Valencianische Sprache

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Valencianisch (valencià)

Gesprochen in

Spanien (in Valencia und Katalonien)
Sprecher 2,4 Millionen (2004)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von SpanienSpanien Spanien
Sprachcodes
ISO 639-1:

ca (Katalanisch)

ISO 639-2:

cat (Katalanisch)

ISO 639-3:

cat (Katalanisch)

Dialekte der katalanischen Sprache am Golf von Valencia, den Balearen und Sardinien.

Als Valencianisch, auch Valenzianisch (Eigenbezeichnung valencià; spanisch valenciano), wird die in der Autonomen Gemeinschaft Valencia (Spanien) gesprochene Varietät der katalanischen Sprache bezeichnet. Vor allem aus politischen Gründen wird häufig auch die Position verfochten, Valencianisch sei als eigenständige Sprache anzusehen. Seit 1982 ist das Valencianische gemäß Artikel 7.2 des Autonomiestatuts von Valencia neben dem Spanischen Amtssprache der Region.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell valencianisch-sprachige Gebiete in der Comunitat Valenciana

Valencianisch als Varietät der katalanischen Sprache, die in der Valencianischen Gemeinschaft gesprochen wird, ist in den Küstengebiete der Region Valencia und im Carxe genannten angrenzenden Gebiet in der Region Murcia verbreitet. Das Landesinnere und der Süden der Region Valencia sind dagegen traditionell spanischsprachig.[2] Viele Ortsnamen sind zweisprachig.

Während in den großen Städten Valencia und Alicante die Mehrheit der Einwohner Spanisch spricht, wird in ländlichen Gegenden mit wachsendem Selbstbewusstsein das Valencianische gepflegt. Auch während der Diktatur des Franquismus wurde auf den Dörfern Valencianisch gesprochen, obgleich es in der Nachkriegszeit verboten war. Das Valencianische wird auch darum mit Protest gegen Madrid und Zentralismus assoziiert. Bis heute fällt es vielen alten Valencianern schwer, sich in der spanischen Sprache auszudrücken. Daher galt das Valencianische bei den Stadtbewohnern auch lange Zeit als „Bauernsprache“. Mittlerweile benutzen jedoch vor allem junge Intellektuelle der Region das Katalanische und Valencianische. Einige verbinden damit eine Idealisierung des Lebens an der Mittelmeerküste und das politische Ziel eines von Spanien unabhängigen Staates durch den politischen Zusammenschluss aller katalanischsprachigen Gebiete (Països Catalans).

Zweisprachiges Verkehrsschild in Valencia

Seit Anfang der 1990er Jahre läuft die Erziehung an Schulen bilingual und hat sich inzwischen häufig deutlich zum Valencianischen hin verschoben, das heißt, Hauptunterricht, Schulbücher und Examensaufgaben sind in Valencianisch, Kastilisch ist nur noch Unterrichtsfach. Wer sich in der Region Valencia für eine Beamtenstelle bewirbt, hat Vorteile, wenn er Valencianisch spricht und vor allem korrekt schreibt. Es gibt valencianische Fernsehsender, deren aktuelles Programm auf Valencianisch läuft. Aber auch in so einem Fernsehprogramm kommt es oft vor, dass beispielsweise die Gäste einer Talkshow bunt gemischt auf Valencianisch und Spanisch diskutieren. In valencianischen Fernsehprogrammen gibt es anders als in Katalonien keine Filme mit katalanischer Synchronisation.

Kontroverse um eine Abgrenzung zum Katalanischen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Status des Valencianischen – ob es als eigenständige Sprache oder als Varietät des Katalanischen anzusehen ist – wird seit langem kontrovers diskutiert (siehe auch den vergleichbaren Fall des Balearischen).

