Diözese Bozen-Brixen

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Diözese Bozen-Brixen
Karte Diözese Bozen-Brixen
Basisdaten
Staat Italien
Metropolitanbistum Erzbistum Trient
Diözesanbischof Ivo Muser
Emeritierter Diözesanbischof Karl Golser
Generalvikar Josef Matzneller
Fläche 7.400 km²
Dekanate 28 (31.12.2006 / AP2007)
Pfarreien 280 (31.12.2006 / AP2007)
Einwohner 479.758 (31.12.2006 / AP2007)
Katholiken 465.365 (31.12.2006 / AP2007)
Anteil 97 %
Diözesanpriester 339 (31.12.2006 / AP2007)
Ordenspriester 204 (31.12.2006 / AP2007)
Ständige Diakone 13 (31.12.2006 / AP2007)
Katholiken je Priester 857
Ordensbrüder 251 (31.12.2006 / AP2007)
Ordensschwestern 627 (31.12.2006 / AP2007)
Ritus Römischer Ritus
Kathedrale Dom zu Brixen Mariä Aufnahme in den Himmel und St. Kassian
Konkathedrale Maria Himmelfahrt Bozen
Website www.bz-bx.net
Kirchenprovinz
Karte der Kirchenprovinz

Die katholische Diözese Bozen-Brixen (italienisch Diocesi di Bolzano-Bressanone, ladinisch Diozeja de Bulsan-Persenon, lateinisch Dioecesis Bauzanensis-Brixinensis) umfasst die autonome Provinz Bozen.

Bischofssitz Säben[Bearbeiten]

Der Säbener Berg war bis ins 10. Jahrhundert der Sitz des Bistums Säben

Das Bistum soll vom hl. Kassian um 350 gegründet worden sein, der in Säben bei Brixen verehrt wird. Dass Kassian tatsächlich Bischof war, ist jedoch nicht gesichert.

Beim Bistum Säben dürfte es sich um ein Rückzugsbistum handeln, das im Zuge des Zusammenbruchs des Römischen Reichs entstanden ist. Konkret dürfte der Bischofssitz von Augusta Vindelicorum (Augsburg) nach Säben verlegt worden sein und unterstand in der Folgezeit dem Patriarchat Aquileia. Auf einer Bischofssynode in Grado (zwischen 572 und 577) war ein Bischof von Säben anwesend. Als erster namentlich bekannter Bischof wird im Jahr 579 der hl. Ingenuinus genannt. Über die weitere Geschichte des Bistums fehlen bis 769 schriftliche Quellen, doch belegen archäologische Funde die frühe Existenz einer Bischofskirche am Säbener Berg in der Langobardenzeit. Ab 590 begann die bajuwarische Besiedelung des engeren Diözesangebiets, das Teil des Herzogtums Bayern wurde. Unter Kaiser Karl dem Großen wurde Säben 798 daher der Erzdiözese Salzburg unterstellt. Zum Bistum gehörten damals das obere und mittlere Inntal, ein Großteil des Eisacktales und das Pustertal.

Bischofssitz Brixen[Bearbeiten]

Brixner Dom
Wappen des Bistums bzw. des ehemaligen Fürstbistums und Hochstiftes Brixen mit dem Osterlamm auf rotem Grund

Am 13. September 901 übereignete König Ludwig das Kind – aus dem Besitz seiner Mutter Uta – dem Bistum unter Bischof Zacharias den Meierhof Prichsna (Brixen). Noch vor 990 wurde der Bischofssitz dorthin verlegt. Der hl. Albuin residierte als Bischof ca. von 975 bis 1006 bereits in Brixen.

Die Übertragung von Grafschaftsrechten im Inn-, Eisack- und Pustertal durch König Heinrich II. (1004) und Kaiser Konrad II. (1027) begründeten die weltliche Herrschaft der Bischöfe in Teilen Tirols (dem Hochstift Brixen), die bis zum Reichsdeputationshauptschluss von 1803 stets auch Fürstbischöfe waren.[1] Friedrich Barbarossa verlieh ihnen 1179 mit dem Zoll- und Münzrecht weitere hoheitsrechtliche Befugnisse.[2] Ab 1265 diente die Brixener Hofburg als fürstbischöfliche Residenz.

