Theraphosinae

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Theraphosinae
Grammostola rosea, Weibchen mit Kokon

Grammostola rosea, Weibchen mit Kokon

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Wissenschaftlicher Name
Theraphosinae
Thorell, 1870

Die Unterfamilie Theraphosinae ist die artenreichste Gruppe innerhalb der Vogelspinnen und enthält ca. 47 % aller bekannten Vogelspinnenarten. Die Arten der Unterfamilie kommen ausschließlich in Amerika vor.[1] Aufgrund ihres interessanten Aussehens und ihrer teils beachtlichen Größe werden viele der Arten aus dieser Unterfamilie von Privatleuten in Terrarien gehalten und nachgezüchtet.

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitung nach Schmidt[2]

Die Unterfamilie beinhaltet ausschließlich Vogelspinnenarten, die auf dem amerikanischen Doppelkontinent verbreitet sind. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Südstaaten der USA im Norden über die gesamte mittelamerikanische Landenge bis in den Süden des südamerikanischen Subkontinents. Lediglich im äußersten Süden Südamerikas lassen sich keine Vorkommen finden. Einige Arten der Unterfamilie sind auch auf Inselgruppen in der Karibik verbreitet.[2]

Merkmale[Bearbeiten]

Die Körpergrößen der einzelnen Arten variieren zwischen 12 mm (Aphonopelma paloma) und 11 cm (Theraphosa blondi). Die Vertreter der Unterfamilie Theraphosinae werden auch als „Bombardierspinnen“ bezeichnet, da sie zahlreiche Brennhaare auf dem Opisthosoma besitzen, die sie bei Bedrohungen mit ihren Hinterbeinen abbürsten und so ihre Feinde irritieren können. In der Unterfamilie kommen ausschließlich bodenbewohnende Arten vor.[2] Baumbewohnende Vogelspinnen aus dem gleichen Verbreitungsgebiet gehören zu den Unterfamilien Aviculariinae und Psalmopoeinae.

Verhalten[Bearbeiten]

Das Verhalten der Arten in dieser Unterfamilie ist sehr vielfältig. Einige Arten graben tiefe, mit Gespinst ausgekleidete Wohnröhrenöhren in das Erdreich, wohingegen andere Arten unter großen Baumwurzeln, Rindenstücken oder Steinen leben.[2]

Unter den Vogelspinnen der Theraphosinae gibt sehr wehrhafte Arten, insbesondere in den Gattungen Acanthoscurria, Phormictopus und Theraphosa. Die Arten aus den Gattungen Brachypelma und Grammostola gelten als recht friedfertig. Bei Störungen ziehen sie sich die meisten Arten sehr schnell in ihre Wohnröhre bzw. Wohnhöhle zurück. Häufig „bombardieren“ sie bei der Flucht den Angreifer auch mit ihren Brennhaaren. Werden sie nach einem Fluchtversuch weiterhin bedrängt, begeben sie sich zunächst in Drohstellung, indem sie ihren Vorderleib aufrichten, und schlagen dann mehrmals mit den Vorderbeinen und den Tastern nach dem Angreifer. Als letzte Instanz beißen sie zu.[2]

Das Nahrungsspektrum der Theraphosinae ist abhängig von der Körpergröße und des Verbreitungsgebietes der einzelnen Art und umfasst somit eine große Auswahl an Beutetieren von Insekten bis hin zu kleinen Wirbeltieren.[2]

Systematik[Bearbeiten]

Die hier gezeigte Auflistung der enthaltenen Gattungen entspricht der Einteilung von Günther Schmidt aus dem Jahr 2003[2] und wurde mithilfe des „World Spider Catalogs[1] korrigiert, da einige Gattungen in der Zwischenzeit durch Revisionen ihren Status verloren haben und Arten in andere Gattungen transferiert worden sind. Die Unterfamilie umfasst somit aktuell 470 Arten in 48 Gattungen.[1] (Stand: Oktober 2015)

Im Anschluss sind hier noch die Gattungen aufgelistet, deren Taxa mittlerweile laut „World Spider Catalog“ Synonyme zu anderen Gattungen sind, bei der Einteilung von Schmidt jedoch noch als eigenständige Arten bzw. Gattungen geführt wurden.[2][1]

  • Apachepelma Schmidt, 1994 (Synonym von: Aphonopelma)
  • Brachypelmides Schmidt & Krause, 1994 (Synonym von: Brachypelma)
  • Dolichothele Mello-Leitão, 1923
    • D. exilis Mello-Leitão, 1923 (Synonym des Nomen dubium Hapalotremus exilis (Mello-Leitão, 1923))
    • D. scintillans Mello-Leitão, 1923 (Synonym von: Pachistopelma rufonigrum Pocock, 1901 (Aviculariinae))
  • Hemiercus Simon, 1903
    • H. cervinus (Simon, 1889) (Synonym von: Euthycaelus colonica Simon, 1889)
    • H. inflatus (Simon, 1889) (Synonym von: Schismatothele inflata (Simon, 1889))
    • H. kastoni Caporiacco, 1955 (Synonym von: Schismatothele kastoni (Caporiacco, 1955))
    • H. modestus (Simon, 1889) (Synonym von: Schismatothele modesta (Simon, 1889))
    • H. proximus Mello-Leitão, 1923 (Synonym von: Acanthoscurria proxima (Mello-Leitão, 1923))
  • Iracema Pérez-Miles, 2000 (Synonym von: Bumba)
  • Neischnocolus Petrunkevitch, 1925
    • N. coloratus (Valerio, 1982) (Synonym von: Metriopelma coloratum Valerio, 1982)
    • N. drymusetes (Valerio, 1982) (Synonym von: Metriopelma drymusetes Valerio, 1982)
    • N. nigriventris (Nomen dubium)
    • N. panamanus Petrunkevitch, 1925 (Synonym von: Lasiodora panamana (Petrunkevitch, 1925))
    • N. variegatus (Caporiacco) (Nomen dubium)
    • N. zebratus (Banks, 1909) (Synonym von: Metriopelma zebratum Banks, 1909)
  • Pachypelma Karsch, 1880 (Nomen dubium)
  • Paraphysa Simon, 1892
    • Paraphysa horrida Schmidt, 1994 (Synonym von: Bumba horrida (Schmidt, 1994))
    • Paraphysa parvula (Pocock, 1903) (Synonym von: Euathlus parvulus (Pocock, 1903))
    • Paraphysa scrofa (Molina, 1788) (Synonym von: Phrixotrichus scrofa (Molina, 1788))
  • Stenotarsus Tesmoingt & Schmidt, 2002
    • Stenotarsus guianensis (Caporiacco, 1954) (Synonym von: Hapalopus guianensis Caporiacco, 1954)
    • Stenotarsus scissistylus Tesmoingt & Schmidt, 2002 (Synonym von: Neostenotarsus scissistylus (Tesmoingt & Schmidt, 2002))

Eine vollständige Auflistung aller verfügbaren Artikel zu den einzelnen Arten, der hier aufgelisteten Gattungen, findet sich in der Liste der Vogelspinnenarten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theraphosinae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 16.5 – Theraphosidae. Abgerufen am 24. Oktober 2015
  2. a b c d e f g h Schmidt, G.: Die Vogelspinnen. Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2003, ISBN 3-89432-899-1