Tomas Espedal

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Tomas Espedal beim Osloer Buchfestival 2011

Tomas Espedal (* 12. November 1961 in Bergen, Norwegen) ist ein norwegischer Autor und Hochschullehrer. Große Bekanntheit erlangte er in Norwegen vor allem durch seine Erzählungen an den Grenzen von Roman und Autobiographie. Viele seiner Erzählungen experimentieren auch mit den Gattungen Essay, Brief, Tagebuch und Reisebericht.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Espedal wuchs in Bergen auf und studierte auch dort an der Universität. Denn die zweitgrößte Stadt Norwegens hat auch die zweitbedeutendste Hochschullandschaft und ein reiches kulturelles Leben. Sobald er es sich leisten konnte, zog er für längere Lebensphasen nach Oslo und später nach Kopenhagen, bevor er als erfolgreicher Schriftsteller zurückkehrte, um selber nebenbei zu lehren.

Als Hochschullehrer an der zur Universität Bergen gehörenden Schreibakademie unterrichtete er Ende der 1980er Jahre Karl Ove Knausgård, der zu den ersten Absolventen der Autorenschule gehörte. Sein im Original 2006 erschienenes Buch Gehen: oder die Kunst, ein wildes und poetisches Leben zu führen[1] machte ihn so berühmt, dass er nicht mehr ungestört anonym durch die Stadt gehen konnte, weil allzuviele unbedingt mit ihm reden wollten. Fortan fuhr er überwiegend mit dem Fahrrad in die Stadt.[2] Der Roman Bergeners von 2013, der die Bewohner Bergens nicht nur im Titel führt, ist 2018 unter gleichem Titel auf Deutsch erschienen.

Im Jahr 2018 veröffentlichte er neu, wie immer bei ihm auf Bokmål statt Nynorsk, den Roman Elsken. Zudem wurde der meist schwarz gekleidete Autor porträtiert in dem Dokumentarfilm Jeg vil bo i mitt navn von Regisseur Lars Erlend Tubaas Øymo.[3]

Tomas Espedal lebt und arbeitet wieder dauerhaft in seiner Heimatstadt Bergen. In dieser statistisch regenreichsten Stadt des Landes lasse sich als Schriftsteller schlicht gut arbeiten.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Erzählung Wider die Kunst erhielt er 2009 sowohl den Kritikerprisen als auch den Gyldendalprisen. Für das gleiche Werk wurde er 2009, wie schon 2006 für Gehen: oder die Kunst, ein wildes und poetisches Leben zu führen, für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert. 2011 wurde ihm für Wider die Natur der Brageprisen verliehen. Im selben Jahr wurde ihm der Literaturpreis des Riksmålsforbundet verliehen, den er jedoch ablehnte. Espedal begründete seine Entscheidung damit, dass er weder mit der Sprachpolitik des Riksmålsforbundet übereinstimme, noch mit den früheren Preisträgern, namentlich André Bjerke und Jens Bjørneboe, von denen er sich distanzierte, in einer Reihe genannt werden wolle.[4]

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • En vill flukt av parfymer. (1988)
  • Jeg vil bo i mitt navn. (1990)
  • Hun og jeg. (1991)
  • Hotel Norge. (1995)
  • Blond (erindring). (1996)
  • Biografi (glemsel). (1999)
  • Dagbok (epitafer). (2003)
  • Brev (et forsøk). (2005)
  • Gå. Eller kunsten å leve et vilt og poetisk liv. (2006)
  • Ly. (2007)
  • Imot kunsten. (2009)
    • Wider die Kunst aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel, Matthes & Seitz, Berlin 2015, ISBN 978-3-95757-137-3.
  • Imot naturen. Gyldendal, Oslo 2011.
  • Bergeners. (2013)
    • Bergeners, aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel, Matthes & Seitz, Berlin 2018, ISBN 978-3-95757-651-4.
  • Året. (2016)
  • Elsken (2018)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vom aufrechten Gang: Über Tomas Espedals Selbstversuch, Besprechung in der Zeitschrift „Glanz und Elend“, abgerufen 8. Februar 2018
  2. a b Die Literaturstadt Bergen: Eine gewisse Grundgetrübtheit, Literaturszenen-Reportage von Andrea Gerk im Deutschlandfunk Kultur, erschienen und abgerufen 8. Februar 2019
  3. Knut-Eirik Lindeblad: Redningsaksjonen in der Osloer Tageszeitung Dagbladet vom 20. Oktober 2018 auf den Seiten 48–50 (Norwegisch)
  4. Thrond Vernegg: Vet det bare ikke selv. Riksmålsforbundet, 20. Dezember 2011, abgerufen am 5. Februar 2016 (norwegisch).
  5. Andreas Breitenstein: Pilger ohne Gott. In: Neue Zürcher Zeitung, 20. Dezember 2011. Abgerufen am 4. Mai 2014.
  6. Iris Radisch: Ein Buch wie klares Wasser. In: Zeit Online, 3. Mai 2014. Abgerufen am 4. Mai 2014.