Ulrich Albrecht

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Ulrich Albrecht (* 30. Januar 1941 in Leipzig; † 26. Dezember 2016 in Berlin) war ein international bekannter deutscher Friedensforscher und Hochschullehrer. Er beschäftigte sich mit technischen Entwicklungen im Rüstungsbereich, der Dynamik von Rüstungswettläufen und Rüstungskontrollbemühungen, sowie den Auswirkungen von Rüstung und Militär auf Staaten und die Lebensbedingungen von Menschen. Er verband dabei Ingenieurwissenschaften und politologische Friedensforschung und legte damit Grundlagen für eine naturwissenschaftliche Friedensforschung.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Albrecht absolvierte zunächst in Hamburg ein Ingenieurstudium für Flugzeugbau und wirkte dort auch als Vertrauensstudent der Evangelischen Studentengemeinde. In Stuttgart promovierte er 1970 über den weltweiten Waffenhandel. 1972 wurde er Professor für Friedens- und Konfliktforschung am Otto-Suhr-Institut und war 1982/1983 Vizepräsident der Freien Universität Berlin. In den frühen 1970er-Jahren begründete er die Studiengruppe Militärpolitik mit. In den 1980er-Jahren kritisierte er die mit dem NATO-Doppelbeschluss verbundene sogenannte Nachrüstung und setzte sich für Rüstungskonversionsprojekte ein. Nach dem Machtwechsel in der DDR arbeitete er 1990 als Leiter des Planungsstabes des dortigen Außenministers Markus Meckel und versuchte dabei, seine friedenspolitischen Vorstellungen umzusetzen. Von 1971 bis 1973 und von 1998 bis 2002 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung. Viele Jahre saß er im Beirat der Zeitschrift Wissenschaft und Frieden und unterstützte auch die Zeitschrift Antimilitarismus-Information (ami). Er engagierte sich langjährig in den Pugwash-Konferenzen, worin sich Naturwissenschaftler und Sozialwissenschaftler gemeinsam für Frieden und Abrüstung einsetzten, und die 1995 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden. In der Evangelischen Kirche wirkte er außerdem aktiv in der Synodenarbeit.

Durch einen Schlaganfall im Sommer 2001 blieb er die letzten 15 Jahre seines Lebens zum Teil gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Dennoch setzte er bis 2005 seine Arbeit als Hochschullehrer fort, musste dann aber vorzeitig in den Ruhestand wechseln.[1][2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Albrecht: Die Abwicklung der DDR. Die „2+4-Verhandlungen“. Ein Insider-Bericht. Westdeutscher Verlag, Opladen 1992, ISBN 978-3-531-12322-6.
  • Ulrich Albrecht: Rüstung in der Konversion? Die aktuellen Entwicklungen beim Wandel von Beschäftigungsverhältnissen in der Rüstungsindustrie und bei den Streitkräften in Europa. In: Beiträge zur Konversionsforschung. Band 1. Lit, Münster, Hamburg 1994, ISBN 978-3-486-24572-1.
  • Ulrich Albrecht: Internationale Politik. Einführung in das System internationaler Herrschaft. Oldenbourg, München, Wien 1999, ISBN 978-3-486-24572-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Das OSI nimmt Abschied von Ulrich Albrecht (PDF). In: www.polsoz.fu-berlin.de. Januar 2017, abgerufen am 11. März 2017.
  2. a b Ute Finckh-Krämer: Nachruf Ulrich Albrecht. In: FriedensForum, Heft 2/2017. 2017, ISSN 0939-8058, S. 23.