Teemaschine

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Eine Teemaschine (oder auch Teeautomat) ist ein elektrisches Haushaltsgerät, das der automatisierten Zubereitung von Tee dient. Entsprechende Geräte werden seit Beginn des 20. Jahrhunderts angeboten. Heute gibt es Systeme, die sich nach technischen Funktionsprinzipien und Automationsgrad unterscheiden lassen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die insbesondere in Russland verbreiteten Samoware wurden anfänglich mit Holzkohle oder Petroleum beheizt: In einem Wasserkessel, oft aus Metall, wurde Wasser erhitzt und heiß gehalten. Es konnte mit einem Ablasshahn entnommen werden konnte. Bei seiner Nutzung zur Teebereitung wird auf den Deckel des Samowars eine kleine Extra-Kanne platziert. In ihr befindet sich ein Teekonzentrat aus wenig Wasser und einer großen Menge Teeblättern. Das Konzentrat lässt sich viele Stunden warmhalten und verwenden. Moderne Samoware funktionieren, wie bei heutigen Wasserkochern üblich, mit elektrischen Heizelementen.[1]

Inwieweit die ostfriesische Teemaschine, auch Teeurne genannt, eine Sonderentwicklung darstellt, ist nicht geklärt. Der Hauptunterschied zum Samowar liegt darin, dass das Getränk in einem großen Behälter (Kessel beziehungsweise Urne) warmgehalten wurde. Zwei grundsätzliche Prinzipien sind denkbar gewesen: Zum einen konnte extern zubereiteter Tee in den Flüssigkeitsbehälter der „Maschine“ gegeben werden, um bei Bedarf über einen Zapfhahn entnommen zu werden. Zum anderen wurde heißes Wasser auf lose Teeblätter gegeben. In beiden Fällen galt: Das Getränk wurde durch glühende Holzkohle warmgehalten. Diese befand sich unterhalb des Teekessels, aber auch in einem kaminartigen Innenrohr des Kessels beziehungsweise der Urne.[2]

Clarkes Teemaschine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank Clarke, ein Büchsenmacher aus Birmingham, stellte 1902 die erste funktionstüchtige automatische Teemaschine vor.[3] Zuvor hatte er die Originalmaschine und alle Rechte von ihrem Konstrukteur Albert E. Richardson erworben, einem Uhrmacher aus Ashton-under-Lyne, Lancashire.[4] Ein Wecker sorgte für das automatische Zünden eines Streichholzes, das seinerseits Brennspiritus entzündete. Dieser erhitze Wasser in einem Wasserkessel. Im Kessel befand sich ein Plättchen, das bei ausreichender Hitze einen Klappmechanismus auslöste, durch den das heiße Wasser in die Teekanne floss. Zugleich wurde der Spiritus gelöscht. Der Wecker klingelte erneut.[3] Clarkes Teemaschine galt als nicht ungefährlich, weil dem richtigen Zündzeitpunkt des Streichholzes entscheidende Bedeutung zukam.[4]

Teasmade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste am Markt erfolgreiche Maschine hat 1936 William Hermann Brenner Thornton (1899–1977)[5][6] patentieren lassen. Sie ging 1937 unter dem Namen Teasmade in Serienproduktion, nachdem das Unternehmen Goblin die Rechte erworben hatte. Man füllte Wasser in den Erhitzer und legte einen Teebeutel in die Kanne. Zum individuell voreingestellten Zeitpunkt startete das Erhitzen des Wassers. Verdampftes Wasser gelangte über eine Röhre in die Teekanne, gleichzeitig wurde ein Wecker ausgelöst und das Licht eingeschaltet. Auf diese Weise war es möglich, gleich morgens am Bett Tee zu trinken.[3][7][8]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gerät nicht produziert. Ende der 1960er Jahre kam es wieder Mode, die Verkaufszahlen lagen bei 300.000 Stück jährlich. In Spitzenzeiten sollen sich in zwei Millionen Haushalten Teasmade-Geräte befunden haben.[8] Die Teasmade erlebte Ende der 2000er Jahre ein Comeback.[9]

Jüngste Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung verschiedener Teeautomaten für Privathaushalte nahm im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts an Fahrt auf. Die Breite des Angebots ist mit der von Kaffeeautomaten allerdings nicht vergleichbar.[10]

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Markt konkurrieren unterschiedliche Teemaschinen miteinander. Funktionsprinzipien und Automationsgrad dieser Geräte differieren.

