Klinikum Am Urban

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Vivantes Klinikum Am Urban
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Trägerschaft Vivantes
Ort Berlin, Deutschland
Koordinaten 52° 29′ 39″ N, 13° 24′ 31″ OKoordinaten: 52° 29′ 39″ N, 13° 24′ 31″ O
Versorgungsstufe Notfallkrankenhaus[1]
Betten 579
Gründung 1887
Website www.vivantes.de/kau/
Klinikum Am Urban

Das Klinikum Am Urban (kurz KAU genannt, offizielle Bezeichnung Vivantes Klinikum Am Urban, umgangssprachlich auch Urbankrankenhaus) ist das einzige Krankenhaus im Berliner Ortsteil Kreuzberg und wird vom landeseigenen Krankenhausbetreiber Vivantes betrieben.

Rund 220 Ärzte und 360 Pflegekräfte sind in zwölf medizinischen Fachabteilungen und der zentralen Notaufnahme tätig (Stand: 2010). Das Klinikum verfügt über 579 Betten und ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. In der Klinik werden jährlich rund 56.000 Patienten behandelt, 32.000 davon ambulant.

Das Krankenhaus ist wie der nahegelegene Urbanhafen und die vorbeiführende Urbanstraße nach einem alten Feuchtgebiet mit dem Namen Urban benannt, das mit dem Bau des Landwehrkanals trockengelegt worden war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel Dieffenbachstr. 1 Krankenhaus am Urban

Altbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1862 stiftete Wilhelmine Eleonore Ottilie Beschort (1812–1881), Tochter des Sängers und Schauspielers Friedrich Jonas Beschort, der Stadtgemeinde Berlin 400.000 Mark für den Bau einer Krankenheilanstalt. 1878 beschloss der Magistrat von Berlin den Bau eines städtischen Krankenhauses auf dem Urban. Als Wilhelmine Eleonore Ottilie Beschort 1881 starb, hatten sich durch Zinsen 600.000 Mark Stiftungsgelder angesammelt, die etwa ein Fünftel der Baukosten abdeckten. Im Vestibül des Haupthauses wurde ihr zu Ehren eine marmorne Gedenktafel angebracht.[2] 1887 wurde mit dem Bau des III. städtischen Krankenhauses begonnen. Bis dahin hatte Berlin trotz der damals bereits knapp 1,6 Mio. Einwohner lediglich zwei städtische Krankenhäuser (seit 1874 das Krankenhaus Friedrichshain und seit 1875 das Krankenhaus Moabit), obgleich die preußische Gesetzgebung bereits seit 1835 von Städten über 5000 Einwohnern „eine ausreichende Anzahl Heil- und Pflegeanstalten in eigener Regie“ verlangte. Das Krankenhaus Am Urban wurde bis 1890 nach den Plänen des Architekten Hermann Blankenstein in offener Pavillonbauweise errichtet. Das über 574 Betten verfügende Krankenhaus begann seinen Betrieb mit der Aufnahme der ersten Patientin am 10. Juni 1890. Der ursprüngliche Komplex bestand mit wenigen Veränderungen bis zum Zweiten Weltkrieg. Bei einem Luftangriff am 22. November 1943 starben 20 Mitarbeiter und 29 Patienten[3]; rund ein Drittel der Gebäude wurde zerstört.

Am 11. März 1933 erstürmte die nationalsozialistische SA unter Leitung des späteren Berliner Polizeipräsidenten Wolf-Heinrich Graf von Helldorf das Krankenhaus Am Urban und besetzte es. Die beiden jüdischen Leiter und mehrere jüdische Ober- und Assistenzärzte wurden entlassen, jüdische Mitarbeiter verhaftet und vertrieben. Seit 1988 erinnert eine Gedenktafel am Haupteingang Dieffenbachstraße 1 daran. Aufgrund des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurden zwischen 1933 und 1945 Zwangssterilisationen und -abtreibungen durchgeführt.

Der Altbaubereich wurde im Jahr 2008 bis auf ein Gebäude für 13,5 Mio. Euro an eine aus Anwohnern bestehende private Bietergemeinschaft verkauft. Inzwischen ist das alte Krankenhausgelände, nahe dem Graefekiez, in Wohn-, Sozial- und Gewerberaum umgewandelt.[4]

Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1966 war Baubeginn des ersten Neubaus eines städtischen Krankenhauses in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg, die Grundsteinlegung nahm der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt am 15. Juni 1966 vor. Am 28. August 1970 erfolgte die Einweihung im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann des nach den Plänen des Architekten Peter Poelzig in Stahlbeton-Skelettbauweise errichteten Neubaues, bestehend aus einem Versorgungs- und Behandlungstrakt sowie dem neungeschossigen V-förmigen Bettenhaus. Im Jahr 1971 ging das ehemalige Gertraudenhospital in das Krankenhaus Am Urban über. 1976 wurde es Akademisches Lehrkrankenhaus der Freien Universität. 1981 erhielt der Neubau eine Intensivstation mit OP-Trakt als Erweiterung. Umfangreiche Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen wurden 1987 vorgenommen. 1994 wurde ein Hubschrauberlandeplatz in Betrieb genommen, der bis 2008 existierte und inzwischen durch eine Grünanlage ersetzt wurde. 2001 übernahm der landeseigene Berliner Krankenhausbetreiber Vivantes das Krankenhaus.

