UN-Weltfrauenkonferenz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die UN-Weltfrauenkonferenz ist eine Veranstaltung zum Thema „Frauen“, die von den Vereinten Nationen (UN) im Prinzip alle fünf Jahre durchgeführt werden sollte. Die erste Weltfrauenkonferenz fand 1935 unter der Leitung von Kemal Atatürk in Istanbul statt, die erste UN-Weltfrauenkonferenz im ersten Internationalen Jahr der Frau 1975 in Mexiko-Stadt.

Mexiko-Stadt, 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Internationalen Jahr der Frau fand in Mexiko-Stadt erstmals eine UN-Weltfrauenkonferenz statt. Delegierte aus 133 Ländern diskutieren über „Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“. Es wurde ein „Welt-Aktionsplan“ verabschiedet mit dem Ziel, die Stellung der Frau weltweit zu verbessern. Der Welt-Aktionsplan wurde von der UN-Generalversammlung übernommen und die Jahre 1976–1985 als „UN-Dekade der Frau“ festgelegt.[1]

Auf der Konferenz zeigten sich grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen zivilgesellschaftlichen Frauenorganisationen aus aller Welt: So warfen etwa Vertreterinnen aus Lateinamerika und Afrika Feministinnen aus den USA und Westeuropa eine zu starke Fokussierung auf das Thema Schwangerschaftsabbrüche vor. Dabei wurde nicht zuletzt die Heterogenität der Lebenswelten der Aktivistinnen deutlich; viele plädierten vor dem Hintergrund der Verhältnisse in ihren Heimatländern stärker für die Konzentration auf die Themen Entwicklung und Frieden. Lateinamerikanische Vertreterinnen prangerten in diesem Sinne das Verschwindenlassen von Menschen unter den Militärdiktaturen an, während Afrikanerinnen sich vor allem Frieden für den eigenen Kontinent wünschten. Dennoch standen das heterogene Meinungsspektrum innerhalb der Frauenrechtlerinnen wie auch die Realitäten des Kalten Krieges einer allgemein zu verzeichnenden Bedeutungssteigerung der Thematik der Frauenrechte auf internationalem Parkett kaum entgegen.[1]

Als Folge der Konferenz wurde 1976 der Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM) mit dem Ziel gegründet, die Situation und den Lebensstandard von Frauen in Entwicklungsländern über konkrete Investitionen und über den Gesetzesweg zu verbessern. 1979 wurde die auf der Konferenz entworfene Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women CEDAW) in leicht veränderter Form von der Generalversammlung angenommen.

Kopenhagen, 1980[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der UN Mid-Decade World Conference on Women (Weltkonferenz in der Mitte der Dekade) in Kopenhagen, Dänemark, nahmen über 1300 Delegierte aus 145 Ländern teil, um über die Umsetzung der in Mexiko-Stadt verabschiedeten Resolutionen und Aktionspläne zu diskutieren. Parallel zur offiziellen Konferenz fand ein NGO-Forum statt.

Nairobi, 1985[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Dritten UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi (Kenia) nahmen 1400 offizielle Delegierte aus 157 Ländern teil. Es wurde ein Papier Forward-Looking Strategies angenommen als Aktionsplan für die Umsetzung der Beschlüsse von Mexiko-Stadt und Kopenhagen bis zum Jahr 2000.

Peking, 1995[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Vierten UN-Weltfrauenkonferenz vom 4. bis 15. September 1995 und dem parallel dazu stattfindenden NGO-Forum in Peking nahmen 47.000 Teilnehmerinnen, darunter 6000 offizielle Delegierte aus 189 Ländern teil. Die Konferenz stand unter dem Motto „Handeln für Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“. Insbesondere das kulturell und traditionell unterschiedliche Verständnis von Frauenrechten wurde heftig und kontrovers diskutiert. Das Ergebnis der Diskussionen war ein Forderungskatalog, die so genannte Aktionsplattform, die mithilfe von Nichtregierungsorganisationen (NGO) ausgearbeitet und von 189 Staaten im Konsens verabschiedet wurde. Darin verpflichteten sich die Unterzeichnerstaaten insbesondere, die Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen der Gesellschaft (Politik, Wirtschaft und Gesellschaft) zu fördern, die Rechte der Frauen zu schützen, die Armut von Frauen zu bekämpfen, Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung zu verfolgen und geschlechtsspezifische Unterschiede in der Gesundheitsversorgung und im Bildungssystem abzubauen. Um die Umsetzung der Aktionsplattform zu überwachen, wurde bei den Vereinten Nationen eine „Abteilung zur Förderung der Frau“ eingerichtet.[2]

Die Abschlusserklärung der Weltfrauenkonferenz in Peking sowie die Erklärung der Konferenz in Nairobi zehn Jahre zuvor werden als Vorläufer der für die Frauenrechte wichtigen UN-Resolution 1325 aus dem Jahr 2000 gesehen, die als Meilenstein zur Ächtung sexueller Kriegsgewalt gegen Frauen und Mädchen gilt.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Rita Schäfer: Resolution des UN-Sicherheitsrats zu Frauen, Frieden und Sicherheit (2000). In: Quellen zur Geschichte der Menschenrechte. Herausgegeben vom Arbeitskreis Menschenrechte im 20. Jahrhundert. September 2016, abgerufen am 6. März 2020.
  2. Vereinte Nationen (UN): Bericht der vierten Weltfrauenkonferenz (Beijing, 4.–15. September 1995). in UN.org. 17. Oktober 1995, abgerufen am 6. März 2020 (in Übersetzung).