Dorstfeld

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Koordinaten: 51° 30′ 46″ N, 7° 25′ 27″ O

Dorstfeld
Stadt Dortmund
Höhe: ca. 80 m
Fläche: 6,12 km²
Einwohner: 15.395 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.514 Einwohner/km²
Eingemeindung: 10. Juni 1914
Postleitzahlen: 44147, 44149, 44379
Vorwahl: 0231
Statistischer Bezirk: 03
Stadtbezirk Aplerbeck Stadtbezirk Brackel Stadtbezirk Eving Stadtbezirk Hombruch Stadtbezirk Hörde Stadtbezirk Huckarde Stadtbezirk Innenstadt-Nord Stadtbezirk Innenstadt-Ost Stadtbezirk Innenstadt-West Stadtbezirk Lütgendortmund Stadtbezirk Mengede Stadtbezirk ScharnhorstKarte
Über dieses Bild
Lage von Dorstfeld in Dortmund
Gebäude der Zeche Dorstfeld, Schacht 2/3
Katholische St. Barbarakirche Dortmund Dorstfeld
Denkmal zur Erinnerung an die Synagoge Dortmund Dorstfeld

Dorstfeld ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Innenstadt-West und liegt im Westen von Dortmund. Im Norden grenzt Dorstfeld an Wischlingen bzw. Huckarde, im Westen an Marten, im Südwesten an Oespel, im Süden an Barop und die Technische Universität Dortmund und im Osten an die Innenstadt.

Geschichte und Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtraum Dorstfelder Hellweg

Dorstfeld wurde um 880 in einem Werdener Urbar als dorstidfelde erwähnt.[2] Eine spätere Variante des Ortsnamens ist Durstveld. Der Hellweg wurde für den Ort als Dorstfelder Helewege bereits 1345 urkundlich genannt. Dorstfeld lag am Übergang der Handelsstraße über die Emscher.

Diese zu den meisten Zeiten vorteilhafte Lage hatte während der Großen Dortmunder Fehde auch eine andere, strategische und zerstörerische Seite. Die Emscher war bei Dorstfeld Grenze zwischen Dortmund und der Grafschaft Mark. Bereits 1388, mit Beginn der Fehde, ließ daher Graf Engelbert III. von der Mark eine als Burg beschriebene Befestigungsanlage in Dorstfeld errichten. Dazu ließ er nicht nur die Emscherbrücke zerstören, sondern auch gleich noch eine Mühle und das steinerne Straßenpflaster, um das Material für den Bau nutzen zu lassen. Die Befestigung wurde allerdings im Januar 1390 nach dem Ende der Fehde durch die Truppen der Dortmunder Bürger geschleift.

Dortmunder Truppen hatten allerdings auch schon während der Belagerung ihrer Stadt Vorstöße in das Umland unternommen. Dabei brandschatzten und plünderten sie die Dörfer in der Umgebung. Dorstfeld wurde gleich zweimal so überfallen, im Frühling und im Herbst 1389.

Bedeutend war für die Entwicklung Dorstfelds das Jahr 1840. Damals verlegte Bürgermeister Wegmann den Verwaltungssitz des Amtes Lütgendortmund nach Dorstfeld. 1886 wurde das Amt Dorstfeld mit den Gemeinden Dorstfeld, Huckarde, Marten, Rahm und Wischlingen selbständig. Die Bevölkerungszahl war im Zuge der Industrialisierung stark angewachsen. Doch bereits wenige Jahrzehnte später, am 10. Juni 1914, wurde Dorstfeld in die Stadt Dortmund eingemeindet.[3]

Ein wichtiges Ereignis der Entwicklung deutscher Gewerkschaften ist mit Dorstfeld verbunden. Am 18. August 1889 gründeten im Gasthof Ziegler 200 Delegierte von 66 Zechen in Dorstfeld den Verband zur Wahrung und Förderung der bergmännischen Interessen in Rheinland und Westfalen. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Friedrich Bunte gewählt. Er war während des vorangegangenen Bergarbeiterstreiks als Deputierter der Arbeiter bei Kaiser Wilhelm II. gewesen.

