Trudi Schoop

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Trudi Schoop, Zigarettenbild von Wanda von Debschitz-Kunowski, 1933.

Trudi Schoop, auch Trudy Schoop (* 9. Oktober 1903 in Zürich; † 14. Juli 1999 in Van Nuys, Los Angeles) war eine Schweizer Tänzerin, Tanztherapeutin und Kabarettistin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trudi Schoop wurde am 9. Oktober 1903 in Zürich als Tochter von Friedrich Maximilian Schoop (1871–1924) und Emma Olga Schoop geb. Böppli (1873–1959) geboren. Trudi entstammte väterlicherseits einer Familie von Gelehrten, Professoren und Lehrern, ihr Großvater Ulrich Schoop (1830–1911) war Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Zürich.[1] Trudis Vater war Redakteur, unter anderem bei der „Zürcher Post“, und Präsident des Grand Hotel Dolder und, wie selbst berichtet, ein angesehener und geschätzter Mann in Züricher Intellektuellenkreisen.[2] Hedis freidenkende und unkonventionelle Mutter stammte von „toggenburgischen Wunderdoktoren“ ab und war eine warmherzige Frau mit einem unersättlichen Freiheits- und Lebensdrang. Die Familie wohnte am Zürichberg, wo sich auch das Hotel Dolder befand.[3]

Trudi war das zweite von vier Kindern. Ihr älterer Bruder war der Maler Max Schoop (1902–1984). Ihre jüngere Schwester war die Tänzerin und Bildhauerin Hedi Schoop (1906–1995), ihr jüngerer Bruder war der Komponist Paul Schoop (1909–1976). Die Kinder wurden in einer freien und ungezwungenen Atmosphäre großgezogen, und die Eltern förderten die künstlerische Entwicklung ihrer Kinder, die alle künstlerische Berufe ergriffen.[4]

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trudi Schoop brachte sich als Autodidaktin das Tanzen weitgehend selbst bei. Im Alter von 17 Jahren trat sie im Pfauentheater ihrer Heimatstadt das erste Mal in einer Solodarbietung auf. Erst später nahm sie auch professionellen Tanz- und Ballettunterricht. Bereits 1921 gründete sie ihre erste eigene Tanzschule.

Trudi Schoop suchte Ende der 1920er Jahre zusammen mit ihrem Bruder Paul Schoop verzweifelt nach einer passenden Musik für ihre selbsterfundenen Pantomimen. „Eines Tages setzte sich mein Bruder Paul mit mir hin und begann meine Ideen in musikalische Sequenzen zu übertragen. Mein Komponist war gefunden!“[5] In den 1930er Jahren komponierte Paul, meist in Zusammenarbeit mit Huldreich Früh (1903–1945),[6] die meisten Ballettmusiken für Trudis Pantomimen.

In dieser Zeit führten unternahm Trudi Schoop zahlreiche Tourneen, auf denen sie auch von ihrer Schwester Hedi Schoop und der Tänzerin Suzanne Perrottet begleitet wurde, durch europäische Großstädte wie Berlin, Oslo, Amsterdam, Prag, Stockholm und Paris. Aufgrund ihrer starken physischen Komik wurde die Ausdruckstänzerin Schoop oft als weiblicher Charlie Chaplin gefeiert. 1932 erreichte sie mit ihrer Tanzkomödie Fridolin unterwegs beim renommierten Pariser Grand Concours Internationale de Chorégraphie den zweiten Platz.

Daneben arbeitete sie einige Male als Choreographin und Tänzerin beim Film.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges löste sie ihre Tanzgruppe auf. Sie selbst engagierte sich zwischen 1941 und 1945 im antifaschistischen Zürcher Cabaret Cornichon. Nach Kriegsende firmierte sie für kurze Zeit ihre Tanzgruppe neu und ging abermals auf Tournee – diesmal durch die Vereinigten Staaten von Amerika. 1948 löste sie die Tanzgruppe endgültig auf und beendete zugleich ihre Bühnenkarriere.

Wenige Jahre später siedelte sie nach Kalifornien über. Dort widmete sie sich ganz der Aufgabe, psychisch gestörte Menschen durch Tanz positiv zu beeinflussen. Diese Wirkung des Tanzes auf Psychosen hatte sie in ihrer Jugend selbst mehrfach erlebt.[7] Als Therapeutin entwickelte sie die Tanztherapie für chronisch psychotische Menschen entscheidend weiter und gilt neben Franziska Boas, Marian Chace und Liljan Espenak und Mary Whitehouse als eine der „Mütter der Tanztherapie“.

Zunächst noch ohne psychologische oder klinische Schulung arbeitete Trudy Schoop später auch eng mit medizinischen Einrichtungen wie dem Camarillo State Mental Hospital und der Vereinigung UCLA zusammen. Mit ihrer body-ego technique versuchte sie bis ins hohe Alter Menschen aus ihrer Isolation zu holen und ihnen dabei zu helfen, sich selbst zu akzeptieren und Kontakt mit anderen Menschen aufzubauen.

Einige Jahre vor Trudi Schoops Tod drehte die Filmemacherin Claudia Willke zwei Dokumentationen mit und über die Tanztherapeutin: Das Portrait Die Eroberung der Leere (1992) sowie Komm, tanz mit mir (1990), der Trudy Schoop bei der Arbeit mit Patientinnen der Psychiatrie Münsterlingen zeigt.[8]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1931: Feind im Blut. Regie: Walter Ruttmann. Choreografie und Tanz: Trudi Schoop.[9]
  • 1953: Sie fanden eine Heimat. Anderer Titel: Das Pestalozzidorf. Regie: Leopold Lindtberg. Choreografie: Trudi Schoop [10]
  • 1990: Komm tanz mit mir – Trudi Schoop. Dokumentarfilm von Claudia Willke, 1990.[11]
  • 1992: Die Eroberung der Leere – Trudi Schoop. Dokumentarfilm von Claudia Willke, 1992.[12]

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Katzenbild von Trudi Schoop, vor 1958.