Die Diözese umfasste den Großteil des Eisacktales (mit dem Sommersitz Schloss Velthurns), das Pustertal und das Inntal von Finstermünz bis in die Gegend von Jenbach und die Täler der Dolomitenladiner (Gröden, Gadertal, Enneberg, Fassatal), ab 1778 auch Cortina d’Ampezzo (dt. Hayden).

Die weltliche Macht der Bischöfe wurde ab der Mitte des 12. Jahrhunderts durch die Grafen von Tirol, die als Vögte des Hochstifts fungierten, immer mehr eingeschränkt. Im ausgehenden Hochmittelalter umfasste das Fürstbistum als eigenständiges Reichsterritorium weitgehend nur mehr die Stadt und das Umland von Brixen, Klausen und kleinere Gebiete im Pustertal. Das Fürstbistum war durch zahlreiche Verträge eng mit der gefürsteten Grafschaft Tirol verbunden. 1803 wurde das Fürstbistum durch den Reichsdeputationshauptschluss endgültig aufgehoben und der österreichischen Landesherrschaft eingegliedert.

In den Jahren 1808 bzw. 1816 erhielt Brixen zulasten der Diözese Chur den Vinschgau und Teile Vorarlbergs.[3] Papst Pius VII. änderte am 2. Mai 1818 mit der Bulle Ex imposito die Diözesangrenzen für Tirol und Vorarlberg erneut, wobei Brixen große Teile des Vinschgaus an Trient verlor. Mit dem Breve vom 16. Juni 1819 wurde in Feldkirch ein Generalvikariat für Vorarlberg errichtet, das bis dahin zu den Diözesen Chur und Konstanz gehört hatte.

Am 29. September 1822 erhielt der Kaiser von Österreich mit der Bulle Quae nos gravissimi das Recht zur Ernennung der Bischöfe für Brixen.

Als Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg zu Italien kam, erschwerte sich dadurch die Verwaltung der bei Österreich geblieben Diözesanteile. Der Heilige Stuhl wollte jedoch durch eine Änderung der Diözesangrenzen nicht den Eindruck erwecken, die Teilung Tirols anzuerkennen. Daher wurde der Generalvikar von Vorarlberg, Sigismund Waitz, am 9. April 1921 zum Apostolischen Administrator des österreichischen Teils der Diözese Brixen ernannt. Am 25. April 1925 wurde daraus die Administratur Innsbruck-Feldkirch, ohne jedoch eine neue Diözese zu errichten. Da Brixen von seinem Metropolitansitz Salzburg abgeschnitten war, der Heilige Stuhl es aber nicht einem italienischen Metropolitanbezirk eingliedern wollte, wurde die Diözese am 25. April 1921 direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt.

Bischofssitz Bozen[Bearbeiten]

Dom Maria Himmelfahrt in Bozen

Im zur Diözese Trient gehörenden "Deutschen Anteil" um Bozen und Meran wuchs der Wunsch, dem Bistum Brixen angegliedert zu werden. Am 6. August 1964 kam durch die Bulle Quo aptius dieses Gebiet zur Diözese Brixen. Diese musste ihrerseits endgültig die Rechte auf die in Österreich liegenden Gebiete aufgeben und die ladinischen Dekanate Fodom (dt. Buchenstein) und Anpezo an die Diözese Belluno abtreten. Sie erhielt den Namen Diözese Bozen-Brixen und wurde Trient als Suffraganbistum unterstellt. Damit verbunden war die Verlegung des Bischofssitzes von Brixen nach Bozen. Das Domkapitel ist weiterhin in Brixen, der Bischof wohnt aber in Bozen, dessen ehemalige Propsteikirche (Maria Himmelfahrt) zur Konkathedrale erhoben wurde.

Am gleichen Tag wurde die Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch zur eigenständigen Diözese erhoben (1968 wurde Vorarlberg als Diözese Feldkirch eigenständig) und der Erzdiözese Salzburg als Suffraganbistum zugewiesen.

Die (Nord-)Tiroler Landesregierung hatte sich für die Verknüpfung dieser beiden Änderungen eingesetzt, nachdem trotz des Textes des Konkordates von 1929 eine Anpassung der Bistumsgrenzen an die Provinzgrenzen bzw. den Einschluss aller mehrheitlich deutschsprachigen Dekanate in das Bistum Brixen nicht erreicht werden konnte.

