Todi Lubonja

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Todi Lubonja (* 13. Februar 1923 in Elbasan; † 19. November 2005 in Tirana) war ein albanischer Journalist und Politiker der Partei der Arbeit Albaniens, der wegen seiner Gegnerschaft zu Enver Hoxha 1972 als Generaldirektor der Radio- und Fernsehanstalt Albaniens entlassen wurde.

Biografie[Bearbeiten]

In seiner Jugend arbeitete er während des Zweiten Weltkrieges in der kommunistischen Widerstandsbewegung. Nach der Gründung der Volksrepublik Albanien wurde er Funktionär des Jugendverbandes der PPSh und wurde schließlich dessen Vorsitzender. Später war er Erster Sekretär der PPSh in Korça sowie in Elbasan.

Lubonja, der über mehrere Jahre ein Vertrauter Hoxhas war, wurde 1958 zum Abgeordneten der Volksversammlung (Kuvendi Popullor) gewählt und gehörte dieser als Vertreter für den Kreis Elbasan von der vierten bis zum Ende der sechsten Wahlperiode 1970 an.

Daneben war er Mitglied des Präsidiums der Volksversammlung, dem kollektiven Gremium des Staatsoberhauptes, sowie Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der PPSh.[1]

Des Weiteren war er von 1963 bis 1970 Chefredakteur des Parteiorgans Zëri i popullit. Zu seinen wichtigen Veröffentlichungen gehören Nën peshën e dhunës, Ankthi pa fund i lirisë sowie Pse hesht shtëpia e muzikës.

1970 wurde er Generaldirektor der Radio- und Fernsehanstalt Albaniens (RTVSh). Im Dezember 1972 wurde er entlassen, weil er neben Fadil Paçrami im Dezember 1972 zu den Verantwortlichen für die Durchführung des XI. Albanischen Musikfestivals Festivali i Këngës gehörte, bei dem erstmals westlich geprägte Musik gespielt wurde und junge Frauen in Miniröcken zu sehen waren. Die Abkehr von dem bisher vom sozialistischen Realismus geprägten Festival, das in RTVSh ausgestrahlt wurde, führte zur Kritik innerhalb der Führung der PPSh. Auf dem 4. Plenum des ZK der PPSh, das vom 26. Juni bis zum 28. Juni 1973 stattfand, wurde er zusammen mit Fadil Paçrami schwer kritisiert und beiden ein Untergraben der realsozialistischen Parteidisziplin vorgeworfen.[2][3][4][5] Die Verhaftungen von Lubonja und lösten in der intellektuellen Kulturszene einen Schock aus.[6]

Später wurde er von der Geheimpolizei Sigurimi verhaftet. Wie bei vielen anderen ehemaligen führenden Politikern wurde auch seine Familie verhaftet.[7] Lubonja selbst wurde nach seiner Festnahme zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, ein rechtsgerichteter Abweichler und parteifeindliches Element zu sein, der offensichtlich liberale und opportunistische Ansichten sowie modernen Geschmack unterstützt hat und der feindliche Führungsmethoden benutzte.[2] Sein Sohn, der Schriftsteller Fatos Lubonja, wurde 1974 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Dort wurde er beschuldigt, einem prosowjetischen Kreis anzugehören und seine Haft wurde um 20 Jahre verlängert. Erst nach 19 Jahren Haft kam Fatos Lubonja nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1991 frei.

Nach seiner Entlassung aus der Haft war Todi Lubonja nach 1987 als Zwangsarbeiter im Wasserwerk von Shkodra tätig.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. List Of The Member Of Leading Albanian Party. 20. Februar 1961, abgerufen am 1. Dezember 2010 (englisch).
  2. a b Veteran Regime Functionary Ousted In Latest Purge. 7. August 1973, abgerufen am 1. Dezember 2010 (englisch).
  3. Shekulli: Todi Lubonja: Festivali për Enverin, bonbone me helm! (12. Dezember 2007) (Memento vom 22. Februar 2008 im Internet Archive)
  4. Marcel Cornis-Pope, John Neubauer: History of the literary cultures of East-Central Europe: junctures and disjunctures in the 19th and 20th centuries, S. 233, ISBN 9027234558, 2007
  5. Harold B. Segel: The Columbia literary history of Eastern Europe since 1945, S. 83, 159, ISBN 0231133065, 2008
  6. Robert Elsie: Albanian literature: a short history, S. 171, 186, ISBN 1845110315, 2005
  7. Modernities Out of Sync: The Tactful Art of Anri Sala (23. Februar 2005)
  8. Ja „kokat e prera“ në art e kulturë, pas Festivalit të 11-të. In: Shekulli. 17. Dezember 2007, abgerufen am 7. Oktober 2012 (albanisch).