Vau-Deja

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vau-Dejë
Vau-Deja
Vau-Deja (Albanien)
Paris plan pointer b jms.svg

Koordinaten: 42° 0′ N, 19° 38′ O

Basisdaten
Qark: Shkodra
Gemeinde: Vau-Deja
Höhe: 25 m ü. A.
Fläche: 31 km²
Einwohner: 8117 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 262 Einw./km²
Telefonvorwahl: (+355) 0261
Postleitzahl: 4008
Struktur und Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Zef Hila (PD)

Vau-Deja (albanisch auch Vau-Dejë, Vau-Dejës, Vau i Dejës) ist eine Gemeinde städtischen Typs (Bashkia) in Nordalbanien im Qark Shkodra. Die Gemeinde hat 30.438 Einwohner (Stand 2011). Ihr wurden 2015 die zuvor selbständigen Gemeinden Bushat (14.149 Einwohner), Hajmel (4430 Einwohner), Shllak (671 Einwohner), Temal (1562 Einwohner) und Vig-Mnela (1509 Einwohner) eingegliedert. Die Gemeinde Vau-Deja hatte im Jahr 2011 8117 Einwohner (Volkszählung 2011).[1] Die Lokalbehörden gaben eine deutlich höhere Zahl von 12.312 Einwohnern (2008) an.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme (2007) mit Mjeda rechts der Bildmitte und Laç im Hintergrund

Vau-Deja liegt rund zehn Kilometer südlich von Shkodra am Fluss Drin, der auch den Ortsnamen geprägt hat: Zu Deutsch bedeutet er Furt von Deja.[3] Der Ort markiert den Übergang zwischen der albanischen Küstenebene – die Adria ist rund 20 Kilometer entfernt – und dem albanischen Bergland. Der Drin, Albaniens längster Fluss, tritt hier aus den Bergen und teilt sich in zwei Arme. Er wird bei Vau-Deja zum Vau-Deja-See gestaut. Gleich unter der Staumauer schließt sich das Spathara-Staubecken an, das zur Energiegewinnung im Rahmen des Wasserkraftwerk Ashta genutzt wird.

Die alte Gemeinde beastand aus einem städtischen Zentrum und acht Dörfern auf einer Fläche von 31 Quadratkilometern.[4] Zentrum ist der Ortsteil Laç-Qyrsaçi, der gleich unterhalb der Staumauer am Südufer des Drin liegt und heute oft einfach Qytet (Stadt) genannt wird. Ein weiterer großer Ortsteil ist Mjeda, zwei Kilometer westlich von Laç. Die Siedlung Deja liegt gegenüber diesen beiden Orten nördlich des Drin am Fuße eines kleinen Hügels. Westlich davon liegt das Dorf Spathar ebenfalls am nördlichen Drin-Ufer beim gleichnamigen Staubecken. In der Ebene südlich von Mjeda verstreut finden sich die Dörfer Shelqet, Koça und Naraç. Im dünn besiedelten Hügelland östlich von Laç liegen die Dörfer Dush und Gomsiqa sowie schon fast am anderen Ende des Stausees Karma. Etwa die Hälfte der Bewohner der alten Gemeinde lebt in den Dörfern.[4]

Die neuen Gemeindeteile liegen zum Teil in der Küstenebene, zum Teil im östlich angrenzenden Bergland. Die Dörfer Vig und Mnela liegen im Tal des Flusses Gjadër südöstlich von Vau-Deja. Das Gebiet von Temal liegt sehr abgeschieden nordwestlich des Koman-Stausees und umfasst die Dörfer Koman, Malagji-Kajvall, Kllogjen, Toplana, Vila, Serma, Arra und Telum. Dasjenige von Shllak mit den Dörfern Kron i Madhë, Beneja, Ukbibaj, Barcolla, Vukjakaj-Gegaj, Palaj-Gushaj und Vukaj schließt sich westlich am Nordufer des Vau-Deja-Stausees an. Das Dorf Hajmel liegt südlich von Vau-Deja im Norden der Zadrima-Ebene. Zur Gemeinde Hajmel mit einem Gebiet von 30,6 Quadratkilometern gehörten auch die Dörfer Dheu i Lehtë, Pistull, Paçram und Nenshat.[5] Bushat, der größte Ort der Region, liegt westlich von Vau-Deja. Zum Gemeindegebiet mit 92,7 Quadratkilometern zählten die Dörfer Bushat, Shkjeza, Plezha, Kosmaç, Stajka, Ashta, Rranxa, Fshat i Ri, Konaj, Melgushë, Mal i Jushit, Barbullush, Kukël und Hotnej.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Römer errichteten in den Hügeln südöstlich bei Vig im 4. Jahrhundert ein Kastell, um die Straße nach Priština gegen ost- und westgotische Attacken zu schützen.[7][8] Sarda (albanisch Shurdhahi) ist eine weitere römische Befestigung. Die auf einem Hügel gelegene Anlage – heute eine Insel im Stausee – wurde aber schon von den Illyrern genutzt. Die Besiedlung des schon fast städtischen Sardas dauerte an bis zur Eroberung Albaniens durch die Osmanen im 15. Jahrhundert.[7][8]