Nach dem überraschenden Tod von Bischof Wilhelm Egger am 16. August 2008 wurde Generalvikar Josef Matzneller zum Diözesanadministrator ernannt.[4] Am 5. Dezember 2008 gab Diözesanadministrator Matzneller bekannt, dass der 1943 in Tscherms geborene Moraltheologe Karl Golser zum Bischof ernannt wurde. Golser ist der dritte Bischof der Diözese Bozen-Brixen und der erste, der aus dem ehemaligen Südtiroler Teil der Diözese Trient stammt. Die Bischofsweihe empfing er am 8. März 2009 im Brixner Dom. Am 27. Juli 2011 wurde Golsers Rücktrittsgesuch angenommen, Josef Matzneller erneut zum Administrator ernannt und Ivo Muser als Bischof designiert[5]. Am 9. Oktober 2011 wurde Muser in Brixen von Erzbischof Luigi Bressan zum Bischof geweiht.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Flachenecker, Hans Heiss und Hannes Obermair (Hrsg.): Stadt und Hochstift, Brixen, Bruneck und Klausen bis zur Säkularisation 1803 – Città e Principato, Bressanone, Brunico e Chiusa fino alla secolarizzazione 1803 (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 12), Verlagsanstalt Athesia, Bozen 2000, 364 S., ISBN 88-8266-084-2
  • Josef Gelmi: Die Brixener Bischöfe in der Geschichte Tirols. Bozen 1984, ISBN 88-7014-362-7
  • Josef Gelmi: Kirchengeschichte Tirols. Tyrolia, Innsbruck-Wien 1986, ISBN 3-7022-1599-9
  • Rudolf Leeb u. a.: Geschichte des Christentums in Österreich. Von der Antike bis zur Gegenwart. Uebereuter, Wien 2003, ISBN 3-8000-3914-1
  • Anselm Sparber: Kirchengeschichte Tirols, im Grundriß dargestellt. Innsbruck-Wien-München 1957
  • Georg Tinkhauser: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Diöcese Brixen, mit besonderer Berücksichtigung der Culturgeschichte und der noch vorhandenen Kunst- und Baudenkmale aus der Vorzeit. Band I, Brixen 1855, 698 Seiten, online.
  • Josef Wodka: Kirche in Österreich. Wegweiser durch ihre Geschichte. Herder, Wien 1959
  • Wolfgang Wüst: Sovranità principesco-vescovile nella prima età moderna. Un confronto tra le situazioni al di qua e al di là delle Alpi: Augusta, Bressanone, Costanza e Trento – Fürstliche Stiftsherrschaft in der Frühmoderne. Ein Vergleich süd- und nordalpiner Verhältnisse in Augsburg, Brixen, Eichstätt, Konstanz und Trient, in: Annali dell’Istituto storico italo-germanico in Trento – Jahrbuch des italienisch-deutschen historischen Instituts in Trient 30 (2004), Bologna 2005, ISBN 88-15-10729-0, S. 285–332

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diözese Bozen-Brixen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Heuberger: Die Begründung des Brixner Fürstentums. In: „Der Schlern“ 8, 1927, S. 181–190 u. 283, Bezug S. 190 u. 283 («Die Brixner Bischöfe gehörten kraft ihrer geistlichen Würde und nicht infolge der Grafschaftsverleihung von 1027 dem deutschen Reichsfürstenstand an.»)
  2.  Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Bd. 2: 1140–1200. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7030-0485-8, S. 277–278 Nr. 753.
  3. Heinrich Kofler: Geschichte des Dekanats Schlanders von seiner Errichtung im Jahr 1811 bis zur freiwilligen Demission von Dekan Josef Schönauer 1989. In: Marktgemeinde Schlanders (Hrsg.), Schlanders und seine Geschichte. Band 2: Von 1815 bis zur Gegenwart. Tappeiner, Lana 2010, ISBN 978-88-7073-531-4, S. 11–186, insbesondere S. 11–15
  4. „Südtirol: Josef Matzneller zum Diözesanadministrator gewählt“, kath.net, 18. Januar 2007
  5. http://www.stol.it/Artikel/Chronik-im-Ueberblick/Lokal/Habemus-Episcopum-Ivo-Muser-ist-neuer-Oberhirte-Audio
  6. http://www.stol.it/Artikel/Chronik-im-Ueberblick/Lokal/Suedtirol-hat-einen-neuen-Bischof