Unionviertel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das Unionviertel an der Rheinischen Straße. Zur ehemaligen Unionvorstadt im heutigen Hafengebiet siehe dort.
Logo Unionviertel

Das Unionviertel ist ein Stadtviertel im Westen der Dortmunder Innenstadt.

Es gehört zum Stadtumbauprogramm Rheinische Straße. Seit 2012 wird mit einer Imagekampagne versucht, den Namen Unionviertel auf das gesamte Stadtumbaugebiet Rheinische Straße bzw. den Statistischen Bezirk Dorstfelder Brücke auszudehnen und das Viertel als Kreativquartier zu beleben. Lange Zeit war die Gegend um das Dortmunder U und entlang der Rheinischen Straße durch den Strukturwandel von Leerstand und sozialen Verwerfungen geprägt. Mittlerweile füllen sich Leerstände mit neuen Angeboten und das Areal erfreut sich auch als Wohnquartier für Künstler, Kreative und Studenten einer steigenden Nachfrage.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unionviertel liegt im Stadtbezirk Innenstadt-West und gehört dort zum Statistischen Bezirk Dorstfelder Brücke. Es erstreckt sich auf einer Fläche von 155 ha entlang der Rheinischen Straße zwischen dem Westentor am Dortmunder Wallring im Osten und der Emscherbrücke im Westen. Die südliche Grenze bildet die Bahntrasse, in nördlicher Richtung wird das Viertel von industriellen Produktionsstätten (ThyssenKrupp, HSP) auf dem Gelände der ehemaligen Dortmunder Union begrenzt. Das Viertel fungiert durch seine Lage als Bindeglied zwischen dem bürgerlichen Kreuzviertel (Dortmund) im Süden und der Nordstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheinische Straße
Stadtumbaugebiet Rheinische Straße

Die Zeit der Industrialisierung brachte Dortmund gegen Mitte des 19. Jahrhunderts einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. Durch den starken Bevölkerungswachstum entstand entlang der Ausfallstraßen aus der Innenstadt und nahe der Industrieanlagen eine umfangreiche Wohnbebauung. Die gründerzeitlichen Bauten waren durchsetzt mit Gewerbe der unterschiedlichsten Art, oft in den Hinterhöfen der Gebäude. Zumeist waren es Kaufleute und Kleinunternehmer, die die Häuser bauten. Aufgrund der großen Nachfrage und den insgesamt schlechten Lebens- und Umweltbedingungen rund um die Industrieanlagen wurde 1893 wurde der Spar- und Bauverein gegründet welcher einen genossenschaftliche Wohnungsbau forcierte. Bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts waren im Quartier mehrere moderne genossenschaftliche Wohnkomplexe u.a in der Adler-, Lange- und Paulinenstraße gebaut. Ab 1900 siedelten sich verstärkt verschiedene Brauerei entlang der Rheinischen Straße im Viertel. Am Westentor stand die Dortmunder Union-Brauerei mit ihrem 1926 errichteten Turmbau (Dortmunder U) und „erdrückte“ optisch die daneben gelegene Lindenbrauerei. Westlich folgte die Dortmunder Ritter Brauerei, die Germania-Brauerei und an der Dorstfelder Brücke gelegen die Dortmunder Actien-Brauerei. Im Volksmund war die Rheinische Straße auch als „Straße des Bieres“ und „Biermeile“ bekannt.

Aufgrund seiner Lage zwischen den großen Industrieanlagen wurde das Viertel im 2. Weltkrieg stark zerstört. Ein großer Teil der Gebäude entlang der Rheinischen Straße und rund um das Dortmunder U wurde zerstört und teilweise modern oder nicht wieder aufgebaut. Im westlichen Abschnitt des Viertels ist die Bebauungsstruktur jedoch stark divergent und besitzt ab der Dorstfelder Brücke einen hohen Altbauanteil.