Im Straßenbild erinnert in Dorstfeld viel an die Bergbauvergangenheit des Stadtteils. Bis zur Stilllegung im Jahre 1963 war die Zeche Dorstfeld größter Arbeitgeber vor Ort. Heute erinnern Bergehalden, Zechenkolonien und die heute zur Volkshochschule Dortmund gehörenden Verwaltungs- und Kauengebäude an die Bergbaugeschichte. Dorstfeld war Standort des Maschinenbauunternehmens Orenstein & Koppel. Seit 1967 befindet sich nördlich des Dorstfelder Hellwegs der Straßenbahnbetriebshof der Dortmunder Stadtwerke DSW21, welcher im Jahre 1996 vergrößert und erneuert (Stadtbahn-Hauptwerkstatt) wurde.

In den 1970er Jahren war Dorstfeld Schauplatz von Hausbesetzungen. Rund um die Wörthstraße wurden zu dieser Zeit von meist studentischen Bewohnern Häuser besetzt, um einer Kahlschlagsanierung entgegenzuwirken. In den 1980er Jahren gab es einen großen Altlastenskandal um eine Neubausiedlung in Dorstfeld-Süd.[4]

Nach heftigen Niederschlägen von lokal bis zu 200 l/m² kam es am 26. Juli 2008 im Stadtgebiet von Dortmund zu Überschwemmungen der Emscher und des Roßbaches, die besonders die Ortsteile Dorstfeld und Marten trafen. Die Emscher erreichte an vielen Messpunkten neue Hochwasserhöchststände. So wurden am Pegel in Mengede ein Wasserstand von über 520 Zentimetern, bei einem üblichen Pegel von etwa 100 Zentimetern, gemessen.

Überregionale Aufmerksamkeit bekam der Stadtteil Ende 2009, nachdem bekannt wurde, dass eine antifaschistisch aktive Familie monatelangen Übergriffen ausgesetzt war. Mehrmals wiesen Zeitungen sowie Fernsehmagazine auf die starke Neonazi-Szene im Stadtteil hin, die sich durch Übergriffe auf Andersdenkende und Ausländer bemerkbar machte. Sven Kahlin, eine wegen Totschlags an einem Punk verurteilte Führungsgestalt der inzwischen verbotenen Gruppe Nationaler Widerstand Dortmund, die vorrangig in diesem Stadtteil tätig ist, forderte im März 2010: Dortmund ist und bleibt unsere Stadt! gemäß dem Konzept der National befreiten Zonen.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einw.
1987 16.249
2003 16.022
2008 15.568
2013 15.295

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2015 lebten 15.395 Einwohner in Dorstfeld. Strukturdaten der Bevölkerung Dorstfelds: Minderjährigenquote: 20.3 % (Dortmunder Durchschnitt: 19,4 %), Altenquote: 28,4 % (Dortmunder Durchschnitt 30,0 %), Ausländeranteil: 17,1 % (Dortmunder Durchschnitt 16,3 %), Arbeitslosenquote: 13,5 % (Dortmunder Durchschnitt 12,3 %). Das Durchschnittseinkommen liegt ca. 15 % unter dem Dortmunder Durchschnitt.

Räumliche Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorstfeld ist historisch in verschiedene Bereiche aufteilbar. Bis in das 20. Jahrhundert hinein stellte die Emscher die Grenze zu Dortmund dar. Dorstfeld hatte einen Ortskern am Hellweg, direkt westlich der Emscher. Die beiden Kirchen der evangelischen und katholischen Gemeinden Dorstfeld befinden sich hier. Auch heute findet auf dem Wilhelmsplatz noch ein Wochenmarkt statt. Die Stadtbahn durchquert die historische Mitte in Ost-West-Richtung (U43 und U44). Nur wenig südlich des Ortes befindet sich der S-Bahn-Knotenpunkt Dortmund-Dorstfeld, an dem die S-Bahn-Linien 1, 2 und 4 halten.

Um Wohnraum für die Arbeiter der Zeche Dorstfeld zu schaffen wurde in Zechennähe, an der heutigen Wittener Straße und damit weit südwestlich des Dorstfelder Ortes die Siedlung Oberdorstfeld (im Volksmund auch Oberdorf) errichtet, die der gesamten Gegend bis heute den Namen gibt. Oberdorstfeld besitzt eine eigene Gemeinde.

