Valeri Brainin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Valeri Brainin (auch Willi Brainin-Passek[1][2][3][4]; russisch Валерий Борисович Брайнин/Walerij Borissowitsch Brainin; * 27. Januar 1948 in Nischni Tagil) ist ein aus Moskau stammender Musikwissenschaftler, Komponist, Pädagoge und Literat.

Wissenschaftliche und öffentliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Valeri Brainin ist der Sohn des österreichischen Dichters und Übersetzers Boris Brainin ("Sepp Österreicher")[5].

Brainin ist Präsident des Russischen Zweiges der Internationalen Gesellschaft für Musikausbildung bei der UNESCO (Russian Federation Society for Music Education – ISME National Affiliate)[6] (Brainin wurde auch für ISME Board of Directors nominiert)[7], Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie und Leiter des Forschungszentrums für Neue Technologien musikalischer und musikpädagogischer Ausbildung der Staatlichen Pädagogischen Universität Moskau. Er ist Vollmitglied der Akademie der Wissenschaften für pädagogische Ausbildung (Russland)[8]. 1997 war er Initiator und künstlerischer Leiter des Internationalen Musikwettbewerbs Classica Nova in Hannover[9], der seitdem nicht mehr stattgefunden hat.[10] Brainin ist auch Autor der Kulturforschungskonzeption „Neue Klassik“.[11][12] Er macht Forschungen im Bereich der mikrotonalen bzw. mikrochromatischen Musik. [13][14]

Pädagogische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Valeri Brainin hat die nach ihm benannte Brainin-Methode zur Entwicklung der musikalischen Intelligenz bei Kindern entwickelt.[15] Die Methode basiert auf Erkenntnissen aus der Semiotik, der Informationstheorie, der strukturellen Linguistik und der Entwicklungspsychologie (Jean Piaget, Lev Wygotski). Außerdem fließen Ideen anderer praktischer Methoden der Entwicklung des musikalischen Hörens und Denkens ein, als da wären: „Absolutes“ Solfeggio, relative Solmisation (Sarah Ann Glover, John Curwen, Agnes Hundoegger, Zoltán Kodály, Carl Orff, Richard Münnich), Silben des estnischen Chorleiters Heino Kaljuste[16], das bulgarische Tonleitermodell „Stolbitzata“ von Boris Tritschkow[17], rhythmische Solmisation (Galin-Paris-Chevé-Methode von Pierre Galin, Emile Chevé und Aimé Paris [18], Music Learning Theory von Edwin Gordon[19]).

Das Hauptanliegen der Brainin-Methode liegt in der Entwicklung der vorausschauenden Wahrnehmung bei potentiellen Hörern ernster klassischer Musik und/oder bei professionellen Musikern.[20][21][22][23] Die meisten wissenschaftlich anerkannten Arbeiten Brainins sind auf russisch veröffentlicht und werden hier nicht angeführt.

Literarische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er bis Anfang der 1990er Jahre war Brainin Mitglied des literarischen Klubs „Poesia“ (russisch Клуб «Поэзия»; unter den Mitgliedern waren u. a. Lew Rubinstein und Dmitri Prigow) in Moskau. Die Gedichte Brainins wurden in russischsprachigen Literaturzeitschriften veröffentlicht, u.a. in Nowyj Mir (Neue Welt), Ogonjok (Feuerchen), Snamja (Banner, Flagge), Moskowski Komsomolez und Literaturnaja Gaseta. Sein Gedicht Dialog (russisch „Я ехал на трамвае в морг“) wurde ins Englische übersetzt und erschien 1994 im amerikanischen Journal Partisan Review.[24]

Gutachten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sofia Gubaidulina. Vorwort zum „Kursus der musikalischen Sprache“ von Valeri Brainin (Faksimile; PDF; 42 kB). Teilweise veröffentlicht auf Russisch in Musykalnaja Akademia, Moskau, 1993, Nr. 1 und auf Italienisch in Be Quadro, Florenz, 1993, Nr. 49–50