Mit dem Niedergang prägenden Industrien Mitte der 1970er Jahre kam es zu einem langsamen Niedergang des Viertels. Der mit dem Strukturwandel verbundene Stadtumbau hat aber in den letzten Jahren zu einer Revitalisierung des Quartiers geführt, das wieder eine steigende Attraktivität besitzt. Aufgrund der günstigen Mieten, der günstigen Verkehrsanbindung und seiner städtebaulichen Struktur mit einem hohen Bestand an Jugendstilbauten entwickelte sich das Unionviertel zu einem attraktiven Umfeld für Künstler, Kreative, innovative Gründer und Studenten.

Wohnungen und Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgebäude Union

Die Wohnbaubauung westlich der Dorstfelder Brücke in dem Statistischen Unterbezirk Union umfasst circa 150 Wohngebäude mit über 900 Wohnungen, die sich größtenteils in Privateigentum befinden, zwei Drittel sind Einpersonenhaushalte. Während im Osten Blockrandbebauung mit gründerzeitlichen Fassaden vorherrscht, lockert sich die Gebäudestruktur Richtung Westen auf, die meisten Gebäude wurden vor 1949 errichtet. Die Leerstandsquote lag Ende 2009 mit 9,4 Prozent deutlich über dem Durchschnittswert der Stadt Dortmund (3,6 %).

Im Union Gewerbehof an der Huckarder Straße hat sich mit Hilfe von Anschubfinanzierungen aus der Eigeninitiative arbeitsloser Menschen ein vitaler Standort für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Alle Objekte sind vermietet, circa 60 Unternehmen beschäftigen 190 Mitarbeiter. Die Stadt Dortmund will den Standort durch Umwandlung von Wohnungen in Gewerbeflächen weiter ausbauen. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Studentenwohnungen im Stadtteil, verwirklicht sich diese Strategie allerdings nicht.

Die St. Anna Kirche und das ehemalige Verwaltungsgebäude Union liegen im Stadtviertel. Ab 2018 soll das Gebäude in ein Vier-Sterne-Hotel mit 210 Zimmern auf einer Fläche von rund 15.500 Quadratmetern umgewandelt werden. [1]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Wohnbebauung

Die Bevölkerung im Stadtbezirke ist verhältnismäßig jung, der Anteil der unter-40-Jährigen beträgt 63 Prozent (Stadtbezirk Innenstadt-West sonst 50 %). Die stärkste Altersgruppe sind die 18- bis 29-Jährigen mit 27 Prozent. Der Anteil der Ausländer beträgt 41 Prozent (Stadtbezirk 15 %). Anfang 2009 waren 31 Prozent der Bevölkerung sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Stadtbezirk 46 %) und 25 Prozent arbeitslos (Stadt Dortmund circa 12,5 %).

Ein katholischer und ein städtischer Kindergarten decken die Betreuung von Kleinkindern ab; der Standort Beuthstraße 21 der Tremoniaschule, einer städtischen Förderschule, wurde im Frühjahr 2012 geschlossen. Alle weiteren schulischen Angebot befinden sich außerhalb. Weitere soziale Einrichtungen sind das Zentrum für Gehörlosenkultur und eine Produktionsschule als Bildungseinrichtung für benachteiligte Jugendliche. Treffpunkte mit Beratung werden vom Familienzentrum des katholischen Kindergartens, dem tamilischen Verein, dem Moscheeverein und der polnischen Mission angeboten. In der Beuthstraße 21 ist inzwischen das Haus der Vielfalt untergebracht. Dort befinden sich viele Migrantenorganisationen Dortmunds.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Südrand des Unionviertels befindet sich der Bahnhof Dortmund West, an dem die zwischen Dortmund-Lütgendortmund und Unna verkehrende S-Bahn-Linie S 4 hält.

Auf der Rheinischen Straße verkehren die Stadtbahnlinien U 43 und U 44 mit den Haltestellen Ottostraße, Ofenstraße, Heinrichstraße, Unionstraße und Westentor.

Zusätzlich wird das Viertel durch die Buslinien 452 und 453 der DSW21 erschlossen.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dortmund Project: Umbau Hoesch Verwaltung. Abgerufen am 2016-16-11.

Koordinaten: 51° 30′ 43″ N, 7° 25′ 59″ O