Tupoka Ogette

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Tupoka Ogette (* 1980 in Leipzig) ist eine deutsche Antirassismus-Trainerin, Bürgerrechtlerin, sowie Bestseller[1]-Autorin. Sie arbeitet in der rassismuskritischen Bildungsarbeit.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tupoka Ogette wurde 1980 in Leipzig als Tochter eines tansanischen Studenten der Landwirtschaft und einer deutschen Mathematikstudentin geboren. Bis zu ihrem achten Lebensjahr lebte sie in Leipzig. 1988 floh sie mit ihrer Mutter kurz vor der Wende nach Westberlin, wo sie bis zu ihrem Abitur lebte. Ihr Vater musste Deutschland nach dem Studium verlassen; er lebt in Tansania.[2]

Von 2001 bis 2007 studierte Ogette Afrikanistik mit Schwerpunkt Politik und Wirtschaft Afrikas und Deutsch als Fremdsprache an der Universität Leipzig. Ihre Magisterarbeit schrieb sie zum Thema Evaluation von Entwicklungszusammenarbeitsprojekten in Namibia und Südafrika.

Von 2006 bis 2007 war sie in Tansania als interkulturelle Mediatorin und Wahlkampfassistentin aktiv. Von 2007 bis 2009 absolvierte sie ihren Master of International Business an der Graduate School of Business in Grenoble, Frankreich. Von 2008 bis 2012 arbeitete sie als Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Université Stendhal in Grenoble. Lektorate werden ausschließlich auf Antrag einer ausländischen Hochschule und in Absprache mit dem Auswärtigen Amt eingerichtet. Dort lehrte sie unter anderem Deutsch als Fremdsprache, Business-Deutsch, interkulturelle Kompetenz, interkulturelles Management und Projektmanagement. Weiterhin organisierte sie Konferenzen, Workshops, Tagungen, Studentenaustauschprogramme und Ausstellungen im Kontext interkultureller Hochschulaustausch zwischen Deutschland und Frankreich. Ogette ist auch als Journalistin tätig und veröffentlicht unter anderem in der Zeitschrift MiGAZIN.[3]

Sie ist verheiratet mit dem Künstler und Bildhauer Stephen Lawson. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 ist Ogette bundesweit als Expertin für Vielfalt und Antidiskriminierung tätig. In dieser Funktion leitet sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz Workshops, Fortbildungen, tritt als Speakerin auf, berät Individuen, Teams und Organisationen und begleitet Menschen auf einer rassismuskritischen Reise. Sie führt zudem Sensibilisierungen zu den Themen Alltagsrassismus, struktureller Rassismus, AntiBias, Intersektionalität und Empowerment durch.

Im März 2017 erschien ihr Handbuch exit Racism. Rassismuskritisch denken lernen.[4] Das Buch beschäftigt sich mit Rassismus, dessen Geschichte und Wirkungsweisen und versteht sich als lesbarer Workshop, um rassismuskritisches Denken und Handeln zu erlernen. Das im Unrast Verlag veröffentlichte Buch erhielt positive Rezensionen[5][6][7], lag 2019 bereits in der 5. Auflage vor und prägte maßgeblich die rassismuskritische Bildungsarbeit.[8][9] Besonders im Zuge der Antirassimusproteste nach der Tötung des schwarzen US-Amerikaners George Floyd durch die Polizei wird das Buch als Einführungswerk zur Beschäftigung mit Rassismus für Nichtbetroffene empfohlen[10][11][12][13][14][15], sodass im Juni 2020 die 7. Auflage erschien.[16] Das Buch erschien im April 2020 auch als digitales Hörbuch[17]

Auf dem Album Platz an der Sonne der Hip-Hop-Kombo BSMG (Megaloh, Ghanaian Stallion und Musa) gibt es einen Ausschnitt aus einem Interview von Tupoka Ogette.

Seit 2019 betreibt sie zudem den Podcast TuPodcast – Gespräche unter Schwestern, in dem sie mit schwarzen Frauen über verschiedene gesellschaftspolitische Themen spricht.[18][19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2019 wurde sie vom Magazin Edition F als eine der 25 einflussreichsten Frauen des Jahres ausgezeichnet. Die Jury hob hervor, dass Ogette „in über 500 Workshops, Beratungen, Tagungen und Vorträgen bisher bereits um die 10.000 Menschen erreichen [konnte].“[20] Vom Spiegel Online wurde Ogette als eine von zehn Frauen in den Bildungskanon zum Thema Theorie und Politik aufgenommen.[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. buchreport. Abgerufen am 20. Oktober 2020 (deutsch).
  2. Daniel Schulz: „Ich war nie das Volk“. In: Die Tageszeitung: taz. 2. November 2019 (taz.de [abgerufen am 27. Januar 2020]).
  3. Tupoka Ogette im MiGAZIN, abgerufen am 10. April 2018.
  4. UNRAST Verlag | exit RACISM. Abgerufen am 17. März 2020.
  5. Selina Staniczek: Happyland’s End. (PDF) In: konkret. 20. September 2017, abgerufen am 10. April 2018.
  6. Reinhild Khan: exit RACISM. In: ekz.bibliotheksservice. 12. Juni 2017, abgerufen am 10. April 2018.
  7. Claudia Schneider: exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen. (PDF) In: EfEU. März 2018, abgerufen am 10. April 2018.
  8. Bayerischer Rundfunk Malcolm Ohanwe: "Exit Racism" von Tupoka Ogette: Diese Antirassismus-Expertin solltest du kennen. 17. Oktober 2019 (br.de [abgerufen am 27. Januar 2020]).
  9. Aminata Touré: „Im Profil“ im Ostholsteiner Anzeiger. 18. September 2019, abgerufen am 27. Januar 2020.
  10. Malcolm Ohanwe, Kofi Shakur, Aylin Karabulut, Susan Barth bento: Drei Bücher gegen Rassismus, die du lesen solltest. Abgerufen am 8. Juni 2020.
  11. Einfach nur raus! Abgerufen am 8. Juni 2020.
  12. Antirassismus-Trainerin Tupoka Ogette - Wie wir mit unseren Kindern über George Floyd sprechen können. Abgerufen am 8. Juni 2020 (deutsch).
  13. Andreas Austilat, Julia Weiss, Kevin P. Hoffmann, Annette Kögel, Angie Pohlers, Leonard Brandbeck: „Ich kann mich hier nicht frei bewegen“. In: tagesspiegel. Abgerufen am 8. Juni 2020.
  14. Alexander Moritz: Soziologin zur deutschen Debatte über Rassismus - "Die ständigen Ausreden bin ich leid". In: Deutschlandfunk Kultur. Deutschlandfunk, abgerufen am 8. Juni 2020 (deutsch).
  15. Elisa Eberle: „Wir alle unterliegen bestimmten Rassismen“. In: weser-kurier.de. Abgerufen am 8. Juni 2020.
  16. Pressemitteilung zur 7. Auflage von exit RACISM. UNRAST Verlag, abgerufen am 8. Juni 2020.
  17. EXIT RACISM. Abgerufen am 4. Juli 2020.
  18. Tupoka Ogette: Tupodcast. Abgerufen am 27. Januar 2020.
  19. Tupoka Ogette: tupodcast. Abgerufen am 17. März 2020.
  20. Redaktion Edition F: Die 25 Frauen, die mit ihrer Stimme unsere Gesellschaft bewegen. In: EDITION F. 16. Mai 2019, abgerufen am 27. Januar 2020.
  21. Sibylle Berg: Bildungskanon: Welche Frauen man heute kennen muss. Der Spiegel, abgerufen am 27. Januar 2020.