Persönlichkeiten, die an dieser Einrichtung wirkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Fraenkel (1848–1916) – entdeckte 1886 den Erreger der Lungenentzündung; er war ab 1890 Direktor des neu erbauten Krankenhauses und leitete zugleich dessen Innere Abteilung.
  • Werner Körte (1853–1937) – leistete Bahnbrechendes auf den Gebieten der Gallen- und Bauchspeicheldrüsen-Chirurgie; er war von 1889 bis 1924 Direktor der Chirurgischen Abteilung.
  • Carl Benda (1857–1932) – war an der Entdeckung der Mitochondrien beteiligt (Benennung 1898 durch ihn) und erkannte als Erster, dass die Akromegalie mit Tumoren in der Hirnanhangdrüse zusammenhängt; er leitete ab 1896 das Pathologische Institut.
  • Leonor Michaelis (1875–1949) – von 1906 bis 1922 Leiter des Bakteriologischen Labors, begründete die Michaelis-Menten-Theorie der Enzymkinetik, untersuchte den Einfluss des pH-Wertes auf Enzymreaktionen, entwickelte geeignete Methoden zur Mitochondrienfärbung u. a.
  • Hermann Zondek (1887-1979) – veröffentlichte 1923 ein wichtiges Lehrbuch zum Verständnis der Hormonproduktion beim Menschen und zur Behandlung hormoneller Krankheiten. Er war von 1926 bis zu seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten Ärztlicher Direktor und Leiter der Inneren Abteilung.
  • Heinrich Teitge (1900-1970) – war bereits seit 1930 Mitglied von NSDAP und SS. Nach einer Tätigkeit als Oberarzt im Krankenhaus Moabit erhielt er 1935 die Position als Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Am Urban, die er bis 1945 ausübte. Eine seiner zahlreichen Funktionen im Nationalsozialismus war die Leitung der Gesundheitsverwaltung im besetzten Polen.
  • Helga Mucke-Wittbrodt (1910-1999) – arbeitete seit 1936 als Ärztin im Krankenhaus Am Urban. Nach der Eroberung Berlins durch die Rote Armee war sie ab April 1945 vorübergehend Ärztliche Direktorin. Im August 1945 wechselte sie in gleicher Funktion an das Städtische Krankenhaus Berlin-Tempelhof. 1948 übersiedelte sie nach Ost-Berlin und übernahm leitende Funktionen im Gesundheitswesen der DDR.
  • Max Madlener (1898–1989) – von 1950 bis 1964 Chefarzt der Chirurgie[5]
Eines der Motive im Rahmen des Festival of Lights 2014

Festival of Lights[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Festival of Lights 2014 wurde die hafenseitige Fassade des Hauptgebäudes mit unterschiedlichen Motiven aus dem Bereich der Medizin angestrahlt. Die Motive wechselten täglich und wiederholten sich in einer Schleife bis zum Ende des Festivals.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Schwenk: Lexikon der Berliner Stadtentwicklung. Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung, Berlin 2002, ISBN 3-7759-0472-7, S. 159.
  • Reinhard Bolk: Das Krankenhaus am Urban - Medizingeschichtliche Untersuchung eines Krankenhauses der Stadt Berlin 1887–1945. Westkreuz-Verlag, Berlin/Bonn 1984, ISBN 3-922131-34-4.
  • Fritz Munk: Das medizinische Berlin um die Jahrhundertwende. Verlag Urban & Schwarzenberg, München/Berlin 1956, ISBN 3-541-02022-9.
  • Matthias Heisig: 125 Jahre Klinikum Am Urban, 1890–2015. Hrsg. vom Vivantes Klinikum Am Urban, Berlin 2015, ISBN 978-3-00-050020-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krankenhaus Am Urban – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. runterscrollen PDF Datei anklicken - Krankenhausplan 2010 des Landes Berlin (pdf; 4,1 MB)
  2. Chronik Berlin: Ins Suchfenster Krankenhaus am Urban eingeben; abgerufen am 17. April 2015.
  3. Matthias Heisig: 125 Jahre Klinikum Am Urban, 1890–2015. Hrsg. vom Vivantes Klinikum Am Urban, Berlin 2015, S. 61.
  4. Website des Architektenbüros Graetz Architekten
  5. W. Hüsten: Prof. Dr. Max Madlener zum 70. Geburtstag. In: Medizinische Welt, 25, Schattauer Verlag, Stuttgart 1968, S. 2515 f.