Tomerdingen

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Tomerdingen
Gemeinde Dornstadt
Wappen von Tomerdingen
Koordinaten: 48° 28′ 57″ N, 9° 54′ 33″ O
Höhe: 625 m ü. NN
Fläche: 19,79 km²
Einwohner: 1751 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 89160
Vorwahl: 07348

Tomerdingen ist ein Teilort der Gemeinde Dornstadt im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tomerdingen liegt mit einer 19,79 km² großen Gemarkung rund zwölf Kilometer nördlich von Ulm und rund drei Kilometer nordwestlich von Dornstadt auf 625 m ü. NN. Tomerdingen hat 1751 Einwohner (Stand: Dezember 2012).

Nachbarorte von Tomerdingen sind im Süden Bollingen-Böttingen, im Südwesten Bermaringen, im Nordwesten Temmenhausen, im Nordosten Westerstetten-Hinterdenkental und -Vorderdenkental, im Osten Beimerstetten und im Südosten Dornstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funde aus der Jungsteinzeit, eine keltische Viereckschanze im Blumenhau und die Reste eines römischen Gutshofes im Katharinenholz bezeugen, dass auf der Markung schon vor Jahrtausenden Menschen gelebt haben. Der Ortsname scheint auf einen alemannischen Personennamen namens Tuomhard (Dom-hardu) zurückzugehen, der so viel wie Gericht, Urteil (Dom) und hart, fest (hardu) bedeutet.[1] Fest steht, dass Tomerdingen 1225 im Zusammenhang mit dem Kloster Elchingen erwähnt wird, welche die (obere) Martinskirche im Besitz hatte; diese Kirche dürfte eine der ältesten des Landes sein und aus der karolingischen Zeit stammen.[2]

Martinskirche Tomerdingen
Mariä-Himmelfahrt Tomerdingen

Ab 1335 gab es zwei Pfarreien (und zwei Bürgermeister!) im Dorf: Die elchingische Martinspfarrei (Kleintomerdingen) und die (untere) Liebfrauenpfarrei, welche der Ulmer Deutschordenskommende bis 1693 gehörte (Großtomerdingen). Tomerdingen war auch Sitz eines Pflegeamtes, zu dem Dornstadt, Vorder- und Hinterdenkental, Westerstetten u. a. Orte gehörten. Die Reformation fand im Pfarrort Tomerdingen keinen Anklang, wohl aber im Filial Temmenhausen, welches zur lutherischen Konfession übertrat, dafür aber im Dreißigjährigen Krieg von den kaiserlichen Kriegsvölkern so ganz zu Grunde gerichtet wurde, dass es Jahrhunderte brauchte, um wieder zur vorigen Bevölkerungszahl zu gelangen (Chronik von 1904). Schon 1672 wird erwähnt, dass Tomerdingen von alten Zeiten her die Marktgerechtigkeit hatte. Das Dorf fiel 1802 mit dem Kloster Elchingen an Bayern, 1810 kam es zu Württemberg.

Kriegswirren, Einquartierungen, Plünderungen und Brandschatzungen haben Tomerdingen immer wieder heimgesucht. 1209 (Friedrich II.) und 1246 („Pfaffenkönig“ Heinrich Raspe) wurde das Dorf eingeäschert. 1635 im Dreißigjährigen Krieg waren nur noch 45 Häuser bewohnt, die Felder konnten nicht bearbeitet werden, weil kein Zugvieh da war; in diesen Jahren raffte auch die Pest viele Einwohner dahin. 1688 wurde der Ort in den französischen Raubkriegen verwüstet und mit schweren Kontributionen belastet. 1704 hatte das Dorf im Spanischen Erbfolgekrieg hart unter umfangreichen Einquartierungen zu leiden. In den Kriegen der Französischen Revolution musste Tomerdingen vom 1. Dezember 1797 bis 4. Januar 1798 kaiserliche Truppen in Quartier nehmen und umsonst verpflegen: 3105 Mann und 827 Pferde. 1813 bis 1814 gab es Einquartierungen am laufenden Band: Franzosen, Österreicher und Russen lösten einander ab. Am 24. April 1945 rückten amerikanische Truppen, von Temmenhausen kommend, in Tomerdingen ein und bezogen für einige Zeit Quartier. Auch von Feuersbrünsten blieb Tomerdingen nicht verschont: 1545 brannten 56 Gebäude nieder; am 4. Juni 1876 (Pfingstsonntag) wurde durch zündelnde Kinder ein Teil des Dorfes (von der Neuen Straße 17a ausgehend bis zum Ortsende im Hahnenweiler) eingeäschert: 48 Gebäude.

