Tatzlager-Antrieb

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Tatzlager-Fahrmotor einer tschechischen Elektrolokomotive. Deutlich ist das die Achse umschließende Tatzlager-Rohr zu erkennen.
Einphasenreihenschlussmotor mit Tatzlager von British Thomson-Houston ca. 1905
Fahrmotor und Tatzlager-Antrieb der DR-Baureihe E 42 von der Drehmomentenstütze aus gesehen

Der Tatzlager-Antrieb, auch als Tatzlager-Fahrmotor oder Tatzlager-Motor bekannt, ist ein Einzelachsantrieb von Eisenbahn-Triebfahrzeugen.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fahrmotor ist parallel zur Welle des angetriebenen Radsatzes in das Drehgestell oder Fahrgestell des Triebfahrzeugs eingebaut. Auf einer Seite stützt er sich elastisch auf den Drehgestellrahmen, auf der anderen Seite ungefedert mit einem Lager direkt auf die Radsatzwelle ab. Der Name rührt von der Form des Lagers auf der Radsatzwelle, die bei frühen Ausführungen an die Tatzen eines Raubtiers erinnerte.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tatzlager-Antrieb ist die einfachste Art der Aufhängung von Fahrmotoren im Drehgestell. Der Tatzlager-Antrieb ist ein kostengünstiger Antrieb und war bis um 1950 die klassische Antriebsart von Straßenbahnen und Elektrolokomotiven. Er ist weiterhin der am häufigsten eingesetzte Antrieb und kommt immer noch bei langsameren Fahrzeugen zum Einsatz.

Nachteilig gegenüber gefederten Antrieben wie zum Beispiel Hohlwellen-, Kardanscheiben- oder Federtopfantrieb ist beim Tatzlagerantrieb die hohe Masse, die ungefedert auf der Achse liegt – typischerweise etwa die Hälfte des Gewichtes des Fahrmotors,[1] was zu einer erhöhten Abnutzung der Gleise und Getriebezahnräder führt. Gemäß einer LCC-Untersuchung der DB aus dem Jahr 2005[2] ist der Tatzlagerantrieb bei Geschwindigkeiten bis 160 km/h wirtschaftlicher als der Hohlwellenantrieb.

Mit Gleichstrom- und Einphasen-Reihenschluss-Fahrmotoren waren mit Tatzlagerantrieben nur Leistungen bis 550 kW pro Achse und Geschwindigkeiten bis 120 km/h möglich. Durch die Verwendung von Asynchronmotoren, die ein geringeres Leistungsgewicht haben, konnte die Leistung bis zu 1400 kW pro Achse und die Geschwindigkeit bis auf 160 km/h erhöht werden.

Fahrzeuge mit Tatzlagerantrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegfried Müller: Elektrische und dieselelektrische Triebfahrzeuge. Leistungsfähigkeit Wirtschaftlichkeit Arbeitsweise. Birkhäuser, Basel 1979, ISBN 3-0348-6551-1, S. 48, urn:nbn:de:1111-20131122384 (Nachdruck: Springer, Basel 2014.).
  2. Martin B. Sebald: Vergleich Tatzlagerantrieb und Kardanantrieb mit Hohlwelle (= ETR – Eisenbahntechnische Rundschau. 54, Juli/August). Eurailpress – Deutscher Verkehrs-Verlag, Hamburg 2005, S. 455–460.