In den 1950er Jahren äußerte Trudi Schoop gegenüber ihrem Landsmann Carl Seelig: „Nun möchte ich nichts mehr als malen und in Farben ertrinken.“ Und: „Am liebsten möchte ich von jetzt an nur noch Katzenporträtistin sein!“

Carl Seelig fragte sich: „Warum aber gerade Katzen? Sie malt nämlich auch Blumen, Hunde und Kinder. Von letzteren möchte sie sogar ganz gern Bildnisse machen. Aber sie hat Angst, daß die Auftraggeber herumnörgeln, die Nase sei zu groß geraten oder die Farbe der Augen zu wenig blau. Die Katzen hingegen lassen sich malen, wie sie will. Sie glaubt sie gut zu kennen, diese geheimnisvollen, bezaubernd-anmutigen Geschöpfe, die bald fremd wie ein Urwaldwesen sein können und bald zutraulich wie eine Tante. Meistens sind es zugelaufene Katzen, die sie malt. Am traumhaftesten wirken aber auf Trudi die südamerikanischen Pantherkatzen, die wundervoll gefleckten Ozelots. In sie ist sie richtig verliebt.“ Bei der Betrachtung ihrer Katzenbilder fühlt man sich unwillkürlich an den französischen Zöllner Henri Rousseau erinnert.[13]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • vor 1958: Ein Katzenbild (siehe Abbildung).[14]
  • 1959: Fünf Katzen.[15]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Trudi Schoop; Peggy Mitchell; Hedi Schoop (Illustration): Won’t you join the dance? A dancer’s essay into the treatment of psychosis. Palo Alto, Calif. 1974, Ausschnitt:.
  • Trudi Schoop; Peggy Mitchell; Hedi Schoop (Illustration); Marigna Gerig (Übersetzung): Komm und tanz mit mir! : komm, so komm doch, komm, so komm doch, komm und tanz mit mir!; ein Versuch, dem psychotischen Menschen durch die Elemente des Tanzes zu helfen. Zürich 2006, Ausschnitt. – Deutsche Übersetzung von #Schoop 1974.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Budzinski; Reinhard Hippen: Metzler-Kabarett-Lexikon. Stuttgart 1996, Seite 361.
  • Bx.: Fünf Katzen. [Gemälde Trudi Schoop]. In: Du : kulturelle Monatsschrift, 12. Jahrgang, Heft 12, 1959, Seite 33, doi:10.5169/seals-291690.
  • Sharon Chaiklin: Schoop, Trudi. John A. Garraty (Herausgeber): American national biography, Supplement 2. New York 2005, Seite 505-507.
  • Tobias Hoffmann-Allenspach: Hans Wickihalder. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 3, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9.
  • Sol Hurok: A Swiss Comedian. In: The World of ballet. London 1955, Seite 46-47. – Trudi Schoops Manager über Trudi Schoop.
  • Volker Kühn: Schoop, Trudi. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 468 f. (Digitalisat).
  • Peggy Mitchell; Trudy Schoop: Won't You Join the Dance: A Dancer's Essay into the Treatment of Psychosis. National Press Books, ISBN 0-87484-229-8
  • Bruno Oetterli: Die zwei Leben der Trudi Schoop. In: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, Band 20, 2009, Seite 162-164.
  • Ursula Pellaton: Unmissverständlicher Bewegungsausdruck: Trudi Schoop. In: Amelie Soyka (Hrsg.): Tanzen und tanzen und nichts als tanzen. Tänzerinnen der Moderne von Josephine Baker bis Mary Wigman. AvivA Verlag, Berlin, 2004, ISBN 3-932338-22-7; S. 166–179
  • Carl Seelig: Originelle Gestalten der Familie Schoop. In: Thurgauer Jahrbuch, 33. Jahrgang, 1958, Seite 95-110.
  • Mats Stab: Trudi Schoop. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 3, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1632. Online:.
  • Karl Toepfer: Empire of Ecstasy: Nudity and Movement in German Body Culture, 1910–1935. Berkeley 1997. Seite 199-200, online.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trudi Schoop – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. #Oetterli 2009, Seite 162.
  2. Friedrich Maximilian Schoops Brüder Max Ulrich Schoop und Paul Schoop waren bekannte Techniker und Erfinder. Max Ulrich Schoops Sohn war der Bildhauer Uli Schoop.
  3. #Schoop 1974, #Seelig 1958, Seite 100.
  4. #Schoop 1974, #Kühn 2007.1.
  5. #Schoop 2006.
  6. Historisches Lexikon der Schweiz.
  7. Jochen Schmidt: Grammophonisch. Zum Tod der Tanztherapeutin Trudy Schoop, in FAZ vom 30. Juli 1999, S. 46.
  8. Deutsche Gesellschaft für Tanztherapie
  9. IMDb.
  10. IMDb.
  11. Der Film „zeigt die Arbeit der 88-jährigen Tanztherapeutin Trudi Schoop mit Langzeitpatienten in der Psychiatrie Münsterlingen (Schweiz)“. Siehe Willke Filmproduktion.
  12. Trude Schoop erzählt „über sich und ihre Arbeit in der Psychiatrie, von ihren Erfahrungen mit Normalen und Verrückten, über An- und Einsichten ihres langen Lebens, in dem der Ausdruck des Menschen immer im Mittelpunkt steht.“. Siehe Willke Filmproduktion.
  13. #Seelig 1958, Seite 101-102., #Bx. 1959.
  14. #Seelig 1958, Seite 104.
  15. #Bx. 1959.