Karl Ove Knausgård

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Karl Ove Knausgård (2011)
Karl Ove Knausgård (2010)

Karl Ove Knausgård [ˈkɑːɭ ˈuːvə ˈknæʉsˌgɔːɾ] (* 6. Dezember 1968 in Oslo) ist ein norwegischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Ove Knausgård ist Sohn einer Krankenschwester und eines Lehrers und wuchs mit einem älteren Bruder auf der Insel Tromøy bei Arendal und in Kristiansand auf. Er studierte Kunstgeschichte und Literatur an der Universität Bergen. Sein literarisches Debüt Ute av verden erhielt 1998 den norwegischen Kritikerprisen. Damit wurde erstmals das Erstlingswerk eines Autors mit dem Preis geehrt. 2004 folgte der Roman En tid for alt, der für den Literaturpreis des Nordischen Rates und den International IMPAC Dublin Literary Award nominiert war[1] und unter dem Titel Alles hat seine Zeit in deutscher Übersetzung vorliegt.

2009 veröffentlichte Knausgård die ersten drei seines sechs Bände umfassenden, autobiografisch angelegten Romanzyklus Min Kamp (wörtlich: Mein Kampf). Das Erscheinen des ersten Bandes, der die schwierige Beziehung zu seinem Vater thematisiert und dabei „in einer regelrechten Gedankenflut“ essayistische Passagen mit Kindheits- und Jugenderinnerungen verbindet,[2] sorgte in Norwegen für großes Aufsehen und löste heftige Diskussionen aus. Das Buch avancierte zum Bestseller und wurde von den Lesern der Zeitung Morgenbladet zum Buch des Jahres gewählt.[3] Knausgård bekam dafür den wichtigsten Literaturpreis seines Heimatlandes, den Brageprisen. Die Bände vier und fünf erschienen 2010, der sechste und letzte Band wurde 2011 veröffentlicht. 2011 kam der erste Band unter dem Titel Sterben auf Deutsch heraus. Der Luchterhand Literaturverlag verzichtete wohlweislich darauf, den Gesamttitel des Sechsteilers für die deutsche Ausgabe zu übernehmen.[4] Der Abschlussband Kämpfen erschien im Mai 2017.

2010 gründete Knausgård mit den ersten Einnahmen aus seinem Min Kamp-Zyklus den kleinen Pelikan-Verlag, in dem er unter anderem Bücher von Christian Kracht und Peter Handke auf Norwegisch herausgibt.[5][6]

Durch seinen zunehmenden internationalen Erfolg bekam er die Gelegenheit für Zeitschriften wie The New York Times Magazine und The New Yorker zu schreiben. Seine Texte umfassen Reiseberichte[7][8], eine Auseinandersetzung mit dem norwegischen Massenmörder Breivik[9], Beobachtungen bei einer Gehirnoperation[10], einen Essay über sein Leben als Hundehalter[11] und eine Rezension von Michel Houellebecqs Roman Unterwerfung[12]. Veröffentlichte und bislang unveröffentlichte Essays aus den Jahren 1996–2013 erscheinen auch in der 2016 auf Deutsch herausgegebenen Sammlung Das Amerika der Seele.[13][14]

2015 und 2016 veröffentlichte Knausgård jeweils zwei Bände der Jahreszeiten-Tetralogie, deren Teile je einem seiner Kinder gewidmet sind und in den Folgejahren auch in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Er selbst versteht die Bücher als „persönliche Enzyklopädie von Dingen aus meinem näheren Umfeld“, in der er Alltagsgegenstände in Briefen an seine noch ungeborene jüngste Tochter beschreibt.[15][16]

2017 hat Knausgård eine Ausstellung mit Bildern von Edvard Munch im Munch-Museum in Oslo kuratiert.[17]