Im ländlichen Raum unterscheiden sich Aussprache und Wortschatz teilweise von Ort zu Ort, es handelt sich um ein Dialektkontinuum mit fließendem Übergang zwischen den Regionen Katalonien und Valencia. Die valencianischen Dialekte werden zur Gruppe der westkatalanischen Dialekte gezählt, zu der auch die westlichen Gebiete Kataloniens, der katalanischsprachige Teil Aragoniens und Andorra gehören. Es gibt im Valencianischen Besonderheiten in der Lexik und Grammatik. Die Orthografie wird wie im restlichen katalanischen Sprachgebiet gelehrt und geht auf die so genannten Normen von Castelló aus dem Jahre 1932 zurück, die unter Anpassung an die valencianischen Spracheigenschaften die Normen übernimmt, die Pompeu Fabra Anfang des 20. Jahrhunderts in Katalonien etabliert hatte. Eigenheiten des Valencianischen werden aber manchmal auch in die Schriftsprache übernommen, beispielsweise werden die Possessiva „mein, dein, sein/ihr“ nicht wie im Standardkatalanischen mit v, sondern mit u geschrieben – „la meua, la teua, la seua“ statt „la meva, la teva, la seva“. Die erste Person Singular wird mit -e statt mit -o gebildet („jo cante“) und es gibt unterschiedliche Wörter, beispielsweise für „Kartoffel“ und „Mädchen“. Auch die Prosodie unterscheidet sich insgesamt vom Ostkatalanischen. Das Valencianische kann jemand, der das Katalanische beispielsweise aus Barcelona kennt, verstehen, muss sich aber einhören, während etwa ein Sprecher aus Lleida keine Schwierigkeiten haben wird, da auch die dortige Varietät zum Westkatalanischen gehört.

Linguistic map Southwestern Europe.gif

Die These, dass das Valencianische eine eigenständige Sprache gegenüber dem Katalanischen sei, vertreten dagegen vor allem konservative, auf einen zentralspanischen Nationalismus ausgerichtete politische Kräfte. Ihr Ziel ist die Schwächung des katalanischen Nationalismus in der Region Valencia. Der dort seit 1995 regierende konservative Partido Popular hat die These der Eigenständigkeit der valencianischen Sprache aus diesem Grund stark gefördert. Für die Eigenständigkeitsthese werden vor allem politische Gründe vorgebracht, die häufig mit einem starken Antikatalanismus einhergehen. Als sprachhistorisches Argument wird angeführt, dass das Valencianische seit ungefähr dem 15. Jahrhundert im Königreich València eine eigene Bezeichnung (valenciano bzw. valencià) hatte. Als Hauptargument gilt, dass das Valencianische sich eigenständig aus dem Mozarabischen herausgebildet habe. Diese Hypothese wurde allerdings von Germà Colon widerlegt, wie viele romanistische Linguisten – auch der Universität Valencia – anerkennen. Die Acadèmia Valenciana de la Llengua, nach Artikel 41 des valencianischen Autonomiestatuts Wächterin über die valencianische Sprache, äußerte sich am 9. Februar 2005 zur Sprachfrage, gemäß „den überzeugendsten Beiträgen der Romanistik“ ab dem 19. Jahrhundert sei die eigene Sprache der Valencianer „vom philologischen Standpunkt aus“ mit der Sprache der übrigen Països Catalans (dabei die Regionen einzeln ausgeführt) „gemein“: „Die verschiedenen Sprechweisen dieser Gebiete bilden eine Sprache“, ungeachtet der unterschiedlichen Bezeichnungen.[3]

Da das Valencianische international nicht als eigenständige Sprache klassifiziert wird, teilt es sich die ISO-639-Sprachkürzel ca und cat sowie den SIL-Code CLN mit dem Katalanischen.

Kenntnis der Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der folgenden Karte wird das Prozent der Bevölkerung jeder comarca gezeigt, die angeben, Valencianisch sprechen zu können:

Comarques Valencianisch.png

Literaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manuel Sanchis Guarner: La llengua dels valencians. Eliseu Climent, València 1996, ISBN 84-7502-082-8.
  • Hans-Ingo Radatz: „Katalanisch“ oder „Valencianisch“? Zum sprachlichen Sezessionismus im Land València. In: Zeitschrift für Katalanistik. Band 6, 1993, ISSN 0932-2221, S. 97–120 (online).
  • Antje Voß: Das Valencianische zwischen Autonomie und Assimilation. Sprachgeschichtliche und soziolinguistische Untersuchungen zu einer spanischen Comunidad Autónoma. Lang, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-631-38552-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(spanisch)

 Commons: Valencianische Sprache – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

(spanisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hadumod Bußmann:Lexikon der Sprachwissenschaft. Kröner, Stuttgart 1990, ISBN 3-520-45202-2, sieht das Katalanische in einer „Übergangszone“ zwischen den Galloromanischen und Iberoromanischen Sprachen.
  2. Una isla valenciana en Murcia. abc.es, 26. Dezember 2011, abgerufen am 7. August 2015 (spanisch).
  3. Diari Oficial de la Generalitat Valenciana vom 6. Mai 2005 (katalanisch, spanisch).