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Russisch: Sergej Čuprinin. Schriftsteller des Deutschlands
  2. Чупринин С.: Русская литература сегодня. Зарубежье. Время, М. 2008, ISBN 978-5-9691029-2-7
  3. В. В. Огрызко: Русские писатели. Современная эпоха. Литературная Россия, М. 2004
  4. E. Tichomirova: Russische zeitgenössische Schriftsteller in Deutschland. Ein Nachschlagewerk. Verlag Otto Sagner, München 1998
  5. Literaturhaus Wien
  6. http://russ.isme.org/english
  7. ISME Archiv (Memento vom 19. Juli 2008 im Internet Archive) (19. Juli 2008)
  8. Russisch: Abteilung für Pädagogik und Psychologie der Musikausbildung
  9. Classica Nova auf der Webseite des Deutschen Patentamtes
  10. Classica Nova International Music Competition
  11. Valeri Brainin: Über die Postmoderne und die neue Klassik. In: Neue Musikzeitung. Regensburg, November 2002 (Anfang)
  12. Valeri Brainin: Über die Postmoderne und die neue Klassik. In: Neue Musikzeitung. Regensburg, November 2002 (Fortsetzung)
  13. Valeri Brainin. Ein Brief über gewisse Möglichkeiten der mikrochromatischen Komposition in Zusammenhang mit denkbaren Perspektiven der Evolution der Musiksprache. Veröffentlicht auf Russisch in Musykalnaja Akademia, Moskau 1997, Nr. 3. (PDF; 461 kB)
  14. Valeri Brainin. Die Methode graphischer Darstellungen als Mittel zur Entwicklung des musikalischen Gehörs. Das mikrochromatische Gehör. Das 'farbige’ Gehör. Vorgetragen beim internationalen Symposium „Musikalische Früherziehung in Wien“, Wien, 1991. Veröffentlicht auf Italienisch in „beQuadro“, Fiesole 1992, Nr. 48.
  15. http://brainin.org/Method
  16. Selke, T. Some trends in Estonian music education in the 21st century and public reflections on it. In M. Baroni, A.R. Addessi, R. Caterina & M. Costa (Eds.), Proceedings of the 9th International Conference on Music Perception and Cognition (pp. 615-621). Bologna: Bolonia University Press, 2006
  17. Тричков, Б. «Стълбицата». Български метод за съзнателно нотно пеене. — София: Издателство Култура, 1940
  18. Chevé, E., Paris, N. Méthode élémentaire de musique vocale. — Paris, 1846
  19. Gordon-Gesellschaft Deutschland
  20. Valeri Brainin. Development of "predictive perception" of music in children. // In: A.R.Addessi & S.Young (Eds). MERYC2009. Proceedings of the European Network of Music Educators and Researches of Young Children, Bologna (Italy), 22nd-25th July 2009, pp.135-142. Bologna: Bolonia University Press (ISBN 978-88-7395-472-9), 679 p.
  21. Valeri Brainin. Employment of Multicultural and Interdisciplinary Ideas in Ear Training (“Microchromatic” Pitch. “Coloured” Pitch). // Proceedings: International Society for Music Education 28th World Conference, Bologna, 2008 (ISBN 978-0-9804560-2-8)
  22. Paula Andrea Jaramillo Hernández. Aplicacón del Método Brainin en la enseñanza aprendizaje del piano. // El Artista, noviembre, numero 004, Pamplona, Colombia, 2007, pp. 67-82. (Abstract in English).
  23. Valeri Brainin. Dissection of a musical text as essential to understanding the language of music. // Conference Proceedings of the 23rd World Conference of the ISME, Pretoria, 1998.
  24. Dialogue auf Brainins Website. In: Partisan Review, Vol. LXI, Nr. 2 (Spring 1994), ISSN 0031-2525.
    The American Bibliography of Slavic and East European Studies 1994 by Maria Gorecki Nowak. – Publisher: M. E. Sharpe, 1997. ISBN 978-1-56324-751-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]