Uwe Lausen

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Uwe Lausen (* 15. Januar 1941 in Stuttgart; † 14. September 1970 in Beilstein bei Stuttgart) war ein deutscher Maler, der in Teilen seiner bildnerischen Ausdruckskraft u.a. an Francis Bacon und Lucian Freud erinnert.

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heirat mit Heide Uta Stolz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uwe Lausen war der Sohn des Bundestagsabgeordneten Willi Lausen (SPD) und dessen Ehefrau. Er heiratete 1962 die Künstlerin und Fotografin Heide Uta Stolz (* 2. Februar 1939 in Kupferzell; † 28. März 1985 in Aschhofen), eine Tochter des Apothekers Karl Stolz und seiner Ehefrau Martha, geb. Bauer aus Kupferzell und Enkelin des Brauerei-, Gasthof- und Großgrundbesitzers Richard Bauer und seiner Ehefrau Marie.[1] Aus der Ehe von Uwe Lausen mit Heide Uta Stolz stammen die Töchter Lea, geboren 1963, und Jana, geboren 1966. Heide Uta Stolz ist die verstorbene Schwester von Kunigunde Dinnendahl, verwitwete Brecht, geb. Stolz (* 1937 in Kupferzell), die heute noch, im hohen Alter von 78 Jahren, als ehrenamtliche Betreuerin von Obdachlosen in Heidelberg arbeitet.[2]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begegnungen SPUR und die Situationistische Internationale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem an der Eberhard Karls Universität in Tübingen begonnen und an der Ludwig-Maximilians-Universität München fortgesetzten, jedoch bald wieder abgebrochenen Philosophie- und Jurastudium, begann Uwe Lausen 1961 im Umfeld der Künstlergruppe SPUR zu malen, nachdem er zunächst zusammen mit seinem Schulfreund Frank Böckelmann die Literaturzeitschrift ludus ins Leben gerufen hatte.

Über die Künstlergruppe SPUR fand der Autodidakt Uwe Lausen Kontakt zur Situationistischen Internationale, einer kulturrevolutionären Bewegung um Guy Debord und Asger Jorn, der er bis 1965 angehörte. Guy Debord verhalf Lausen zu einer Anstellung im Zentralrat der Gruppe.

Erste Ausstellung Galerie Springer in Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühen Werke von 1961/62, die im Sommer 1962 in der Galerie Springer in Berlin erstmals präsentiert wurden, zeugen von diesem kulturellen Umfeld: Sie zeigen einen stark an CoBrA und SPUR orientierten gestisch-figurativen Ansatz. Kurz zuvor war Lausen wegen gotteslästerlicher und pornographischer Äußerungen in dem von ihm, für die Zeitschrift SPUR 6 verfassten Artikel Brief eines Zurückgebliebenen zu drei Monaten Jugendarrest verurteilt worden.[3]

1963, inzwischen mit der Fotografin Heide Uta Stolz verheiratet und Vater einer Tochter, löste sich Lausen von seinen Vorbildern, nachdem bereits im Jahr zuvor mit dem Ausschluss der Künstlergruppe SPUR aus der Situationistischen Internationale der persönliche Kontakt zu den Münchner Künstlerfreunden nachgelassen hatte. In einer stark experimentellen Phase fand Lausen nun – auch unter Zuhilfenahme der Collage und Assemblage – über eine an Hundertwasser orientierte ornamentale Linie hin zu Körpernahsichten, ein Thema, das ihn auch in seinen weiteren Werken immer wieder beschäftigte. Seit 1964 lebte Lausen mit seiner Familie auf einem Bauernhof in Aschhofen, ca. 50 km südöstlich von München.

Ausstellungen und Begegnungen durch Friedrich & Dahlem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Franz Dahlem, den Uwe Lausen Anfang der 1960er Jahre in München kennengelernt hatte, stand er in engem Kontakt zur Galerie Friedrich & Dahlem, die 1963 in München ihre ersten Ausstellungsräume eröffnet hatte.

Lausen zeigte dort nicht nur 1964 und 1966 in zwei Ausstellungen seine jeweils aktuellen Werke, sondern wurde auch durch Friedrich & Dahlem mit den Arbeiten von Künstlern wie Francis Bacon, Cy Twombly, Allen Jones, Gerhard Richter und vielen Anderen bekannt und konnte sie dort im Original studieren. In seinen eigenen Arbeiten bis 1965 werden diese Einflüsse sichtbar. Es gelang Uwe Lausen diese frei und ungezwungen, in einer eigenständigen Ausdrucksform zu verbinden.

In den Fotografien seiner Frau, der Fotografien Uta Heide Lausen, entstanden durch environmentartige Einbindungen von Personen und/oder Objekten vor den großformatigen Werken von Uwe Lausen neue kongeniale künstlerische Schöpfungen.

Thematisierung von Gewalt, Trennung und Vereinsamung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1966, im Geburtsjahr seiner zweiten Tochter, entwickelte Lausen, vor dem Hintergrund der nun auch in Deutschland stark präsenten Pop-Art, eine Phase realistischer Ausdrucksweise, verbunden mit einer beinahe brutalen Thematisierung von Gewalt.

Viele Werke von Uwe Lausen aus diesen Jahren, transformieren das damalige politische Klima in der Bundesrepublik, mittels seiner künstlerischen Ausdrucksstärke, zu bildnerischen Zeitdokumenten und Manifesten in Gemälden. Diese Epoche seines Schaffens wird auch in weiten Kreisen als seine bedeutendste erachtet.