Um den historischen Ortskern sprachlich von Oberdorstfeld abzugrenzen, wird Ersterer heute oft mit Unterdorstfeld (auch Unterdorf oder Dorstfeld Mitte) bezeichnet.

Nach der Eingemeindung in die Stadt Dortmund hat sich das Gebiet Dorstfelds weiter nach Osten über die Emscher ausgedehnt. Im Südosten entstand die Zeche Tremonia, ein Industriegebiet und der Güterbahnhof Dortmunder Feld, in dessen Nähe direkt an der Emscher die Siedlung Tremonia errichtet wurde, die noch heute im Volksmund Negerdorf (die Zeche hatte keine eigenen Waschkauen, aus diesem Grund mussten die Bergleute schwarz, bzw. ungewaschen ihren Heimweg antreten, daher der Begriff Negerdorf) genannt wird.

Östlich der Emscher, an der heutigen Rheinischen Straße, der Hauptzufahrtsstraße in die Innenstadt, entstand weitere, dichte Bebauung und Industrie. Die Grenze zur Innenstadt ist die Dorstfelder Brücke, auch wird der gesamte Bereich zwischen Dorstfeld und der Brücke oft Dorstfelder Brücke genannt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde eine weitere Siedlung zwischen Dortmunder Feld und Oberdorstfeld errichtet. Große Teile der Siedlung bestehen aus flacher Wohnbebauung, architektonisch und höhenmäßig herausragend ist der Hannibal. Die Siedlung wurde mit dem unterirdischen Bahnhof Dortmund-Dorstfeld Süd an die damals (zu Teilen auf den Gleisen der stillgelegten Zeche Dorstfeld) neu errichtete Linie S1 angeschlossen und wird daher oft Dorstfeld Süd genannt, oft aber auch zu Oberdorstfeld gerechnet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Schulte Witten Dortmund

Als sehenswert gelten das heute als öffentliche Bibliothek dienende Haus Schulte-Witten, die DASA – Arbeitswelt Ausstellung als Bestandteil der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und der in der Nähe gelegene Revierpark Wischlingen. Dorstfeld hat ein eigenes Hallenbad und viele Sportvereine. Bemerkenswert ist auch die denkmalgeschützte evangelische Kirche.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dortmund-Dorstfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresbericht Dortmunder Statistik 2014 – Bevölkerung (PDF-Datei)
  2. Rudolf Kötzschke (Hrsg.): Die Urbare der Abtei Werden a. d. Ruhr (= Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde XX: Rheinische Urbare). Bd. 2: A. Die Urbare vom 9.–13. Jahrhundert, hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978; Bd. 3: B. Lagerbücher, Hebe- und Zinsregister vom 14. bis ins 17. Jahrhundert, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978; Bd. 4,I: Einleitung und Register, I. Namenregister, hrsg. von Fritz Körholz, Düsseldorf 1978; Bd. 4,II: Einleitung, Kapitel IV: Die Wirtschaftsverfassung und Verwaltung der Großgrundherrschaft Werden, Sachregister, hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1958.
  3. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 227.
  4. Rainer Guski: Auswirkungen von Schadstoffen, Lärm und Radioaktivität. In: Vorlesung Einführung in die Umweltpsychologie WS 2000/2001. Archiviert vom Original am 20141221055717; 315,58 kB, abgerufen am 11. November 2014 (PDF).
  5. Kahlins Aussage auf einem Server dieser Gruppe am 29. März 2010, abgerufen am 3. Oktober 2012. Obwohl die Gruppe und ihr „Infoportal“ im August 2012 vom Innenministerium NRW verboten worden waren, blieb die Webseite weiter online. Daneben enthält Kahlins namentlich gezeichneter Beitrag die szene-üblichen Beschimpfungen des Staates als „todkrankes System“ und „sterbende Ratte“. Kahlin wurde im Herbst 2010 wegen günstiger Sozialprognose („neue Taten seien nicht zu erwarten“, also keine Wiederholungsgefahr WAZ) vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen. Im November 2011 griff er erneut zwei Jugendliche an und verletzte sie schwer WAZ. Kahlin wurde dafür zu einer Haftstrafe verurteilt, eine günstige Sozialprognose wurde diesmal verneint. Spiegel-Online
  6. Ehemalige Abgeordnete im Landtag NRW abgerufen am 25. April 2013