Heißwasserspender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie erhitzen Wasser zügig und sind in Gestalt und Technik Wasserkocher in Automatenform. Auf eine Aufgusskammer für losen Tee wird verzichtet. Das Heißwasser ergießt sich sofort über den Tee, der Tee wird zuvor nicht „erweckt“, mehrfache Aufgüsse sind nicht vorgesehen.[11]

Kapselsysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Automaten bereiten Tee mit Hilfe von Portionskapseln für den Einmalgebrauch zu. Häufig werden die Automaten und die Kapseln zumindest eine Zeit lang gemeinsam angeboten, Drittanbieter werden ferngehalten.[12]

Systeme mit Siebeinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Geräte sind für die Zubereitung größerer Mengen von Tee und damit auch von Tee aus losen Teeblättern konzipiert. Technisch handelt es sich um Systeme, die aus einem Wasserkocher samt Teesiebeinsatz bestehen; der Siebeinsatz kann dabei in den Kocher integriert oder in einer separaten Kanne platziert sein.

Systeme mit automatischer Aufgusskammer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derartige Teemaschinen sind ebenfalls für die Zubereitung größerer Teemengen ausgelegt. Eine Aufweck-Funktion ist nicht vorgesehen, Mehrfachaufgüsse sind manuell möglich. Die Geräte bieten nach Teearten und -sorten unterschiedliche Programme an und erlauben in der Regel zudem die Vorwahl von Brühstärken. Einige Siebe öffnen nach dem Ende des Ziehvorgangs automatisch ein Ventil, damit der fertige Tee in eine darunterliegende Kanne abfließen kann, Andere Systeme verfügen über Siebe, die per Liftfunktion für den Ziehvorgang automatisch gesenkt und anschließend angehoben werden.

Vollautomaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Systeme werden auch als Teevollautomaten bezeichnet. Sie funktionieren ähnlich wie Kaffevollautomaten und verfügen teilweise über automatisierte Programme, bei denen die Wasserhärte durch einen Wasserfilter berücksichtigt wird. Der Tee wird aufgeweckt, Mehrfachaufgüsse sind möglich. Reinigung und Entkalkung erfolgen automatisch.

Kombigeräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelne Hersteller bieten Kombigeräte an, die zur Kaffee- und zur Teezubereitung dienen.

Profi-Maschinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des besonderen Einsatzumfelds werden in der Gastronomie andere Teemaschinen eingesetzt. In der Regel sind sie für große Teemengen ausgelegt.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Musikvideo zum Song I Want to Break Free der britischen Rockband Queen zeigt gleich zu Beginn eine Teasmade-Teemaschine.[13]

Die Teemaschine Teasmade galt in den 1990er Jahren als Symbol der Erstarrung, als Norma Mayor, die Ehefrau des britischen Premierministers John Major, mitteilte, im Schlafzimmer von Downing Street 10 befände sich ein solches Gerät.[8]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Teemaschinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Teemaschine – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pop Tee UG (haftungsbeschränkt): Was ist ein Samowar? In: www.pop-tee.de. Abgerufen am 28. November 2019.
  2. Siehe hierzu Knud Schöber: Es wärmt die Form, der Stoff, das Licht. Messinggeräte aus alter Zeit und ihr Wirken im Alltag des Menschen. ICD, Lahnau 1996, ISBN 3-931873-00-5, S. F1–F5 (Katalog zur Ausstellung und Sammlung 1996).
  3. a b c David Hillman, David Gibbs: Genial! Die 100 genialen Erfindungen des 20. Jahrhunderts, ohne die unser Alltag nicht mehr vorstellbar ist. vgs, Köln 1998, ISBN 3-8025-2621-X, S. 11 (englisch: Century makers. London 1998. Übersetzt von Manfred Schmeing und Antje Görnig).
  4. a b Science & Society Picture Library: Automatic tea-making machine, c 1902. In: ssplprints.com. Abgerufen am 26. November 2019 (englisch). Dort auch ein Foto.
  5. Angabe zum Geburtsjahr. In: discovery.nationalarchives.gov.uk. Abgerufen am 26. November 2019.
  6. Angabe zum Todesjahr. In: collection.sciencemuseumgroup.org.uk. Abgerufen am 26. November 2019.
  7. Ellen Kreutz: Very British! In: deutsches-kunststoff-museum.de. Abgerufen am 26. November 2019.
  8. a b c Harry Wallop: Teasmade: the gadget that refused to die. In: The Telegraph. 11. Juni 2007, abgerufen am 28. November 2019 (englisch).
  9. Harry Wallop: Teasmade makes comeback. In: The Telegraph. 10. Oktober 2009, abgerufen am 28. November 2019 (englisch).
  10. Teemaschinen: ein neuer Trend? In: Werben & Verkaufen, 13. August 2018.
  11. Die Bedeutung eines vorgeschalteten ersten Aufgusses macht das asiatische Sprichwort „Die erste Tasse für den Feind, die zweite Tasse für den Freund“ deutlich. Siehe Teegenuss weltweit. In: www.tee-magazin.de. Abgerufen am 30. November 2019.
  12. Andreas Chwallek: Nespresso sperrt die Konkurrenz aus. In: Lebensmittel Zeitung, 11. Februar 2011.
  13. Queen - I Want To Break Free (Official Video) auf YouTube, abgerufen am 30. November 2019.