationen“ blockiert, einschließlich des Inhalts der „nicht registrierten“ BYSOL-Stiftung, die Opfer von Repressionen in Belarus unterstützt.[23] Mindestens 18 Tut.by-Arbeiter wurden festgenommen.[24]

Die Vereinigten Staaten verurteilen die unerbittliche Verfolgung des unabhängigen Medienunternehmens Tut.by, seiner Journalisten und Mitarbeiter.[25] Swjatlana Zichanouskaja, Aljaksandra Herassimenja, Kazjaryna Snyzina, Nadseja Astaptschuk u. a. drückten Solidarität mit Tut.by aus.[26]

Bis zum 25. Mai 2021 wurden 12 Personen in Isolationszentren gebracht, darunter die Chefredakteurin Maryna Solatawa; drei Personen, darunter die Witwe Jury Zissers Julija Tscharnjauskaja, standen unter Hausarrest.[27] Am 25. Mai 2021 gaben neun Organisationen (Wjasna, der Belarussische Journalistenverband, das Belarussische Helsinki-Komitee u. a.) eine gemeinsame Erklärung ab und erkannten alle 15 als politische Gefangene an.[27]

Am 8. Juli 2021 präsentierte ein Teil der Tut.by-Journalisten, die auf freiem Fuß blieben, eine temporäre Website Zerkalo.io.[28] Laut Redaktion erlischt sie, wenn Tut.by seine Arbeit in Belarus mit dem gesamten Publikationsarchiv legal wieder fortsetzen kann.[28] Am selben Tag wurde der Zugang zur Website Zerkalo.io in Belarus gesperrt.[29]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mikhail Doroshevich, Marina Sokolova: Интернет: инфраструктура, пользователи, регулирование. In: Belarusian Yearbook. 2014 (russisch, Online).
  • Mikhail Doroshevich, Marina Sokolova: Www: the limits of developing extensive infrastructure. In: Belarusian Yearbook. Nr. 1, 2016 (Online).
  • A. A. Gradushko: Основы творческой деятельности веб-журналиста. In: Belarussische Staatsuniversität. Minsk 2019, S. 239 (russisch, Online [PDF]).
  • A. A. Gradushko: Современная веб-журналистика Беларуси. Belarussische Staatsuniversität, Minsk 2013, S. 179 (russisch, Online [PDF]).
  • A. A. Gradushko: Содержательная и жанровая специфика новостных интернет-порталов Республики Беларусь. Belarussische Staatsuniversität, 2016, S. 262–269 (russisch, Online).
  • V. L. Klunya, T. V. Gerasimuk: Состояние и проблемы развития цифровой экономики в Республике Беларусь. In: Экономические и финансовые механизмы инновационного развития цифровой экономики. Band 1. Institut für Wirtschaft der Belarussischen Universität, 2019, S. 8–11 (russisch, Online).
  • Ye. G. Trushko, Yu. F. Shpakovsky: Анализ визуализации данных (на примере инфографики портала TUT.BY). In: Journal der Belarussischen Staatlichen Technologischen Universität. Band 4, Nr. 2, 2018, S. 38–43 (Online).
  • M. L. Zaitsev: Распространение контента современными медиа: тенденции и специфика. In: Journal der Belarussischen Staatsuniversität. Nr. 2, 2017, ISSN 2521-6783, S. 19–23 (russisch, Online [PDF]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Инфографика дня: Беларуская интернет аудитория в первом полугодии 2020 (russisch) Information Policy. 9. Juli 2020. Abgerufen am 10. Juli 2020.
  2. Онлайн медиа в Беларуси, апрель 2019 (russisch) Information Policy. 17. Mai 2019. Abgerufen am 10. Juli 2020.
  3. Newsroom: В гостях у нового офиса портала TUT.BY (russisch) Mediakritika. 31. Oktober 2014. Abgerufen am 10. Juli 2020.
  4. Sustainable media: the key to independence. In: EU NEIGHBOURS east. 27. April 2018, abgerufen am 8. Juli 2020.
  5. Марина Золотова: «Вы сами устроили себе фейк-ньюс. И что я должна с этим делать?» (russisch) Bolshoi. 19. September 2019. Abgerufen am 8. Juli 2020.
  6. TUT.BY: между интересами бизнеса и аудитории (russisch) Mediakritika. 25. Juli 2020. Abgerufen am 10. Juli 2020.
  7. Зарегистрировано новое сетевое издание (russisch) Informationsministerium der Republik Belarus. 21. Januar 2019. Abgerufen am 10. Juli 2020.
  8. Pressure against Belarusian independent media: what’s next? | BelarusDigest. Abgerufen am 9. September 2020.
