Tsanfleurongletscher

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Tsanfleurongletscher
Tsanfleurongletscher von Südwesten, vom Sommet des Diablerets

Tsanfleurongletscher von Südwesten, vom Sommet des Diablerets

Lage Kanton Wallis, Schweiz
Gebirge Berner Alpen
Typ Gebirgsgletscher
Länge 3,1 km (2011)[1]
Fläche 3,3 km² (1998)[2]
Exposition Ost
Höhenbereich 2945 m ü. M. – 2497 m ü. M. (2006)[3]
Neigung ⌀ 10° (18 %) [4]
Eisvolumen 0,21 ± 0,05 km³ (1998)[2]
Koordinaten 583700 / 130089Koordinaten: 46° 19′ 19″ N, 7° 13′ 37″ O; CH1903: 583700 / 130089
Tsanfleurongletscher (Kanton Wallis)
Tsanfleurongletscher
Entwässerung Lachon, Morge, Rhone

Der Tsanfleurongletscher (französisch Glacier de Tsanfleuron, teilweise auch Zanfleuron geschrieben) ist ein Gletscher an der Ostabdachung der Diablerets in den südwestlichen Berner Alpen, im Kanton Wallis. Dieser Plateaugletscher hat eine Länge von 3,1 km[1] und bedeckte im Jahr 1998 eine Fläche von rund 3,3 km².[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tsanfleurongletscher hat seinen Ursprung an einer 3000 m ü. M. hohen Kuppe des Diableretsmassivs. Bei relativ schwacher Neigung fliesst er nach Osten, entlang dem Südfuss des Oldenhorns. Die Gletscherzunge befand sich 2006 auf einer Höhe von rund 2500 m. Gegen Westen hängt der Gletscher mit dem kleinen Diableretsgletscher (französisch Glacier des Diablerets) zusammen, der mit einer Fläche von rund 1 km² den Gipfelbereich der Diableret bedeckt.[5]

Obwohl der Gletscher auf der Europäischen Hauptwasserscheide liegt, fliesst sein Schmelzwassers ausschliesslich über die Morge und die Rhone ins Mittelmeer. Der Weg in die Saane ist durch einen Moränenenwall versperrt.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tsanfleurongletscher ist durch eine Luftseilbahn mit zwei Sektionen von der Passhöhe des Col du Pillon auf den Sex Rouge (2940 m ü. M.) erschlossen. Das Skigebiet Glacier 3000 umfasst mehrere Skilifte und Sesselbahnen. Noch vor einigen Jahren konnte auf dem Gletscher bis weit in den Sommer hinein Skisport betrieben werden. Mittlerweile ist das Skigebiet wegen des schwindenden Gletschers nur noch zwischen Anfangs November und Anfangs Mai geöffnet (Stand 2017).[6]

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tsan bezeichnet im regionalen Patois die am höchsten gelegene Alpweide an der Grenze zum Gebirge, also die am höchsten gelegene blühende Weide.[7]

Kleine Eiszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hochstadium der Kleinen Eiszeit um 1850 reichte der Tsanfleurongletscher mehr als 3 km weiter nach Osten bis in die Region des Sanetschpasses.[8] Da der Gletscher aber nicht ein Tal ausfüllte, war er immer relativ geringmächtig, weshalb sich das Eis hier in den letzten 150 Jahren besonders schnell zurückzog. Dabei hat der Gletscher ein ausgedehntes, glatt poliertes Gesteinsfeld (Lapis de Tsanfleuron) freigegeben, das zahlreiche charakteristische Formen wie Rundhöcker und zum Teil wassergefüllte Mulden und Vertiefungen aufweist und noch kaum von Vegetation bewachsen ist.

Selbst der oberste Teil des Gletschers bleibt heutzutage in vielen Sommern nicht mehr von Firnschnee bedeckt und das Ablationsgebiet erstreckt sich somit über den gesamten Gletscher, womit der Gletscher keinen nennenswerten Nachschub an Eis mehr erhält und bei Fortsetzung der heutigen Tendenz komplett abschmelzen wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich (Hrsg.): Tsanfleurongletscher. In: Schweizerisches Gletschermessnetz. (online, auch als PDF, abgerufen am 4. März 2014).
  2. a b c Daniel Farinotti, Matthias Huss, Andreas Bauder, Martin Funk: An estimate of the glacier ice volume in the Swiss Alps. In: Global and Planetary Change. 68: 225–231, 2009 (online; PDF; 756 kB).
  3. WGMS: Fluctuations of Glaciers Database. World Glacier Monitoring Service, Zurich 2013 (DOI:10.5904/wgms-fog-2013-11), abgerufen am 11. Dezember 2013
  4. Andreas Linsbauer, Frank Paul, Wilfried Haeberli: Modeling glacier thickness distribution and bed topography over entire mountain ranges with GlabTop: Application of a fast and robust approach. In: Journal of Geophysical Research., Band 117, F03007, 2012, doi:10.1029/2011JF002313 (online)
  5. National Snow and Ice Data Center: World Glacier Inventory. Boulder (Colorado, USA) 1999, aktualisiert 2012, doi:10.7265/N5/NSIDC-WGI-2012-02
  6. Wintersport Auf: Glacier 3000
  7. Caroline Fink: Wanderziel Gletscher: Zum endlichen ewigen Eis In: Neue Zürcher Zeitung vom 14. Juli 2017
  8. Tsanfleurongletscher auf der Dufourkarte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]