Tinnebach

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Tinnebach
Der Tinnebach in Klausen

Der Tinnebach in Klausen

Daten
Lage Eisacktal, Südtirol, Italien
Flusssystem Etsch
Abfluss über Eisack → Etsch → Adria
Quelle Villanderer Alm
46° 39′ 24″ N, 11° 27′ 19″ O
Quellhöhe 2012 m s.l.m.
Mündung in Klausen in den EisackKoordinaten: 46° 38′ 14″ N, 11° 33′ 53″ O
46° 38′ 14″ N, 11° 33′ 53″ O
Mündungshöhe 513 m s.l.m.
Höhenunterschied 1499 m
Länge 13 km
Einzugsgebiet 56 km²
Linke Nebenflüsse Plankenbach

Der Tinnebach (italienisch Rio Tina) ist ein Bach in Südtirol.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 13 km lange Bach ist ein rechtsseitiger Zufluss des Eisack. Er entspringt in den östlichen Sarntaler Alpen und fließt zum Eisacktal hin. Sein Einzugsgebiet beträgt etwa 56 km². Das Quellgebiet des Tinnebachs befindet sich auf der zur Gemeinde Villanders gehörenden Villanderer Alm. Mit diversen Zuflüssen entwässert er auch die südseitigen Hänge von Kassianspitze, Plankenhorn, Lorenzispitze und Königsanger.

Unterhalb seines etwa 7 km nordwestlich vom Dorf Villanders gelegenen Quellgebiets durchfließt der Bach zunächst die Tinneschlucht in Richtung Osten.[1] Auf seinem Verlauf hat er fast nur linksseitige Zuflüsse. Unterhalb des Schlosses Gernstein vereinigt er sich mit dem von Norden kommenden Plankenbach (Weissenbach), seinem wichtigsten Zufluss. Von hier aus wendet er sich in südöstliche Richtung gegen Klausen. Die Straße von Latzfons nach Klausen folgt hier dem engen Bachtal. Kurz vor der Mündung in den Eisack überquert die Staatsstraße 12 bei Klausen den Bach. Der Tinnebach und seine Zuflüsse haben eine Gesamtlänge von etwa 112 km. An ihnen befinden sich mehrere Anlagen zur Stromerzeugung.[2] Größere Ortschaften in seinem Einzugsbereich sind Latzfons und Klausen.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologisch besteht das Einzugsgebiet des Tinnebach, besonders im nördlichen Bereich, wie im Eisacktal im Allgemeinen, aus Quarzphyllit. Im südlichen Bereich reicht die Villnößer Bruchlinie bis ins Tinnebachtal. In diesem Bereich besteht der Untergrund Hauptsächlich aus Diorit. Aufgrund des hohen Anteils an grüner Hornblende wird der hier anstehende Diorit als Klausenit bezeichnet. Am Südrand des Tinnebachtal befindet sich mit dem Pfunderer Berg eines der ehemals wichtigen Südtiroler Silberabbaugebiete.[3]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vegetationsgrenze von Sträuchern und Latschen im Einzugsbereich des Tinnebachs liegt bei etwa 2200 m. Oberhalb dieser Grenze dominieren Weideflächen mit gelegentlichen Krummholzflächen und Flächen ohne Vegetation. Unterhalb der Vegetationsgrenze dominieren Waldflächen aus Kiefern und Lärchen. Im Umfeld von Latzfons und einzelnen zerstreuten Häusergruppen befinden sich Weideflächen. In tieferen Lagen bei Klausen findet vereinzelt Obst- und Weinbau statt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kirchliche Grenze zwischen den Erzbistum Trient und der Grafschaft Bozen einerseits und dem Bistum Brixen und der Grafschaft Norital andererseits verlief teilweise entlang des Tinnebachs.[4] Nachdem die Grafschaften 1027 an die jeweiligen Bistümer fielen, bestand diese Landesgrenze bis in die Neuzeit. Der genaue Grenzverlauf war jedoch zwischen Territorialherren umstritten, da sie Besitzrechte am Bergrevier Pfunderer Berg beanspruchten. Erst mit der Säkularisation 1803 verlor sie ihre Bedeutung.

Erhebliche Bedeutung hatte der Bach für die städtische Entwicklung der Stadt Klausen. In der Stadt bestand vor 1511 eine Brücke über den Tinnebach. Wiederholt führte der Bach Hochwasser das die Stadt schwer traf. Hierbei nahm mehrfach die Stadtbefestigung erheblichen Schaden. Beim Hochwasser 1584 kamen in Latzfons Menschen ums Leben. Im Jahr 1733 erfolgte eine Regulierung des Mündungsbereiches bei Klausen, dennoch konnten die Hochwasser nicht vermindert werden. Ein besonders heftiges Hochwasser ereignete sich 1921. Auch hierbei kamen Menschen ums Leben. Dieses Hochwasser führte zum endgültigen Ende des Silberabbaus am Pfunderer Berg.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unterbewertetes Naturjuwel. Gemeinde Klausen, abgerufen am 6. Januar 2015.
  2. Blaues Gold für die Gemeindekasse. Gemeinde Klausen, abgerufen am 6. Januar 2015.
  3. Die geografische Lage des Bergbaugebietes. Kultur und Museumsverein Villanders, abgerufen am 30. Dezember 2014.
  4. Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol. Teil 2: Viertel an der Etsch. Innsbruck: Wagner 1938, S. 312.
  5. Der Niedergang. Kultur und Museumsverein Villanders, abgerufen am 30. Dezember 2014.