  9. Belarus: Media Under Attack as European Games Loom. 17. Mai 2019, abgerufen am 9. September 2020 (englisch).
  10. tagesschau.de: Machtkampf in Belarus: Weiterer Oppositioneller abgeführt. Abgerufen am 9. September 2020.
  11. a b TUT.by грозит потеря статуса СМИ (russisch) Eurapejskaje Radyjo dlja Belarussi. 25. September 2020. Archiviert vom Original am 25. September 2020. Abgerufen am 25. September 2020.
  12. a b TUT.by пагражае страта статусу СМІ (belarussisch) Eurapejskaje Radyjo dlja Belarussi. 25. September 2020. Archiviert vom Original am 25. September 2020. Abgerufen am 25. September 2020.
  13. a b Belarus: Tut.by news site ban comes into force | DW | 1. Oktober 2020 (englisch) Deutsche Welle. 1. Oktober 2020. Archiviert vom Original am 1. Oktober 2020. Abgerufen am 1. Oktober 2020.
  14. Kritik an Lukaschenkos Medienpolitik. Reporter ohne Grenzen. 6. Oktober 2020. Archiviert vom Original am 6. Oktober 2020. Abgerufen am 6. Oktober 2020.
  15. Друкарня адмаўляецца друкаваць незалежную „Брэсцкую газету“ (belarussisch) Eurapejskaje Radyjo dlja Belarussi. 30. November 2020. Archiviert vom Original am 1. Dezember 2020. Abgerufen am 1. Dezember 2020.
  16. Типография отказывается печатать независимую „Брестскую газету“ (russisch) Eurapejskaje Radyjo dlja Belarussi. 30. November 2020. Archiviert vom Original am 1. Dezember 2020. Abgerufen am 1. Dezember 2020.
  17. Joint Statement on the Human Rights Situation in Belarus (englisch) U.S. Embassy in Belarus. 28. Oktober 2020. Archiviert vom Original am 28. Oktober 2020. Abgerufen am 28. Oktober 2020.
  18. Сумесная заява аб сітуацыі з правамі чалавека ў Беларусі (belarussisch) Амбасада ЗША ў Беларусі. 28. Oktober 2020. Archiviert vom Original am 28. Oktober 2020. Abgerufen am 28. Oktober 2020.
  19. Сергей Тихановский: «Очень переживаю за давление на журналистов и журналистику». In: Brestskaja gaseta. Nr. 47 (936), 20. November 2020, S. 8 (russisch).
  20. Адар'я Гуштын: Журналиста TUT.BY Катерину Борисевич перевели в СИЗО на Володарского. Письма ей почти не доходят (russisch) TUT.BY. 27. November 2020. Archiviert vom Original am 30. November 2020. Abgerufen am 30. November 2020.
  21. Belarus journalist sentenced for report on protester’s death (englisch) Associated Press. 2. März 2021. Abgerufen am 4. März 2021.
  22. Belarus raids top news site in widening crackdown. In: BBC News. 18. Mai 2021 (englisch, bbc.com [abgerufen am 19. Mai 2021]).
  23. TUT.BY: Independent Belarus media website blocked after series of raids (englisch) euronews. 18. Mai 2021. Abgerufen am 18. Mai 2020.
  24. TUT.BY, «Трибуна» и еще 9 медиа, которые забанили в Беларуси, – вот как их читать. by.tribuna.com, 19. Mai 2021, abgerufen am 19. Mai 2021 (russisch).
  25. U.S. Embassy Statement. 18. Mai 2021, abgerufen am 18. Mai 2021 (amerikanisches Englisch).
  26. Снытина, Герасименя, Тихановская, врачи, заводчане и даже силовики – беларусы массово поддерживают TUT.BY. by.tribuna.com, 19. Mai 2021, abgerufen am 19. Mai 2021 (russisch).
  27. a b Заява аб прызнанні 15 затрыманых па справе TUT.BY палітычнымі зняволенымі (belarussisch) Wjasna. 25. Mai 2021. Archiviert vom Original am 25. Mai 2021. Abgerufen am 25. Mai 2021.
  28. a b «Когда независимых медиа в Беларуси становится меньше, пора запускать новые»: Команда TUT.BY запустила Zerkalo.io (russisch) Brestskaja gaseta. 8. Juli 2021. Archiviert vom Original am 11. Juli 2021. Abgerufen am 13. Juli 2021.
  29. Massive crackdown on independent media throughout Belarus (englisch) Belsat TV. 8. Juli 2021. Abgerufen am 8. Juli 2021.
  30. Ольга Кепински: Все награды Free Media Awards присуждены белорусским журналистам (russisch) euronews. 12. August 2021. Archiviert vom Original am 12. August 2021. Abgerufen am 12. August 2021.