The Daily Stormer

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The Daily Stormer
The World’s Most Genocidal Republican Website[1]
rechtsextremes Nachrichtenportal
Sprachen Englisch und Spanisch
Redaktion Andrew Anglin u. a.
Benutzer > 300.000 (Stand 2015)[2]
Online 2013

The Daily Stormer (TDS) ist eine neonazistische, antisemitische Website in den USA im Stil eines Nachrichtenportals. Sie bezeichnete sich selbst als Sprachrohr der Alt-Right. Google und GoDaddy sperrten den Daily Stormer nach den Ausschreitungen und dem Attentat von Charlottesville im August 2017.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seite wurde 2013 vom faschistischen Netzaktivisten Andrew Anglin gegründet. Der Name nimmt Bezug auf die NS-Propagandazeitung Der Stürmer aus dem Dritten Reich.[3]

Hostingschwierigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2017 wurde die Seite infolge der Ausschreitungen von Charlottesville vom Betreiber GoDaddy und Google gesperrt, da die dabei zu Tode gekommene Gegendemonstrantin verhöhnt worden war.[4]

Die Seite war zunächst nur im Darknet verfügbar und ließ sich nur episodisch im Clearnet aufrufen, da die Betreiber Schwierigkeiten hatten, einen Domainnamen und eine Internetverbindung zum Hosten der Server zu kaufen.[5] Aktuell wird die Webseite von einem chinesischen Anbieter unter der .su-Domain der ehemaligen Sowjetunion gehostet.

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seite bezeichnet sich selbst als The world's most visited alt right web site. Zusammen mit Stormfront gehört The Daily Stormer zu den größten Hate-Speech-Websites im Internet.[3] Die Inhalte von The Daily Stormer lassen sich der Idee des White Supremacy zuordnen und sind offen antisemitisch und rassistisch.[2] Typisch ist die Verwendung von Memes wie Pepe dem Frosch. Oft wird das Design des Headers geändert, wobei auf Symbolik wie den Reichsadler und das Hakenkreuz zurückgegriffen wurde.[6] Während der Präsidentschaftswahlen 2016 forderte die Seite zur Wahl von Donald Trump auf.[2]

Laut einem 17-seitigen Dokument, das in einem internen Chat veröffentlicht wurde, sind die Publikums-Zielgruppe Menschen, die zuvor wenig Kontakt zu rechtsradikalen Ideologien hatten. Leser sollen zunächst durch den „bösen Humor“ neugierig gemacht werden und nach und nach die Ideologie internalisieren. Juden bzw. „jüdischer Feminismus“ werden dabei für alles verantwortlich gemacht. Das Handbuch gibt auch Tipps für Beleidigungen von Schwarzen, Latinos, Juden, Menschen asiatischer Herkunft, Schwulen und Frauen. Schimpfworte sollen überwiegend in Artikeln, die in „halb scherzhaftem“ Ton verfasst wurden, benutzt werden, in ernsthaften Artikeln soll auf sie verzichtet werden. Stereotype Witze über hasserfüllte Rassisten sind dabei durchaus erwünscht, da so die Leser nicht auf den ersten Blick erkennen können, ob etwas ernst gemeint ist oder nicht. Nach eigenen Angaben verfügt der Daily Stormer über eine „Trollarmee“, die mit Attacken auf ins Visier genommene Personen und Gruppen reagiert, was dem Daily Stormer ermöglicht, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Laut dem internen Handbuch ist es der Plan, „den Feind zu entmenschlichen, bis zu dem Punkt, an dem die Menschen bereit sind, über seinen Tod zu lachen“. Es sei zwar illegal, im Internet zu Gewalt aufzurufen oder diese zu begrüßen, gleichzeitig sei es „total wichtig“, die Akzeptanz von Gewalt als Eventualität oder Unausweichlichkeit zu normalisieren.[7]

Medien wie der Independent und Zeit Online beschreiben den Daily Stormer als eine Neonaziseite.[8] Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center nannte den Daily Stormer die „Top Hassseite in Amerika“.[9]

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 erschoss der 21-jährige Weiße Dylann Roof aus rassistischen Gründen neun Besucher einer Bibelstunde in Charleston. Das Southern Poverty Law Center analysierte Roofs Manifest und kam zu dem Schluss, dass er regelmäßiger Leser und Beitragsschreiber des The Daily Stormer war.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nellie Bowles: To Sue Founder of Daily Stormer, a Neo-Nazi Site, First He Must Be Found. In: nytimes.com. 20. August 2017, abgerufen am 10. September 2017 (englisch).
  2. a b c Judith Bessant: Right-Wing Populism and Young ‘Stormers’: Conflict in Democratic Politics. In: Sarah Pickard, Judith Bessant (Hrsg.): Young People Re-Generating Politics in Times of Crises (= James Sloam, Constance Flanagan, Bronwyn Hayward [Hrsg.]: Palgrave Studies in Young People and Politics. Nr. 1). Palgrave Macmillan, Cham 2017, ISBN 978-3-319-58250-4, S. 143 ff., doi:10.1007/978-3-319-58250-4_8 (Copyright 2018).
  3. a b Adam Klein: Fanaticism, Racism, and Rage Online. Palgrave Macmillan, 2017, ISBN 978-3-319-51424-6, S. 68 ff., doi:10.1007/978-3-319-51424-6.
  4. Daily Stormer being dumped by GoDaddy. In: CBS News. 14. August 2017 (englisch).
  5. Romain Dillet: The Daily Stormer was back online for a quick second. In: TechCrunch. Abgerufen am 20. August 2017 (englisch).
  6. Archivierte Ausgabe vom 1. April 2016
  7. Karolin Schwarz: Hasskrieger. Der neue globale Rechtsextremismus. Herder, Freiburg 2020, S. 60 ff.
  8. Patrick Beuth: „Daily Stormer“: Kein Netz für Nazis. In: zeit.de. 17. August 2017, abgerufen am 11. September 2017.
  9. Schwarz, S. 61
  10. Dylann Roof's manifesto resembles comments on neo-Nazi website, analysis finds. In: Los Angeles Times, 22. Juni 2015.