Zusammen mit ihren Töchtern Lea und Jana, zogen Uwe und Heide Lausen 1968 wieder nach München. Lausens stetig gesteigerter Drogenkonsum sowie die, spätestens für 1969 dokumentierte, Trennung von seiner Frau führten ihn immer tiefer in die Vereinsamung. In seinen Werken zeichnete sich dies in einer deutlich reduktionistischen Darstellungsweise. In seinen Gemälden wiederholen sich nun verloren wirkende Einzelmotive wie Waschbecken, Stühle, Tuben, innerhalb großer Farbflächen plakativ auf die Leinwand gesetzt, auf meist menschenleerer Bildfläche.

1969 schließlich fand Uwe Lausens künstlerisches Schaffen sein Ende, nachdem er den Auftrag zu einem Bühnenbild für Peter Steins Inszenierung von Edward Bonds Early Morning am Schauspielhaus Zürich nicht fertig gestellt hatte.

Am 14. September 1970, nach einem rastlosen Jahr ohne festen Wohnsitz, beendete Uwe Lausen sein Leben im Hause seiner Eltern in Beilstein bei Stuttgart.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1962 Galerie Rudolf Springer, Berlin
  • 1963 Galerie Märcklin, Stuttgart; Galerie Casa, München (Katalog)
  • 1964 Galerie Friedrich & Dahlem, München
  • 1965 Galerie Margarete Lauter, Mannheim
  • 1966 Galerie Friedrich & Dahlem, München (Katalog, Reprint 2006 in: »Uwe Lausen, Daniel Richter«, Contemporary Fine Arts, Berlin, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln); Galerie Strecker, Berlin
  • 1968 Galerie Gmurzynska, Köln (Katalog); Galerie Stangl, München (Katalog)
  • 1971 Galerie Ruth Berner, Stuttgart
  • 1972 Galerie Franzius, München
  • 1973 Galerie Gunzenhauser, München (Katalog)
  • 1984 Kunstraum München (Katalog); Städtische Galerie im Lenbachhaus, München (Katalog)
  • 1986 Galerie Lore Saußele, Bietigheim-Bissingen (Katalog)
  • 1992 Galerie Gunzenhauser, München (Katalog)
  • 1994 Galerie Klewan, München
  • 1996 Kunstverein Augsburg
  • 2000 Galerie Markt Bruckmühl, Oberbayern
  • 2005 Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart, Schloss Dätzingen
  • 2006 Contemporary Fine Arts, Berlin (Katalog); Galerie Marie-José van de Loo, München
  • 2007 Akademie der bildenden Künste, Wien
  • 2008 Uwe Lausen-Raum im Rahmen der ständigen Sammlung, Pinakothek der Moderne, München; Galerie Gunzenhauser, München
  • 2010 Ende schön, alles schön, Ausstellung: Schirn Kunsthalle Frankfurt, Museum Villa Stuck München, Sammlung Falckenberg Hamburg
  • 2010 Retrospektive in den Phoenix-Hallen Hamburg-Harburg (22. Oktober 2010 bis 23. Januar 2011)

Literatur und Quellen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Selima Niggl,Uwe Lausen. Werkverzeichnis der Gemälde 1961-1969, Bremen 2010
  • Selima Niggl, Pia Dornacher, Max Hollein (Hrsg.),Uwe Lausen. Ende schön alles schön, Ausst.-Kat. Frankfurt am Main 2010 (Schirn Kunsthalle), Bremen 2010
  • Contemporary Fine Arts: Uwe Lausen – Daniel Richter, Ausst.-Kat. Berlin 2006 (CFA), Berlin 2006
  • Galerie Gunzenhauser: Uwe Lausen. Ölbilder und Zeichnungen 1962-1969, Ausst.-Kat. München 1992 (Galerie Gunzenhauser), München 1992
  • Städtische Galerie im Lenbachhaus (Hrsg.): Uwe Lausen. Bilder, Zeichnungen, Texte, Ausst.-Kat. München 1984 (Städtische Galerie im Lenbachhaus), München 1984
  • Uwe Lausen: The comic strip. Rosamund geht spazieren. Erschienen anlässlich der Ausstellung Uwe Lausen im Kunstraum München, München 1984
  • Axel Hinrich Murken: Zwischen Himmel und Hölle am Rande der Wahrnehmung. Das ungewöhnliche Leben und Werk des Künstlers Uwe Lausen (1941-1970). In: Kunst-Nachrichten Band 16, Heft 5, Zürich 1980, S. 113-123, wieder abgedruckt in: Uwe Lausen 1941-70. Ausst.-Kat. München 1984 (Kunstraum), München 1984.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Das alltägliche Leben ist die einzige Möglichkeit für die zukünftige Kunst. Wir müssen nach radikalen Freunden suchen - solche gibt es ja. Die Alten sagen: 'In unserer Jugend waren wir radikal' Das stimmt. In ihrer Jugend lebten sie noch. Man hat dann vergessen, was man wollte. Man schläft. Man ist tot. Wir müssen diejenigen aufrufen, die wach sind, die Schläfrigen aus dem Schlaf rütteln und die Toten begraben. Das heisst: wir müssen anfangen.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Startseite >> Historie >> Heide Uta Stolz
  2. Kunigunde Dinnendahl, Mitglieder von Obdachlosen e.V. in Heidelberg
  3. Spex #325 (März/April 2010)
  4. Ingeborg Wiensowski: Jenseits des Hypes. Die wichtigsten Kunstschauen 2010. Spiegel Online, 29. Dezember 2009, abgerufen am 7. Mai 2017.