Kirche von Vau-Deja abgebildet auf der Rückseite der 1000-Lek-Banknote, herausgegeben 1997

Im Jahr 1361 wurde in Vau-Deja eine Kirche errichtet, die zu den ganz wenigen nicht-byzantinischen, sondern romanisch-gotischen Gebäuden Albaniens zählt. Die mit Fresken ausgestattete Marienkirche wurde zerstört. Auf der mittelalterlichen Burg finden sich noch die Überreste einer Markuskirche aus dem 14. Jahrhundert.[3][7] Die Furt von Vau-Deja, damals Dagno genannt, war in der vor der osmanischen Besetzung eine wichtige Zollstation. Skanderbeg führte ihretwegen Krieg mit Venedig.[9]

Vau-Deja ist seit 1052 – mit Unterbrechungen – Sitz des Bistums Sapa. Eine neu erbaute, Mutter Teresa geweihte Kathedrale[10] befindet sich im Zentrum von Laç.

Bodensenkungen oder Hochwasser in den Jahren 1858/59 führten dazu, dass die Mehrheit der Wassermassen des Drin sich einen neuen Weg suchte und seither nicht mehr nach Süden und bei Lezha ins Meer fließen, sondern weiter westlich bei Shkodra in die Buna münden.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staudamm

Rund ein Drittel des alten Gemeindegebiets wird landwirtschaftlich genutzt. Ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung war im Jahr 2008 arbeitslos. Es gibt neun Grundschulen und zwei weiterführende Schulen.[4]

In den 1960er Jahren wurde mit dem Bau der Staudämme begonnen, später der See aufgestaut und 1975 das Wasserkraftwerk in Betrieb genommen. Das Wasserkraftwerk gehört zu den größten Stromlieferanten Albaniens.

Das touristische Potenzial des landschaftlich schönen Vau-Deja-Sees wird noch kaum genutzt. Vereinzelte Restaurants und Bars, die auch Zimmer vermieten, sind an seinem Ufer entstanden. Die Möglichkeit, mit Boten die Insel Shurdhahi mit dem antiken Sarda zu besuchen, wird nur vereinzelt genutzt. Bei Touristen beliebter sind Bootsfahrten auf dem Koman-Stausee.

Die Hauptverkehrsstraße SH 1 von Tirana nach Shkodra führt zwischen Bushat und Vau-Deja durch das Gemeindegebiet. Die albanische Eisenbahn Hekurudha Shqiptare verläuft weister östlich bei Vau-Deja, wo sie den Drin quert; in Mjeda befindet sich ein Bahnhof. Zudem führen die Straßen nach Puka (SH 5) und Koman durch den Ort.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ines Nurja: Censusi i popullsisë dhe banesave / Population and Housing Census – Shkodër 2011. Rezultatet Kryesore/Main Results. Hrsg.: INSTAT. Pjesa/Part 1. Adel Print, Tirana 2013 (Dokument als PDF).
  2. Bashkai Vau Dejës. In: Keshilli i Qarkut Shkodër. Archiviert vom Original am 23. März 2012, abgerufen am 7. November 2010 (PDF; 133 kB, albanisch).
  3. a b Nagels Enzyklopädie-Reiseführer Albanien. Nagel Verlag, Genf 1990, ISBN 2-8263-0826-2.
  4. a b c Strategic Development Plan of Vau i Dejes Municipality - Short Version. In: Local Government Information Network. Gemeinde Vau-Deja, 2008, abgerufen am 24. Oktober 2014 (PDF, englisch).
  5. Komuna Hajmel. In: Keshilli i Qarkut Shkodër. Abgerufen am 20. Oktober 2015 (PDF, albanisch).
  6. Komuna Bushat. In: Keshilli i Qarkut Shkodër. Abgerufen am 20. Oktober 2015 (PDF, albanisch).
  7. a b c James Pettifer: Albania & Kosovo – Blue Guide. A & C Black, London 2001, ISBN 0-7136-5016-8.
  8. a b Guntram Koch: DuMont-Kunst-Reiseführer Albanien. DuMont, Köln 1989, ISBN 3-7701-2079-5.
  9. Peter Bartl: Albanien in der Vergangenheit: Vom Mittelalter zur osmanischen Herrschaft. In: Peter Jordan, Karl Kaser, Walter Lukan, Stephanie Schwandner-Sievers, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Österreichische Osthefte. Jahrgang 45, Heft 1/2. Peter Lang 2003, ISSN 0029-9375.
  10. Albania, Macedonia commemorate Mother Teresa on centenary of her birth. In: Foxnews.com. 26. August 2010, abgerufen am 10. November 2010 (englisch).