Seit 2007 war Knausgård in zweiter Ehe mit der Lyrikerin und Romanautorin Linda Boström Knausgård (* 1972), Tochter der schwedischen Schauspielerin Ingrid Boström, verheiratet. Die Familie lebte mit den gemeinsamen Kindern, drei Töchtern und einem Sohn, zunächst in Malmö, ab 2011 in Glemmingebro im schonischen Österlen.[18] Im November 2016 gab Linda Boström die bevorstehende Scheidung bekannt.[19]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998: Ute av verden.
  • 2004: En tid for alt.
  • 2009: Min kamp. Første bok.
  • 2009: Min kamp. Andre bok.
  • 2009: Min kamp. Tredje bok.
  • 2010: Min kamp. Fjerde bok.
  • 2010: Min kamp. Femte bok.
  • 2011: Min kamp. Sjette bok.
    • Kämpfen (aus dem Norwegischen von Paul Berf und Ulrich Sonnenberg) Luchterhand, München 2017, ISBN 978-3-630-87415-9.
  • 2013: Sjelens Amerika: tekster 1996–2013.
    • Das Amerika der Seele (aus dem Norwegischen von Paul Berf und Ulrich Sonnenberg) Luchterhand, München 2016, ISBN 978-3-630-87455-5.
  • 2014: Hjemme/Borte (mit Fredrik Ekelund).
  • 2015: Om høsten.
  • 2015: Om vinteren.
  • 2016: Om våren.
  • 2016: Om sommeren.
  • 2019: Fuglene under himmelen.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl Ove Knausgård – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ten books shortlisted for the 2014 Award (Memento des Originals vom 16. Juli 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.impacdublinaward.ie
  2. Sein Kampf Rezension, Deutschlandradio Kultur vom 30. März 2011
  3. Noe å snakke om, Morgenbladet, 15. Januar 2010.
  4. Ijoma Mangold: Der Entschleuniger Die Zeit, 3. Juli 2014.
  5. Om oss. Abgerufen am 19. Februar 2019 (norwegisch Bokmål).
  6. Richard Kämmerlings: Karl Ove Knausgårds Jahreszeiten-Zyklus erzählt von Depression und Lebensglück. 31. Mai 2018 (welt.de [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  7. Karl Ove Knausgaard: My Saga, Part 1. In: The New York Times. 25. Februar 2015, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  8. Karl Ove Knausgaard: A Literary Road Trip Into the Heart of Russia. In: The New York Times. 14. Februar 2018, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  9. Karl Ove Knausgaard: Anders Breivik’s Inexplicable Crime. 18. Mai 2015, ISSN 0028-792X (newyorker.com [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  10. Karl Ove Knausgaard: The Terrible Beauty of Brain Surgery. In: The New York Times. 30. Dezember 2015, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  11. Karl Ove Knausgaard: The Trouble with Dogs for a Writer. 18. August 2018, ISSN 0028-792X (newyorker.com [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  12. Karl Ove Knausgaard: Michel Houellebecq’s ‘Submission’. In: The New York Times. 2. November 2015, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  13. Peter Praschl: Karl Ove Knausgårds Essays: Darm ohne Charme. 13. November 2016 (welt.de [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  14. Knausgårds "Das Amerika der Seele" - Vom Himmel der Fiktionen. Abgerufen am 19. Februar 2019 (deutsch).
  15. Silke Scheuermann: Knausgårds Jahreszeiten-Zyklus: Sein Kampf, ihr Kämpfen und das Glück an sich. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  16. Burkhard Müller: Erstaunliches vom Dachs. In: sueddeutsche.de. 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 19. Februar 2019]).
  17. Karl Ove Knausgård: Kein "Schrei" verstellt den Blick - derStandard.de. Abgerufen am 19. Februar 2019 (österreichisches Deutsch).
  18. Marthe Berg: Var redd datteren var død. In: VG. 29. April 2014, abgerufen am 10. Juni 2014 (norwegisch).
  19. Paret Knausgård skiljer sig. In: SvD. 25. November 2016, abgerufen am 14. Februar 2017 (schwedisch).
  20. Caroline Trump. «Se på fuglene». Klassekampen. 2019-05-18. S. 19
  21. Jerusalem International Book Fair. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 3. Juli 2017; abgerufen am 30. Juni 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jbookfair.com
  22. Svenska Akademiens nordiska pris 2019. Abgerufen am 3. April 2019 (schwedisch).