1939 hatte Tomerdingen 807 Einwohner, 1947 lebten 808 Altbürger (=71,8 %) und 316 Neubürger im Ort.

Aus dem Ersten Weltkrieg kehrten 62, aus dem Zweiten Weltkrieg 54 Tomerdinger Soldaten nicht zurück.

Zum 1. Januar 1975 wurde im Zuge der allgemeinen Gemeindereform die Gemeinde Tomerdingen mit der Gemeinde Dornstadt fusioniert.[3] Vorausgegangen war eine Abstimmung der Tomerdinger Bürger, die sich mit 89,7 %[4] gegen die Vereinigung mit Dornstadt ausgesprochen hatten. Dass die Eingemeindung Wunden hinterließ und viele Tomerdinger sich auch nach Jahren noch nicht damit abfanden zeigte sich als 1993 der Tomerdinger Ortschaftsrat in einer (erfolglosen) Anfrage den Baden-Württembergischen Gemeindetag um das Ausscheiden aus der Gesamtgemeinde Dornstadt ersuchte.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der ehemaligen Gemeinde Tomerdingen

Tomerdingen hatte nachweislich bereits im 18. Jahrhundert ein Wappen das 1774 durch ein Schwert als Zeichen der Hochgerichtsbarkeit des im Pflegeamt Tomerdingen gelegenen Gerichtes des Reichsklosters Elchingen belegt ist.[1]. Das Schwert wurde in das 1975 neu geschaffene Wappen von Dornstadt eingefügt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Wannenmacher (1722–1780), Maler des Barock (Chor der Stiftskirche St. Gallen, Deckengemälde der Wallfahrtskirche „Ave Maria“ in Deggingen, Fresken der Predigerkirche Rottweil)
  • Karl Schabel (1864–1925), Gewerkschafter und SPD-Mitglied. Anfang der 1890er Jahre aktiv in der Berliner Arbeiterbewegung und Begründer des Berliner Lokalvereins der Kanalarbeiter (ab 1906 Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter). Er galt als unumstrittene Führungspersönlichkeit der gewerkschaftlich organisierten Berliner Kanalarbeiter.[6]
  • Heinrich Suso Groner (* 14. Dezember 1895; † 7. August 1968), Zisterzienser, Abt der Territorialabtei Wettingen-Mehrerau.

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

3 Windkraftanlagen vom Typ Nordex N117 mit einer Nabenhöhe von 140 Metern, einen Rotordurchmesser von 117 Metern und einer Erzeugerleistung von 2,4 MW pro Anlage. Höchste Windkraftanlagen in Baden-Württemberg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Zürn, F. Fischer: Die keltische Viereckschanze von Tomerdingen. Materialheft Vor- und Frühgeschichte Baden-Württemberg 14, Stuttgart, 1991

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. books.google.com
  2. Heimatforscher Dr. Reistle
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 543.
  4. SÜDWEST PRESSE - Ausgabe Ulm, 20. Januar 1974
  5. SÜDWEST PRESSE - Ausgabe Ulm, 9. Juli 1993
  6. *Info über Karl Schabel auf einer Seite der Friedrich-Ebert-Stiftung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tomerdingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien