Tunnel Offenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tunnel Offenburg
Verkehrsverbindung Neu- und Ausbaustrecke Karlsruhe-Basel
Ort Offenburg
Länge 11,2 kmdep1
Anzahl der Röhren 2
Bau
Bauherr Deutsche Bahn
Baukosten 1,18 Mrd. Euro
Fertigstellung 2035Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren (geplant)[1]
Lage
Tunnel Offenburg (Baden-Württemberg)
Red pog.svg
Red pog.svg
Red pog.svg
Koordinaten
48° 31′ 30″ N, 7° 58′ 6″ O
48° 31′ 23″ N, 7° 58′ 4″ O
48° 30′ 8″ N, 7° 57′ 37″ O
48° 30′ 9″ N, 7° 57′ 32″ O
48° 26′ 34″ N, 7° 53′ 58″ O

Der Tunnel Offenburg ist ein geplanter Eisenbahntunnel der Neu- und Ausbaustrecke Karlsruhe-Basel in Offenburg. Er betrifft den Abschnitt zwischen den Streckenkilometern 139,5 und 151,3.[2]

Der Tunnel soll für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ausgelegt werden und zwei Röhren umfassen, von denen die westliche Tunnelröhre eine Länge von 8,8 km und die östliche eine Länge von 11,2 km aufweisen soll.[2] Er wäre damit der längste Tunnel Deutschlands.

Das Bauwerk soll das Stadtgebiet von Offenburg unterqueren und dabei den Bahnhof Offenburg umgehen. Der Tunnel soll nur für Güterzüge genutzt werden, wobei die Personenzüge weiter oberirdisch über den Bahnhof Offenburg und die bisherige Rheintalbahn-Trasse verlaufen sollen.[3]

Die Tunnelröhren sollen überwiegend mit zwei Tunnelvortriebsmaschinen gebaut werden, wobei sich nördlich und südlich Abschnitte in Offener Bauweise anschließen.[4][5] Beide Tunnelröhren verzweigen sich im Norden und schließen an die Strecken 4000 und 4280 der Neu- und Ausbaustrecke Karlruhe-Basel höhenfrei an.

Der Tunnel ist Teil des Planfeststellungsabschnitts 7.1 des Projekts Neu- und Ausbaustrecke Karlsruhe-Basel. Nach aktuellem Planungsstand werden die nördlichen Tunnelportale südlich der Bundesstraße B 28 (Oströhre) und im Offenburger Güterbahnhof (Weströhre) liegen. Im Süden enden beide Tunnelröhren auf Höhe des Gewerbegebiets an der Autobahn A 5.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine von der Bahn zunächst geplante oberirdische Streckenführung („Trasse A3“) stellte sich 2013 als nicht genehmigungsfähig heraus. Dadurch verschärfte sich die Forderung nach einem Tunnel.[7] Bereits zuvor war ein Güterzugtunnel für Offenburg von verschiedenen Seiten gefordert worden.[8] Mögliche Tunnelvarianten waren schon 2011 von einem Planungsbüro untersucht worden. Als Ergebnis der Voruntersuchungen wurden drei Trassenvarianten erarbeitet.[4]

2014 lag die geplante Tunnellänge bei 7 km, die Entwurfsgeschwindigkeit bereits bei 120 km/h.[9] Auf einer Länge von etwa 6,7 km war ein bergmännischer Vortrieb vorgesehen. Der Tunnel sollte im Norden etwa auf Höhe der Bachstraße im Offenburger Stadtteil Bohlsbach beginnen und südlich der Schutterwalder Straße (L 99), direkt neben der Autobahn A 5 wieder an die Oberfläche treten.

Am 26. Juni 2015 sprach sich der Projektbeirat für den Tunnel Offenburg aus.[10] Der Tunnel ist eine von mehreren Maßnahmen, die der Projektbeirat Rheintalbahn auf seiner zehnten und letzten Sitzung beschloss. Die beschlossenen Änderungen an der bestehenden Planung im Umfang von zwei Milliarden Euro sollen dazu beitragen, einen über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehenden Lärmschutz zu realisieren.[11]

Nach dem Beschluss des Projektbeirats gab das Bundesverkehrsministerium Mittel für die Leistungsphase 1 (einschließlich Grundlagenermittlung) frei.[12]

Die Deutsche Bahn rechnet mit der Inbetriebnahme nicht vor 2035.[13] Zuvor war mit der Inbetriebnahme offiziell noch für 2029 gerechnet worden. Kurzfristig sollen mehr als 2100 Wohneinheiten im Rahmen einer freiwilligen Lärmsanierung besser vor Bahnlärm geschützt werden. Die Bürgerinitiative Bahntrasse sieht darin eine Kriegserklärung an die Bevölkerung.[14]

Am 28. Januar 2016 beschloss der Deutsche Bundestag den Bau und die Finanzierung des Tunnels.[15] Am 26. März 2016 schrieb die Deutsche Bahn Planungsleistungen für den Tunnel und daran anschließende oberirdische Streckenbereiche europaweit aus. Eine Grundlagenermittlung und Vorplanung (Leistungsphasen 1 und 2) sollten von Januar 2017 bis Ende August 2018 erstellt werden. Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung (Leistungsphasen 3 und 4) war als Option, von September 2018 bis Ende Juni 2024 vorgesehen, die Ausführungsplanung von 2025 bis 2036 geplant. Die Vergabe der Bauaufträge war zwischen Ende Juni 2024 und Ende September 2025 vorgesehen.[16]

Am 29. November 2016 fand eine erste Informationsveranstaltung für Anwohner statt. Planungsleistungen sollten noch 2016 vergeben werden.[17] Die Vorplanung wurde im Januar 2017 begonnen. Auf der Grundlage der Machbarkeitsstudie sollen dabei verschiedene Varianten für den Tunnel und dessen Einbindung entwickelt werden. Die Vorplanung soll in der 2. Jahreshälfte 2019 vorliegen.[18] Sie soll 2020 abgeschlossen werden.[17] Nach neueren Angaben soll die Vorplanung bereits Ende Juni 2018 vom Generalunternehmer übergeben werden.[19]

Kosten und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kosten für einen Tunnel in Offenburg sind in der Kostenschätzung der Deutschen Bahn für das Gesamtprojekt von 6,172 Milliarden Euro (Stand: 2013) noch nicht berücksichtigt.[12]

Die Kosten für den Tunnel sollen 1,18 Milliarden Euro betragen (Stand 2015) und vollständig vom Bund getragenen werden.[11][20][21]

Die voraussichtlichen Planungskosten für den Tunnel werden grob mit 80 bis 100 Millionen Euro beziffert.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tunnel Offenburg, Kurzbeschreibung. In: Aus- und Neubaustrecke Karlsruhe-Basel. DB Netze, abgerufen am 15. Juni 2018.
  2. a b Entwurfsplan Tunnel Offenburg. In: www.karlsruhe-basel.de/kurzbeschreibung-tunnel-offenburg.html. 25. Mai 2018, abgerufen am 15. Juni 2018.
  3. Steuerzahler müssen Untertunnelung Offenburgs zahlen. In: welt.de, 26. Juni 2015
  4. a b DB Netz AG, Großprojekt Karlsruhe–Basel: ABS/NBS Karlsruhe–Basel, StA 7, Informationsveranstaltung für den Tunnel Offenburg. DB Netz, 5. Juni 2018, abgerufen am 14. Juni 2018 (PDF).
  5. Franz Schmider: Unter Offenburg werden 20 Kilometer Tunnel gebaut – für die Güterzüge. In: badische-zeitung.de. 6. Juni 2018, abgerufen am 14. Juni 2018.
  6. Rembert Graf Kerssenbrock: Bahn stellt Planung für Offenburger Tunnel vor: Erste Röhre beginnt bereits bei Appenweier. In: Stadtanzeiger Ortenau. 5. Juni 2018, abgerufen am 15. Juni 2018.
  7. Streit um Kosten für den Tunnel; in: Badische Zeitung vom 2. März 2013
  8. Offener Brief zum Bahntunnel zur Umfahrung von Offenburg; in: www.bund-offenburg.de vom 28. April 2012
  9. Projektbeirat Rheintalbahn tagte in Berlin. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 14. Juli 2014, abgerufen am 18. Juli 2015 (Presseinformation 054/2014).
  10. Weichen für die Zukunft gestellt. In: DB Netz AG (Hrsg.): Karlsruhe–Basel im Fokus. Nr. 2, 2015, S. 1 f. (PDF-Datei).
  11. a b Michael Petersen: Lärmschutz für alle an der Rheintalbahn. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 145, 27. Juni 2015, S. 27 (online).
  12. a b Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Kerstin Andreae, Stephan Kühn (Dresden), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/4878 – Menschenfreundlicher und umweltgerechter Ausbau der Rheintalbahn. Band 18, Nr. 5037, 28. Mai 2015, ISSN 0722-8333, S. 3, 9 (PDF-Datei).
  13. Tunnel Offenburg, Kurzbeschreibung. In: Aus- und Neubaustrecke Karlsruhe-Basel. DB Netze, abgerufen am 15. Juni 2018.
  14. a b Helmut Seller, Franz Schmider und Hubert Röderer: Bahnlärm bleibt Offenburg bis 2035 erhalten. In: Badische Zeitung. 28. Januar 2015, S. 8 (online).
  15. Bürger feiern Bundestagsbeschluss zum Bahnausbau: Tunnelfinanzierung ist gesichert!; in: offenburg.de vom 28. Januar 2016
  16. Deutschland-Frankfurt am Main: Dienstleistungen im Eisenbahnbau. Dokument 2016/S 061-106060. In: Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union. 26. März 2016, abgerufen am 27. März 2016.
  17. a b Planungen für Tunnel Offenburg gestartet. Deutsche Bahn AG, 30. November 2016, abgerufen am 19. Dezember 2016 (PDF).
  18. Vorplanung gestartet. In: DB Netz AG (Hrsg.): Karlsruhe–Basel im Fokus. Nr. 1, März 2017, S. 3 (PDF-Datei).
  19. Deutschland-Frankfurt Main: Dienstleistungen im Eisenbahnbau. Dokument 2018/S 063-141049. In: Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union. 30. März 2018, abgerufen am 31. März 2018 (deutsch).
  20. Armin Käfer: „Die Zufriedenheit der Anwohner hängt vom Land ab“. In: Stuttgarter Zeitung. 23. Juni 2015 (online).
  21. Wolfgang Voigt: Durchbruch bei der Rheintalbahn. In: Badische Neueste Nachrichten. 27. Juni 2015, S. 5.